Der Berggeist Rübezahl mag Menschen nicht. Zur Strafe für sein rücksichtsloses Benehmen wurde seine Gattin, die mildtätige Nixen- königin Erli, in den Tiefschlaf versetzt – und aufwachen wird sie erst, wenn eine Jungfrau den Zauber löst. Was tun? Rübezahl versucht es mit guten Taten. Er bringt verirrte Wanderer wohlbehalten nach Hause, und übergibt der Tochter obendrein ein Säckel, das ein Vermögen ent- hält.
Doch das Geld bringt Anne kein Glück, denn ihr Vater hält sich nun für einen reichen Mann, und will die Tochter mit dem Geldgeber verheiraten. Anne ist aber bereits verlobt – und gelobt ihrem Heinrich ewige Treue. Rübezahl hat alle Hände voll zu tun, die Verwicklungen zu lösen, die sich daraus ergeben. Und natürlich geht am Ende die Geschichte, die Franz Ignaz Danzi (1763 bis 1826) in seiner Oper Der Berggeist erzählt, gut aus.
Danzi wuchs in Mannheim auf. Seine Ausbildung erhielt er durch den Vater, einen exzellenten Cellisten, und durch den berühmten Abbé Vogler. Als die kurfürstliche Hofkapelle nach München umzog, blieb er zunächst in Mannheim. 1784 wurde er in München Nachfolger seines Vaters in der Position des Solo-Cellisten, später stieg er zum Vize-Kapellmeister auf. Nach einer Zwischenstation in Stuttgart wirkte er ab 1812 als Hofkapell- meister in Karlsruhe.
Auch wenn Danzi heute in erster Linie für seine Instrumentalmusik bekannt ist, war er doch der Oper sehr zugetan und auch ein passionierter Opernkomponist. Der Berggeist oder Schicksal und Treue wurde 1813 im Hoftheater Karlsruhe uraufgeführt. Danzi selbst nannte das Werk eine romantische Oper; allerdings ist diese, anders als beispielsweise Der Freischütz von Carl Maria von Weber, eher durch Ensembleszenen geprägt als durch Arien. Das Übersinnliche ist stets präsent. Und Danzi lässt seine Geister gern dramatisch vom Orchester umwittern, das, bei allen lieblichen Melodien, hier doch eher Farbe liefert.
Frieder Bernius hat mit Kammerchor und Hofkapelle Stuttgart dieses Opus aus dem Archivstaub erweckt und sich an die Weltersteinspielung gewagt. Die Rollen – und das sind ziemlich viele! – sind solide mit jungen Sängern besetzt, darunter mit Vincent Frisch sogar ein Knabensopran. Fürs heutige Theater wäre die Oper eher nichts, fürchte ich – aber musikhistorisch bedeutsam ist das Werk ohne Zweifel.
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Samstag, 3. September 2016
Mittwoch, 23. September 2015
Karg-Elert: Opern von Richard Wagner in Bearbeitungen für Harmonium und Klavier (Pan Classics)
„Nur der Ausdruck und der Inhalt
eines Stückes diene dem Harmo- nisten als Richtschnur in der
Registerwahl, nicht aber aus- schließlich die klangliche Eigenart der
Originalfassung eines Satzes“, erklärt Sigfrid Karg-Elert.
„Deshalb glaubte sich der Verfasser im künstlerisch freien Recht,
als er bei sämtlichen Bearbeitungen der Wagnerischen Werke für
Harmo- nium und als Duos für Klavier und Harmonium eine
Orchester- ähnlichkeit überhaupt nicht erstrebte (so gewagt dies auch
erscheinen mag!), sondern, was Satz, Farbe und Technik anbelangt, die
,spezifische Harmoniumwirkung' so stark, als just eben künstlerisch
tunlich, zu erreichen bemüht war.“
Der heutige Hörer schluckt beim Lesen einer solchen Anweisung: Harmonium?? das war doch quasi ein Akkordeon im Klaviergehäuse, bei dem die Bälge getreten werden, ein Orgelersatz für den Hausgebrauch. Doch wenn ein bedeutender Komponist wie Karg-Elert enorme Mengen an Musikstücken für dieses Instrument geschaffen hat, dann muss das (Kunst-)Harmonium seinerzeit durchaus einen wichtigen Platz im Konzertleben gehabt haben. Insofern sorgt eine Neuerscheinung aus dem Hause Pan Classics spontan für Neugier: „Auserlesene Stücke aus Opern von Richard Wagner für Harmonium und Klavier übertragen“, über- schrieb Sigfrid Karg-Elert 1914 seine Sammlung von 30 Bearbeitungen für diese heutzutage vollkommen ungebräuchliche Duobesetzung.
