„What does the bassoon have to be proud of? After all, isn't it the clown of the orchestra? It is too easy for caricatures like the goofy lumbering theme in Dukas' Sorcerer's Apprentice and the grandfather in Prokofiev's Peter and the Wolf to override the more serious aspects of the bassoon's musical persona“, so kommentiert das Beiheft diese Aufnahme. „These images colour our perception of the eighteenth-century bassoon, which had every right to claim the epithet ,proud'.“
Auf dieser CD beweist Fagottist Peter Whelan, tatkräftig und klangschön unterstützt vom Ensemble Marsyas, dass sein Instrument durchaus auch für sehr anspruchsvolle Solo-Partien geschaffen worden ist. Dazu hat er ein Programm zusammengestellt, das von Les Gentils Airs – ou Airs Connus, ajustée en duo, pour basson seul accompagné d'un clavecin, zusammengestellt in Paris von den Gebrüdern Leclerc, bis hin zu Eileen Aroon with variations set by Mr. (Matthew) Dubourg (1707 bis 1767), einem Geiger aus Dublin, reicht. Zu hören sind zudem ein Konzert von François Couperin (1668 bis 1733) und Sonaten für das Fagott von Joseph Bodin de Boismortier (1685 bis 1755), Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758) und Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767).
Es sind sehr unterschiedliche Werke, entstanden für die Hofmusik, die Oper oder den häuslichen Gebrauch – doch sie geben Peter Whelan Gelegenheit, zu demonstrieren, wie virtuos man auf dem Barockfagott musizieren kann – das als eher schwierig gilt. Whelan spielt phänomenal, durch alle Register, und dabei zeigt er auch, welche tollen Klangfarben es zu bieten hat – das stolze Fagott.
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Montag, 31. Oktober 2016
Sonntag, 30. Oktober 2016
Pro Contra! Works for Bassoon & Contrabassoon (Challenge Classics)
Das Fagott und sein tieferer Bruder, das Kontrafagott, sind die Leiden- schaft von Simon Van Holen. Das ist keineswegs selbstverständlich, denn diese Instrumente sind quasi die Kellerkinder der modernen Musik: Zwar werden sie im Orchester benö- tigt. Aber Musik wird schon seit der Wiener Klassik nur noch ausnahms- weise für sie komponiert. Im Barock war dies anders; damals schätze man Klangfarben, Abwechslung und war in der Gestaltung von Konzerten wie in der Kammermusik offenbar deutlich experimentierfreudiger.
Simon Van Holen hat trotzdem nicht Vivaldis Fagottkonzerte eingespielt, sondern nach Werken gesucht, die für das moderne Fagott geschrieben worden sind und seine Möglichkeiten konsequent nutzen. Dabei hat er, neben einer klangschönen Sonate für Fagott und Violoncello (?) KV 292 von Wolfgang Amadeus Mozart und dem aparten Quartett für Fagott, zwei Violen und Violoncello op. 46 Nr. 1 von Franz Krommer, auch drei zeit- genössische Werke ausgewählt.
Von Erwin Schulhoff (1894 bis 1942) stammt, so Van Holen, das erste Musikstück für Kontrafagott solo überhaupt. Es heißt Baßnachtigall, stammt aus dem Jahre 1922, und trieft nur so von Sarkasmus – was aber Schulhoff, Schüler von Max Reger, nicht daran hinderte, trotzdem grandiose Musik zu schreiben. Simon Van Holen spielt dieses virtuose Stück hinreißend, und er zeigt auf dieser CD exemplarisch, dass ein Fagott weit mehr ist als eine zusätzliche Bass-Stimme im Orchester.
Dazu nutzt er auch das zweite Stück für Kontrafagott, ein Concertino von Kees Olthuis (*1940), das das ultratiefe Blasinstrument kombiniert mit einem Streichquintett erklingen lässt. Jean Françaix (1912 bis 1997) scheint sich um musikalische Moden erfreulich wenig geschert zu haben. Sein Divertissement für Fagott und – in diesem Falle – Streichquintett ist in der Tat unterhaltsam – und ziemlich eigenwillig. Man staunt, wenn man dann liest, dass diese prickelnde Musik im Jahre 1942 entstanden ist.
Entstanden ist diese CD, weil Simon Van Holen 2013 den Prix de Salon, eine Auszeichnung des Business-Netzwerkes des Royal Concertgebouw Orchestra, erhalten hat, welche die Karriere junger Orchestermusiker voranbringen soll. Kollegen aus dem Orchester haben auch an der Ein- spielung mitgewirkt – zu hören sind Sylvia Huang und Mirelys Morgan Verdecia, Violine, Frederik Boits und Martina Forni, Viola, Honorine Schaeffer, Violoncello und Pierre-Emmanuel de Maistre, Kontrabass.
Simon Van Holen hat trotzdem nicht Vivaldis Fagottkonzerte eingespielt, sondern nach Werken gesucht, die für das moderne Fagott geschrieben worden sind und seine Möglichkeiten konsequent nutzen. Dabei hat er, neben einer klangschönen Sonate für Fagott und Violoncello (?) KV 292 von Wolfgang Amadeus Mozart und dem aparten Quartett für Fagott, zwei Violen und Violoncello op. 46 Nr. 1 von Franz Krommer, auch drei zeit- genössische Werke ausgewählt.
Von Erwin Schulhoff (1894 bis 1942) stammt, so Van Holen, das erste Musikstück für Kontrafagott solo überhaupt. Es heißt Baßnachtigall, stammt aus dem Jahre 1922, und trieft nur so von Sarkasmus – was aber Schulhoff, Schüler von Max Reger, nicht daran hinderte, trotzdem grandiose Musik zu schreiben. Simon Van Holen spielt dieses virtuose Stück hinreißend, und er zeigt auf dieser CD exemplarisch, dass ein Fagott weit mehr ist als eine zusätzliche Bass-Stimme im Orchester.
