Patrick Gallois setzt seine Gesamt- einspielung der Flötenkonzerte von François Devienne (1759 bis 1803) bei Naxos fort: Nach den Konzerten 1-4, Aufnahme und Lebensweg des Komponisten wurden hier im Blog bereits andernorts vorgestellt, sind nunmehr die Konzerte 5-8 und 9-12 erschienen. Es sind virtuose Werke voll Grazie und Eleganz; nicht alle dieser Kompositionen sind gleichermaßen herausragend – doch hörenswert, das macht diese Edition deutlich, sind sie allesamt.
Gallois interpretiert Deviennes Konzerte stets mit Blick auf die Gesamtstruktur. Auch wenn er wunderbar und detailreich ausziert, verliert er sich doch niemals in Details und legte offenkundig keinen Wert darauf, Virtuosität als Selbstzweck zu zelebrie- ren. Es ist ein partnerschaftliches Musizieren, beinahe kammermusika- lisch intensiv, was er gestaltet. Der Flötenpart steht im steten Dialog mit dem Orchester, und genauso lässt sich auch das Swedish Chamber Orchestra bei dieser Aufnahme hören. Auf die Fortsetzung dieser Edition – wenn ich mich nicht irre, fehlen noch zwei Konzerte, die Deviennes Witwe posthum veröffentlicht hat – darf man gespannt bleiben.
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Mittwoch, 26. Juli 2017
Samstag, 25. Juli 2015
Flute Concertos by Carl Philipp Emanuel Bach And Francois Devienne (Genuin)
Flötenkonzerte von Carl Philipp Emmanuel Bach (1714 bis 1788) und François Devienne (1759 bis 1783) präsentiert das Schweizer Artist Consort auf dieser CD. Es ist bereits die sechste Veröffentlichung des Flötisten Felix Renggli. Er musiziert hier gemeinsam mit der Chamber Academy Basel, einem Ensemble, das überwiegend aus Studierenden der Hochschule für Musik Basel besteht und ohne Dirigent spielt. Renggli stellt insbesondere die Unterschiede zwischen den Werken der beiden Komponisten heraus. Devienne, das ist reinste Klassik: „Vertraut mit Mozarts und Haydns Musik, lässt er sich zu frischer Melodik und anmutiger Erfindung inspirieren, ganz im Charakter der virtuosen französischen Violinschule“, schreibt der Solist im Beiheft zu dieser CD. „Die Idiomatik seiner Musik folgt im Gegensatz zur Musik Carl Philipp Emanuel Bachs dem damals weit verbreiteten Stil des Belcanto und des französischen Rokoko.“
Angezogen aber zeigt sich Renggli von den empfindsamen Flötenkonzerten Bachs und ihrer Klangsprache, die so ganz und gar nicht galant und sanglich erscheint. Dafür findet er einen ganz eigenen, federleichten Ton – unglaublich, das ist wirklich faszinierend! Die jungen Musiker der Chamber Academy Basel gehen perfekt auf die Klangvorstellungen und die Phrasierung des Solisten ein. Zu dieser Aufnahme kann man dem ganzen Team nur gratulieren.
Angezogen aber zeigt sich Renggli von den empfindsamen Flötenkonzerten Bachs und ihrer Klangsprache, die so ganz und gar nicht galant und sanglich erscheint. Dafür findet er einen ganz eigenen, federleichten Ton – unglaublich, das ist wirklich faszinierend! Die jungen Musiker der Chamber Academy Basel gehen perfekt auf die Klangvorstellungen und die Phrasierung des Solisten ein. Zu dieser Aufnahme kann man dem ganzen Team nur gratulieren.
Mittwoch, 20. Mai 2015
Devienne: Flute Concertos Nos. 1-4 (Naxos)
François Devienne (1759 bis 1803) war der Sohn eines Sattlers. Den ersten Musikunterricht erhielt er bei einem älteren Bruder; später unterwies ihn der Organist seines Heimatstädtchens. Als Devienne zehn Jahre alt war, schrieb er seine erste Messe, die auch aufgeführt wurde. 1776 folgte er seinem Bruder an den Hof von Zweibrücken. Später spielte er Fagott im Orchester der Pariser Oper, und studierte zudem das Flötenspiel beim Soloflötisten Félix Rault. Im Frühjahr 1780 trat er wahrscheinlich in den Dienst des Kardinals Louis-René de Rohan, wo er bis 1785 als Kammermusiker angestellt war. In dieser Zeit komponierte er auch etliche Werke, und er wirkte in dem renommierten Freimaurer-Orchester der Société Olympique mit, für das Joseph Haydn seine Pariser Sinfonien schrieb.
