Joseph Haydn (1732 bis 1809) gilt als „Vater“ des Streichquartettes, und auch seine Sinfonien sind vielen Musikfreunden bekannt. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass er als Kapellmeister des Fürsten Esterházy auch über tausend Opernvorstel- lungen leitete – und für seinen Dienstherrn etliche Opern selbst komponierte.
Und auch wenn bei einem großen Brand, der 1779 das Opernhaus in Esterháza vernichtete, etliche seiner Werke mit verbrannt sein dürften, so könnte es durchaus sein, dass die überlieferten Werke, aufgeführt einst auf dem Lande und in der Musikgeschichte irgendwo zwischen Gluck und Mozart, zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Vielleicht steht sogar eine Neubewertung der Opern Haydn an? Diese Frage jedenfalls stellt sich beim Anhören dieser Doppel-CD.
Sie enthält die Highlights aus den Opern L'infedeltà delusa und La vera costanza – zwei ziemlich heiteren Werken, in denen es in erster Linie darum geht, dass sich nach einigen Irrungen und Wirrungen doch die richtigen Paare finden. Sie sind auch zwei Gründen interessant. Zum einen bieten sie ebenso liebenswerte wie lebenskluge Heldinnen, die sich Entscheidungen nicht aus der Hand nehmen lassen. So ist die Vespina aus L'infelta delusa ohne Zweifel eine nahe Verwandte der Despina aus Mozarts Cosi fan tutte – und Haydns Musik ist der seines berühmten Kollegen ebenfalls verblüffend ähnlich, was gleichfalls ein Grund sein sollte, sich die Opern einmal genauer und vor allem komplett anzuschauen.
Die überwiegend exzellenten Sänger steigern das Vergnügen an diesem Doppelalbum weiter. Und auch das WDR Funkhausorchester Köln, das unter Markus Poschner bzw. Manuel Hernandez-Silva musiziert, meistert seinen Part stilsicher. Sehr hörenswert!
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Freitag, 29. September 2017
Freitag, 24. Juni 2011
Mozart: Così fan tutte (Opus Arte)
Von Mozarts Da-Ponte-Opern war einzig diese erstaunlich lange aus dem Spielbetrieb verschwunden. Das skandalöse Geschehen und die mitunter allzu beredte Musik moch- ten die Opernhäuser, die üblicher- weise ja nicht gerade in dem Ruf stehen, ein Hort der Prüderie zu sein, dem zahlenden Publikum offenbar nicht zumuten. Als Così fan tutte dann doch auf die Bühne zurückkehrte, wurde gestrichen, was der Bleistift hergab. Selbst diese Aufnahme enthält noch Kürzungen, die nur aus dieser Tradition heraus verständlich sind.
Es handelt sich dabei um den Mitschnitt einer Vorstellung am Royal Opera House, Covent Garden, vom 27. Januar 1981 durch die BBC. Die Besetzung ist ganz erstaunlich – weniger deshalb, weil die beiden Schwestern Fiordiligi und Dorabella durch die Opernstars Kiri Te Kanawa und Agnes Baltsa gesungen werden, als vielmehr deshalb, weil alle Sänger derart gut und lebendig gemeinsam musizieren. Auch das Zusammenwirken mit dem Orchester klappt nahezu perfekt. Man spürt, dass Dirigent Sir Colin Davis sehr viel Sorgfalt auf Vorbereitung und Einstudierung verwendet hat.
Seine Hand hat die gesamte Einspielung geprägt. So erscheinen viele Details der musikalischen Gestaltung erstaunlich modern, auch wenn einige der Tempi, die Davis gewählt hat, uns heute inakzeptabel lang- sam vorkommen mögen. Ein wichtiges Dokument, das nicht nur musikhistorisch spannend, sondern auch sehr anhörenswert ist.
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