Dazu nutzt er auch das zweite Stück für Kontrafagott, ein Concertino von Kees Olthuis (*1940), das das ultratiefe Blasinstrument kombiniert mit einem Streichquintett erklingen lässt. Jean Françaix (1912 bis 1997) scheint sich um musikalische Moden erfreulich wenig geschert zu haben. Sein Divertissement für Fagott und – in diesem Falle – Streichquintett ist in der Tat unterhaltsam – und ziemlich eigenwillig. Man staunt, wenn man dann liest, dass diese prickelnde Musik im Jahre 1942 entstanden ist.
Entstanden ist diese CD, weil Simon Van Holen 2013 den Prix de Salon, eine Auszeichnung des Business-Netzwerkes des Royal Concertgebouw Orchestra, erhalten hat, welche die Karriere junger Orchestermusiker voranbringen soll. Kollegen aus dem Orchester haben auch an der Ein- spielung mitgewirkt – zu hören sind Sylvia Huang und Mirelys Morgan Verdecia, Violine, Frederik Boits und Martina Forni, Viola, Honorine Schaeffer, Violoncello und Pierre-Emmanuel de Maistre, Kontrabass.
Montag, 4. Juli 2016
Jean-Nicolas Savary - The Stradivari of the Bassoon (Pan Classics)
Der Pariser Instrumentenbauer Jean-Nicolas Savary le jeune (1786 bis 1853) hat die Entwicklung des Fagot- tes entscheidend mit beeinflusst. Zeitgenossen galt er als „the Stradi- vari of the bassoon“, so Charles Russel Day 1891; seine Instrumente waren nicht nur in Frankreich, sondern auch in England sehr begehrt und wurden von den besten Musikern seiner Zeit gespielt. Es verwundert daher nicht, dass andere Werkstätten sich an diesen Fagotten mehr oder minder deutlich orientierten.
Mehr als 60 Fagotte des Instrumentenbauers sind bis zum heutigen Tage erhalten geblieben; einige davon sind auch noch spielbar. In einem For- schungsprojekt an der Hochschule der Künste Bern haben Musikwissen- schaftler Sebastian Werr und Fagottist Lyndon Watts diese Instrumente untersucht und festgestellt, dass eine Entwicklung vom Fagott des späten 18. Jahrhunderts hin zum typischen französischen Basson, mit seinem markanten Klang, zu verzeichnen ist. Verändert habe sich auch die Mechanik; sie wurde von acht auf 17 Klappen erweitert.
Savary le jeunes Originalinstrumente sind noch heute gesucht – nach- gebaut wurden sie aber bislang nicht. Das wollten die Forschenden ändern, mit dem Ziel, romantische Fagotte für den heutigen Spielbetrieb verfügbar zu machen. Sie fanden ein Savary-Fagott, das sich als Vorbild eignete. Der Schweizer Fagottbauer Walter Bassetto aus Frauenfeld fertigte dann ein Instrument an. Es wird wohl nicht das letzte gewesen sein; die Hochschule jedenfalls will zukünftig jungen Musikern die Auseinander- setzung mit französischer und italienischer Musik jener Zeit in historisch informierter Aufführungspraxis als Vertiefungsrichtung anbieten.
Auf dieser CD präsentiert Lyndon Watts den Savary-Nachbau; gemeinsam mit Edoardo Torbianelli, Hammerklavier, und Marion Treupel-Franck, Flöte, spielt er Werke von Giuseppe Tamplini (1817 bis 1888), Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827), Anton Reicha (1770 bis 1838) und Gioachino Rossini (1792 bis 1868).
Mehr als 60 Fagotte des Instrumentenbauers sind bis zum heutigen Tage erhalten geblieben; einige davon sind auch noch spielbar. In einem For- schungsprojekt an der Hochschule der Künste Bern haben Musikwissen- schaftler Sebastian Werr und Fagottist Lyndon Watts diese Instrumente untersucht und festgestellt, dass eine Entwicklung vom Fagott des späten 18. Jahrhunderts hin zum typischen französischen Basson, mit seinem markanten Klang, zu verzeichnen ist. Verändert habe sich auch die Mechanik; sie wurde von acht auf 17 Klappen erweitert.
Savary le jeunes Originalinstrumente sind noch heute gesucht – nach- gebaut wurden sie aber bislang nicht. Das wollten die Forschenden ändern, mit dem Ziel, romantische Fagotte für den heutigen Spielbetrieb verfügbar zu machen. Sie fanden ein Savary-Fagott, das sich als Vorbild eignete. Der Schweizer Fagottbauer Walter Bassetto aus Frauenfeld fertigte dann ein Instrument an. Es wird wohl nicht das letzte gewesen sein; die Hochschule jedenfalls will zukünftig jungen Musikern die Auseinander- setzung mit französischer und italienischer Musik jener Zeit in historisch informierter Aufführungspraxis als Vertiefungsrichtung anbieten.
Auf dieser CD präsentiert Lyndon Watts den Savary-Nachbau; gemeinsam mit Edoardo Torbianelli, Hammerklavier, und Marion Treupel-Franck, Flöte, spielt er Werke von Giuseppe Tamplini (1817 bis 1888), Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827), Anton Reicha (1770 bis 1838) und Gioachino Rossini (1792 bis 1868).
Sonntag, 10. April 2016
Bach: Goldberg Variations; Bassoon Consort Frankfurt (MDG)
Das Bassoon Consort Frankfurt spielt die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach. Zu hören sind acht Fagotte und ein Kontra- fagott – der Sound ist umwerfend, und auch die Bearbeitung lässt staunen. Eingerichtet hat das berühmte Werk für diese ungewöhnliche Besetzung Henrik Rabien, Professor an der Frankfurter Musikhochschule. Er behält dabei die originale Tonart bei, und rückt das musikalische Gesche- hen lediglich oktavierend abwärts, in den Tonumfang der Fagotte.
