Die alten deutschen Kantaten sind derzeit offenbar groß in Mode. Nun hat auch Johannes Pramsohler mit seinem Ensemble Diderot eine Auswahl dieser beeindruckenden Werke eingespielt, wobei der Geiger natürlich vor allem auch Kantaten mit virtuoser Solovioline herausgesucht hat.
Und mit der Tenorkantate Ich will in aller Not auf meinen Jesum schauen von Daniel Eberlin (1647 bis nach 1692) enthält diese CD sogar eine Weltersteinspielung – was erstaunt, denn dieses Opus bietet, urteilte Hans Joachim Moser, Herausgeber der Neuedition in der Reihe Das Erbe deutscher Musik, das anspruchsvollste Violinsolo jener Zeit überhaupt. Eberlin wirkte einige Jahre als Kapell- meister in Eisenach und in Kassel.
In Eisenach musizierten seinerzeit auch der Geiger Johann Ambrosius Bach, der Vater von Johann Sebastian, sowie Johann Pachelbel (1653 bis 1706), auf dieser CD vertreten mit den Kantaten Christ ist erstanden und Ach Herr, wie ist meiner Feinde soviel. Johann Ambrosius' Schwager Johann Christoph Bach (1642 bis 1703) war Organist in Eisenach, und spielte zudem als Cembalist in der Hofkapelle. Von ihm sind einige Kompositionen überliefert; auf dieser CD erklingen Wie bist du denn, o Gott, in Zorn auf mich entbrannt und Ach dass ich Wassers gnug hätte, zwei effektvolle Lamenti.
Komplettiert wird diese Kollektion protestantischer Kantaten durch das höchst anspruchsvolle Concerto Mein Hertz ist bereit von Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697). Er stammte aus einer schleswig-holsteinischen Musiker- dynastie, war ein Schüler Buxtehudes und wirkte in Husum; leider starb er sehr jung. Bruhns muss ein exzellenter Organist ebenso wie ein heraus- ragender Geiger gewesen sein. Und der Bassist, für den er komponierte, war ebenfalls ein erstklassiger Sänger; wer Bruhns' Werke singen will, dem jedenfalls wird einiges abverlangt.
Nahuel Di Pierro singt mit einem wohlklingenden, samtigen und vor allem auch tiefen Bass. Zu hören sind außerdem die kanadische Mezzosoprani- stin Andrea Hill, der spanische Tenor Jorge Navarro Purves und der britische Bariton Christopher Purves. Bei dieser Einspielung zeigt sich allerdings wieder einmal, dass die alten Musikstücke mit ihrem rhetorischen Gestus durch Nicht-Muttersprachler nur schwer vorzutragen sind. Eindringlichkeit und starken Ausdruck, wie sie für diese klingenden Predigten notwendig sind, vermisst man bei dieser CD ein wenig. Aber dafür kann sich der Hörer auch bei den beiden Kantaten von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 bis 1704), der für die süddeutsch-katholische Kirchenmusik dieser Zeit steht, am hinreißend schönen Geigenspiel von Johannes Pramsohler erfreuen.
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Dienstag, 4. Dezember 2018
Samstag, 14. Januar 2017
Das Husumer Orgelbuch von 1758 (Brilliant Classics)
Zwei phantastische Orgeln und dazu passende Orgelmusik, faszinierend und von einem ganz eigenen Charak- ter, stellt der italienische Organist und Cembalist Manuel Tomadin auf dieser Doppel-CD vor. Es ist Orgelmusik aus Norddeutschland, handschriftlich zusammengetragen im Jahre 1758 in einem Sammelband von Bendix Friedrich Zinck (1715 bis 1799). Eigentlich lautet der Titel der Kollektion Praeludien, Fugen und Concerten für die Orgel mit Pedal; wer daraus dann das Husumer Orgelbuch machte, das kann wohl nur der Carus Verlag verraten, wo die Notenedition erschienen ist. Das Original jedenfalls befindet sich in der königlichen Bibliothek von Kopenhagen.
Zinck stammte aus Schwabstedt – wie Nicolaus Bruhns. 1742 wurde er Organist in Husum; 1771 erhielt er das Amt des Domorganisten in Schleswig, welches er dann bis zu seinem Tode inne hatte. In der Familie hatte es offenbar etliche Musiker gegeben; das Husumer Orgelbuch über- liefert neben einem Adagio von Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697) auch einige Werke von Hinrich Zinck (1677 bis 1751), dem Bruder von Bendix' Vater Aegidius Zinck (1680 bis 1715) – sie waren beide Organisten.
Das Erstaunliche am Husumer Orgelbuch ist aber die Tatsache, dass es vor allem Konzerte enthält. Diese orientieren sich zwar am italienischen Vorbild, aber es sind Originalkompositionen für Orgel solo, und keine Transkriptionen, wie beispielsweise die Orgelkonzerte von Johann Sebastian Bach oder Johann Walther. Das ist neu und spektakulär, denn die meisten bislang bekannten Werke dieser Art sind Bearbeitungen von Orchestermusiken.
Vier der Konzerte stammen von Christoph Wolfgang Druckenmüller (1687 bis 1741), drei von Marx Philipp Zeyhold (1704 bis 1760); sie waren Organisten in Jork und in Drochtersen, elbabwärts gelegen unweit von Hamburg, im Alten und im Kehdinger Land. Die verbleibenden fünf Konzerte sind anonym überliefert.