1780 wurde das erste Werk Deviennes, ein Fagott-Konzert, in den Concerts Spirituel gespielt. Zwei Jahre später debütierte der Musiker dort als Solist – so erfolgreich, dass binnen kurzer Zeit zahlreiche weitere Auftritte dort folgten. Devienne spielte Fagott und Flöte in verschiedenen Orchestern, und er unterrichtete an der École gratuite de musique de la Garde nationale, aus der 1795 das Pariser Konservatorium hervorging. Der Flötist wurde umgehend zum Professsor bestellt. Als Musikpädagoge war Devienne sehr gefragt. Die Übungsstücke, die er für seine Schüler schrieb, werden noch heute gern verwendet – nicht zuletzt deshalb, weil sie gut klingen und die Musizierlust wecken. Er schrieb zudem eine Flötenschule, „Nouvelle Méthode théorique et pratique pour la flûte“, die, ähnlich wie Quantz' „Versuch einer Anleitung, die Flöte traversière zu spielen“ zu einer wichtigen musikhistorischen Quelle geworden ist.
Devienne komponierte etliche Opern, für die er sehr gefeiert wurde, acht Sinfonien, zahlreiche Konzerte für Flöte und Fagott, einige Musiken für Blasorchester sowie jede Menge Kammermusik. Der Musiker erkrankte leider an einem Nervenleiden, so dass er nach Charenton gebracht werden musste, wo er wenig später verstarb, gerade einmal 44 Jahre alt.
Schon Jean-Pierre Rampal hatte sich für die Werke des Kollegen einge- setzt. Jetzt hat sein Schüler Patrick Gallois bei Naxos gemeinsam mit dem Schwedischen Kammerorchester Deviennes erste vier Flötenkonzerte eingespielt. „François Devienne est le flûtiste à l'origine de l'école de flûte française“, begeistert sich Gallois. „Devienne a besoin d'une approche spécifique, une grande précision dans les ornements, l'inflexion du son, l'articulation et le phrasé.“ Solche Musik wiederzuentdecken, das bereite jedoch Probleme: „Nous redécouvrons toutes ces musiques sans avoir le temps de les comprendre et donc nous appliquons des solutions toutes faites aux questions posées. Un grand nombre de compositeurs ont été considérés comme mineurs faute de trouver une lecture correcte.“
Gallois hat die Werke Deviennes sorgfältig studiert. „Le travail de la méthode et de tous les concertos de Devienne conjointement aus 6 con- certos et à la méthode de Mercadante, grand admiteur de Devienne, m'a permis de définir une direction musicale grâce à la clarté des explications sur les ornements, articulations et coups de langue“, berichtet der Flötist. Die Sorgfalt lohnt sich, denn Deviennes Flötenkonzerte sind ebenso geistreich wie elegant. Und genauso sind sie hier zu hören. „La musique est faite de questions et chaque moment amène sa solution“, resümiert der Solist. „J'espère que cet registrement, par sa fraîcheur et vivacité, aura réussi à répondre en partie aux questions posées par François Devienne.“
1780 wurde das erste Werk Deviennes, ein Fagott-Konzert, in den Concerts Spirituel gespielt. Zwei Jahre später debütierte der Musiker dort als Solist – so erfolgreich, dass binnen kurzer Zeit zahlreiche weitere Auftritte dort folgten. Devienne spielte Fagott und Flöte in verschiedenen Orchestern, und er unterrichtete an der École gratuite de musique de la Garde nationale, aus der 1795 das Pariser Konservatorium hervorging. Der Flötist wurde umgehend zum Professsor bestellt. Als Musikpädagoge war Devienne sehr gefragt. Die Übungsstücke, die er für seine Schüler schrieb, werden noch heute gern verwendet – nicht zuletzt deshalb, weil sie gut klingen und die Musizierlust wecken. Er schrieb zudem eine Flötenschule, „Nouvelle Méthode théorique et pratique pour la flûte“, die, ähnlich wie Quantz' „Versuch einer Anleitung, die Flöte traversière zu spielen“ zu einer wichtigen musikhistorischen Quelle geworden ist.
