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Montag, 4. Februar 2013

Schubert: Winterreise; Gilchrist, Tilbrook (Orchid Classics)

Nach seiner gelungenen Aufnahme des Liederzyklus Die schöne Mülle- rin, die in diesem Blog bereits vorgestellt worden ist, legt James Gilchrist nun gemeinsam mit der Pianistin Anna Tilbrook zwei wei- tere CD mit Liedern von Franz Schubert sowie Ludwig van Beet- hoven vor.
Die eine CD enthält Schuberts Winterreise, die andere seinen Schwanengesang sowie Beetho- vens An die ferne Geliebte op. 98. Diese sechs Lieder, in denen der Komponist einer Verbindung nachsinnt, die nie zustande gekommen ist, gelten als der erste Liederzyklus überhaupt. 
James Gilchrist erfreut erneut mit seinem feinen, hell trimbrierten  Tenor, und seinem intelligenten und sensiblen Liedgesang. Anna Tilbrook am Klavier geleitet ihn bis in die feinste Nuance. Der briti- sche Sänger bewältigt die deutschen Texte akzentfrei, und beein- druckt darüber hinaus mit einer bespielhaften Textverständlichkeit. Einzig dort, wo Gilchrist auf Lautstärke setzt, wird ein störendes Vibrato hörbar. Das ist nicht so schön, aber für die Zukunft vielleicht durch verbesserte Technik zu korrigieren. Es gibt ja noch genug an- dere Lieder, und auf die nächsten Einspielungen dieses erfolgreichen Künstlergespanns darf man gespannt bleiben. 

Sonntag, 19. Dezember 2010

Joy in the Morning (Orchid Classics)

Ex Cathedra, gegründet 1969 von Jeffrey Skidmore, hat auf dieser CD ein Weihnachtsprogramm einge- spielt, das von Giovanni Gabrieli über Felix Mendelssohn Bartholdy und Benjamin Britten bis hin zu Alec Roth und Naji Hakim reicht - mit einem deutlichen Schwerpunkt im Bereich der zeitgenössischen Musik.
Der semiprofessionelle, etwa 40köpfige gemischte Chor aus Birmingham, in dem ausgebildete Sänger, Studierende und stimmlich exzellent geschulte Laien gemeinsam musizieren, gehört ohne Zweifel zu den besten der Welt. Er singt blitzsauber, durch und durch homo- gen, und stellt selbst schwierigste Chorsätze absolut perfekt vor. Auch der sängerische Nachwuchs, der in der Academy of Vocal Music von Ex-Cathedra-Mitglied Rebecca Ledgard unterwiesen wird, darf bei einigen Stücken sein Können zeigen.
Das Ensemble klingt, bei aller Exzellenz, niemals steif und akade- misch. Musiziert wird mit viel Temperament und Ausdruck, und in dem dramaturgisch geschickt zusammengestellten Programm wird die Front der A-cappella-Werke ohnehin durch instrumental beglei- tete Stücke aufgelockert. Zu hören sind unter anderem Andrew Fletcher an der Orgel, Harfe, Schlagwerk und vier Renaissance- posaunen. Es ist kaum zu glauben - aber so lebendig, so kraftvoll und anregend kann geistliche Musik sein!

Freitag, 29. Januar 2010

Schubert: Die schöne Müllerin; James Gilchrist (Orchid Classics)

So war Schuberts Schöne Müllerin wohl noch nie zu hören. James Gilchrist hat einen feinen, hellen, glasklaren Tenor, und ihm gelingt eine erstaunliche, intelligente, hochdifferenzierte Interpretation. Anna Tilbrook am Klavier folgt ihm dabei bis in die feinste Nuance. Sänger und Pianistin musizieren wie aus einem Atem, dynamisch wie inhaltlich perfekt ausbalan- ciert. 
Außerordentlich spannend gestalten die beiden so den Liederzyklus um den jungen Müllerburschen, der sich für die Tochter seines Arbeitgebers derart begeistert, dass er die feinen Signale nicht wahrnimmt, die ihm die junge Dame sendet. Denn sonst wäre ihm aufgefallen, dass sie erstens ziemlich gewöhnlich und zweitens ihrerseits in den Jäger vernarrt ist.
Der britische Sänger bringt Müllers Texte nahezu akzentfrei; jedes einzelne Wort ist zu verstehen. Man lauscht atemlos, und vergisst, dass Singen Anstrengung bedeutet - und auch Klavierspiel Arbeit ist. Tilbrook lässt den Bach plätschern, glucksen und raunen. Hoch- virtuos, und berührend romantisch. Eine der besten Einspielungen, die ich je gehört habe - grandios!