Manuel Tomadin hat das Husumer Orgelbuch von 1758 an der Arp Schnitger-Orgel der Sint-Michaelskerk Zwolle, erbaut 1721, und an der Albertus Anthoni Hinsz-Orgel der Petruskerk in Leens, einem Instrument aus dem Jahre 1733, eingespielt.
Zinck stammte aus Schwabstedt – wie Nicolaus Bruhns. 1742 wurde er Organist in Husum; 1771 erhielt er das Amt des Domorganisten in Schleswig, welches er dann bis zu seinem Tode inne hatte. In der Familie hatte es offenbar etliche Musiker gegeben; das Husumer Orgelbuch über- liefert neben einem Adagio von Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697) auch einige Werke von Hinrich Zinck (1677 bis 1751), dem Bruder von Bendix' Vater Aegidius Zinck (1680 bis 1715) – sie waren beide Organisten.
Das Erstaunliche am Husumer Orgelbuch ist aber die Tatsache, dass es vor allem Konzerte enthält. Diese orientieren sich zwar am italienischen Vorbild, aber es sind Originalkompositionen für Orgel solo, und keine Transkriptionen, wie beispielsweise die Orgelkonzerte von Johann Sebastian Bach oder Johann Walther. Das ist neu und spektakulär, denn die meisten bislang bekannten Werke dieser Art sind Bearbeitungen von Orchestermusiken.
Vier der Konzerte stammen von Christoph Wolfgang Druckenmüller (1687 bis 1741), drei von Marx Philipp Zeyhold (1704 bis 1760); sie waren Organisten in Jork und in Drochtersen, elbabwärts gelegen unweit von Hamburg, im Alten und im Kehdinger Land. Die verbleibenden fünf Konzerte sind anonym überliefert.
Manuel Tomadin hat das Husumer Orgelbuch von 1758 an der Arp Schnitger-Orgel der Sint-Michaelskerk Zwolle, erbaut 1721, und an der Albertus Anthoni Hinsz-Orgel der Petruskerk in Leens, einem Instrument aus dem Jahre 1733, eingespielt.
Sonntag, 26. Juni 2016
Bruhns: Complete Cantatas (Brilliant Classics)
Genau zwölf geistliche Konzerte und Kantaten sind von Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697) überliefert. Sie stehen Schütz näher als Bach und zeigen, ebenso wie die wenigen noch verfügbaren Orgelwerke, die große Meisterschaft des Komponisten, der übrigens nicht nur ein hervorragen- der Organist war, sondern auch die Geige exzellent gespielt haben muss.
Es ist kaum zu glauben, dass es bis- lang überhaupt keine Gesamteinspie- lung und generell nur sehr wenige Aufnahmen von Bruhns' Vokalwer- ken gegeben hat – zumal die Noten bereits seit Jahrzehnten ediert und zugänglich sind. Diese empfindliche Lücke hat nun das Bozener Streichensemble Harmonices Mundi unter der Leitung von Claudio Astronio mit den Gesangssolisten Marina Bartoli Compostella und Karin Selva, Sopran, Elena Biscuola, Alt, Richard Resch und Johannes Weiss, Tenor, sowie Christian Hilz, Bass, geschlossen. Man darf darauf hoffen, dass damit die längst überfällige Wiederent- deckung des Vokalwerks Bruhns' auch im Konzertbetrieb beginnt – obwohl einige dieser Partien nicht ganz ohne sind. Jauchzet dem Herren, alle Welt beispielsweise stellt ohne Zweifel jeden Tenor vor eine Herausforde- rung. Und die Violine hat mitunter auf einem Niveau zu musizieren, wie man dies eher von Biber und Konsorten gewohnt ist. Unbedingt anhören!
Es ist kaum zu glauben, dass es bis- lang überhaupt keine Gesamteinspie- lung und generell nur sehr wenige Aufnahmen von Bruhns' Vokalwer- ken gegeben hat – zumal die Noten bereits seit Jahrzehnten ediert und zugänglich sind. Diese empfindliche Lücke hat nun das Bozener Streichensemble Harmonices Mundi unter der Leitung von Claudio Astronio mit den Gesangssolisten Marina Bartoli Compostella und Karin Selva, Sopran, Elena Biscuola, Alt, Richard Resch und Johannes Weiss, Tenor, sowie Christian Hilz, Bass, geschlossen. Man darf darauf hoffen, dass damit die längst überfällige Wiederent- deckung des Vokalwerks Bruhns' auch im Konzertbetrieb beginnt – obwohl einige dieser Partien nicht ganz ohne sind. Jauchzet dem Herren, alle Welt beispielsweise stellt ohne Zweifel jeden Tenor vor eine Herausforde- rung. Und die Violine hat mitunter auf einem Niveau zu musizieren, wie man dies eher von Biber und Konsorten gewohnt ist. Unbedingt anhören!
Montag, 20. Juni 2016
Bruhns & Scheidemann - Organ works (Dacapo)
Ein ebenso prachtvolles wie klang- schönes historisches Instrument aus dem Dom zu Roskilde, Dänemark, ist auf dieser CD zu erleben. Es wurde 1554/55 von dem niederländischen Orgelbauer Hermann Raphaelis Rottenstein-Pock erbaut, wobei Teile einer bereits vorhandenen Orgel genutzt wurden. Im Laufe der Jahr- hunderte hat das Instrument einige Umbauten und Erweiterungen erfah- ren; in den 80er Jahren entschied aber die Gemeinde, dass die Orgel, so, wie sich das Instrument entwickelt hatte, für eine Schwalbennestorgel nicht wirklich passend ist. Die Firma Marcussen & Sohn, baute daher für die Kathedrale drei moderne, kleinere Instrumente – und restaurierte sorgsam die historische Orgel, die auf den Stand vor 1700 zurückgesetzt wurde. Verlorene Register wurde dabei rekonstruiert. Die Raphaelis-Orgel hat heute 33 Register auf drei Manualen und Pedal.
