Das Kirchenlied ist ein Kind der Reformation. Luther hat selbst etliche Kirchenlieder geschrieben, denn er legte großen Wert darauf, dass der Christ nicht nur liest, sondern auch singt. Und so haben auch Luthers Zeitgenossen und alle späteren Generationen „ihre“ Kirchenlieder verfasst. Auf dieser CD hat das Ensemble Stimmwerck Melodien aus den ersten hundert- fünfzig Jahren dieser Tradition eingesungen. Der zeitliche Rahmen reicht von der Reformation bis zum Dreißigjährigen Krieg. Es sind bekannte Lieder wie O Haupt voll Blut und Wunden, Allein Gott in der Höh sei Ehr oder Wachet auf, ruft uns die Stimme, aber auch weniger geläufige sind dabei. Die Sätze stammen ebenfalls aus derselben Zeit; ihre Schöpfer sind namhafte Musiker wie „Urkantor“ Johann Walter, Michael Praetorius, Melchior Vulpius oder Heinrich Schütz.
Vorgetragen werden sie durch Franz Vitzthum, Klaus Wenk, Gerhard Hölzle und Marcus Schmidl im Stil der damaligen Zeit; so könnte die Hofkapelle einer kleineren protestantischen Residenz im Gottesdienst geklungen haben. Die Gastmusiker lassen daher nicht nur Laute und Orgel, sondern auch Gamben und Zink ertönen. Das bringt Farbe, und sorgt zusätzlich für Abwechslung. Und das Label cpo veröffentlicht die Aufnahmen obendrein im allerbesten Surround-Sound. Sehr hörenswert!
Montag, 31. März 2014
Hasse: Marc'Antonio e Cleopatra (Sono Luminus)
Im Jahre 1721 reiste ein junger deutscher Tenor nach Italien. Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783) entstammte einer Organi- stendynastie aus Bergedorf, heute ein Teil von Hamburg. Er hatte am Hamburger Opernhaus am Gänse- markt und in Braunschweig im Opernhaus am Hagenmarkt gesun- gen, seine erste Oper komponiert, und fand, dass es nun Zeit war, bei den wirklichen Stars seiner Zeit in die Lehre zu gehen.
Damit hatte er Erfolg, berichtet ein anderer Musiker, der ebenfalls in den Süden gegangen war, um seine Ausbildung zu vervollkommnen. „Herr Hasse nöthigte mich bey ihm zu wohnen: Wir wurden gute Freunde“, schreibt der Flötist Johann Joachim Quantz. „Er hatte bis dahin noch keine öffentliche Musik in Wälschland aufgeführet. Ein vornehmer neapolitanischer Bankier aber, ließ von ihm eine Serenate für zwo Personen in Musik bringen, welches er auch Zeit meiner Anwesenheit bewerkstelligte. Farinello und die Tesi sungen darinn. Durch diese Serenate erwarb sich Herr Hasse so vielen Beyfall, daß ihm gleich darauf die Musik, der im May dieses Jahres, auf dem königlichen Theater vorzustellenden Oper, zu verfertigen anvertrautet wurde. Und diese Oper hat ihm den Weg zu seinem künftigen Glücke gebahnet.“
Die „Serenata“ – eine damals sehr beliebte Gattung zwischen Solo- kantate und Oper – aus dem Jahre 1725 erzählt eine Geschichte, die damals jedem gebildeten Menschen bekannt war: Cleopatra und Marcus Antonius begegnen sich nach der verlorenen Schlacht von Actium. Die ägyptische Königin und der römische Feldherr wissen darum, dass ihre Situation ausweglos ist – was eine gute Gelegenheit ist, Gefühlen von Liebe und Leidenschaft bis hin zu Niedergeschlagen- heit, ja Verzweiflung in Duetten und Arien Ausdruck zu verleihen.
Bei der Uraufführung wurde die Rolle des Marcus Antonius durch die Altistin Vittoria Tesi gesungen, die Cleopatra von dem Kastraten Carlo Broschi, bekannter unter dem Namen Farinelli. Entsprechend anspruchvoll sind die Partien – eine schwierige Aufgabe für die Sängerinnen Jamie Barton und Ava Pine, die Hasses Werk nun gemeinsam mit dem Ensemble Ars Lyrica Houston wieder aufgeführt haben. Matthew Dirst dirigierte die Konzerte vom Cembalo aus. Ein Mitschnitt ist als Weltersteinspielung bei Sono luminis erschienen.
Damit hatte er Erfolg, berichtet ein anderer Musiker, der ebenfalls in den Süden gegangen war, um seine Ausbildung zu vervollkommnen. „Herr Hasse nöthigte mich bey ihm zu wohnen: Wir wurden gute Freunde“, schreibt der Flötist Johann Joachim Quantz. „Er hatte bis dahin noch keine öffentliche Musik in Wälschland aufgeführet. Ein vornehmer neapolitanischer Bankier aber, ließ von ihm eine Serenate für zwo Personen in Musik bringen, welches er auch Zeit meiner Anwesenheit bewerkstelligte. Farinello und die Tesi sungen darinn. Durch diese Serenate erwarb sich Herr Hasse so vielen Beyfall, daß ihm gleich darauf die Musik, der im May dieses Jahres, auf dem königlichen Theater vorzustellenden Oper, zu verfertigen anvertrautet wurde. Und diese Oper hat ihm den Weg zu seinem künftigen Glücke gebahnet.“
Die „Serenata“ – eine damals sehr beliebte Gattung zwischen Solo- kantate und Oper – aus dem Jahre 1725 erzählt eine Geschichte, die damals jedem gebildeten Menschen bekannt war: Cleopatra und Marcus Antonius begegnen sich nach der verlorenen Schlacht von Actium. Die ägyptische Königin und der römische Feldherr wissen darum, dass ihre Situation ausweglos ist – was eine gute Gelegenheit ist, Gefühlen von Liebe und Leidenschaft bis hin zu Niedergeschlagen- heit, ja Verzweiflung in Duetten und Arien Ausdruck zu verleihen.
Bei der Uraufführung wurde die Rolle des Marcus Antonius durch die Altistin Vittoria Tesi gesungen, die Cleopatra von dem Kastraten Carlo Broschi, bekannter unter dem Namen Farinelli. Entsprechend anspruchvoll sind die Partien – eine schwierige Aufgabe für die Sängerinnen Jamie Barton und Ava Pine, die Hasses Werk nun gemeinsam mit dem Ensemble Ars Lyrica Houston wieder aufgeführt haben. Matthew Dirst dirigierte die Konzerte vom Cembalo aus. Ein Mitschnitt ist als Weltersteinspielung bei Sono luminis erschienen.
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