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Dienstag, 16. April 2013

Gabrieli: Sacred Symphonies (Hyperion)

Mit diesem Album, das im vergan- genen Jahr erschienen ist, werden gleich mehrere Jubiläen würdig begangen: Vor vierhundert Jahren starb in Venedig Giovanni Gabrieli (1554 bis 1612). Er hatte bei seinem Onkel Andrea Gabrieli und bei Orlando di Lasso in München studiert, und wirkte als Organist an der Markuskirche. Zu seinen Schülern gehörte unter anderem Heinrich Schütz. 
Gefeiert werden aber auch das 30jährige Bestehen von His Majestys Sagbutts & Cornetts sowie das 25jährige Jubiläum des Concerto Palatino. Und daher haben die beiden Bläserensembles gemeinsam mit den Sängern von Ex Cathedra unter Leitung von Jeffrey Skidmore eine ganze CD den Werken von Giovanni Gabrieli gewidmet. Das lohnt sich, denn die venezianische Mehrchörigkeit, die dieser Komponist in Vollendung einsetzte, bringt große Klangpracht mit sich. 
"I have chosen to ,orchestrate' the music in many different ways, sometimes using continuo only for accompaniment, sometimes having solo voices with wind instruments taking other vocal lines, and of course sometimes using the full ensemble", erläutert Skidmore in dem informativen Beiheft zu dieser CD. "The brilliant vocal and instrumental colours and kaleidoscopic aural perspektives reveal music of extraordinary imagination, passion and subtlety. There is grandeur but also ravishing intimacy. You will be able to sit in the chancel of St Mark's, at the heart of the music, and imagine you are the doge!" 

Sonntag, 31. März 2013

de Lassus: St. Matthew Passion / Ave verum corpus (Somm)

Orlando di Lasso (1532 bis 1594) lernte bis zu seinem 13. Lebensjahr als Chorknabe an einer Kirche in Mons in den Niederlanden. 
1544 trat er in die Dienste des Vizekönigs von Sizilien. Damit erhielt er Gelegenheit, Italien kennenzulernen. Als er in den Stimmbruch kam, und seine Anstellung bei den Gonzaga in Palermo endete, hatte er sich mit Kompositionen bereits einen Namen gemacht. So konnte der junge Musiker nach Neapel wechseln, wo er nicht nur das gesellschaftliche Leben, sondern auch die Ideale des Humanismus schätzen lernte.
1551 ging Orlando di Lasso nach Rom, wo er als Kapellmeister am Lateran wirkte. Als er 1554  die Nachricht erhielt, dass seine Eltern ernstlich erkrankt sind, kündigte er und kehrte nach Mons zurück. Nach Reisen durch England und Frankreich ließ sich der Musiker schließlich in Antwerpen nieder, wo er Musikunterricht erteilte und komponierte. Seine Werke ließ er in Antwerpen und Venedig drucken. 
So wurde Albrecht V. von Bayern auf Orlando di Lasso aufmerksam - und konnte ihn schließlich 1557 für seinen Hof in München gewinnen. 1563 wurde Orlando dort Hofkapellmeister, 1570 erhob ihn der Kaiser in den Adelsstand. Wie sein Zeitgenosse Palestrina wurde auch Orlando di Lasso verehrt, als princeps musicorum gerühmt und umworben; er war seinerzeit der am besten bezahlte Komponist Europas. 
Orlando di Lasso schrieb gut 2000 Werke. Darunter sind zahlreiche Lieder und Liedsätze in italienischer, deutscher, niederländischer und französischer Sprache, zudem Motetten, vier Passionen, mehr als 60 Messen und viele andere Werke für die Kirchenmusik. 
Das Ex Cathedra Consort hat aus diesem umfangreichen Gesamtwerk für diese CD die Passio secundum Matthaeum ausgewählt. 1575 ver- öffentlicht, gehörte sie zu den besonders populären Werken des Hof- kapellmeisters. Noch 150 Jahre nach ihrer Komposition wurde sie aufgeführt. Diese Matthäuspassion verweist uns auf eine Tradition, die im gregorianischen Gesang ihre Wurzeln hat, und später mit den Passionen von Johann Sebastian Bach einen ihrer Höhepunkte erlebte. Bei di Lasso finden wir beides - die überlieferte Singweise in den Partien des Evangelisten und Jesu Christi, und polyphone Gesänge bei allen anderen Figuren. Selbst Turba-Chöre sind hier bereits zu hören; gesungen wird allerdings strikt und ausschließlich jener Text, der sich in der Bibel findet. 
Ex Cathedra ergänzt die Passion zusätzlich um Motetten von Orlando di Lasso - allen voran das grandiose sechsstimmige Ave verum corpus. Das Ensemble, das durch Jeffrey Skidmore geleitet wird, singt beeindruckend - sauber, harmonisch, ausdrucksstark und stets in stimmiger Phrasierung. Diese CD ist daher wirklich zu empfehlen. 

Sonntag, 19. Dezember 2010

Joy in the Morning (Orchid Classics)

Ex Cathedra, gegründet 1969 von Jeffrey Skidmore, hat auf dieser CD ein Weihnachtsprogramm einge- spielt, das von Giovanni Gabrieli über Felix Mendelssohn Bartholdy und Benjamin Britten bis hin zu Alec Roth und Naji Hakim reicht - mit einem deutlichen Schwerpunkt im Bereich der zeitgenössischen Musik.
Der semiprofessionelle, etwa 40köpfige gemischte Chor aus Birmingham, in dem ausgebildete Sänger, Studierende und stimmlich exzellent geschulte Laien gemeinsam musizieren, gehört ohne Zweifel zu den besten der Welt. Er singt blitzsauber, durch und durch homo- gen, und stellt selbst schwierigste Chorsätze absolut perfekt vor. Auch der sängerische Nachwuchs, der in der Academy of Vocal Music von Ex-Cathedra-Mitglied Rebecca Ledgard unterwiesen wird, darf bei einigen Stücken sein Können zeigen.
Das Ensemble klingt, bei aller Exzellenz, niemals steif und akade- misch. Musiziert wird mit viel Temperament und Ausdruck, und in dem dramaturgisch geschickt zusammengestellten Programm wird die Front der A-cappella-Werke ohnehin durch instrumental beglei- tete Stücke aufgelockert. Zu hören sind unter anderem Andrew Fletcher an der Orgel, Harfe, Schlagwerk und vier Renaissance- posaunen. Es ist kaum zu glauben - aber so lebendig, so kraftvoll und anregend kann geistliche Musik sein!