„I have always been interested in less ;easy' repertoire; well known by experts but not as appreciated by the general public“, schreibt Ottavio Dantone im Beiheft zu dieser Doppel-CD. „I approached these symphonies from Haydn's Sturm und Drang period with a view to understanding the great dynamic and expressive contrasts hidden in the scores.“
Dass die Sinfonien dieser Aufnahme zu den weniger bekannten gehören, wird bereits an der Tatsache deutlich, dass zwei von ihnen, mit den Nummern 79 und 81, hier zum ersten Male mit historischen Instrumenten eingespielt worden sind. Als er diese Werke komponierte, lag Haydns sogenannte „Sturm-und-Drang“-Zeit allerdings schon etliche Jahre zurück; auch wenn die erste der vier Sinfonien dieser Aufnahme ein wenig düster und spannungsvoll beginnt. Die Sinfonie Nr. 78 gehört zu einer ersten Gruppe von Werken, 1782 im Druck erschienen, die Haydn bewusst für den Musikmarkt, für seine Ver- leger und ihre Kunden, geschrieben hat.
Die nächsten drei Sinfonien, Nr. 79 bis 81, stellte er 1784 fertig. Sie sind ebenfalls überaus kunstvoll gestaltet, mt leichter Hand, und enthalten hier und da auch einen der typischen Haydnschen Scherze. Diese Musik war seinerzeit so beliebt, dass ihr Schöpfer 1785 den Auftrag erhielt, sechs Werke für das vergleichsweise große Orchester der Concerts de la Loge Olympique zu schreiben – die Pariser Sinfonien. Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte.
Haydn schätze ich sehr, und höre ihn gern und oft; immer wieder sind neue Facetten und neue Details zu entdecken. Wer den Komponisten nur als „Papa Haydn“, der den Weg freimachte für Mozart, oder aber als einen Vorgänger Beethovens versteht, der hat ihn mit Sicherheit nicht verstan- den. Dass sich Dantone mit der Accademia Bizantina diesen vier Sinfonien zuwendet, ist daher erfreulich. Zwar gibt es bereits etliche Aufnahmen; erinnert sei hier insbesondere an die legendäre Gesamteinspielung, die Antal Dorati, ebenfalls für Decca, in den 70er Jahren in Marl (!) mit der dort ansässigen Philharmonia Hungarica erarbeitet hatte.
Auch Dantone setzt ganz auf kammermusikalische Präzision, und durch den Einsatz des zeitgenössischen Instrumentariums nähert er sich obendrein dem Klang jener Jahre an. Mit einer kleinen Besetzung geht er auf Entdeckungsreise: „It is well known that eighteenth-century music contains more ,non-written' elements than written ones“, so Dantone. „Discovering these hidden aspects – the secret codes that reveal the music's varying emotions from the most intimate to the most intense – is a highly interesting and creative process.“ Das Resultat kann in diesem Falle auch der Zuhörer genießen – es lohnt sich.
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Montag, 7. November 2016
Sonntag, 18. Juli 2010
Haydn: Concertos for Harpsichord & Violin (L'Oiseau Lyre)
Diese CD beginnt mit einem Hit: Das Konzert in D-Dur, Hob. XVIII: 11 war zu Haydns Lebzeiten das beliebteste seiner Konzerte - und das zu Recht: Es ist ganz für den Konzertsaal geschrieben, und das Finale ist ein temperamentvolles, unwiderstehliches Rondo all'unga- rese, das zwar auf einer "echten" Volksmelodie beruht, aber diese höchst kunstvoll und virtuos weiterentwickelt. Ottavio Dantone spielt dieses Konzert am Cembalo, was mit Sicherheit zu Haydns Tagen üblich war. Kritisch sei hier vermerkt: Das Orchester erscheint mir im Vergleich zum Solo-Instrument zu laut.
Das Violinkonzert in G-Dur, Hob. VIIa: 4, ist von spätbarocker Ele- ganz und Grazie, mit einer Vielzahl schöner Details. Stefano Montana- ri nimmt das Stück klangschön, aber für mein Gefühl eine Spur zu klassisch. Die beiden Solisten sind auch im Doppelkonzert für Violine und Cembalo in F-Dur, Hb. XVIII: 6, zu hören, das Haydn um 1766 komponiert und wohl gemeinsam mit Luigi Tomasini, dem Konzert- meister des Esterházy-Orchesters, gespielt haben wird. Es ist ein elegantes, freundliches Konzert, in dem die Solisten in erster Linie gepflegte Konversation untereinander sowie mit dem Orchester betreiben. Das Stück hat freilich Doppelkadenzen - und hier entwik- keln die Musiker dann doch einigen sportlichen Ehrgeiz.
Begleitet werden die Solisten von der Accademia Bizzantina, geleitet von Ottavio Dantone, im Falle des Falles auch vom Cembalo aus. Dieses Orchester ist bisher eher durch seine präzisen, temperament- vollen Einspielungen italienischer Barockmusik aufgefallen. Den Werken Haydns, die das Ensemble für diese Aufnahme ausgewählt hat, tut diese winzige Prise Italianità erstaunlich gut.