Jan Hennig, Kunstharmonium, und Ernst Breidenbach, Klavier, haben eine Auswahl dieser Arrangements eingespielt. Es erklingen beispielsweise der Einzug der Gäste auf der Wartburg aus Tannhäuser, das Vorspiel zum 1.Akt und der Brautchor aus Lohengrin, Siegmunds berühmtes Liebeslied („Winterstürme wichen dem Wonnemond“) aus Die Walküre oder das Spinnerlied aus Der fliegende Holländer. Und die Klangeffekte, die die Kombination der beiden Duopartner ermöglicht, sind in der Tat schlicht unglaublich. Das Harmonium kann endlos lange Töne aus dem Pianissimo heraus aufblühen und wieder verklingen lassen, und es begeistert durch Ausdrucksstärke und durch die breite Palette seiner Klangfarben. Das Klavier hingegen lässt sich sehr viel virtuoser und klar akzentuiert einsetzen, was dem Harmonium aufgrund der Klangerzeugung mit schwingenden Durchschlagzungen nicht in gleicher Weise gelingen kann. Aus diesen Unterschieden ergibt sich der Reiz dieser Duobesetzung – und klanglich wirkt das überaus faszinierend. Hennig und Breidenbach präsentieren hier eine der schönsten Wagner-Bearbeitungen, die derzeit auf CD zu erwerben ist. Überraschung! Unbedingt anhören!
Der heutige Hörer schluckt beim Lesen einer solchen Anweisung: Harmonium?? das war doch quasi ein Akkordeon im Klaviergehäuse, bei dem die Bälge getreten werden, ein Orgelersatz für den Hausgebrauch. Doch wenn ein bedeutender Komponist wie Karg-Elert enorme Mengen an Musikstücken für dieses Instrument geschaffen hat, dann muss das (Kunst-)Harmonium seinerzeit durchaus einen wichtigen Platz im Konzertleben gehabt haben. Insofern sorgt eine Neuerscheinung aus dem Hause Pan Classics spontan für Neugier: „Auserlesene Stücke aus Opern von Richard Wagner für Harmonium und Klavier übertragen“, über- schrieb Sigfrid Karg-Elert 1914 seine Sammlung von 30 Bearbeitungen für diese heutzutage vollkommen ungebräuchliche Duobesetzung.
Jan Hennig, Kunstharmonium, und Ernst Breidenbach, Klavier, haben eine Auswahl dieser Arrangements eingespielt. Es erklingen beispielsweise der Einzug der Gäste auf der Wartburg aus Tannhäuser, das Vorspiel zum 1.Akt und der Brautchor aus Lohengrin, Siegmunds berühmtes Liebeslied („Winterstürme wichen dem Wonnemond“) aus Die Walküre oder das Spinnerlied aus Der fliegende Holländer. Und die Klangeffekte, die die Kombination der beiden Duopartner ermöglicht, sind in der Tat schlicht unglaublich. Das Harmonium kann endlos lange Töne aus dem Pianissimo heraus aufblühen und wieder verklingen lassen, und es begeistert durch Ausdrucksstärke und durch die breite Palette seiner Klangfarben. Das Klavier hingegen lässt sich sehr viel virtuoser und klar akzentuiert einsetzen, was dem Harmonium aufgrund der Klangerzeugung mit schwingenden Durchschlagzungen nicht in gleicher Weise gelingen kann. Aus diesen Unterschieden ergibt sich der Reiz dieser Duobesetzung – und klanglich wirkt das überaus faszinierend. Hennig und Breidenbach präsentieren hier eine der schönsten Wagner-Bearbeitungen, die derzeit auf CD zu erwerben ist. Überraschung! Unbedingt anhören!
Montag, 31. März 2014
Hasse: Marc'Antonio e Cleopatra (Sono Luminus)
Im Jahre 1721 reiste ein junger deutscher Tenor nach Italien. Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783) entstammte einer Organi- stendynastie aus Bergedorf, heute ein Teil von Hamburg. Er hatte am Hamburger Opernhaus am Gänse- markt und in Braunschweig im Opernhaus am Hagenmarkt gesun- gen, seine erste Oper komponiert, und fand, dass es nun Zeit war, bei den wirklichen Stars seiner Zeit in die Lehre zu gehen.
