Immerhin vier Weltersteinspielungen kann Marion Treupel-Franck auf dieser CD vorweisen. Die Flötistin hat das Schaffen von Jean Daniel Braun (vor 1728 bis um 1740) erkundet. Es wird angenommen, dass er aus Deutschland stammte; über seinen Lebensweg ist aber nur wenig bekannt: Als 1728 sein Opus 1 im Druck erschien, war Braun Mitglied der Hofkapelle des Herzogs von Épernon. Spätere Veröffentlichungen benennen Adressen in Paris, bei denen sie „chez l'auteur“ bezogen werden können. Bis 1740 ließ er etliche seiner Werke drucken, so vier Bände mit Sonates pour la Flûte traversière, et Basse, zudem ein Band mit Triosonaten op. 3 sowie Différentes pièces pour flûte traversière sans basse op. 4.
Da Brauns Opus 6 für zwei Fagotte komponiert wurde, wird zudem vermutet, dass er selbst beide Instrumente spielte. Darauf weist auch sein letzter Sonatenband, ohne Opuszahl erschienen 1740, hin, bei dem es sich wohl um ein Lehrwerk handelt. Es gibt zudem einen „Mr. Braun“, der seit 1728 an der Oper sowie der Académie Royale de Musique in Paris als Oboist wirkte, und der 1749 gestorben ist. Der Gedanke liegt nahe, dass dieser Musiker Jean Daniel Braun gewesen sein könnte – doch muss dies bis auf weiteres Spekulation bleiben.
Greifbar aber sind die Werke von Jean Daniel Braun. Zur Vorbereitung dieser Aufnahme hat Marion Treupel-Franck in verschiedenen Archiven das überlieferte Notenmaterial gesichtet, um interessante Werke des Komponisten aufzuspüren. Das ist ihr tatsächlich geglückt, wie diese CD beweist. Der Zuhörer kann sich aber nicht nur an vortrefflicher Musik im galanten Stil erfreuen; auch die Einspielung lässt keine Wünsche offen. Auf historischen Instrumenten oder ihren Nachbauten musizieren mit der Flötistin renommierte Kollegen: Sergio Azzolini, Fagott, Axel Wolf, Gitarre und Laute, und Francesco Galligioni, Viola da gamba und Violoncello.
Posts mit dem Label Azzolini werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Azzolini werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 1. Januar 2018
Samstag, 2. März 2013
Musici da Camera (Supraphon)
Wer Barockmusik schätzt, der sollte es nicht versäumen, diese gelungene Doppel-CD anzuhören. Sie enthält Werke von Komponi- sten, die eine Beziehung zu Prag hatten. So wurden in Prager Klöstern, Schulen und Palästen zu Beginn des 18. Jahrhunderts ganze Heerscharen begabter Knaben zu Musikern herangezogen; die meisten von ihnen suchten sich allerdings dann eine - solide bezahlte - Anstellung außerhalb von Böhmen. Musiker aus dem Ausland machten in Prag Station; sie wirkten für einige Zeit in den Kapellen des Adels, oder aber sie komponierten für sie. So war Antonio Vivaldi Maestro di Musica in Italia des Grafen Wenzel Morzin. Er schrieb aber etliche Werke auch für Graf Josef von Wrtby, der wohl das Lautenspiel liebte, und den Solopart möglicherweise sogar selbst gespielt hat.
Das superbe Collegium Marianum unter Leitung Leitung der Flötistin Jana Semerádová hat auf den beiden CD eine Auswahl dieser Werke eingespielt, unterstützt durch den Fagottisten Sergio Azzolini. Etliche der Musikstücke erklingen hier in Weltersteinspielung. Das Programm ist abwechslungsreich, und es erstreckt sich von einem Quartet für Violine, Violoncello, Fagott und Basso continuo in g-Moll von Anto- nín Reichenauer über Werke von Johann Friedrich Fasch, Frantisek Jiránek, Christian Gottlieb Postel, Johann Georg Orschler und Frantisek Ignác Antonín Tuma bis hin zum Trio in g-Moll für Violine, Laute und Basso continuo RV 85 von Antonio Vivaldi und zu einer Sonata in A-Dur für Violine und Basso continuo von Antonio Caldara.