Sie sind in wechselnden Besetzungen zu hören, vom Duo bis zum Nonett. Besondere Glanzpunkte setzt das Kontrafagott, von Stephan Krings brillant gespielt. Doch auch die anderen Mitwirkenden präsentieren sich in Bestform. Lehrende, Studierende und Ehemalige der Fagottklasse von Professor Rabien musizieren gemeinsam in diesem einmaligen Bläserensemble. Sie machen mit dieser Einspielung deutlich, wie flexibel „ihr“ Instrument ist: Von atemberaubender Virtuosität bis zur großen Kantilene und von orchestraler Opulenz bis zum humoristi- schen Auftritt im Quodlibet – wer die Goldberg-Variationen bislang für das längste Schlaflied der Musikgeschichte hielt, der wird durch diese Einspie- lung eines besseren belehrt. Grandios!! Unbedingt anhören!
Sie sind in wechselnden Besetzungen zu hören, vom Duo bis zum Nonett. Besondere Glanzpunkte setzt das Kontrafagott, von Stephan Krings brillant gespielt. Doch auch die anderen Mitwirkenden präsentieren sich in Bestform. Lehrende, Studierende und Ehemalige der Fagottklasse von Professor Rabien musizieren gemeinsam in diesem einmaligen Bläserensemble. Sie machen mit dieser Einspielung deutlich, wie flexibel „ihr“ Instrument ist: Von atemberaubender Virtuosität bis zur großen Kantilene und von orchestraler Opulenz bis zum humoristi- schen Auftritt im Quodlibet – wer die Goldberg-Variationen bislang für das längste Schlaflied der Musikgeschichte hielt, der wird durch diese Einspie- lung eines besseren belehrt. Grandios!! Unbedingt anhören!
Mittwoch, 10. Februar 2016
A Bassoon in Stockholm... (BIS)
Diese CD ist einem außergewöhn- lichen Instrument gewidmet: Donna Agrell ist die glückliche Besitzerin eines Fagotts aus der Werkstatt des Dresdner Holzblasinstrumenten- bauers Grenser & Wiesner. Das Unternehmen wurde 1744 von Carl August Grenser gegründet, und genoss schon bald einen ausgezeich- neten Ruf. Im späten 18. Jahrhundert übernahm Carl Augusts Neffe Heinrich die Werkstatt; er lieferte die begehrten Instrumente an Musiker in ganz Europa. Nach seinem Tode 1831 führte sein Geselle Samuel Wiesner die Geschäfte weiter. Er hat auch das Fagott angefertigt, das im Mittelpunkt dieser Einspielung steht.
Donna Agrell hat es in den 80er Jahren erworben und seitdem in über 1.500 Konzerten eingesetzt, oft mit dem Orchestra of the Eighteenth Cen- tury, dem sie seit seiner Gründung angehört. Das Fagott wurde zwischen 1817 und 1825 in Dresden gebaut; es war, so die Musikerin, „in ausgezeich- netem Zustand und auf einer Tonhöhe von etwa a=430 Hz spielbar.“
Zu dem Fagott gehörte noch der originale Koffer, und der Adressaufkleber darauf, teilweise noch lesbar, bezeugte, das es seinerzeit nach Stockholm geliefert wurde. Außerdem befanden sich in dem Koffer zwei Flügel und drei S-Bögen von unterschiedlicher Länge, die das Spiel in unterschiedlichen Stimmungen ermöglichen. In einer Schachtel lagen zudem sechs intakte Rohrblätter bei - „ein unglaublich seltener und wertvoller Fund“, erläutert die Donna Agrell. Die empfindlichen Teile, die in diesem Glücksfall erhalten geblieben sind, wurden von Instrumentenbauern aufmerksam studiert und teilweise nachgebaut.
Instrumente von Grenser & Wiesner wurden von bekannten Musikern gespielt. Einer von ihnen, der deutsche Fagottvirtuose Frans Carl Preumayr (1782 bis 1853), ging zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit seinen Brüdern Conrad und Carl nach Schweden. Dort wirkte er als Mitglied der Hofka- pelle und als Musikdirektor in der Militärmusik. Mehrfach ging er auf Konzertreisen, und dabei musizierte er auf seinem Grenser-Instrument, wie er in seinem Reisejournal berichtet.
Das Publikum war beeindruckt: „Preumayr is the best performer on the bassoon that we ever heard, taking tone, taste and execution into consideration; he makes nothing of a rapid flight from the lowest B flat in the bass to E flat, fourth space in the treble, three octaves and a half! (..) He displayed great skill and command of his instrument“, schwärmt ein Kritiker, der den Musiker 1830 in London gehört hat. Kein Wunder, dass Musikerkollegen für den Ausnahme-Fagottisten auch eigens Werke komponierten.
Diese CD stellt drei davon vor: Ein Septett und ein Quartett des Geigers Franz Adolf Berwald sowie das Quintett für Fagott und Streicher seines Lehrers, des Geigers und Sängers Jean Baptiste Édouard Du Puy. Für die Aufnahme hat Donna Agrell Musikerfreunde eingeladen, die ebenfalls im Orchestra of the Eighteenth Century mitwirken – Marc Destrubé und Franc Polman, Violine, Yoshiko Morita, Viola, Albert Brüggen, Violoncello, Robert Franenberg, Kontrabass und Teunis van der Zwart, Horn – sowie Lorenzo Coppola, Soloklarinettist des Freiburger Barockorchesters und Pianist Ronald Brautigam, ein Spezialist, der seit Jahren klassisches Repertoire auf historischen Klavieren spielt. Musiziert wird brillant, und der sonore, wunderbar runde, durch alle Register ausgeglichene Klang des Fagottes kommt bestens zur Geltung. Bravi!