Devienne komponierte etliche Opern, für die er sehr gefeiert wurde, acht Sinfonien, zahlreiche Konzerte für Flöte und Fagott, einige Musiken für Blasorchester sowie jede Menge Kammermusik. Der Musiker erkrankte leider an einem Nervenleiden, so dass er nach Charenton gebracht werden musste, wo er wenig später verstarb, gerade einmal 44 Jahre alt.
Schon Jean-Pierre Rampal hatte sich für die Werke des Kollegen einge- setzt. Jetzt hat sein Schüler Patrick Gallois bei Naxos gemeinsam mit dem Schwedischen Kammerorchester Deviennes erste vier Flötenkonzerte eingespielt. „François Devienne est le flûtiste à l'origine de l'école de flûte française“, begeistert sich Gallois. „Devienne a besoin d'une approche spécifique, une grande précision dans les ornements, l'inflexion du son, l'articulation et le phrasé.“ Solche Musik wiederzuentdecken, das bereite jedoch Probleme: „Nous redécouvrons toutes ces musiques sans avoir le temps de les comprendre et donc nous appliquons des solutions toutes faites aux questions posées. Un grand nombre de compositeurs ont été considérés comme mineurs faute de trouver une lecture correcte.“
Gallois hat die Werke Deviennes sorgfältig studiert. „Le travail de la méthode et de tous les concertos de Devienne conjointement aus 6 con- certos et à la méthode de Mercadante, grand admiteur de Devienne, m'a permis de définir une direction musicale grâce à la clarté des explications sur les ornements, articulations et coups de langue“, berichtet der Flötist. Die Sorgfalt lohnt sich, denn Deviennes Flötenkonzerte sind ebenso geistreich wie elegant. Und genauso sind sie hier zu hören. „La musique est faite de questions et chaque moment amène sa solution“, resümiert der Solist. „J'espère que cet registrement, par sa fraîcheur et vivacité, aura réussi à répondre en partie aux questions posées par François Devienne.“
Donnerstag, 12. Juli 2012
Devienne: Sonatas for Oboe and Basso continuo / Sonatas for Basson and Basso continuo (MDG)
Die Musik von Francois Devienne (1759 bis 1803) gehört zu meinen persönlichen Favoriten, seit ich zu ersten Mal Werke dieses Kompo- nisten im Flötenunterricht gespielt habe. Sie klingen immer gut, er- freuen mit einem Feuerwerk an musikalischen Ideen, stellen aber - wie man beim Anhören dieser CD umgehend bemerkt - technisch ge- legentlich gewisse Anforderungen.
Der Musiker kam als eines von vielen Kindern eines Sattlers in der französischen Kleinstadt Joinville zur Welt. Ein Bruder lehrte ihn schon früh, verschiedene Instrumente zu spielen. Diesen Unterricht ergänzte dann der örtliche Organist. Seine Ausbildung setzte Devienne von 1776 bis 1778 am Hof von Zweibrücken bei seinem Paten Francois Memmi fort.
1779 erhielt er eine Stelle als Fagottist an der Pariser Oper, und er nahm Flötenunterricht bei Félix Rault, dem Ersten Flötisten des renommierten Orchesters. Von 1780 bis 1785 stand Devienne als Kammermusiker im Dienste des Kardinals de Rohan. 1780 gab er mit einem eigenen Konzert sein Debüt als Flötist bei den Concerts Spiri- tuels. Dort stellte er auch in den darauffolgenden Jahren mit großem Erfolg immer wieder eigene Werke vor. 1791 wurde Devienne Erster Flötist der Pariser Oper. Berühmt wurde er durch seine Opern; er komponierte insgesamt zwölf Opern sowie acht Sinfonien concertan- te, 14 Flötenkonzerte, fünf Fagottkonzerte, dazu etliche Werke für Bläserensembles und sehr viel Kammermusik.
Auch als Musikpädagoge war Devienne sehr gefragt; er unterrichtete an der Musikschule der Garde Nationale, die 1795 den Namen Con- servatoire de musique erhielt. Für seine Schüler schrieb er ein be- deutendes Unterrichtswerk, die Nouvelle Méthode théorique et pratique pour la flûte. Doch der Musiker hatte wenig Gelegenheit, seinen Ruhm zu genießen. 1803 wurde Devienne als Patient in die Nervenklinik von Charenton gebracht, wo er wenig später starb.