Das superbe Collegium Marianum unter Leitung Leitung der Flötistin Jana Semerádová hat auf den beiden CD eine Auswahl dieser Werke eingespielt, unterstützt durch den Fagottisten Sergio Azzolini. Etliche der Musikstücke erklingen hier in Weltersteinspielung. Das Programm ist abwechslungsreich, und es erstreckt sich von einem Quartet für Violine, Violoncello, Fagott und Basso continuo in g-Moll von Anto- nín Reichenauer über Werke von Johann Friedrich Fasch, Frantisek Jiránek, Christian Gottlieb Postel, Johann Georg Orschler und Frantisek Ignác Antonín Tuma bis hin zum Trio in g-Moll für Violine, Laute und Basso continuo RV 85 von Antonio Vivaldi und zu einer Sonata in A-Dur für Violine und Basso continuo von Antonio Caldara.
Donnerstag, 12. Juli 2012
Devienne: Sonatas for Oboe and Basso continuo / Sonatas for Basson and Basso continuo (MDG)
Die Musik von Francois Devienne (1759 bis 1803) gehört zu meinen persönlichen Favoriten, seit ich zu ersten Mal Werke dieses Kompo- nisten im Flötenunterricht gespielt habe. Sie klingen immer gut, er- freuen mit einem Feuerwerk an musikalischen Ideen, stellen aber - wie man beim Anhören dieser CD umgehend bemerkt - technisch ge- legentlich gewisse Anforderungen.
Der Musiker kam als eines von vielen Kindern eines Sattlers in der französischen Kleinstadt Joinville zur Welt. Ein Bruder lehrte ihn schon früh, verschiedene Instrumente zu spielen. Diesen Unterricht ergänzte dann der örtliche Organist. Seine Ausbildung setzte Devienne von 1776 bis 1778 am Hof von Zweibrücken bei seinem Paten Francois Memmi fort.
1779 erhielt er eine Stelle als Fagottist an der Pariser Oper, und er nahm Flötenunterricht bei Félix Rault, dem Ersten Flötisten des renommierten Orchesters. Von 1780 bis 1785 stand Devienne als Kammermusiker im Dienste des Kardinals de Rohan. 1780 gab er mit einem eigenen Konzert sein Debüt als Flötist bei den Concerts Spiri- tuels. Dort stellte er auch in den darauffolgenden Jahren mit großem Erfolg immer wieder eigene Werke vor. 1791 wurde Devienne Erster Flötist der Pariser Oper. Berühmt wurde er durch seine Opern; er komponierte insgesamt zwölf Opern sowie acht Sinfonien concertan- te, 14 Flötenkonzerte, fünf Fagottkonzerte, dazu etliche Werke für Bläserensembles und sehr viel Kammermusik.
Auch als Musikpädagoge war Devienne sehr gefragt; er unterrichtete an der Musikschule der Garde Nationale, die 1795 den Namen Con- servatoire de musique erhielt. Für seine Schüler schrieb er ein be- deutendes Unterrichtswerk, die Nouvelle Méthode théorique et pratique pour la flûte. Doch der Musiker hatte wenig Gelegenheit, seinen Ruhm zu genießen. 1803 wurde Devienne als Patient in die Nervenklinik von Charenton gebracht, wo er wenig später starb.
In seinen Werken spürt man Vorbilder wie Haydn, Stamitz und Mo- zart, Einflüsse, die Devienne in die französische Tradition integriert hat. Seine Werke sind stets elegant, graziös, ja, tänzerisch und voll Anmut. Sie geben sich schlicht - doch schaut man genauer hin, so erweist sich, wie enorm kunstvoll diese Stücke gestaltet wurden. Auf dieser Doppel-CD sind die sechs Sonaten für Oboe op. 70 und 71 versammelt, sowie drei der Sonaten für Fagott op. 24. Sie sind musi- kalisch außerordentlich abwechslungsreich und zudem technisch anspruchsvoll. Obwohl Devienne formal die "alte" Besetzung mit Solo-Instrument und Basso continuo wählte, sind diese Werke nur noch scheinbar "empfindsam". Sie überraschen durch kühne harmonische Lösungen und einen ausgeprägten, ganz persönlichen Stil.
Der Musiker kam als eines von vielen Kindern eines Sattlers in der französischen Kleinstadt Joinville zur Welt. Ein Bruder lehrte ihn schon früh, verschiedene Instrumente zu spielen. Diesen Unterricht ergänzte dann der örtliche Organist. Seine Ausbildung setzte Devienne von 1776 bis 1778 am Hof von Zweibrücken bei seinem Paten Francois Memmi fort.