Donna Agrell hat es in den 80er Jahren erworben und seitdem in über 1.500 Konzerten eingesetzt, oft mit dem Orchestra of the Eighteenth Cen- tury, dem sie seit seiner Gründung angehört. Das Fagott wurde zwischen 1817 und 1825 in Dresden gebaut; es war, so die Musikerin, „in ausgezeich- netem Zustand und auf einer Tonhöhe von etwa a=430 Hz spielbar.“
Zu dem Fagott gehörte noch der originale Koffer, und der Adressaufkleber darauf, teilweise noch lesbar, bezeugte, das es seinerzeit nach Stockholm geliefert wurde. Außerdem befanden sich in dem Koffer zwei Flügel und drei S-Bögen von unterschiedlicher Länge, die das Spiel in unterschiedlichen Stimmungen ermöglichen. In einer Schachtel lagen zudem sechs intakte Rohrblätter bei - „ein unglaublich seltener und wertvoller Fund“, erläutert die Donna Agrell. Die empfindlichen Teile, die in diesem Glücksfall erhalten geblieben sind, wurden von Instrumentenbauern aufmerksam studiert und teilweise nachgebaut.
Instrumente von Grenser & Wiesner wurden von bekannten Musikern gespielt. Einer von ihnen, der deutsche Fagottvirtuose Frans Carl Preumayr (1782 bis 1853), ging zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit seinen Brüdern Conrad und Carl nach Schweden. Dort wirkte er als Mitglied der Hofka- pelle und als Musikdirektor in der Militärmusik. Mehrfach ging er auf Konzertreisen, und dabei musizierte er auf seinem Grenser-Instrument, wie er in seinem Reisejournal berichtet.
Das Publikum war beeindruckt: „Preumayr is the best performer on the bassoon that we ever heard, taking tone, taste and execution into consideration; he makes nothing of a rapid flight from the lowest B flat in the bass to E flat, fourth space in the treble, three octaves and a half! (..) He displayed great skill and command of his instrument“, schwärmt ein Kritiker, der den Musiker 1830 in London gehört hat. Kein Wunder, dass Musikerkollegen für den Ausnahme-Fagottisten auch eigens Werke komponierten.
Diese CD stellt drei davon vor: Ein Septett und ein Quartett des Geigers Franz Adolf Berwald sowie das Quintett für Fagott und Streicher seines Lehrers, des Geigers und Sängers Jean Baptiste Édouard Du Puy. Für die Aufnahme hat Donna Agrell Musikerfreunde eingeladen, die ebenfalls im Orchestra of the Eighteenth Century mitwirken – Marc Destrubé und Franc Polman, Violine, Yoshiko Morita, Viola, Albert Brüggen, Violoncello, Robert Franenberg, Kontrabass und Teunis van der Zwart, Horn – sowie Lorenzo Coppola, Soloklarinettist des Freiburger Barockorchesters und Pianist Ronald Brautigam, ein Spezialist, der seit Jahren klassisches Repertoire auf historischen Klavieren spielt. Musiziert wird brillant, und der sonore, wunderbar runde, durch alle Register ausgeglichene Klang des Fagottes kommt bestens zur Geltung. Bravi!
Donnerstag, 17. September 2015
Vivaldi - Bach - Händel: Concertos & Sonatas (Supraphon)
Wenn ein Fagottist nicht nur im Ensemble mitspielen will, dann ist das gar nicht so einfach. Denn das Repertoire für Fagott solo ist nicht besonders umfangreich. Erst in jüngster Zeit haben Komponisten das Instrument wiederentdeckt – dazu demnächst mehr. Wer ältere Literatur spielen möchte, der muss bis in die Barockmusik zurückgehen. Konzerte und Sonaten für Fagott sind aber auch in der „Alten“ Musik nicht gerade üppig vertreten.
Deshalb hat Václav Vonášek für seine CD die beiden „originalen“ Werke von Antonio Vivaldi, der sehr viel Musik für das Fagott komponiert hat, durch Transkriptionen ergänzt. „Die natürlichste Art, Flötenkompositionen für das Fagott zu bearbeiten, ist das Transponieren um eine Duodezim nach unten – so viel beträgt nämlich der Unterschied zwischen den Grundton- reihen der beiden Instrumente“, erläutert der Fagottist. Er hat so die Flötensonate in E-Dur BWV 1035 von Johann Sebastian Bach sowie die Flöten-Solosonate in a-Moll von Carl Philipp Emanuel Bach mit seinem Instrument eingespielt. Zwischen den beiden Sonaten erklingt zudem die Arie Dopo notte aus der Oper Ariodante von Georg Friedrich Händel. Die Anregung dazu verdankt der Musiker, so berichtet er in dem sehr infor- mativen Beiheft zu dieser CD, dem Tenor Rolando Villazón. Dieser zeige mit seiner Interpretation, dass man kein Mezzosopran sein muss, um dieses Werk (das für eine Kastratenstimme geschrieben wurde) über- zeugend vortragen zu können. Und in der Tat klingt die bekannte Melodie auch auf dem Fagott prächtig. Generell ist das wohldurchdachte und ausgesprochen farbenreiche Spiel von Václav Vonášek sehr zu loben. Das Ensemble Barocco sempre giovane begleitet den Solisten gekonnt. Unbedingt anhören!
Deshalb hat Václav Vonášek für seine CD die beiden „originalen“ Werke von Antonio Vivaldi, der sehr viel Musik für das Fagott komponiert hat, durch Transkriptionen ergänzt. „Die natürlichste Art, Flötenkompositionen für das Fagott zu bearbeiten, ist das Transponieren um eine Duodezim nach unten – so viel beträgt nämlich der Unterschied zwischen den Grundton- reihen der beiden Instrumente“, erläutert der Fagottist. Er hat so die Flötensonate in E-Dur BWV 1035 von Johann Sebastian Bach sowie die Flöten-Solosonate in a-Moll von Carl Philipp Emanuel Bach mit seinem Instrument eingespielt. Zwischen den beiden Sonaten erklingt zudem die Arie Dopo notte aus der Oper Ariodante von Georg Friedrich Händel. Die Anregung dazu verdankt der Musiker, so berichtet er in dem sehr infor- mativen Beiheft zu dieser CD, dem Tenor Rolando Villazón. Dieser zeige mit seiner Interpretation, dass man kein Mezzosopran sein muss, um dieses Werk (das für eine Kastratenstimme geschrieben wurde) über- zeugend vortragen zu können. Und in der Tat klingt die bekannte Melodie auch auf dem Fagott prächtig. Generell ist das wohldurchdachte und ausgesprochen farbenreiche Spiel von Václav Vonášek sehr zu loben. Das Ensemble Barocco sempre giovane begleitet den Solisten gekonnt. Unbedingt anhören!