Samstag, 17. Oktober 2009
Handel: Organ Concertos, op. 4; Ottavio Dantone, Accademia Bizantina (L'Oiseau Lyre)
Um Publikum zu seinen Oratorien-Aufführungen zu locken, erfand Händel - der ja auch ein gewiefter Geschäftsmann war - eine gänzlich neue Gattung: Das Orgelkonzert, eingeleitet vom Meister höchstpersönlich mit einem freien Präludium, erklang als Zwischenaktmusik, und begeisterte das anspruchsvolle Londoner Publikum. Das ist kein Wunder, denn die Musik ist ebenso virtuos wie eingängig. Und während die Oratorien heute nur noch Insidern bekannt sind, erfreuen sich die Orgelkonzerte wieder enormer Beliebtheit.
Eine Neueinspielung derart populärer Stücke ist immer auch ein Risiko. Denn nur dann, wenn die Interpreten wirklich etwas zu sagen haben, wird die CD tatsächlich gekauft. Bei der vorliegenden Aufnahme jedoch dürfte die Gefahr gering sein, dass sie wie Blei im Regal liegen bleibt. Das liegt zum einen an dem schlanken, frischen Klang des Ensembles, das in kleinster Besetzung musiziert. Dantone selbst entschied sich für ein kleines Orgelpositiv im böhmischen Stil, einmanualig, ohne Pedal und mit lediglich sechs Registern, aus der Werkstatt des Dresdener Orgelbauers Kristian Wegscheider.
Der Organist und seine Mitmusiker haben zudem den Mut und die technischen Fähigkeiten, Händels Partituren so zu lesen, wie sie einst gedacht waren: Als Skizzen, versehen mit reichlich Fragezeichen, Stichwort: "ad libitum". Ihre Lösungen sind ausgesprochen akzeptabel; Dantone gelingen schöne kleine Präludien, die den Charakter des folgenden Stückes bestens treffen. So hört man diese CD mit Vergnügen. Und als augenzwinkernde Verneigung vor dem Meister wurden die Stücke obendrein in der Kirche St. Bartholomäus zu Halle/Saale eingespielt; dort war Händels Großvater seinerzeit Pfarrer.
Eine Neueinspielung derart populärer Stücke ist immer auch ein Risiko. Denn nur dann, wenn die Interpreten wirklich etwas zu sagen haben, wird die CD tatsächlich gekauft. Bei der vorliegenden Aufnahme jedoch dürfte die Gefahr gering sein, dass sie wie Blei im Regal liegen bleibt. Das liegt zum einen an dem schlanken, frischen Klang des Ensembles, das in kleinster Besetzung musiziert. Dantone selbst entschied sich für ein kleines Orgelpositiv im böhmischen Stil, einmanualig, ohne Pedal und mit lediglich sechs Registern, aus der Werkstatt des Dresdener Orgelbauers Kristian Wegscheider.
Der Organist und seine Mitmusiker haben zudem den Mut und die technischen Fähigkeiten, Händels Partituren so zu lesen, wie sie einst gedacht waren: Als Skizzen, versehen mit reichlich Fragezeichen, Stichwort: "ad libitum". Ihre Lösungen sind ausgesprochen akzeptabel; Dantone gelingen schöne kleine Präludien, die den Charakter des folgenden Stückes bestens treffen. So hört man diese CD mit Vergnügen. Und als augenzwinkernde Verneigung vor dem Meister wurden die Stücke obendrein in der Kirche St. Bartholomäus zu Halle/Saale eingespielt; dort war Händels Großvater seinerzeit Pfarrer.
Donnerstag, 15. Oktober 2009
Bach: Harpsichord Concertos; Accademia Bizantina, Ottavio Dantone (L'Oiseau Lyre)
Ottavio Dantone und seine Accademia Bizantina - in Minimalbesetzung, diesmal nur als Streichquartett, verstärkt durch einen Kontrabass - haben vier Cembalokonzerte von Bach eingespielt. Der Komponist gilt mit diesen Werken für Streicher und Tasteninstrument als einer der Väter des Klavierkonzertes.
Davon ist hier freilich noch nichts zu spüren; die Cembalokonzerte, entstanden zumeist als Bearbeitungen anderer Stücke, sind hochvirtuos und setzen in ihrer musikalischen Substanz voll auf die Klangmöglichkeiten sowie die Spieltechnik des Instrumentes. Wer sich daran wagt, der muss sich warm anziehen. Dantone ist diesem Experiment bestens gewachsen. Und der schlanke Klang, den er mit seinen Streichern produziert, bekommt den Werken gut. Hier weht ein frischer Wind, und er weht offenbar jede Menge Staub hinweg. Das Ergebnis jedenfalls kann überzeugen.
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