1779 erhielt er eine Stelle als Fagottist an der Pariser Oper, und er nahm Flötenunterricht bei Félix Rault, dem Ersten Flötisten des renommierten Orchesters. Von 1780 bis 1785 stand Devienne als Kammermusiker im Dienste des Kardinals de Rohan. 1780 gab er mit einem eigenen Konzert sein Debüt als Flötist bei den Concerts Spiri- tuels. Dort stellte er auch in den darauffolgenden Jahren mit großem Erfolg immer wieder eigene Werke vor. 1791 wurde Devienne Erster Flötist der Pariser Oper. Berühmt wurde er durch seine Opern; er komponierte insgesamt zwölf Opern sowie acht Sinfonien concertan- te, 14 Flötenkonzerte, fünf Fagottkonzerte, dazu etliche Werke für Bläserensembles und sehr viel Kammermusik.
Auch als Musikpädagoge war Devienne sehr gefragt; er unterrichtete an der Musikschule der Garde Nationale, die 1795 den Namen Con- servatoire de musique erhielt. Für seine Schüler schrieb er ein be- deutendes Unterrichtswerk, die Nouvelle Méthode théorique et pratique pour la flûte. Doch der Musiker hatte wenig Gelegenheit, seinen Ruhm zu genießen. 1803 wurde Devienne als Patient in die Nervenklinik von Charenton gebracht, wo er wenig später starb.
In seinen Werken spürt man Vorbilder wie Haydn, Stamitz und Mo- zart, Einflüsse, die Devienne in die französische Tradition integriert hat. Seine Werke sind stets elegant, graziös, ja, tänzerisch und voll Anmut. Sie geben sich schlicht - doch schaut man genauer hin, so erweist sich, wie enorm kunstvoll diese Stücke gestaltet wurden. Auf dieser Doppel-CD sind die sechs Sonaten für Oboe op. 70 und 71 versammelt, sowie drei der Sonaten für Fagott op. 24. Sie sind musi- kalisch außerordentlich abwechslungsreich und zudem technisch anspruchsvoll. Obwohl Devienne formal die "alte" Besetzung mit Solo-Instrument und Basso continuo wählte, sind diese Werke nur noch scheinbar "empfindsam". Sie überraschen durch kühne harmonische Lösungen und einen ausgeprägten, ganz persönlichen Stil.
Ingo Goritzki, Oboe, und Sergio Azzolini, Fagott, präsentieren diese hübschen, aber auch virtuosen Werke mit offenkundiger Spielfreude. Den Continuo-Part übernehmen Musiker des Ensembles Villa Musica. Zu hören sind Diego Cantalupi, Laute, Ilze Grudule, Violoncello, Sergio Azzolini und Ai Ikeda, Fagott, sowie Kristian Nyquist am Hammerklavier. Über die Qualität dieser Aufnahmen muss man weiter nichts sagen - der Name Dabringhaus und Grimm steht hier einmal mehr für exzellente Einspielungen mit herausragenden Musikern.
Freitag, 24. Juni 2011
Hertel: Con spirito. Concerti & Sinfonie (Tudor)
Johann Wilhelm Hertel (1727 bis 1789) war der Sohn eines Violini- sten und Konzertmeisters der Eisenacher Hofkapelle. Seinen ersten Klavierunterricht erhielt er von einem Schüler Bachs; sein Vater dürfte ihn auf Violine und Gambe unterwiesen haben. 1742 zog die Familie um nach Neustre- litz, wo Johann Christian Hertel eine Stelle als Konzertmeister angenommen hatte. 1744 wurde auch der 17jährige Johann Wil- helm in der Hofkapelle von Mecklenburg-Strelitz als Violinist und Clavierist angestellt.
Bei Aufenthalten in Berlin lernte er die Musiker der Hofkapelle Friedrichs II. kennen, und nahm bei Franz Benda Violinunterricht. Als sein Vater 1751 erkrankte, übernahm er die Leitung der Strelitzer Hofkapelle. Nach deren Auflösung ging er als Hof-Kapellkomponist und Clavierist nach Schwerin. Dort stand er zeitweise auch in Diensten der Prinzessin Ulrike Sophie von Mecklenburg-Schwerin, und pflegte enge Beziehungen nach Hamburg. 1767 komponierte Hertel für das erste deutsche Nationaltheater in Hamburg Intermezzi für zwei Stücke Lessings, die dieser damals als „Muster von Schau- spielmusiken“ lobte.