Damit hatte er Erfolg, berichtet ein anderer Musiker, der ebenfalls in den Süden gegangen war, um seine Ausbildung zu vervollkommnen. „Herr Hasse nöthigte mich bey ihm zu wohnen: Wir wurden gute Freunde“, schreibt der Flötist Johann Joachim Quantz. „Er hatte bis dahin noch keine öffentliche Musik in Wälschland aufgeführet. Ein vornehmer neapolitanischer Bankier aber, ließ von ihm eine Serenate für zwo Personen in Musik bringen, welches er auch Zeit meiner Anwesenheit bewerkstelligte. Farinello und die Tesi sungen darinn. Durch diese Serenate erwarb sich Herr Hasse so vielen Beyfall, daß ihm gleich darauf die Musik, der im May dieses Jahres, auf dem königlichen Theater vorzustellenden Oper, zu verfertigen anvertrautet wurde. Und diese Oper hat ihm den Weg zu seinem künftigen Glücke gebahnet.“
Die „Serenata“ – eine damals sehr beliebte Gattung zwischen Solo- kantate und Oper – aus dem Jahre 1725 erzählt eine Geschichte, die damals jedem gebildeten Menschen bekannt war: Cleopatra und Marcus Antonius begegnen sich nach der verlorenen Schlacht von Actium. Die ägyptische Königin und der römische Feldherr wissen darum, dass ihre Situation ausweglos ist – was eine gute Gelegenheit ist, Gefühlen von Liebe und Leidenschaft bis hin zu Niedergeschlagen- heit, ja Verzweiflung in Duetten und Arien Ausdruck zu verleihen.
Bei der Uraufführung wurde die Rolle des Marcus Antonius durch die Altistin Vittoria Tesi gesungen, die Cleopatra von dem Kastraten Carlo Broschi, bekannter unter dem Namen Farinelli. Entsprechend anspruchvoll sind die Partien – eine schwierige Aufgabe für die Sängerinnen Jamie Barton und Ava Pine, die Hasses Werk nun gemeinsam mit dem Ensemble Ars Lyrica Houston wieder aufgeführt haben. Matthew Dirst dirigierte die Konzerte vom Cembalo aus. Ein Mitschnitt ist als Weltersteinspielung bei Sono luminis erschienen.
Damit hatte er Erfolg, berichtet ein anderer Musiker, der ebenfalls in den Süden gegangen war, um seine Ausbildung zu vervollkommnen. „Herr Hasse nöthigte mich bey ihm zu wohnen: Wir wurden gute Freunde“, schreibt der Flötist Johann Joachim Quantz. „Er hatte bis dahin noch keine öffentliche Musik in Wälschland aufgeführet. Ein vornehmer neapolitanischer Bankier aber, ließ von ihm eine Serenate für zwo Personen in Musik bringen, welches er auch Zeit meiner Anwesenheit bewerkstelligte. Farinello und die Tesi sungen darinn. Durch diese Serenate erwarb sich Herr Hasse so vielen Beyfall, daß ihm gleich darauf die Musik, der im May dieses Jahres, auf dem königlichen Theater vorzustellenden Oper, zu verfertigen anvertrautet wurde. Und diese Oper hat ihm den Weg zu seinem künftigen Glücke gebahnet.“
Die „Serenata“ – eine damals sehr beliebte Gattung zwischen Solo- kantate und Oper – aus dem Jahre 1725 erzählt eine Geschichte, die damals jedem gebildeten Menschen bekannt war: Cleopatra und Marcus Antonius begegnen sich nach der verlorenen Schlacht von Actium. Die ägyptische Königin und der römische Feldherr wissen darum, dass ihre Situation ausweglos ist – was eine gute Gelegenheit ist, Gefühlen von Liebe und Leidenschaft bis hin zu Niedergeschlagen- heit, ja Verzweiflung in Duetten und Arien Ausdruck zu verleihen.
Bei der Uraufführung wurde die Rolle des Marcus Antonius durch die Altistin Vittoria Tesi gesungen, die Cleopatra von dem Kastraten Carlo Broschi, bekannter unter dem Namen Farinelli. Entsprechend anspruchvoll sind die Partien – eine schwierige Aufgabe für die Sängerinnen Jamie Barton und Ava Pine, die Hasses Werk nun gemeinsam mit dem Ensemble Ars Lyrica Houston wieder aufgeführt haben. Matthew Dirst dirigierte die Konzerte vom Cembalo aus. Ein Mitschnitt ist als Weltersteinspielung bei Sono luminis erschienen.
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