„Warum führt man La Sete di Christo heute wieder auf?“, fragt Alessandro Quarta im Beiheft zu dieser CD, und gibt auch gleich selbst die Antwort: „Um eine unbekannte Seite Bernardo Pasquinis zu entdecken. Wegen der über alle Zweifel erhabenen Qualität dieser Partitur und ihrer absolut originellen musikdramatischen Lösungen, die der junge Händel sich später in Rom zu eigen machen wird. Aber vor allem wegen des pulsierenden Rhythmus' dieser musikalischen Erzählung, die weit über die konventionelle Gelehrsamkeit des Textes hinausgehend in ein schier atemberaubend intensives Finale endet.“
Bernardo Pasquini (1637 bis 1710) war ein berühmter Cembalist und Organist. Auch als Musikpädagoge war er sehr gefragt. Er gilt zudem als der bedeutendste italienische Komponist von Musik für Tasteninstrumente zwischen Girolamo Frescobaldi und Domenico Scarlatti. Pasquini hat allerdings für den römischen Hochadel auch etliche Opern, Kantaten und weitere Vokalwerke geschaffen.
Das Passionsoratorium, das Quarta mit seinem Ensemble Concerto Romano und den Solisten Francesca Aspromonte, Sopran, Francisco Fernández-Rueda und Luca Cervoni, Tenor, sowie Mauro Borgioni, Bariton, aus dem Archivschlaf erweckt hat, erweist sich in der Tat als eine Trouvaille. Es entstand 1689 nach einem Libretto von Nicolò Minato, und führt unter das Kreuz Jesu, wo der Zuhörer Maria begegnet, Jesu Mutter, an ihrer Seite Johannes, und dazu Joseph aus Arimathia und Nikodemus. Jede dieser vier Personen hat ein ganz eigenes Temperament, und reagiert auf das Passionsgeschehen dementsprechend individuell.
Jesus selbst spricht nur ein einziges Wort: „Sitio!“, lässt Pasquini die tiefe Stimme singen, „Mich dürstet!“, und das gänzlich ohne Instrumentalbe- gleitung, und auf Latein; ansonsten ist der Text durchweg in italienischer Sprache geschrieben. Was für ein brillanter Einfall, und was für ein perfektes Handwerk! „Da Pasquinis Vokalwerke nicht so bekannt sind, neigt man beim Hören dazu, im Charakter dieser Musik und in ihrer Kompositionsweise hier und da dramatische Akzente Alessandro Stradellas weiderzuerkennen, die thematische Rundheit des jungen Alessandro Scarlatti, ein wenig Corelliʻsche Violintechnik und sogar etwas Händel-Stil“, meint Quarta. „Aber Bernardo Pasquini wurde vor all diesen Komponisten geboren, und sein ganz und gar persönliches Genie diente seinen Zeitgenossen – und nicht nur ihnen – ganz sicher zur Anleitung und als Vorbild.“
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Samstag, 26. März 2016
Montag, 12. Oktober 2015
Abendmusik (Brilliant Classics)
Die Tradition der Abendmusiken entstand in Lübeck. Begründet wurde sie von Franz Tunder (1614 bis 1667), dem Organisten an der Marienkirche. Entstanden ist diese besondere Form des Konzertes aus einer Orgelmusik, die Tunder ab 1646 für die „Commer- zierenden Zünfte“ spielte, bevor diese zur Börse in das nebenan gelegene Rathaus gingen. Später erweiterte Tunder die Besetzung dann um Sing- stimmen und Violinen.
Tunders Nachfolger Dieterich Buxte- hude übernahm die Abendmusiken und baute diese Konzertreihe weiter aus. So wurden auf seinen Wunsch hin sogar Sängeremporen eingebaut, damit Chor und Orchester ausreichend Platz hatten. Bis zu 80 Musiker wirkten damals an diesen Konzerten mit.
Leider ist von den Werken, die Buxtehude für die Abendmusiken geschaffen hat, offenbar kein einziges überliefert worden. Sie sollen eher Oratorien als Kantaten geähnelt haben. Die Zuhörer jedenfalls waren sehr beeindruckt, und so gab es bald auch in anderen Städten ähnliche Veranstaltungen.
Ein Programm mit Kantaten aus jenen frühen Tagen der protestantischen Kirchenmusik hat nun Brilliant Classics vorgelegt. Zu hören ist Bassbari- ton Mario Borgioni – eine wundervolle, ausdrucksstarke Stimme mit satter Tiefe – gemeinsam mit dem italienischen „Alte“-Musik-Ensemble Accademia Hermans. Es erklingen ausgewählte Vokalwerke von Johann Christoph Bach (1642 bis 1703), Franz Tunder, Matthias Weckmann (um 1616 bis 1674), Johann Rosenmüller (1619 bis 1684), und Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697), Buxtehudes Lieblingsschüler, sowie Instrumentalmusik von Johann Philipp Krieger (1649 bis 1725) und dem Hamburger Rats- musiker Johann Schop (1660 bis 1741). Die Aufnahmen entstanden im April 2014 in der Stiftskirche von Santa Maria Maggiore im italienischen Collescipoli.
Tunders Nachfolger Dieterich Buxte- hude übernahm die Abendmusiken und baute diese Konzertreihe weiter aus. So wurden auf seinen Wunsch hin sogar Sängeremporen eingebaut, damit Chor und Orchester ausreichend Platz hatten. Bis zu 80 Musiker wirkten damals an diesen Konzerten mit.
Leider ist von den Werken, die Buxtehude für die Abendmusiken geschaffen hat, offenbar kein einziges überliefert worden. Sie sollen eher Oratorien als Kantaten geähnelt haben. Die Zuhörer jedenfalls waren sehr beeindruckt, und so gab es bald auch in anderen Städten ähnliche Veranstaltungen.
Ein Programm mit Kantaten aus jenen frühen Tagen der protestantischen Kirchenmusik hat nun Brilliant Classics vorgelegt. Zu hören ist Bassbari- ton Mario Borgioni – eine wundervolle, ausdrucksstarke Stimme mit satter Tiefe – gemeinsam mit dem italienischen „Alte“-Musik-Ensemble Accademia Hermans. Es erklingen ausgewählte Vokalwerke von Johann Christoph Bach (1642 bis 1703), Franz Tunder, Matthias Weckmann (um 1616 bis 1674), Johann Rosenmüller (1619 bis 1684), und Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697), Buxtehudes Lieblingsschüler, sowie Instrumentalmusik von Johann Philipp Krieger (1649 bis 1725) und dem Hamburger Rats- musiker Johann Schop (1660 bis 1741). Die Aufnahmen entstanden im April 2014 in der Stiftskirche von Santa Maria Maggiore im italienischen Collescipoli.
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