Dienstag, 3. März 2015
Donaufahrt (Genuin)
An der schönen blauen Donau, da lebte einst so mancher talentierte Komponist. Rie Koyama, eine exzellente Fagottistin, hat für ihre zweite Genuin-CD gemeinsam mit dem Pianisten Clemens Müller das musikalische Idiom der ehemaligen k.u.k.-Staaten erkundet.
Die beiden Musiker haben dabei einige faszinierende Werke entdeckt. Nicht alle davon sind, zugegebener- weise, im Original für das Fagott entstanden. Doch warum soll man nicht aus einer Sonate für Horn und Klavier in F-Dur, die Ludwig van Beethoven seinerzeit für den brillanten böhmischen Hornisten Johann Wenzel Stich – bekannter unter seinem Künstlernamen Giovanni Punto – geschrieben hat, ein Werk für Fagott und Klavier machen? Schließlich hat Beethoven selbst seine Sonate auch für das Violoncello bearbeitet.
Das Andante e Rondo ongarese hat Carl Maria von Weber seinerzeit selbst für Fagott bearbeitet. Entstanden ist die charmante, theatralische Musik allerdings nicht an der Donau, sondern in Stuttgart. Weber schrieb es für seinen Bruder, der im nahen Ludwigsburg seine Brötchen als Bratscher verdiente.
In Ersteinspielung erklingt das Morceau de Salon für Fagott und Klavier op. 230 von Johann Wenzel Kalliwoda. Der Prager Geiger spielte zunächst im Orchester des Prager Opernhauses. 1822 wurde er Hofkapellmeister in Donaueschingen, dort, wo aus Brigach und Breg die Donau entsteht. Kalliwodas Salonstück wirkt wie eine Kreuzung aus böhmischem Volkstanz und Mendelssohns Liedern ohne Worte; angerichtet wird es von Koyama mit einer Prise virtuosem Spielvergnügen, man höre nur das Finale.
Glaubt man einem Brief Wolfgang Amadeus Mozarts an seinen Vater, dann hat der 25jährige eines seiner schönsten Kammermusikwerke in einer knappen Stunde zu Papier gebracht. Und weil die Sonate für Violine und Klavier G-Dur KV 379 so effektvoll und rundum gelungen ist, wagen sich Koyama und Müller an eine Fagott-Version. Hier können sich die Musiker bestens präsentieren. Das gilt nicht nur für die rasanten Passagen. Die Kantilene von Rie Koyama hat Schmelz und mitunter einen derart hell eingefärbten Ton, dass man beinahe vergisst, dass hier ein Instrument zu hören ist, das oftmals nur den Continuo-Part mitspielen darf.
Den Abschluss dieses mitreißenden Programmes bildet die Fantaisie Pastorale Hongroise op. 26 von Franz Doppler, ursprünglich entstanden für Flöte und Orchester. Der Komponist, der zu den Mitbegründern der ungarischen Musikkultur des 19. Jahrhunderts gehörte, zündet in diesem Werk ein wahres Feuerwerk. Das lässt sich erstaunlicherweise auch auf dem Fagott spielen, wie Koyama beweist. Was für ein Temperament! Und ein Bravo auch an Clemens Müller, der die junge Musikerin sehr versiert begleitet.
Die beiden Musiker haben dabei einige faszinierende Werke entdeckt. Nicht alle davon sind, zugegebener- weise, im Original für das Fagott entstanden. Doch warum soll man nicht aus einer Sonate für Horn und Klavier in F-Dur, die Ludwig van Beethoven seinerzeit für den brillanten böhmischen Hornisten Johann Wenzel Stich – bekannter unter seinem Künstlernamen Giovanni Punto – geschrieben hat, ein Werk für Fagott und Klavier machen? Schließlich hat Beethoven selbst seine Sonate auch für das Violoncello bearbeitet.
Das Andante e Rondo ongarese hat Carl Maria von Weber seinerzeit selbst für Fagott bearbeitet. Entstanden ist die charmante, theatralische Musik allerdings nicht an der Donau, sondern in Stuttgart. Weber schrieb es für seinen Bruder, der im nahen Ludwigsburg seine Brötchen als Bratscher verdiente.
In Ersteinspielung erklingt das Morceau de Salon für Fagott und Klavier op. 230 von Johann Wenzel Kalliwoda. Der Prager Geiger spielte zunächst im Orchester des Prager Opernhauses. 1822 wurde er Hofkapellmeister in Donaueschingen, dort, wo aus Brigach und Breg die Donau entsteht. Kalliwodas Salonstück wirkt wie eine Kreuzung aus böhmischem Volkstanz und Mendelssohns Liedern ohne Worte; angerichtet wird es von Koyama mit einer Prise virtuosem Spielvergnügen, man höre nur das Finale.
Glaubt man einem Brief Wolfgang Amadeus Mozarts an seinen Vater, dann hat der 25jährige eines seiner schönsten Kammermusikwerke in einer knappen Stunde zu Papier gebracht. Und weil die Sonate für Violine und Klavier G-Dur KV 379 so effektvoll und rundum gelungen ist, wagen sich Koyama und Müller an eine Fagott-Version. Hier können sich die Musiker bestens präsentieren. Das gilt nicht nur für die rasanten Passagen. Die Kantilene von Rie Koyama hat Schmelz und mitunter einen derart hell eingefärbten Ton, dass man beinahe vergisst, dass hier ein Instrument zu hören ist, das oftmals nur den Continuo-Part mitspielen darf.