Die international renommierte Organistin Bine Bryndorf spielt an diesem Instrument Orgelmusik von Heinrich Scheidemann, dem Begründer der norddeutschen Orgelschule, und das komplette Orgelwerk von Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697), einem ihrer letzten Protagonisten. Ihre Auswahl insbesondere der Stücke von Scheidemann ermöglicht es der Professorin, die heute in Kopenhagen unterrichtet, die Orgel quasi nebenher mit vor- zustellen. Sehr gelungen!
Die international renommierte Organistin Bine Bryndorf spielt an diesem Instrument Orgelmusik von Heinrich Scheidemann, dem Begründer der norddeutschen Orgelschule, und das komplette Orgelwerk von Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697), einem ihrer letzten Protagonisten. Ihre Auswahl insbesondere der Stücke von Scheidemann ermöglicht es der Professorin, die heute in Kopenhagen unterrichtet, die Orgel quasi nebenher mit vor- zustellen. Sehr gelungen!
Dienstag, 24. Mai 2016
Buxtehude and his Circle (Dacapo)
Paul Hillier hat sich mit dem Theatre of Voices auf die Suche nach den Spuren von Dieterich Buxtehude be- geben. Der nordddeutsche Orgelvir- tuose war offenbar auch ein außer- ordentlich engagierter Netzwerker. Bedeutende Musikerkollegen, wie Bach und Händel, besuchten ihn in Lübeck und lernten von ihm. Diese CD nun zeigt uns den engeren Kreis um Buxtehude: Der Organist selbst war ein Schüler von Kaspar Förster (1617 bis 1673), auf der CD ebenso vertreten wie Franz Tunder (1614 bis 1667), dessen Tochter Buxtehude heiratete. Auch Vokalwerke von Christian Geist (um 1650 bis 1711), Organist in Kopenhagen, und Buxtehudes Schüler Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697), Organist in Husum, erklingen – und natürlich zwei Kantaten von Buxtehude selbst. Die meisten der Kompositionen, die diese CD vorstellt, sind ausgesprochene Raritäten, was den Hörer freut. Allerdings legt Hillier mit seinen Sängern und Instrumentalisten ein erstaunlich flottes Tempo vor; Bruhns' De profundis beispielsweise in knapp zwölf Minuten ist für meinen persönlichen Geschmack etwas zu sportlich.
Dienstag, 12. April 2016
Scheidemann: Organ Works (Oehms Classics)
Joseph Kelemen studierte an der Franz-Liszt-Akademie in Budapest, der Schola Cantorum Basiliensis und in Bremen, in der Orgelklasse von Harald Vogel. Er ist als Organist an St. Johann Baptist in Neu-Ulm tätig. Dass er seinen ausgezeichneten Ruf als Spezialist für historischen Fingersatz, und speziell für deutsche Orgelmusik des 17. Jahrhunderts zu Recht genießt, beweisen seine Auf- nahmen mit Werken norddeutscher Orgelmeister.
So führt die Einspielung mit Werken von Hieronymus (1560 bis 1629) und Jacob jun. Praetorius (1586 bis 1651) – Vater und Sohn, sie wirkten als Organisten in Hamburg an St Jacobi und St. Petri – in die Übergangszeit von der Renaissance zum Frühbarock. Kelemen spielt an der Scherer-Orgel der St. Stephanskirche der Hansestadt Tangermünde eine Auswahl ihrer Werke. Dieses Instrument war ein Geschenk der Stadt Hamburg; es wurde von Hans Scherer d. J. gemeinsam mit seinem Bruder Fritz in den Jahren 1623/24 erbaut. Es verfügt über 32 Register auf drei Manualen und Pedal. Etwa die Hälfte des Pfeifenwerkes sowie das geschnitzte Gehäuse sind original erhalten.
Die Norddeutsche Orgel der Örgryte nya kyrka in Göteborg ist das Ergebnis eines interdisziplinären Forschungsprojektes, an dem ein Team aus zwölf Nationen unter Leitung von drei Orgelbauern zehn Jahre lang gearbeitet hat. Dabei wurden alte Handwerkstechniken erkundet; so wurden Metall- platten auf Sand gegossen – was die Beteiligten erst wieder erlernen mussten. Als Vorbild für das Pfeifenwerk diente die Arp-Schnitger-Orgel der Hamburger St.-Jacobi-Kirche. Bei Prospekt und Spieltisch wurde aus Platzgründen ein anderes Instrument des berühmten Orgelbauers kopiert, die 1942 zerstörte Orgel im Lübecker Dom.
Die Norddeutsche Orgel, im Jahre 2000 fertiggestellt, verfügt über 54 Re- gister. Sie ist das einzige viermanualige mitteltönig gestimmte Instrument in dieser Größe überhaupt, schreibt Kelemen. Er hat daran Orgelmusik von Heinrich Scheidemann (um 1595 bis 1663) eingespielt. Scheidemann, ein Schüler Sweelincks, war Organist an der Hamburger Katharinen-Kirche. Er gilt als Erfinder der Choralfantasie.
