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Freitag, 29. September 2017

Haydn: Opera Gala (Capriccio)

Joseph Haydn (1732 bis 1809) gilt als „Vater“ des Streichquartettes, und auch seine Sinfonien sind vielen Musikfreunden bekannt. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass er als Kapellmeister des Fürsten Esterházy auch über tausend Opernvorstel- lungen leitete – und für seinen Dienstherrn etliche Opern selbst komponierte. 
Und auch wenn bei einem großen Brand, der 1779 das Opernhaus in Esterháza vernichtete, etliche seiner Werke mit verbrannt sein dürften, so könnte es durchaus sein, dass  die überlieferten Werke, aufgeführt einst auf dem Lande und in der Musikgeschichte irgendwo zwischen Gluck und Mozart, zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Vielleicht steht sogar eine Neubewertung der Opern Haydn an? Diese Frage jedenfalls stellt sich beim Anhören dieser Doppel-CD. 
Sie enthält die Highlights aus den Opern L'infedeltà delusa und La vera costanza – zwei ziemlich heiteren Werken, in denen es in erster Linie darum geht, dass sich nach einigen Irrungen und Wirrungen doch die richtigen Paare finden. Sie sind auch zwei Gründen interessant. Zum einen bieten sie ebenso liebenswerte wie lebenskluge Heldinnen, die sich Entscheidungen nicht aus der Hand nehmen lassen. So ist die Vespina aus L'infelta delusa ohne Zweifel eine nahe Verwandte der Despina aus Mozarts Cosi fan tutte – und Haydns Musik ist der seines berühmten Kollegen ebenfalls verblüffend ähnlich, was gleichfalls ein Grund sein sollte, sich die Opern einmal genauer und vor allem komplett anzuschauen. 
Die überwiegend exzellenten Sänger steigern das Vergnügen an diesem Doppelalbum weiter. Und auch das WDR Funkhausorchester Köln, das unter Markus Poschner bzw. Manuel Hernandez-Silva musiziert, meistert seinen Part stilsicher. Sehr hörenswert! 

Mittwoch, 17. Juli 2013

Wiener Schmäh auf Polnisch (Gramola)

Wiener Schmäh auf Polnisch? Was uns heute erstaunt, das war offenbar im 19. Jahrhundert ganz normal. Denn ein Teil Polens gehörte damals zu Österreich; viele Polen gingen nach Wien, wo sie 
studierten, arbei- teten, und oftmals auch blieben. Diese CD, von Gramola produziert in Kooperation mit dem Polnischen Kulturinstitut Wien, zeigt auf, wie eng die Verbindungen waren. 
So schuf Rudolf Siezcynski (1879 bis 1952), der einer nach Wien übersie- delten polnischen Familie entstammte, einige der bekanntesten Wiener- lieder. Er war im Hauptberuf Jurist, und als Hofrat quasi vom Scheitel bis zur Sohle Österreicher. Leopold Godowsky (1870 bis 1938) schrieb eine umfangreiche Paraphrase zu Strauss’ Fledermaus, Ignaz Friedman (1882 bis 1942), ein Schüler von Leschetitzky, sechs Danses Viennoises, die an ähnliche Stücke von Fritz Kreisler erinnern.
Ausschnitte aus Operetten von Karol Szymanowski (1882 bis 1937), Jo- seph Beer (1908 bis 1987) und Theodor Leschetizky (1830 bis 1915) sind dann aber schon eine ziemliche Überraschung. Dass der Tango Oh, Donna Clara von dem Polen Jerzy Petersburski (1895 bis 1979) komponiert wurde, das berichtet das Beiheft zu dieser CD ebenso wie die Tatsache, dass Ob blond, ob braun von Robert Stolz erst durch den polnischen Tenor Jan Kiepura zu einem Hit wurde. Die CD bringt eine Aufnahme in polnischer Sprache mit dem Sänger aus dem Jahre 1935 als Bonus.
An der Einspielung mitgewirkt haben die Sänger Jolanta Kowalska, To- masz Piętak, Alexander Pinderak und Peter Edelmann sowie Cezary Kwapisz und Niels Muus am Klavier. Ihnen zuzuhören, macht Freude. Insbesondere Kowalska beeindruckt mit einem glockenreinen, feder- leichten, intelligent geführten Sopran. Dank solchen Stimmen bereitet auch Operette Vergnügen.


Montag, 27. Februar 2012

Strauss: Der Rosenkavalier (Glyndebourne)

Über das Opernereignis Glynde- bourne Festival ist in diesem Blog schon mehrfach berichtet worden. Das Unternehmen legt schrittweise Mitschnitte von Aufführungen aus seiner grandiosen Vergangenheit vor - in diesem Falle handelt es sich um eine Aufzeichnung von Richard Strauss' Rosenkavalier, aufgenommen am 30. Mai 1965. 
Das Ensemble ist exzellent - so ist als Feldmarschallin Montserrat Caballé zu erleben, als Octavian die polnische Mezzosopranistin Teresa Zylis-Gara, als Sophie die junge Edith Mathis, und als Baron Ochs auf Lerchenau Otto Edelmann. Auch die weniger gewichtigen Partien sind gut besetzt, und die Aufführung sprüht geradezu vor komödiantischem Geist. Das London Philharmo- nic Orchestra spielt unter John Pritchard; er betont die theatrali- schen Akzente der Handlung. Da verzeiht man gerne manchen derben Ton insbesondere der Blechbläser. Köstlich!