Hertel hinterließ eine umfangreiche Bibliothek. Er gilt als vielseitig interessierter und versierter Musiker, der als Publizist auch seinen Zeitgenossen gern Einblick in aktuelle Probleme bei der Weiterent- wicklung der Musik gab. Hertel schrieb eine Vielzahl von Oratorien, Kantaten und Liedern – doch präsent blieben eher seine Sinfonien und Konzerte. Das Barockorchester Capriccio Basel stellt hier einige dieser Werke vor.
Ganz offensichtlich verfügte die Hofkapelle von Mecklenburg-Schwerin über eine Vielzahl exzellenter Bläser. Denn Hertel findet immer wieder neue, überraschende Lösungen dafür, sie in seinen Konzerten wirkungsvoll zur Geltung zu bringen. Unerwartete harmo- nische Wendungen, wunderschöne Melodien und farbenreiche Bläsersätze scheinen geradezu sein Markenzeichen gewesen zu sein. Auch der Dialog zwischen den Solisten und dem Orchester wartet mit so mancher Überraschung auf. Die Musiker von Capriccio, unterstützt von dem renommierten Barockfagottisten Sergio Azzolini, haben hörbar Vergnügen an diesen Kabinettstückchen. Wo findet sich schon ein Konzert für Fagott, zwei Oboen, zwei Hörner, Streicher und Basso continuo? Meine Empfehlung!
Bei Aufenthalten in Berlin lernte er die Musiker der Hofkapelle Friedrichs II. kennen, und nahm bei Franz Benda Violinunterricht. Als sein Vater 1751 erkrankte, übernahm er die Leitung der Strelitzer Hofkapelle. Nach deren Auflösung ging er als Hof-Kapellkomponist und Clavierist nach Schwerin. Dort stand er zeitweise auch in Diensten der Prinzessin Ulrike Sophie von Mecklenburg-Schwerin, und pflegte enge Beziehungen nach Hamburg. 1767 komponierte Hertel für das erste deutsche Nationaltheater in Hamburg Intermezzi für zwei Stücke Lessings, die dieser damals als „Muster von Schau- spielmusiken“ lobte.
Hertel hinterließ eine umfangreiche Bibliothek. Er gilt als vielseitig interessierter und versierter Musiker, der als Publizist auch seinen Zeitgenossen gern Einblick in aktuelle Probleme bei der Weiterent- wicklung der Musik gab. Hertel schrieb eine Vielzahl von Oratorien, Kantaten und Liedern – doch präsent blieben eher seine Sinfonien und Konzerte. Das Barockorchester Capriccio Basel stellt hier einige dieser Werke vor.
Ganz offensichtlich verfügte die Hofkapelle von Mecklenburg-Schwerin über eine Vielzahl exzellenter Bläser. Denn Hertel findet immer wieder neue, überraschende Lösungen dafür, sie in seinen Konzerten wirkungsvoll zur Geltung zu bringen. Unerwartete harmo- nische Wendungen, wunderschöne Melodien und farbenreiche Bläsersätze scheinen geradezu sein Markenzeichen gewesen zu sein. Auch der Dialog zwischen den Solisten und dem Orchester wartet mit so mancher Überraschung auf. Die Musiker von Capriccio, unterstützt von dem renommierten Barockfagottisten Sergio Azzolini, haben hörbar Vergnügen an diesen Kabinettstückchen. Wo findet sich schon ein Konzert für Fagott, zwei Oboen, zwei Hörner, Streicher und Basso continuo? Meine Empfehlung!
Mittwoch, 23. März 2011
Reichenauer: Concertos (Supraphon)
Und da wir gerade bei Musik aus Prag waren: Auch Antonín Reiche- nauer gehörte zu der berühmten Kapelle des Grafen Wenzel Morzin. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts bekannt; das erste Doku- ment über ihn datiert vom Januar 1722 - ein Eintrag über die Taufe eines Sohnes im Kirchenbuch der Malteserkirche Maria unter der Kette in Prag. Aus Kirchenbüchern erfahren wir dann nicht nur, wann weitere Kinder zur Welt kamen oder gestorben sind; die Liste der Paten und Taufzeugen gibt Auskunft darüber, in welchen Kreisen sich Reichenauer bewegte.