Kelemen macht mit seiner Aufnahme deutlich, dass die Kompositionen, die in den alten Tabulaturen notiert wurden, musikalisch auch heute noch durchaus relevant sind. Wenn er diese Musik spielt, dann ist das keine Einladung zu einem Gang ins Museum. Der Zuhörer wird erfreut festellen, dass die Werke der norddeutschen Orgelmeister, durch diesen Organisten interpretiert, sehr attraktiv sind – und höchst lebendig. Und weil die Aufnahmen so gelungen sind, hat das Label Oehms Classics nun eine Box daraus gemacht: Auf den insgesamt sechs CD finden sich zudem Werke von Vincent Lübeck, Matthias Weckmann, Nicolaus Bruhns und Jan Pieterszoon Sweelinck.
So führt die Einspielung mit Werken von Hieronymus (1560 bis 1629) und Jacob jun. Praetorius (1586 bis 1651) – Vater und Sohn, sie wirkten als Organisten in Hamburg an St Jacobi und St. Petri – in die Übergangszeit von der Renaissance zum Frühbarock. Kelemen spielt an der Scherer-Orgel der St. Stephanskirche der Hansestadt Tangermünde eine Auswahl ihrer Werke. Dieses Instrument war ein Geschenk der Stadt Hamburg; es wurde von Hans Scherer d. J. gemeinsam mit seinem Bruder Fritz in den Jahren 1623/24 erbaut. Es verfügt über 32 Register auf drei Manualen und Pedal. Etwa die Hälfte des Pfeifenwerkes sowie das geschnitzte Gehäuse sind original erhalten.
Die Norddeutsche Orgel der Örgryte nya kyrka in Göteborg ist das Ergebnis eines interdisziplinären Forschungsprojektes, an dem ein Team aus zwölf Nationen unter Leitung von drei Orgelbauern zehn Jahre lang gearbeitet hat. Dabei wurden alte Handwerkstechniken erkundet; so wurden Metall- platten auf Sand gegossen – was die Beteiligten erst wieder erlernen mussten. Als Vorbild für das Pfeifenwerk diente die Arp-Schnitger-Orgel der Hamburger St.-Jacobi-Kirche. Bei Prospekt und Spieltisch wurde aus Platzgründen ein anderes Instrument des berühmten Orgelbauers kopiert, die 1942 zerstörte Orgel im Lübecker Dom.
Die Norddeutsche Orgel, im Jahre 2000 fertiggestellt, verfügt über 54 Re- gister. Sie ist das einzige viermanualige mitteltönig gestimmte Instrument in dieser Größe überhaupt, schreibt Kelemen. Er hat daran Orgelmusik von Heinrich Scheidemann (um 1595 bis 1663) eingespielt. Scheidemann, ein Schüler Sweelincks, war Organist an der Hamburger Katharinen-Kirche. Er gilt als Erfinder der Choralfantasie.
Kelemen macht mit seiner Aufnahme deutlich, dass die Kompositionen, die in den alten Tabulaturen notiert wurden, musikalisch auch heute noch durchaus relevant sind. Wenn er diese Musik spielt, dann ist das keine Einladung zu einem Gang ins Museum. Der Zuhörer wird erfreut festellen, dass die Werke der norddeutschen Orgelmeister, durch diesen Organisten interpretiert, sehr attraktiv sind – und höchst lebendig. Und weil die Aufnahmen so gelungen sind, hat das Label Oehms Classics nun eine Box daraus gemacht: Auf den insgesamt sechs CD finden sich zudem Werke von Vincent Lübeck, Matthias Weckmann, Nicolaus Bruhns und Jan Pieterszoon Sweelinck.
Donnerstag, 24. März 2016
Bruhns: Complete Organ Music (Brilliant Classics)
Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697) entstammte einer schleswig-hol- steinischen Musikerdynastie. Sein Großvater war Lautenist und Musik- direktor am Hofe des Gottorper Herzogs, ein Onkel war Direktor der Hamburger Ratsmusik, und sein Vater war Organist; es wird vermutet, dass er ein Schüler von Franz Tunder gewesen sein könnte.
Beim Vater erhielt Nicolaus den ersten Unterricht. Als er 16 Jahre alt war, übernahm dann ein Onkel, der Ratsmusiker in Lübeck war, seine weitere Ausbildung insbesondere an Geige und Gambe. Bruhns soll zudem der Lieblingsschüler Dieterich Buxtehudes gewesen sein, der ihn im Orgelspiel und in Komposition unterrichtete.
Der Musiker wirkte einige Jahre in Kopenhagen, und erhielt dann eine Stelle als Organist in Husum. Als die Stadt Kiel wenig später mit einem konkurrierenden Angebot an den Musiker herantrat, erhöhte der Stadtrat ihm erheblich die Bezüge – und Bruhns blieb. Schaut man sich seine wenigen überlieferten Werke an, so muss er sowohl auf der Geige als auch an der Orgel ein Virtuose gewesen sein. Leider starb er bereits mit 31 Jah- ren; erhalten sind ein knappes Dutzend Geistliche Konzerte und Kantaten sowie vier Orgelwerke – das Große Präludium in e-Moll, das Kleine Präludium in e-Moll, das Präludium in G-Dur, sowie die Choralfantasie über Nun komm, der Heiden Heiland. Zwei weitere Orgelwerke, ein Präludium im g-Moll sowie ein Adagio als Bruchstück aus einem Präludium in D-Dur sind ebenfalls überliefert, aber ihre Echtheit ist umstritten.