In seinen Werken spürt man Vorbilder wie Haydn, Stamitz und Mo- zart, Einflüsse, die Devienne in die französische Tradition integriert hat. Seine Werke sind stets elegant, graziös, ja, tänzerisch und voll Anmut. Sie geben sich schlicht - doch schaut man genauer hin, so erweist sich, wie enorm kunstvoll diese Stücke gestaltet wurden. Auf dieser Doppel-CD sind die sechs Sonaten für Oboe op. 70 und 71 versammelt, sowie drei der Sonaten für Fagott op. 24. Sie sind musi- kalisch außerordentlich abwechslungsreich und zudem technisch anspruchsvoll. Obwohl Devienne formal die "alte" Besetzung mit Solo-Instrument und Basso continuo wählte, sind diese Werke nur noch scheinbar "empfindsam". Sie überraschen durch kühne harmonische Lösungen und einen ausgeprägten, ganz persönlichen Stil.
Der Musiker kam als eines von vielen Kindern eines Sattlers in der französischen Kleinstadt Joinville zur Welt. Ein Bruder lehrte ihn schon früh, verschiedene Instrumente zu spielen. Diesen Unterricht ergänzte dann der örtliche Organist. Seine Ausbildung setzte Devienne von 1776 bis 1778 am Hof von Zweibrücken bei seinem Paten Francois Memmi fort.
1779 erhielt er eine Stelle als Fagottist an der Pariser Oper, und er nahm Flötenunterricht bei Félix Rault, dem Ersten Flötisten des renommierten Orchesters. Von 1780 bis 1785 stand Devienne als Kammermusiker im Dienste des Kardinals de Rohan. 1780 gab er mit einem eigenen Konzert sein Debüt als Flötist bei den Concerts Spiri- tuels. Dort stellte er auch in den darauffolgenden Jahren mit großem Erfolg immer wieder eigene Werke vor. 1791 wurde Devienne Erster Flötist der Pariser Oper. Berühmt wurde er durch seine Opern; er komponierte insgesamt zwölf Opern sowie acht Sinfonien concertan- te, 14 Flötenkonzerte, fünf Fagottkonzerte, dazu etliche Werke für Bläserensembles und sehr viel Kammermusik.
Auch als Musikpädagoge war Devienne sehr gefragt; er unterrichtete an der Musikschule der Garde Nationale, die 1795 den Namen Con- servatoire de musique erhielt. Für seine Schüler schrieb er ein be- deutendes Unterrichtswerk, die Nouvelle Méthode théorique et pratique pour la flûte. Doch der Musiker hatte wenig Gelegenheit, seinen Ruhm zu genießen. 1803 wurde Devienne als Patient in die Nervenklinik von Charenton gebracht, wo er wenig später starb.
In seinen Werken spürt man Vorbilder wie Haydn, Stamitz und Mo- zart, Einflüsse, die Devienne in die französische Tradition integriert hat. Seine Werke sind stets elegant, graziös, ja, tänzerisch und voll Anmut. Sie geben sich schlicht - doch schaut man genauer hin, so erweist sich, wie enorm kunstvoll diese Stücke gestaltet wurden. Auf dieser Doppel-CD sind die sechs Sonaten für Oboe op. 70 und 71 versammelt, sowie drei der Sonaten für Fagott op. 24. Sie sind musi- kalisch außerordentlich abwechslungsreich und zudem technisch anspruchsvoll. Obwohl Devienne formal die "alte" Besetzung mit Solo-Instrument und Basso continuo wählte, sind diese Werke nur noch scheinbar "empfindsam". Sie überraschen durch kühne harmonische Lösungen und einen ausgeprägten, ganz persönlichen Stil.
Ingo Goritzki, Oboe, und Sergio Azzolini, Fagott, präsentieren diese hübschen, aber auch virtuosen Werke mit offenkundiger Spielfreude. Den Continuo-Part übernehmen Musiker des Ensembles Villa Musica. Zu hören sind Diego Cantalupi, Laute, Ilze Grudule, Violoncello, Sergio Azzolini und Ai Ikeda, Fagott, sowie Kristian Nyquist am Hammerklavier. Über die Qualität dieser Aufnahmen muss man weiter nichts sagen - der Name Dabringhaus und Grimm steht hier einmal mehr für exzellente Einspielungen mit herausragenden Musikern.
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