1721 wurde Johann Friedrich Fasch beim Grafen Morzin als Haus- komponist engagiert; allerdings blieb der Musiker nicht lange. Sein Nachfolger wurde Reichenauer, und das Rechnungsbuch des Grafen dokumentiert für die Jahre 1724 bis 1729 regelmäßige Gehaltszah- lungen nebst einer gesonderten Vergütung für die gelieferten Wer- ke. 1730 nahm Reichenauer eine Stelle als Pfarrorganist in Neuhaus an; dort starb er einen knappen Monat nach Dienstantritt im Alter von 34 Jahren.
Ein Großteil seiner Instrumentalwerke befindet sich heute im Archiv der einstigen Hofkapelle in Dresden; wie die Abschriften und Manu- skripte an den sächsischen Hof gelangt sind, ist unbekannt. Fakt ist aber, dass Fagottist Anton Möser nach Auflösung der Morzinschen Hofkapelle nach Dresden wechselte. Das Fagott spielt auch eine überaus prominente Rolle in vier der sechs Werke Reichenauers, die auf dieser CD in Weltersteinspielung erschienen sind. Die Werke sind handwerklich anspruchsvoll, sie kombinieren böhmische und italienische Musiktraditionen, und verraten, dass ihr Schöpfer ganz sicher kein Kind von Traurigkeit war.
Es musizieren Sergio Azzolini, Fagott, Xenia Löffler, Barockoboe, und Lenka Torgersen, Barockvioline, gemeinsam mit dem Collegium 1704 unter der Leitung des Cembalisten Václav Luks - ein weiteres bedeu- tendes Ensemble aus Prag, das sich der Alten Musik verschrieben hat, und zu Recht inzwischen international einen hervorragenden Ruf genießt.
1721 wurde Johann Friedrich Fasch beim Grafen Morzin als Haus- komponist engagiert; allerdings blieb der Musiker nicht lange. Sein Nachfolger wurde Reichenauer, und das Rechnungsbuch des Grafen dokumentiert für die Jahre 1724 bis 1729 regelmäßige Gehaltszah- lungen nebst einer gesonderten Vergütung für die gelieferten Wer- ke. 1730 nahm Reichenauer eine Stelle als Pfarrorganist in Neuhaus an; dort starb er einen knappen Monat nach Dienstantritt im Alter von 34 Jahren.
Ein Großteil seiner Instrumentalwerke befindet sich heute im Archiv der einstigen Hofkapelle in Dresden; wie die Abschriften und Manu- skripte an den sächsischen Hof gelangt sind, ist unbekannt. Fakt ist aber, dass Fagottist Anton Möser nach Auflösung der Morzinschen Hofkapelle nach Dresden wechselte. Das Fagott spielt auch eine überaus prominente Rolle in vier der sechs Werke Reichenauers, die auf dieser CD in Weltersteinspielung erschienen sind. Die Werke sind handwerklich anspruchsvoll, sie kombinieren böhmische und italienische Musiktraditionen, und verraten, dass ihr Schöpfer ganz sicher kein Kind von Traurigkeit war.
Es musizieren Sergio Azzolini, Fagott, Xenia Löffler, Barockoboe, und Lenka Torgersen, Barockvioline, gemeinsam mit dem Collegium 1704 unter der Leitung des Cembalisten Václav Luks - ein weiteres bedeu- tendes Ensemble aus Prag, das sich der Alten Musik verschrieben hat, und zu Recht inzwischen international einen hervorragenden Ruf genießt.
Sonntag, 20. März 2011
Jiránek: Concertos & Sinfonias (Supraphon)
Frantisek Jiránek (1698 bis 1778) gehörte zu den Bediensteten des Grafen Wenzel Morzin. Dem war die musikalische Begabung dieses Pagen offensichtlich aufgefallen; 1724 schickte er ihn zur Ausbil- dung nach Venedig - möglicher- weise sogar direkt zu Antonio Vivaldi. Der böhmische Adlige und der maestro di musica in Italia waren einander nicht unbekannt; so widmete Vivaldi dem Grafen seine 12 Violinkonzerte Il cimento dell'armonia e dell'inventione, erschienen 1725 - zu diesen Konzerten gehören unter anderem die bekannten Vier Jahreszeiten. Graf Morzin gab bei dem Venezianer zudem Fagottkonzerte in Auftrag.