Für die vorliegende CD hat der italienische Organist Adriano Falcioni an der Orgel der Kirche San Giorgio in Ferrara Bruhns' komplettes Orgelwerk eingespielt. Vervollständigt wird das Album durch Stücke von Jan Pieterszoon Sweelinck, Heinrich Scheidemann, Samuel Scheidt und Dieterich Buxtehude. Das ist ein interessantes Konzept, denn es macht das musikalische Umfeld deutlich, in dem Bruhns' Musik entstanden ist.
Beim Vater erhielt Nicolaus den ersten Unterricht. Als er 16 Jahre alt war, übernahm dann ein Onkel, der Ratsmusiker in Lübeck war, seine weitere Ausbildung insbesondere an Geige und Gambe. Bruhns soll zudem der Lieblingsschüler Dieterich Buxtehudes gewesen sein, der ihn im Orgelspiel und in Komposition unterrichtete.
Der Musiker wirkte einige Jahre in Kopenhagen, und erhielt dann eine Stelle als Organist in Husum. Als die Stadt Kiel wenig später mit einem konkurrierenden Angebot an den Musiker herantrat, erhöhte der Stadtrat ihm erheblich die Bezüge – und Bruhns blieb. Schaut man sich seine wenigen überlieferten Werke an, so muss er sowohl auf der Geige als auch an der Orgel ein Virtuose gewesen sein. Leider starb er bereits mit 31 Jah- ren; erhalten sind ein knappes Dutzend Geistliche Konzerte und Kantaten sowie vier Orgelwerke – das Große Präludium in e-Moll, das Kleine Präludium in e-Moll, das Präludium in G-Dur, sowie die Choralfantasie über Nun komm, der Heiden Heiland. Zwei weitere Orgelwerke, ein Präludium im g-Moll sowie ein Adagio als Bruchstück aus einem Präludium in D-Dur sind ebenfalls überliefert, aber ihre Echtheit ist umstritten.
Für die vorliegende CD hat der italienische Organist Adriano Falcioni an der Orgel der Kirche San Giorgio in Ferrara Bruhns' komplettes Orgelwerk eingespielt. Vervollständigt wird das Album durch Stücke von Jan Pieterszoon Sweelinck, Heinrich Scheidemann, Samuel Scheidt und Dieterich Buxtehude. Das ist ein interessantes Konzept, denn es macht das musikalische Umfeld deutlich, in dem Bruhns' Musik entstanden ist.
Montag, 12. Oktober 2015
Abendmusik (Brilliant Classics)
Die Tradition der Abendmusiken entstand in Lübeck. Begründet wurde sie von Franz Tunder (1614 bis 1667), dem Organisten an der Marienkirche. Entstanden ist diese besondere Form des Konzertes aus einer Orgelmusik, die Tunder ab 1646 für die „Commer- zierenden Zünfte“ spielte, bevor diese zur Börse in das nebenan gelegene Rathaus gingen. Später erweiterte Tunder die Besetzung dann um Sing- stimmen und Violinen.
Tunders Nachfolger Dieterich Buxte- hude übernahm die Abendmusiken und baute diese Konzertreihe weiter aus. So wurden auf seinen Wunsch hin sogar Sängeremporen eingebaut, damit Chor und Orchester ausreichend Platz hatten. Bis zu 80 Musiker wirkten damals an diesen Konzerten mit.
Leider ist von den Werken, die Buxtehude für die Abendmusiken geschaffen hat, offenbar kein einziges überliefert worden. Sie sollen eher Oratorien als Kantaten geähnelt haben. Die Zuhörer jedenfalls waren sehr beeindruckt, und so gab es bald auch in anderen Städten ähnliche Veranstaltungen.
Ein Programm mit Kantaten aus jenen frühen Tagen der protestantischen Kirchenmusik hat nun Brilliant Classics vorgelegt. Zu hören ist Bassbari- ton Mario Borgioni – eine wundervolle, ausdrucksstarke Stimme mit satter Tiefe – gemeinsam mit dem italienischen „Alte“-Musik-Ensemble Accademia Hermans. Es erklingen ausgewählte Vokalwerke von Johann Christoph Bach (1642 bis 1703), Franz Tunder, Matthias Weckmann (um 1616 bis 1674), Johann Rosenmüller (1619 bis 1684), und Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697), Buxtehudes Lieblingsschüler, sowie Instrumentalmusik von Johann Philipp Krieger (1649 bis 1725) und dem Hamburger Rats- musiker Johann Schop (1660 bis 1741). Die Aufnahmen entstanden im April 2014 in der Stiftskirche von Santa Maria Maggiore im italienischen Collescipoli.
Tunders Nachfolger Dieterich Buxte- hude übernahm die Abendmusiken und baute diese Konzertreihe weiter aus. So wurden auf seinen Wunsch hin sogar Sängeremporen eingebaut, damit Chor und Orchester ausreichend Platz hatten. Bis zu 80 Musiker wirkten damals an diesen Konzerten mit.
Leider ist von den Werken, die Buxtehude für die Abendmusiken geschaffen hat, offenbar kein einziges überliefert worden. Sie sollen eher Oratorien als Kantaten geähnelt haben. Die Zuhörer jedenfalls waren sehr beeindruckt, und so gab es bald auch in anderen Städten ähnliche Veranstaltungen.