Den Abschluss dieses mitreißenden Programmes bildet die Fantaisie Pastorale Hongroise op. 26 von Franz Doppler, ursprünglich entstanden für Flöte und Orchester. Der Komponist, der zu den Mitbegründern der ungarischen Musikkultur des 19. Jahrhunderts gehörte, zündet in diesem Werk ein wahres Feuerwerk. Das lässt sich erstaunlicherweise auch auf dem Fagott spielen, wie Koyama beweist. Was für ein Temperament! Und ein Bravo auch an Clemens Müller, der die junge Musikerin sehr versiert begleitet.
Freitag, 10. Januar 2014
Fantasies for Bassoon (Chandos)
Das Fagott steht nur selten im Mittelpunkt eines Konzertes. Warum eigentlich? fragt man sich, wenn man diese CD mit der groß- artigen jungen Fagottistin Karen Geoghegan hört. Sie beeindruckt durch ihr gefühlvolles, sangliches Spiel – besonders in den Höhen –, produziert aber auch in der Mittellage sowie in der Tiefe ganz erstaunliche samtweiche, runde Töne. Am Klavier souverän begleitet wird die Musikerin durch Philip Edward Fisher.
Das Repertoire für diese Instrumentenkombination scheint allerdings rar zu sein – nur ein einziges Werk auf dieser CD, eine Sonate des Thomaskantors Gustav Schreck (1849 bis 1918) wurde tatsächlich für das Fagott geschrieben. Die beiden Musiker haben darum herum etliche bekannte Werke, bevorzugt aus der romantischen Literatur, gruppiert – zumeist, indem sie auf Bearbeitungen für Violoncello und Klavier zurückgegriffen haben. Das funktioniert hervorragend.
Das Repertoire für diese Instrumentenkombination scheint allerdings rar zu sein – nur ein einziges Werk auf dieser CD, eine Sonate des Thomaskantors Gustav Schreck (1849 bis 1918) wurde tatsächlich für das Fagott geschrieben. Die beiden Musiker haben darum herum etliche bekannte Werke, bevorzugt aus der romantischen Literatur, gruppiert – zumeist, indem sie auf Bearbeitungen für Violoncello und Klavier zurückgegriffen haben. Das funktioniert hervorragend.
Donnerstag, 12. Juli 2012
Devienne: Sonatas for Oboe and Basso continuo / Sonatas for Basson and Basso continuo (MDG)
Die Musik von Francois Devienne (1759 bis 1803) gehört zu meinen persönlichen Favoriten, seit ich zu ersten Mal Werke dieses Kompo- nisten im Flötenunterricht gespielt habe. Sie klingen immer gut, er- freuen mit einem Feuerwerk an musikalischen Ideen, stellen aber - wie man beim Anhören dieser CD umgehend bemerkt - technisch ge- legentlich gewisse Anforderungen.
Der Musiker kam als eines von vielen Kindern eines Sattlers in der französischen Kleinstadt Joinville zur Welt. Ein Bruder lehrte ihn schon früh, verschiedene Instrumente zu spielen. Diesen Unterricht ergänzte dann der örtliche Organist. Seine Ausbildung setzte Devienne von 1776 bis 1778 am Hof von Zweibrücken bei seinem Paten Francois Memmi fort.
1779 erhielt er eine Stelle als Fagottist an der Pariser Oper, und er nahm Flötenunterricht bei Félix Rault, dem Ersten Flötisten des renommierten Orchesters. Von 1780 bis 1785 stand Devienne als Kammermusiker im Dienste des Kardinals de Rohan. 1780 gab er mit einem eigenen Konzert sein Debüt als Flötist bei den Concerts Spiri- tuels. Dort stellte er auch in den darauffolgenden Jahren mit großem Erfolg immer wieder eigene Werke vor. 1791 wurde Devienne Erster Flötist der Pariser Oper. Berühmt wurde er durch seine Opern; er komponierte insgesamt zwölf Opern sowie acht Sinfonien concertan- te, 14 Flötenkonzerte, fünf Fagottkonzerte, dazu etliche Werke für Bläserensembles und sehr viel Kammermusik.
Auch als Musikpädagoge war Devienne sehr gefragt; er unterrichtete an der Musikschule der Garde Nationale, die 1795 den Namen Con- servatoire de musique erhielt. Für seine Schüler schrieb er ein be- deutendes Unterrichtswerk, die Nouvelle Méthode théorique et pratique pour la flûte. Doch der Musiker hatte wenig Gelegenheit, seinen Ruhm zu genießen. 1803 wurde Devienne als Patient in die Nervenklinik von Charenton gebracht, wo er wenig später starb.
In seinen Werken spürt man Vorbilder wie Haydn, Stamitz und Mo- zart, Einflüsse, die Devienne in die französische Tradition integriert hat. Seine Werke sind stets elegant, graziös, ja, tänzerisch und voll Anmut. Sie geben sich schlicht - doch schaut man genauer hin, so erweist sich, wie enorm kunstvoll diese Stücke gestaltet wurden. Auf dieser Doppel-CD sind die sechs Sonaten für Oboe op. 70 und 71 versammelt, sowie drei der Sonaten für Fagott op. 24. Sie sind musi- kalisch außerordentlich abwechslungsreich und zudem technisch anspruchsvoll. Obwohl Devienne formal die "alte" Besetzung mit Solo-Instrument und Basso continuo wählte, sind diese Werke nur noch scheinbar "empfindsam". Sie überraschen durch kühne harmonische Lösungen und einen ausgeprägten, ganz persönlichen Stil.
