Diese Live-Mitschnitte aus dem Jahre 2008 dokumentieren eine der spannendsten Aufführungen des Ringes, die Bayreuth in den letzten Jahren erlebt hat. "Dieser Ring wird erstmals wieder den Namen eines Dirigenten tragen", meinte der Berliner Tagesspiegel schon 2006, als die Konturen dieser Inszenierung erkennbar wurden: "Wie man vom Kupfer-, Kirchner- oder Flimm-Ring spricht (...), so spricht man bis heute vom Furtwängler- und vom Keilberth-Ring. Auf dieses Treppchen ist Christian Thielemann gesprungen." Dieser Euphorie mag ich mich nicht ganz anschließen.
Mit Wagner hat sich der Dirigent sein ganzes Berufsleben lang aus- einandergesetzt. Bereits in Nürnberg beeindruckte er mit einer Aufführung des Tristan; 2000 gab er in Bayreuth sein Debüt mit den Meistersingern. Seitdem dirigiert er regelmäßig bei den Festspielen; man darf abwarten, wie das klingen wird, wenn die Sänger nicht mehr durch Wolfgang Wagner eingekauft werden. Denn die Besetzung, die hier zu hören ist, vermag kaum zu überzeugen - abgesehen von Christa Mayer als Erda, Hans-Peter König als Fafner/Hagen und Kwangchul Youn als Fasolt/Hunding. Thielemann gibt sich offenbar alle Mühe, dieses ansonsten auf weiten Strecken grauenvolle Ensem- ble im Orchesterklang versinken zu lassen. Und das gelingt ihm auch. Das Orchester spielt grandios, daraus könnte man wirklich etwas machen. Wenn aber ein Dirigent diesen Formates in Pathos und Lautstärke flüchtet, dann hat das wohl seinen Grund. Denn aus ande- ren Einspielungen ist bekannt, dass Thielemann selbstverständlich auch strukturiert kann - und piano.
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Mittwoch, 10. August 2011
Freitag, 24. Juni 2011
Mozart: Così fan tutte (Opus Arte)
Von Mozarts Da-Ponte-Opern war einzig diese erstaunlich lange aus dem Spielbetrieb verschwunden. Das skandalöse Geschehen und die mitunter allzu beredte Musik moch- ten die Opernhäuser, die üblicher- weise ja nicht gerade in dem Ruf stehen, ein Hort der Prüderie zu sein, dem zahlenden Publikum offenbar nicht zumuten. Als Così fan tutte dann doch auf die Bühne zurückkehrte, wurde gestrichen, was der Bleistift hergab. Selbst diese Aufnahme enthält noch Kürzungen, die nur aus dieser Tradition heraus verständlich sind.
Es handelt sich dabei um den Mitschnitt einer Vorstellung am Royal Opera House, Covent Garden, vom 27. Januar 1981 durch die BBC. Die Besetzung ist ganz erstaunlich – weniger deshalb, weil die beiden Schwestern Fiordiligi und Dorabella durch die Opernstars Kiri Te Kanawa und Agnes Baltsa gesungen werden, als vielmehr deshalb, weil alle Sänger derart gut und lebendig gemeinsam musizieren. Auch das Zusammenwirken mit dem Orchester klappt nahezu perfekt. Man spürt, dass Dirigent Sir Colin Davis sehr viel Sorgfalt auf Vorbereitung und Einstudierung verwendet hat.
Seine Hand hat die gesamte Einspielung geprägt. So erscheinen viele Details der musikalischen Gestaltung erstaunlich modern, auch wenn einige der Tempi, die Davis gewählt hat, uns heute inakzeptabel lang- sam vorkommen mögen. Ein wichtiges Dokument, das nicht nur musikhistorisch spannend, sondern auch sehr anhörenswert ist.
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