Ein Programm mit Kantaten aus jenen frühen Tagen der protestantischen Kirchenmusik hat nun Brilliant Classics vorgelegt. Zu hören ist Bassbari- ton Mario Borgioni – eine wundervolle, ausdrucksstarke Stimme mit satter Tiefe – gemeinsam mit dem italienischen „Alte“-Musik-Ensemble Accademia Hermans. Es erklingen ausgewählte Vokalwerke von Johann Christoph Bach (1642 bis 1703), Franz Tunder, Matthias Weckmann (um 1616 bis 1674), Johann Rosenmüller (1619 bis 1684), und Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697), Buxtehudes Lieblingsschüler, sowie Instrumentalmusik von Johann Philipp Krieger (1649 bis 1725) und dem Hamburger Rats- musiker Johann Schop (1660 bis 1741). Die Aufnahmen entstanden im April 2014 in der Stiftskirche von Santa Maria Maggiore im italienischen Collescipoli.
Montag, 25. März 2013
Mein Herz ist bereit (Rondeau)
Wenn wir heute über norddeutsche Barockmusik reden, dann meinen wir in erster Linie die Werke der Komponistengenerationen zwi- schen Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach.
Wie stark sie Traditionen kreativ weiterentwickelt hat, das zeigt die vorliegende CD, die im September 2011 in St. Wilhadi zu Stade auf- gezeichnet wurde. Dort befindet sich eine prachtvolle Orgel, die der ortsansässige Orgelbauer Erasmus Bielfeldt in den Jahren 1731 bis 1735 errichtet hat. 1990 wurde sie durch die Orgelbauwerkstatt Jürgen Ahrend restauriert.
Wie stark sie Traditionen kreativ weiterentwickelt hat, das zeigt die vorliegende CD, die im September 2011 in St. Wilhadi zu Stade auf- gezeichnet wurde. Dort befindet sich eine prachtvolle Orgel, die der ortsansässige Orgelbauer Erasmus Bielfeldt in den Jahren 1731 bis 1735 errichtet hat. 1990 wurde sie durch die Orgelbauwerkstatt Jürgen Ahrend restauriert.
An diesem hochbarocken Instrument spielt der Stader Kirchenmusik- direktor und Organist Hauke Ramm Orgelwerke von Georg Böhm (1661 bis 1733) und Dieterich Buxtehude (1637 bis 1707). Sie bilden einen beeindruckenden Rahmen für eine Reihe von Solokantaten, die Bassbariton Gotthold Schwarz gemeinsam mit Solisten des Sächsi- schen Barockorchesters vorträgt.
In ihrer Werkauswahl zeigen die Musiker geschickt auch Verbin- dungslinien auf. So hatte Franz Tunder (1614 bis 1667), der Vor- gänger Dieterich Buxtehudes im Amt dies Organisten an der Lübecker Marienkirche, sogenannte Abendmusiken neu eingeführt. Welche Musik dort erklang, das wird anhand der Kantate O Jesu dulcissime demonstriert. Buxtehude führte diese Tradition fort - und erweiterte zugleich die Besetzung, wie an Ich bin die Auferstehung und das Leben hörbar wird.
Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697) gilt als Lieblingsschüler Buxte- hudes; er kam als 16jähriger nach Lübeck, um durch seinen Onkel, einen Ratsmusiker, auf Geige und Gambe unterwiesen zu werden. Bruhns wurde das jüngste Mitglied der Lübecker Violinisten, ging dann als Organist an den königlichen Hof nach Kopenhagen und wechselte 1689 an die Husumer Stadtkirche. Es wird vermutet, dass Bruhns die beiden Kantaten, mit denen er auf dieser CD vertreten ist, für Kantor Georg Ferber geschrieben hat, der hervorragend gesungen haben soll.
Vokalwerke von Schütz' Meisterschüler Christoph Bernhard und von Georg Philipp Telemann runden das Bild; sie wirkten beide als Kantor am Johanneum und Musikdirektor der Stadt Hamburg - und fügten den Anregungen, die sie durch ihre Ausbildung in Sachsen erhalten hatten, etliche stilistische Eigenheiten hinzu, die wir heute als typisch norddeutsch bezeichnen.
Doch wer diese CD anhören möchte, der muss sich mit solchen Über- legungen gar nicht plagen. Man kann sich auch entspannt zurück- lehnen und genießen - Gratulation zu dieser klangschönen, rundum gelungenen CD!
In ihrer Werkauswahl zeigen die Musiker geschickt auch Verbin- dungslinien auf. So hatte Franz Tunder (1614 bis 1667), der Vor- gänger Dieterich Buxtehudes im Amt dies Organisten an der Lübecker Marienkirche, sogenannte Abendmusiken neu eingeführt. Welche Musik dort erklang, das wird anhand der Kantate O Jesu dulcissime demonstriert. Buxtehude führte diese Tradition fort - und erweiterte zugleich die Besetzung, wie an Ich bin die Auferstehung und das Leben hörbar wird.
Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697) gilt als Lieblingsschüler Buxte- hudes; er kam als 16jähriger nach Lübeck, um durch seinen Onkel, einen Ratsmusiker, auf Geige und Gambe unterwiesen zu werden. Bruhns wurde das jüngste Mitglied der Lübecker Violinisten, ging dann als Organist an den königlichen Hof nach Kopenhagen und wechselte 1689 an die Husumer Stadtkirche. Es wird vermutet, dass Bruhns die beiden Kantaten, mit denen er auf dieser CD vertreten ist, für Kantor Georg Ferber geschrieben hat, der hervorragend gesungen haben soll.