Der Musiker kam als eines von vielen Kindern eines Sattlers in der französischen Kleinstadt Joinville zur Welt. Ein Bruder lehrte ihn schon früh, verschiedene Instrumente zu spielen. Diesen Unterricht ergänzte dann der örtliche Organist. Seine Ausbildung setzte Devienne von 1776 bis 1778 am Hof von Zweibrücken bei seinem Paten Francois Memmi fort.
1779 erhielt er eine Stelle als Fagottist an der Pariser Oper, und er nahm Flötenunterricht bei Félix Rault, dem Ersten Flötisten des renommierten Orchesters. Von 1780 bis 1785 stand Devienne als Kammermusiker im Dienste des Kardinals de Rohan. 1780 gab er mit einem eigenen Konzert sein Debüt als Flötist bei den Concerts Spiri- tuels. Dort stellte er auch in den darauffolgenden Jahren mit großem Erfolg immer wieder eigene Werke vor. 1791 wurde Devienne Erster Flötist der Pariser Oper. Berühmt wurde er durch seine Opern; er komponierte insgesamt zwölf Opern sowie acht Sinfonien concertan- te, 14 Flötenkonzerte, fünf Fagottkonzerte, dazu etliche Werke für Bläserensembles und sehr viel Kammermusik.
Auch als Musikpädagoge war Devienne sehr gefragt; er unterrichtete an der Musikschule der Garde Nationale, die 1795 den Namen Con- servatoire de musique erhielt. Für seine Schüler schrieb er ein be- deutendes Unterrichtswerk, die Nouvelle Méthode théorique et pratique pour la flûte. Doch der Musiker hatte wenig Gelegenheit, seinen Ruhm zu genießen. 1803 wurde Devienne als Patient in die Nervenklinik von Charenton gebracht, wo er wenig später starb.
In seinen Werken spürt man Vorbilder wie Haydn, Stamitz und Mo- zart, Einflüsse, die Devienne in die französische Tradition integriert hat. Seine Werke sind stets elegant, graziös, ja, tänzerisch und voll Anmut. Sie geben sich schlicht - doch schaut man genauer hin, so erweist sich, wie enorm kunstvoll diese Stücke gestaltet wurden. Auf dieser Doppel-CD sind die sechs Sonaten für Oboe op. 70 und 71 versammelt, sowie drei der Sonaten für Fagott op. 24. Sie sind musi- kalisch außerordentlich abwechslungsreich und zudem technisch anspruchsvoll. Obwohl Devienne formal die "alte" Besetzung mit Solo-Instrument und Basso continuo wählte, sind diese Werke nur noch scheinbar "empfindsam". Sie überraschen durch kühne harmonische Lösungen und einen ausgeprägten, ganz persönlichen Stil.
Ingo Goritzki, Oboe, und Sergio Azzolini, Fagott, präsentieren diese hübschen, aber auch virtuosen Werke mit offenkundiger Spielfreude. Den Continuo-Part übernehmen Musiker des Ensembles Villa Musica. Zu hören sind Diego Cantalupi, Laute, Ilze Grudule, Violoncello, Sergio Azzolini und Ai Ikeda, Fagott, sowie Kristian Nyquist am Hammerklavier. Über die Qualität dieser Aufnahmen muss man weiter nichts sagen - der Name Dabringhaus und Grimm steht hier einmal mehr für exzellente Einspielungen mit herausragenden Musikern.
Sonntag, 1. Juli 2012
Telemann: A fagotto solo (Ricercar)
Französische Musik und damit auch französische Musikinstru- mente waren im 17. Jahrhundert an deutschen Höfen groß in Mode. So löste die französische Version des Fagotts die deutsche Bauform ab. Das Barockfagott bestand daher aus mehreren Einzelteilen, und war eine kleine Terz tiefer gestimmt als sein Vorgänger, das Dulzian.
Und es wurde, nicht zuletzt auf- grund seines charakteristisches Klanges und seiner beträchtlichen spieltechnischen Möglichkeiten nicht nur im Continuo, sondern gern auch als Solo-Instrument eingesetzt. Diese CD hat einige hübsche Beispiele dafür zusammengestellt. So fand sich die titelgebende Sonate in f-Moll a fagotto solo in einer Sammlung von Musikstücken für Laien, die Georg Philipp Telemann 1728 und 1729 unter dem Titel Der getreue Music-Meister publiziert hat.
Auch sonst sind Jérémie Papasergio und seinem Ensemble Syntagma Amici im Werk des Hamburger Komponisten einige Entdeckungen gelungen. Der Fagottist hat diese Werke zudem um ein Trio B-Dur von Jan Dismas Zelenka und um ein Duetto g-Moll von Christoph Schaff- rath ergänzt.
Zelenka wirkte am Dresdner Hof, und veröffentlichte 1723 einen Band mit 6 Sonate a due Hautbois et Basson. Sie sind, dem Niveau der Dresdner Hofkapelle entsprechend, hochvirtuos, und geben auch dem Fagott einen entsprechend anspruchsvollen Part. Schaffrath stand zunächst im Dienst Friedrichs von Preußen; später wurde er Clavicembalist und Cammermusicus von Prinzessin Amalie, der musikbegeisterten Schwester des Königs. Sein brillantes Duetto für Fagott und obligates Cembalo weist schon in die Vorklassik. Papasergio hat sich intensiv mit historischen Grifftechniken und Herstellungsweisen von Rohrblättern beschäftigt. Man wird schnell feststellen, dass sich der Klang des Fagottes wie auch der Oboe auf dieser CD erheblich von anderen historisierenden Aufnahmen un- terscheidet, die den Rohrblattinstrumenten offenbar zu wenig Auf- merksamkeit zugewendet haben. "Aus Bequemlichkeit hat man nämlich die modernen Techniken der Rohrblattherstellung an die alten Instrumente angepasst", erläutert Papasergio im Beiheft. "Wenn man sich aber von historischen Texten, von Bildquellen und den wertvollen erhaltenen Modellen inspirieren lässt, so ist es erstaunlich, wie anders die Instrumente klingen: Ihr Klang ist freier, hat ein volleres Timbre und außerdem ist die Phrasierung einfacher." Der Effekt ist deutlich, die Überraschung gelungen - und nicht nur Freunden "Alter" Musik sei diese CD empfohlen. Der Name a fagotto solo täuscht; hier sind unter anderem auch exzellent gespielte Block- flöten zu erleben. Syntagma Amici ist ein hervorragendes Ensemble, diesen Musikern zu lauschen, macht wirklich Freude!
