Patrick Gallois setzt seine Gesamt- einspielung der Flötenkonzerte von François Devienne (1759 bis 1803) bei Naxos fort: Nach den Konzerten 1-4, Aufnahme und Lebensweg des Komponisten wurden hier im Blog bereits andernorts vorgestellt, sind nunmehr die Konzerte 5-8 und 9-12 erschienen. Es sind virtuose Werke voll Grazie und Eleganz; nicht alle dieser Kompositionen sind gleichermaßen herausragend – doch hörenswert, das macht diese Edition deutlich, sind sie allesamt.
Gallois interpretiert Deviennes Konzerte stets mit Blick auf die Gesamtstruktur. Auch wenn er wunderbar und detailreich ausziert, verliert er sich doch niemals in Details und legte offenkundig keinen Wert darauf, Virtuosität als Selbstzweck zu zelebrie- ren. Es ist ein partnerschaftliches Musizieren, beinahe kammermusika- lisch intensiv, was er gestaltet. Der Flötenpart steht im steten Dialog mit dem Orchester, und genauso lässt sich auch das Swedish Chamber Orchestra bei dieser Aufnahme hören. Auf die Fortsetzung dieser Edition – wenn ich mich nicht irre, fehlen noch zwei Konzerte, die Deviennes Witwe posthum veröffentlicht hat – darf man gespannt bleiben.
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Mittwoch, 26. Juli 2017
Mittwoch, 20. Mai 2015
Devienne: Flute Concertos Nos. 1-4 (Naxos)
François Devienne (1759 bis 1803) war der Sohn eines Sattlers. Den ersten Musikunterricht erhielt er bei einem älteren Bruder; später unterwies ihn der Organist seines Heimatstädtchens. Als Devienne zehn Jahre alt war, schrieb er seine erste Messe, die auch aufgeführt wurde. 1776 folgte er seinem Bruder an den Hof von Zweibrücken. Später spielte er Fagott im Orchester der Pariser Oper, und studierte zudem das Flötenspiel beim Soloflötisten Félix Rault. Im Frühjahr 1780 trat er wahrscheinlich in den Dienst des Kardinals Louis-René de Rohan, wo er bis 1785 als Kammermusiker angestellt war. In dieser Zeit komponierte er auch etliche Werke, und er wirkte in dem renommierten Freimaurer-Orchester der Société Olympique mit, für das Joseph Haydn seine Pariser Sinfonien schrieb.
1780 wurde das erste Werk Deviennes, ein Fagott-Konzert, in den Concerts Spirituel gespielt. Zwei Jahre später debütierte der Musiker dort als Solist – so erfolgreich, dass binnen kurzer Zeit zahlreiche weitere Auftritte dort folgten. Devienne spielte Fagott und Flöte in verschiedenen Orchestern, und er unterrichtete an der École gratuite de musique de la Garde nationale, aus der 1795 das Pariser Konservatorium hervorging. Der Flötist wurde umgehend zum Professsor bestellt. Als Musikpädagoge war Devienne sehr gefragt. Die Übungsstücke, die er für seine Schüler schrieb, werden noch heute gern verwendet – nicht zuletzt deshalb, weil sie gut klingen und die Musizierlust wecken. Er schrieb zudem eine Flötenschule, „Nouvelle Méthode théorique et pratique pour la flûte“, die, ähnlich wie Quantz' „Versuch einer Anleitung, die Flöte traversière zu spielen“ zu einer wichtigen musikhistorischen Quelle geworden ist.
Devienne komponierte etliche Opern, für die er sehr gefeiert wurde, acht Sinfonien, zahlreiche Konzerte für Flöte und Fagott, einige Musiken für Blasorchester sowie jede Menge Kammermusik. Der Musiker erkrankte leider an einem Nervenleiden, so dass er nach Charenton gebracht werden musste, wo er wenig später verstarb, gerade einmal 44 Jahre alt.
Schon Jean-Pierre Rampal hatte sich für die Werke des Kollegen einge- setzt. Jetzt hat sein Schüler Patrick Gallois bei Naxos gemeinsam mit dem Schwedischen Kammerorchester Deviennes erste vier Flötenkonzerte eingespielt. „François Devienne est le flûtiste à l'origine de l'école de flûte française“, begeistert sich Gallois. „Devienne a besoin d'une approche spécifique, une grande précision dans les ornements, l'inflexion du son, l'articulation et le phrasé.“ Solche Musik wiederzuentdecken, das bereite jedoch Probleme: „Nous redécouvrons toutes ces musiques sans avoir le temps de les comprendre et donc nous appliquons des solutions toutes faites aux questions posées. Un grand nombre de compositeurs ont été considérés comme mineurs faute de trouver une lecture correcte.“
Gallois hat die Werke Deviennes sorgfältig studiert. „Le travail de la méthode et de tous les concertos de Devienne conjointement aus 6 con- certos et à la méthode de Mercadante, grand admiteur de Devienne, m'a permis de définir une direction musicale grâce à la clarté des explications sur les ornements, articulations et coups de langue“, berichtet der Flötist. Die Sorgfalt lohnt sich, denn Deviennes Flötenkonzerte sind ebenso geistreich wie elegant. Und genauso sind sie hier zu hören. „La musique est faite de questions et chaque moment amène sa solution“, resümiert der Solist. „J'espère que cet registrement, par sa fraîcheur et vivacité, aura réussi à répondre en partie aux questions posées par François Devienne.“
1780 wurde das erste Werk Deviennes, ein Fagott-Konzert, in den Concerts Spirituel gespielt. Zwei Jahre später debütierte der Musiker dort als Solist – so erfolgreich, dass binnen kurzer Zeit zahlreiche weitere Auftritte dort folgten. Devienne spielte Fagott und Flöte in verschiedenen Orchestern, und er unterrichtete an der École gratuite de musique de la Garde nationale, aus der 1795 das Pariser Konservatorium hervorging. Der Flötist wurde umgehend zum Professsor bestellt. Als Musikpädagoge war Devienne sehr gefragt. Die Übungsstücke, die er für seine Schüler schrieb, werden noch heute gern verwendet – nicht zuletzt deshalb, weil sie gut klingen und die Musizierlust wecken. Er schrieb zudem eine Flötenschule, „Nouvelle Méthode théorique et pratique pour la flûte“, die, ähnlich wie Quantz' „Versuch einer Anleitung, die Flöte traversière zu spielen“ zu einer wichtigen musikhistorischen Quelle geworden ist.