Vokalwerke von Schütz' Meisterschüler Christoph Bernhard und von Georg Philipp Telemann runden das Bild; sie wirkten beide als Kantor am Johanneum und Musikdirektor der Stadt Hamburg - und fügten den Anregungen, die sie durch ihre Ausbildung in Sachsen erhalten hatten, etliche stilistische Eigenheiten hinzu, die wir heute als typisch norddeutsch bezeichnen.
Doch wer diese CD anhören möchte, der muss sich mit solchen Über- legungen gar nicht plagen. Man kann sich auch entspannt zurück- lehnen und genießen - Gratulation zu dieser klangschönen, rundum gelungenen CD!
Samstag, 3. November 2012
Dietrich Fischer-Dieskau sings baroque arias (Hänssler)
Das ist eine interessante CD - und dies wiederum liegt nicht nur an dem wie üblich phänomenalen Gesang von Dietrich Fischer-Dieskau, sondern durchaus auch an dem Repertoire, mit dem der berühmte Bariton zu hören ist.
Es handelt sich hier nämlich keineswegs um ein Album mit Barockarien. Auf dieser CD hat Hänssler Classic vielmehr Mit- schnitte von Kantaten zusammen- gefasst, die durchweg als Raritäten gelten können. Sie stammen von Gottfried Heinrich Stölzel, Adam Krieger, Franz Tunder, seinem Schwiegersohn und Amtsnachfolger Dietrich Buxtehude sowie Buxtehudes Lieblingsschüler Nikolaus Bruhns.
Entstanden sind diese Aufnahmen auf Initiative des Chordirigenten August Langenbeck, der die Redaktion "Geistliche Musik" beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart betreute. In den 50er Jahren lud er den Sänger mehrfach zu Produktionen ein - und Fischer-Dieskau widmete sich offenbar gern den Pretiosen, die Langenbeck für diese Projekte ausgesucht hat. Gemeinsam mit den Cembalisten Lisedore Praetorius, Hermann Werdermann und Karl Gerok sowie einzelnen Musikern des Südfunk-Sinfonieorchesters hat er diese Kantaten mit großer Sorgfalt im Detail erarbeitet - und gelangte so zugleich zu einer beeindruckenden Ausdrucksstärke; man höre nur Stölzels Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir oder Bruhns' Erstanden ist der heilige Christ. Bei einigen Kantaten singt Fischer-Dieskau gemeinsam mit Helmut Krebs, seinerzeit ein bekannter Bach-Tenor, und mit der Mezzosopranistin Erika Winkler. Bedenkt man, dass diese Aufnahmen durchweg weit vor den ersten Versuchen, historische Aufführungs- praxis zu rekonstruieren, entstanden sind, dann wird man das Ergeb- nis sehr beachtlich finden.
Es handelt sich hier nämlich keineswegs um ein Album mit Barockarien. Auf dieser CD hat Hänssler Classic vielmehr Mit- schnitte von Kantaten zusammen- gefasst, die durchweg als Raritäten gelten können. Sie stammen von Gottfried Heinrich Stölzel, Adam Krieger, Franz Tunder, seinem Schwiegersohn und Amtsnachfolger Dietrich Buxtehude sowie Buxtehudes Lieblingsschüler Nikolaus Bruhns.
Entstanden sind diese Aufnahmen auf Initiative des Chordirigenten August Langenbeck, der die Redaktion "Geistliche Musik" beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart betreute. In den 50er Jahren lud er den Sänger mehrfach zu Produktionen ein - und Fischer-Dieskau widmete sich offenbar gern den Pretiosen, die Langenbeck für diese Projekte ausgesucht hat. Gemeinsam mit den Cembalisten Lisedore Praetorius, Hermann Werdermann und Karl Gerok sowie einzelnen Musikern des Südfunk-Sinfonieorchesters hat er diese Kantaten mit großer Sorgfalt im Detail erarbeitet - und gelangte so zugleich zu einer beeindruckenden Ausdrucksstärke; man höre nur Stölzels Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir oder Bruhns' Erstanden ist der heilige Christ. Bei einigen Kantaten singt Fischer-Dieskau gemeinsam mit Helmut Krebs, seinerzeit ein bekannter Bach-Tenor, und mit der Mezzosopranistin Erika Winkler. Bedenkt man, dass diese Aufnahmen durchweg weit vor den ersten Versuchen, historische Aufführungs- praxis zu rekonstruieren, entstanden sind, dann wird man das Ergeb- nis sehr beachtlich finden.
Sonntag, 10. April 2011
Stellwagen-Orgel (1659) zu St. Marien Stralsund; Rost (MDG)
Wie köstlich! Eine Orgel-CD, die mit dem Signal des Calcantenglöck- chens beginnt, gefolgt vom Atem- geräusch der Balganlage - das ist geradezu nostalgisch. Und im Beiheft liest man dann, das den Orgelwind für dieses Orgelporträt tatsächlich "statt des Orgelmotors in authentischer Weise die durch Calcanten betätigten 12 Keilbälge" geliefert haben. Und auch sonst stellt man bald fest, dass hier durchweg sachkundige Hände am Werk waren.
