Mittwoch, 29. Februar 2012

Schumann: Cello Concerto in A minor; Klöckner (Genuin)

Diese CD bietet gleich zwei außer- ordentlich spannende Versionen von Schumanns berühmtem Cellokonzert. Da wäre zum einen eine Bearbeitung für Solocello und Streichorchester von Florian Vygen und Alexander Kahl. Darauf folgt dann gleich noch ein weiteres Arrangement - für vier Celli. Es stammt von Richard Klemm (1902 bis 1988), Cellist in der Staatska- pelle und ab 1958 Professor an der Musikhochschule in Berlin. Er be- arbeitete etliche bekannte Werke für vier Celli, in erster Linie für Unterrichtszwecke. Denn die Schüler sollten das jeweilige Konzert bestmöglich kennenlernen, um schließ- lich den Solopart des Originals souverän und homogen gestalten zu können. 
Solist Benedict Klöckner, Jahrgang 1989 und Gewinner zahlreicher internationaler Wettbewerbe, ist ein Schüler von Professor Martin Ostertag, Karlsruhe, und studiert seit Oktober 2009 an der Kronberg Academy bei Professor Frans Helmerson. Bei dieser Aufnahme ist er von renommierten Kollegen umgeben. So musizieren im Quartett gemeinsam mit ihm Leander Kippenberg, Lukas Sieber und Michael Preuß, die früheren Solocellisten der Deutschen Streicherphilharmo- nie. 
Dieses Elite-Ensemble, in dem die besten Schüler von deutschen Musikschulen im Alter von elf bis 19 Jahren musizieren, ist auch bei der ersten Version des Schumann-Cellokonzertes zu hören. Es wird seit 2003 von Michael Sanderling geleitet, der viele Jahre lang als Violoncellosolist erfolgreich war, in Frankfurt/Main Cello-Studenten unterrichtet, und sich in den letzten Jahren zunehmend aufs Diri- gieren verlegt hat. 
Die Deutsche Streicherphilharmonie gestaltet gemeinsam mit Bene- dict Klöckner die klangschönste Aufnahme des Schumann-Cello- konzertes, die ich kenne. Mit einem derart noblen, singenden Ton war das Werk noch nie zu hören. Das "Concertstück" hat allerdings auch dramatische Passagen - und dort gerät diese Werkauffassung an ihre Grenzen. 
Die Quartett-Version begeistert durch ihre kammermusikalische Transparenz und eine breite Palette an Klangfarben, die von den vier Cellisten sehr gezielt eingesetzt werden. Technische Probleme haben die jungen Musiker ohnehin an keiner Stelle. Wenn das die Profis von morgen sind, dann ist einem um die Zukunft der klassischen Musik hierzulande nicht bange. 

Dienstag, 28. Februar 2012

Zelenka: Il serpente di bronzo (Nibiru)

Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) wirkte als Kontrabassist, Kapellmeister - ohne freilich jemals diesen Titel zu erhalten - und "Kirchen-Compositeur" am Dresdner Hof. Seine Kantate Il serpente di bronzo wurde am Karfreitag 1730 erstmals aufge- führt. Sie gehörte in die Reihe jener italienischen Oratorien, die bis 1825 alljährlich am Karfreitag und Karsamstag in der Hofkirche erklangen. Diese galten nicht dem Passionsbericht, sondern Erzählungen aus dem Alten und Neuen Testament, die mit dem Leiden und Sterben Christi assoziiert wur- den. 
Il serpente di bronzo beruht auf Numeri 21, 4 bis 9; der Librettist, Hofpoet Stefano Benedetto Pallavicini, erfindet dazu drei Figuren - Azaria, Namuel und Egla, um den biblischen Bericht in eine kurze Handlung zu bringen. Das Volk Israel nämlich ist müde geworden, will nicht länger durch die Wüste marschieren und sehnt sich nach Ägyp- ten zurück. Um das Volk zu strafen, sendet Gott, Bass, in seinem Zorn Schlangen aus, die mit einem Biss die Zweifler zum Schweigen bringen und jede Flucht verhindern sollen. Derart bedrängt, wird das Volk schnell wieder fromm - und Mose, Tenor, fleht zu Gott um Hilfe. Der lässt mit sich reden, und weist Mose an, eine Schlange gießen und aufstellen zu lassen. Wer diese Statue ansieht, der soll - wenn er wür- dig ist - geheilt werden. Und dann berichtet Moses von der Vision des an Kreuz genagelten Gottes - und nur, wer ihm seinen Blick zuwendet, der finde Heil und Leben. 
Zelenkas Umsetzung dieser Geschichte erweist sich als außerordent- lich originell und zugleich klangschön. Der Komponist verzichtet beispielsweise auf eine Ouvertüre; er eröffnet und beschließt das Werk mit Doppelchören. Insbesondere in den Klagegesängen und in dem grandiosen Gebet des Mose offenbart Zelenka, dass er sein Handwerk in herausragender Weise verstand. 
Adam Viktora hat das Werk nun mit dem Ensemble Inégal in Welt- ersteinspielung bei dem tschechischen Label Nibiru vorgestellt. Die Aufnahme beeindruckt. Das Ensemble musiziert frisch und rhetorisch versiert, und auch die Sänger sind exzellent. Insbesondere die Soli- sten sind ausgewiesene Experten für "Alte" Musik, die schon an zahl- reichen anderen Projekten mitgewirkt haben. Zu hören sind Hana Blaziková, Sopran, Petra Noskaiová und Alex Potter, Alt, Jaroslav Brezina, Tenor und Peter Kooij, Bass.