Und es wurde, nicht zuletzt auf- grund seines charakteristisches Klanges und seiner beträchtlichen spieltechnischen Möglichkeiten nicht nur im Continuo, sondern gern auch als Solo-Instrument eingesetzt. Diese CD hat einige hübsche Beispiele dafür zusammengestellt. So fand sich die titelgebende Sonate in f-Moll a fagotto solo in einer Sammlung von Musikstücken für Laien, die Georg Philipp Telemann 1728 und 1729 unter dem Titel Der getreue Music-Meister publiziert hat.
Auch sonst sind Jérémie Papasergio und seinem Ensemble Syntagma Amici im Werk des Hamburger Komponisten einige Entdeckungen gelungen. Der Fagottist hat diese Werke zudem um ein Trio B-Dur von Jan Dismas Zelenka und um ein Duetto g-Moll von Christoph Schaff- rath ergänzt.
Zelenka wirkte am Dresdner Hof, und veröffentlichte 1723 einen Band mit 6 Sonate a due Hautbois et Basson. Sie sind, dem Niveau der Dresdner Hofkapelle entsprechend, hochvirtuos, und geben auch dem Fagott einen entsprechend anspruchsvollen Part. Schaffrath stand zunächst im Dienst Friedrichs von Preußen; später wurde er Clavicembalist und Cammermusicus von Prinzessin Amalie, der musikbegeisterten Schwester des Königs. Sein brillantes Duetto für Fagott und obligates Cembalo weist schon in die Vorklassik. Papasergio hat sich intensiv mit historischen Grifftechniken und Herstellungsweisen von Rohrblättern beschäftigt. Man wird schnell feststellen, dass sich der Klang des Fagottes wie auch der Oboe auf dieser CD erheblich von anderen historisierenden Aufnahmen un- terscheidet, die den Rohrblattinstrumenten offenbar zu wenig Auf- merksamkeit zugewendet haben. "Aus Bequemlichkeit hat man nämlich die modernen Techniken der Rohrblattherstellung an die alten Instrumente angepasst", erläutert Papasergio im Beiheft. "Wenn man sich aber von historischen Texten, von Bildquellen und den wertvollen erhaltenen Modellen inspirieren lässt, so ist es erstaunlich, wie anders die Instrumente klingen: Ihr Klang ist freier, hat ein volleres Timbre und außerdem ist die Phrasierung einfacher." Der Effekt ist deutlich, die Überraschung gelungen - und nicht nur Freunden "Alter" Musik sei diese CD empfohlen. Der Name a fagotto solo täuscht; hier sind unter anderem auch exzellent gespielte Block- flöten zu erleben. Syntagma Amici ist ein hervorragendes Ensemble, diesen Musikern zu lauschen, macht wirklich Freude!
Samstag, 27. August 2011
Kolbinger: Fagott-Kammermusik (Ambitus)
Karl Kolbinger, Jahrgang 1921, gehörte viele Jahre zu den führen- den Fagottisten weltweit, und hat als Professor an der Hochschule für Musik in München Generationen von Instrumentalisten ausgebildet. Seine besondere Liebe gilt der Kammermusik, insbesondere für Holzbläser.
Auf dieser CD hat Musikerkollege Karl Nagel zusammen mit seiner Frau Julia Nagel-Santarius und seinen Schülern Julius Reger, Se- bastian Hägele, Leonhard Hauske sowie Dong Hwon Lee einige Werke von Karl Kolbinger eingespielt - und zwar ausschließlich auf Fagotten. Den Namen des Ensembles, fagotti parlandi, darf man dabei durchaus als Programm sehen. Denn diese Blasinstrumente plappern, kichern, erzählen, schwadronieren, diskutieren und klagen drauflos, dass man sich verwundert die Augen reibt.
Kolbingers Werke sind für dieses Ensemble wie geschaffen. Er selbst beschreibt das exemplarisch für den dritten Satz seiner Münchner Miniaturen: "Schon wieder Föhn! Der berühmte Föhn in München, von dem man Kopfweh bekommt. Einerseits ist's schön, das Wetter, die Melodie aber dann kommen diese stechenden Kopfschmerzen..." Tolle Musik, großartige gespielt - wer ein Faible für das Fagott hat, der wird diese CD lieben.
Auf dieser CD hat Musikerkollege Karl Nagel zusammen mit seiner Frau Julia Nagel-Santarius und seinen Schülern Julius Reger, Se- bastian Hägele, Leonhard Hauske sowie Dong Hwon Lee einige Werke von Karl Kolbinger eingespielt - und zwar ausschließlich auf Fagotten. Den Namen des Ensembles, fagotti parlandi, darf man dabei durchaus als Programm sehen. Denn diese Blasinstrumente plappern, kichern, erzählen, schwadronieren, diskutieren und klagen drauflos, dass man sich verwundert die Augen reibt.
Kolbingers Werke sind für dieses Ensemble wie geschaffen. Er selbst beschreibt das exemplarisch für den dritten Satz seiner Münchner Miniaturen: "Schon wieder Föhn! Der berühmte Föhn in München, von dem man Kopfweh bekommt. Einerseits ist's schön, das Wetter, die Melodie aber dann kommen diese stechenden Kopfschmerzen..." Tolle Musik, großartige gespielt - wer ein Faible für das Fagott hat, der wird diese CD lieben.
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