Martin Rost ist ohne Zweifel einer der profiliertesten Organisten und Orgelsachverständigen seiner Generation. Er setzt sich seit vielen Jahren für die Restaurierung historischer Orgeln ein, und hat bislang mehr als 80 derartige Projekte fachlich begleitet. Ihm verdanken wir zudem die Wiederentdeckung der verloren geglaubten Archivalien über den Bau der Stellwagen-Orgel der Marienkirche in Stralsund. Eine sorgfältige Bestandsaufnahme sowie vergleichende Unter- suchungen an weiteren Orgeln ermöglichte die Restaurierung dieses kostbaren Instrumentes in den Jahren 2003 bis 2008 - mit dem Ziel der Wiederherstellung des Orgelwerkes in dem Zustand, in dem der Orgelbauer es einst an die Kirchgemeinde übergeben hatte.
Der Lübecker Friedrich Stellwagen (1603 bis 1660) hat in der Stral- sunder Marienkirche sein größtes und wohl auch schönstes Instru- ment errichtet. Wenige Monate vor seinem Tod, im Oktober 1659, vollendet, war es mit 51 klingenden Registern, verteilt auf Hauptwerk, Oberpositiv, Rückpositiv und Pedal Höhepunkt und Abschluss seines Lebenswerkes. Durch Kriegsgeschehen, nicht immer sachgemäße Umbauten und mangelhafte Instandhaltung erlitt die Stellwagen-Orgel im Laufe der Jahrhunderte etliche Blessuren. 1943 wurde sie aus der Kirche entfernt, und in einem Gutshaus eingelagert. Während St. Marien den Krieg ohne Schäden überstand, lässt sich das von der Orgel nicht gerade sagen. Dennoch erreichte der damalige Organist Dr. Dietrich W. Prost in den 50er Jahren die Wiederherstellung des Instrumentes.
Die Stellwagen-Orgel ist letztendlich die einzige große Barockorgel, die in einer der norddeutschen Backstein-Basiliken erhalten geblieben ist. In Werkaufbau und Klangkonzept gleicht sie ihren berühmten Schwestern in der Lübecker Marienkirche und der Hamburger Katharinenkirche, die heute beide nicht mehr existieren. Martin Rost hat für sein Orgelporträt neben Werken Dietrich Buxtehudes, der als Inbegriff norddeutscher Orgelkunst gilt, auch die seiner Vorgänger Peter Hasse, Franz Tunder, sowie seiner Schüler Nicolaus Bruhns, Johann Sebastian Bach und Christian Schiefferdecker ausgewählt. Daran demonstriert er einerseits die Klangvarianten und Möglich- keiten der Stellwagen-Orgel; andererseits aber auch die Entwicklung der Orgelmusik innerhalb von gut hundert Jahren. Eine rundum gelungene CD, die einen beeindruckenden Klangeindruck vermittelt.
Martin Rost ist ohne Zweifel einer der profiliertesten Organisten und Orgelsachverständigen seiner Generation. Er setzt sich seit vielen Jahren für die Restaurierung historischer Orgeln ein, und hat bislang mehr als 80 derartige Projekte fachlich begleitet. Ihm verdanken wir zudem die Wiederentdeckung der verloren geglaubten Archivalien über den Bau der Stellwagen-Orgel der Marienkirche in Stralsund. Eine sorgfältige Bestandsaufnahme sowie vergleichende Unter- suchungen an weiteren Orgeln ermöglichte die Restaurierung dieses kostbaren Instrumentes in den Jahren 2003 bis 2008 - mit dem Ziel der Wiederherstellung des Orgelwerkes in dem Zustand, in dem der Orgelbauer es einst an die Kirchgemeinde übergeben hatte.
Der Lübecker Friedrich Stellwagen (1603 bis 1660) hat in der Stral- sunder Marienkirche sein größtes und wohl auch schönstes Instru- ment errichtet. Wenige Monate vor seinem Tod, im Oktober 1659, vollendet, war es mit 51 klingenden Registern, verteilt auf Hauptwerk, Oberpositiv, Rückpositiv und Pedal Höhepunkt und Abschluss seines Lebenswerkes. Durch Kriegsgeschehen, nicht immer sachgemäße Umbauten und mangelhafte Instandhaltung erlitt die Stellwagen-Orgel im Laufe der Jahrhunderte etliche Blessuren. 1943 wurde sie aus der Kirche entfernt, und in einem Gutshaus eingelagert. Während St. Marien den Krieg ohne Schäden überstand, lässt sich das von der Orgel nicht gerade sagen. Dennoch erreichte der damalige Organist Dr. Dietrich W. Prost in den 50er Jahren die Wiederherstellung des Instrumentes.
Die Stellwagen-Orgel ist letztendlich die einzige große Barockorgel, die in einer der norddeutschen Backstein-Basiliken erhalten geblieben ist. In Werkaufbau und Klangkonzept gleicht sie ihren berühmten Schwestern in der Lübecker Marienkirche und der Hamburger Katharinenkirche, die heute beide nicht mehr existieren. Martin Rost hat für sein Orgelporträt neben Werken Dietrich Buxtehudes, der als Inbegriff norddeutscher Orgelkunst gilt, auch die seiner Vorgänger Peter Hasse, Franz Tunder, sowie seiner Schüler Nicolaus Bruhns, Johann Sebastian Bach und Christian Schiefferdecker ausgewählt. Daran demonstriert er einerseits die Klangvarianten und Möglich- keiten der Stellwagen-Orgel; andererseits aber auch die Entwicklung der Orgelmusik innerhalb von gut hundert Jahren. Eine rundum gelungene CD, die einen beeindruckenden Klangeindruck vermittelt.
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