Im September 1726 war Jiránek zurück in Prag. Er musizierte in der Morzinschen Kapelle, die als eine der besten in Böhmen galt; zu seinen Kollegen gehörten zeitweise Antonín Reichenauer und Johann Friedrich Fasch. Als der Graf 1737 starb, wurde die Kapelle aufgelöst. Jiránek ging dann als Violinist nach Dresden, an den Hof Heinrichs von Brühl; er gehörte dort zu den am besten bezahlten Musikern. Nach dem Tode seines Dienstherrn 1763 wurde Jiránek pensioniert. Er starb 1778, im Alter von 80 Jahren, in Dresden.
Auf dieser CD sind einige seiner Werke in Weltersteinspielung zu hören; sie fanden sich, zumeist in Form von Abschriften, in diversen Archiven von Prag bis Stockholm. Die beiden Sinfonien stehen bereits an der Schwelle zur Frühklassik, während die vier Konzerte dem Vor- bild Vivaldis folgen, allerdings etwas modernisiert, nach den Regeln des galanten Stils. Ebenfalls nicht zu überhören ist ein gewisser Ein- fluss der böhmischen Musiktradition.
Besonders spannend erscheinen die beiden Fagottkonzerte. In der Kapelle des Grafen Morzin spielte der Fagottist Anton Möser, der ein ganz hervorragender Solist gewesen sein muss. Möglicherweise hat Jiránek sie für diesen Musiker geschaffen; in jedem Falle aber sind sie hochvirtuos, und sie reizen die Möglichkeiten des Barockfagotts in einer Art und Weise aus, die verrät, dass der Komponist genau wusste, wie er für dieses Instrument schreiben musste. Sergio Azzo- lini, Barockfagott, wird hier ganz schön gefordert.
Marina Katarzhnova, Barockvioline, und Jana Semerádová, Travers- flöte, spielen die beiden anderen Konzerte. Sie sind ebenfalls klang- schön und musikalisch anspruchsvoll. Es musiziert das Collegium Marianum auf zeitgenössischen Instrumenten - und es beweist, dass nicht nur die Musik der großen Meister hörenswert ist. Auch die der weniger bekannten Komponisten sollte man mit Sorgfalt prüfen; oftmals sind es ja nur Zufälle, die darüber entscheiden, ob ein Werk in Vergessenheit gerät oder nicht. Dem Musikhistoriker Václav Kapsa haben wir nun für die Wiederentdeckung Frantisek Jiráneks zu danken.
Im September 1726 war Jiránek zurück in Prag. Er musizierte in der Morzinschen Kapelle, die als eine der besten in Böhmen galt; zu seinen Kollegen gehörten zeitweise Antonín Reichenauer und Johann Friedrich Fasch. Als der Graf 1737 starb, wurde die Kapelle aufgelöst. Jiránek ging dann als Violinist nach Dresden, an den Hof Heinrichs von Brühl; er gehörte dort zu den am besten bezahlten Musikern. Nach dem Tode seines Dienstherrn 1763 wurde Jiránek pensioniert. Er starb 1778, im Alter von 80 Jahren, in Dresden.
Auf dieser CD sind einige seiner Werke in Weltersteinspielung zu hören; sie fanden sich, zumeist in Form von Abschriften, in diversen Archiven von Prag bis Stockholm. Die beiden Sinfonien stehen bereits an der Schwelle zur Frühklassik, während die vier Konzerte dem Vor- bild Vivaldis folgen, allerdings etwas modernisiert, nach den Regeln des galanten Stils. Ebenfalls nicht zu überhören ist ein gewisser Ein- fluss der böhmischen Musiktradition.
Besonders spannend erscheinen die beiden Fagottkonzerte. In der Kapelle des Grafen Morzin spielte der Fagottist Anton Möser, der ein ganz hervorragender Solist gewesen sein muss. Möglicherweise hat Jiránek sie für diesen Musiker geschaffen; in jedem Falle aber sind sie hochvirtuos, und sie reizen die Möglichkeiten des Barockfagotts in einer Art und Weise aus, die verrät, dass der Komponist genau wusste, wie er für dieses Instrument schreiben musste. Sergio Azzo- lini, Barockfagott, wird hier ganz schön gefordert.