Devienne komponierte etliche Opern, für die er sehr gefeiert wurde, acht Sinfonien, zahlreiche Konzerte für Flöte und Fagott, einige Musiken für Blasorchester sowie jede Menge Kammermusik. Der Musiker erkrankte leider an einem Nervenleiden, so dass er nach Charenton gebracht werden musste, wo er wenig später verstarb, gerade einmal 44 Jahre alt.
Schon Jean-Pierre Rampal hatte sich für die Werke des Kollegen einge- setzt. Jetzt hat sein Schüler Patrick Gallois bei Naxos gemeinsam mit dem Schwedischen Kammerorchester Deviennes erste vier Flötenkonzerte eingespielt. „François Devienne est le flûtiste à l'origine de l'école de flûte française“, begeistert sich Gallois. „Devienne a besoin d'une approche spécifique, une grande précision dans les ornements, l'inflexion du son, l'articulation et le phrasé.“ Solche Musik wiederzuentdecken, das bereite jedoch Probleme: „Nous redécouvrons toutes ces musiques sans avoir le temps de les comprendre et donc nous appliquons des solutions toutes faites aux questions posées. Un grand nombre de compositeurs ont été considérés comme mineurs faute de trouver une lecture correcte.“
Gallois hat die Werke Deviennes sorgfältig studiert. „Le travail de la méthode et de tous les concertos de Devienne conjointement aus 6 con- certos et à la méthode de Mercadante, grand admiteur de Devienne, m'a permis de définir une direction musicale grâce à la clarté des explications sur les ornements, articulations et coups de langue“, berichtet der Flötist. Die Sorgfalt lohnt sich, denn Deviennes Flötenkonzerte sind ebenso geistreich wie elegant. Und genauso sind sie hier zu hören. „La musique est faite de questions et chaque moment amène sa solution“, resümiert der Solist. „J'espère que cet registrement, par sa fraîcheur et vivacité, aura réussi à répondre en partie aux questions posées par François Devienne.“
Sonntag, 21. November 2010
Bach: Oboe Concertos (BIS)
Der Oboe war Bach sehr verbun- den. Seine Kantaten enthalten mehr Soli für dieses als für jedes andere Instrument. Erstaunli- cherweise ist aber kein einziges größeres konzertantes Werk des Komponisten für die Oboe erhal- ten. Dabei begleitete das Instru- ment Bach sein Leben lang. So wirkte Bachs Bruder Johann Jacob Bach (1682 bis 1722) zunächst in der Eisenacher Hofkapelle als Hautboist, und später im Dienst Karls XII. von Schweden.
In Weimar und Köthen müssen Bach exzellente Bläser zur Seite ge- standen haben; und Leipzig war damals ohnehin eine Oboen-Hoch- burg mit mindestens vier Holzblasinstrumentenbauern und einer Vielzahl engagierter Musiker. Die Oboisten Caspar Gleditsch und Gottfried Kornagel waren wie Bach städtische Angestellte und spielten an der Thomaskirche. Schon 1722 hörte Bach Gleditsch auf der kurz zuvor in Leipzig erfundenen Oboe d'amore.
Mit den Soli aus den Kantaten, die Bach seinerzeit für diese großarti- gen Musiker komponierte, geben sich Oboisten aber ungern zufrie- den. Und so begaben sich immer wieder Neugierige auf die Spurensuche - mit Erfolg: Schon seit 1886 wird das Doppelkonzert BWV 1060 auch mit Violine und Oboe besetzt. In den 30er Jahren wurde zudem entdeckt, dass sowohl die Phrasierung als auch der Tonumfang der Solopartie von BWV 1055 präzise auf die Oboe d'amore passt. Musikwissenschaftler sind zudem der Meinung, das Adagio aus dem Oster-Oratorium BWV 249, um einen Ganzton tiefer transponiert, sei der originale Mittelsatz dieses Konzertes.
Auf dieser CD, die mit zwei aus Kantaten "rekonstruierten" Oboen- konzerten in F-Dur und in d-Moll beginnt, erklingt dieser Satz allerdings vor dem Konzert - was eine hübsche Idee ist, weil diese Placierung zum Vergleich geradezu einlädt. Alexej Leonidowitsch Ogrintschuk, derzeit Solo-Oboist am Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam, musiziert hier gemeinsam mit Alina Ibragimova, Violine, (im Doppelkonzert), Reinut Tepp, Cembalo, und dem Swedish Chamber Orchestra, Örebro, das er bei dieser Aufnahme auch leitet. Die Einspielung ist hervorragend, was nicht zuletzt an dem samt- weichen, geschmeidigen Oboenton Ogrintschuks liegt. Er gehört ohne Zweifel zu den besten Oboisten der Welt, und er wird auf dieser CD von exzellenten Musikern begleitet. Bravi!
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