Marina Katarzhnova, Barockvioline, und Jana Semerádová, Travers- flöte, spielen die beiden anderen Konzerte. Sie sind ebenfalls klang- schön und musikalisch anspruchsvoll. Es musiziert das Collegium Marianum auf zeitgenössischen Instrumenten - und es beweist, dass nicht nur die Musik der großen Meister hörenswert ist. Auch die der weniger bekannten Komponisten sollte man mit Sorgfalt prüfen; oftmals sind es ja nur Zufälle, die darüber entscheiden, ob ein Werk in Vergessenheit gerät oder nicht. Dem Musikhistoriker Václav Kapsa haben wir nun für die Wiederentdeckung Frantisek Jiráneks zu danken.
Sonntag, 23. Januar 2011
Graupner: Fagott- und Violinkonzerte (Carus)
Mehr als 40 Konzerte hat der Darmstädter Hofkapellmeister Christoph Graupner (1683 bis 1760) komponiert - die meisten davon für Bläser. So enthält diese CD allein vier Konzerte für Fagott, eines davon, das Konzert in C-Dur GWV 301 in Weltersteinspielung. Doch auch Graupners einziges Solokonzert für Violine in A-Dur GMV 337 findet sich in Welterst- einspielung, ebenso wie das Konzert für Chalumeau, Fagott und Violoncello C-Dur GWV 306.
Graupners Konzerte überraschen durch viele unkonventionelle Wendungen und eine gewisse Kantigkeit des musikalischen Materials, das eher nach Haydn klingt als nach Corelli. Sie sind virtuos, aber es sind keine Barockkonzerte mehr.
Friedemann Wezel, Professor für Violine an der Leipziger Musikhoch- schule, hat die Konzerte gemeinsam mit dem außerordentlich versier- ten Fagottisten Sergio Azzolini und Christian Leitherer, einem Spezia- listen für historisches Klarinettenspiel, sowie dem Ensemble Il Capriccio eingespielt. Zu hören sind historische Instrumente oder Kopien von Instrumenten aus jener Zeit, so ein Bass-Chalumeau, eine Rarität aus der Familie der Klarinetten, das aber runder und dunkler klingt als eine Klarinette, und ein Fagott nach einem Original aus dem Jahre 1720, mit dem typischen weichen Klang des Barockfagottes.
Diese CD ist die Einladung zu einer faszinierenden musikalischen Zeitreise - inklusive der Entdeckung weiterer Werke eines Kompo- nisten, der seine Schaffenszeit nahezu ausschließlich in Darmstadt verbracht hat, und deshalb noch gründlicher dem Vergessen anheim gefallen ist als beispielsweise seine Zeitgenossen Bach, Kuhnau oder Heinichen. Es ist schön, dass anlässlich seines 250. Todestages im vergangenen Jahr etliche Graupner-Einspielungen erschienen sind - diese hier gehört ohne Zweifel zu den besten davon.
Graupners Konzerte überraschen durch viele unkonventionelle Wendungen und eine gewisse Kantigkeit des musikalischen Materials, das eher nach Haydn klingt als nach Corelli. Sie sind virtuos, aber es sind keine Barockkonzerte mehr.
Friedemann Wezel, Professor für Violine an der Leipziger Musikhoch- schule, hat die Konzerte gemeinsam mit dem außerordentlich versier- ten Fagottisten Sergio Azzolini und Christian Leitherer, einem Spezia- listen für historisches Klarinettenspiel, sowie dem Ensemble Il Capriccio eingespielt. Zu hören sind historische Instrumente oder Kopien von Instrumenten aus jener Zeit, so ein Bass-Chalumeau, eine Rarität aus der Familie der Klarinetten, das aber runder und dunkler klingt als eine Klarinette, und ein Fagott nach einem Original aus dem Jahre 1720, mit dem typischen weichen Klang des Barockfagottes.
Diese CD ist die Einladung zu einer faszinierenden musikalischen Zeitreise - inklusive der Entdeckung weiterer Werke eines Kompo- nisten, der seine Schaffenszeit nahezu ausschließlich in Darmstadt verbracht hat, und deshalb noch gründlicher dem Vergessen anheim gefallen ist als beispielsweise seine Zeitgenossen Bach, Kuhnau oder Heinichen. Es ist schön, dass anlässlich seines 250. Todestages im vergangenen Jahr etliche Graupner-Einspielungen erschienen sind - diese hier gehört ohne Zweifel zu den besten davon.
Abonnieren
Kommentare (Atom)






