Maurice Duruflé (1902 bis 1986) hat nur sehr wenige Kompositionen hinterlassen. Seine Orgelmusik passt in einen Notenband; obwohl Duruflés Gesamtwerk nur 14 Opuszahlen umfasst, gilt er als einer der bedeutendsten Orgelkomponisten des 20. Jahrhunderts.
Der Organist war ein Schüler von Charles Tournemire und Louis Vierne; außerdem studierte er am Pariser Conservatoire, wo er für seine Leistungen vielfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. Seine Lehrer schätzen den jungen Musiker sehr. Vierne, Organist an Notre Dame, wollte Duruflé sogar zu seinem Nachfolger machen. Doch dieser nahm dann die Organistenstelle an St. Étienne-du-Mont in Paris an. Dort blieb er bis zum Ruhestand.
Duruflé war ein brillanter Konzertorganist. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Organistin Marie-Madeleine Chevalier, ging er in Europa und in den USA auf Konzertreisen. Er war auch Uraufführungssolist des Orgelkonzerts von Francis Poulenc.
Die Kompositionen von Maurice Duruflé beruhen einerseits auf der Gregorianik, mit ihrer modalen Melodik und Harmonik. Andererseits führen sie Traditionen des musikalischen Impressionismus weiter, wie wir ihn von Ravel und Debussy kennen. Außerdem sind sie durch seine hohen Qualitätsansprüche geprägt, die auch vom Interpreten Präzision fordern.
Friedhelm Flamme, Kirchenmusikdirektor in Göttingen, hat nun für cpo das gesamte Orgelwerk Duruflés an der Mühleisen-Orgel der Stiftskirche zu Bad Gandersheim eingespielt. Dieses Instrument verfügt ergänzend zu Hauptwerk und Positiv über ein expressiv-romantisches Schwellwerk. Mit insgesamt 50 Registern kann es sowohl für barocke als auch für klassische Musik genutzt werden; es ist aber auch möglich, orgelsinfonische Werke darauf zu spielen. Gebaut wurde diese Orgel von der Manufacture d'orgues Mühleisen aus Straßburg; sie wurde am Ostersonntag 2000 eingeweiht.
Diese Aufnahme beweist, dass spätromantische Klänge ebenfalls perfekt zu diesem Instrument passen. Flamme musiziert großartig, und die Orgel ist auch zu Hause mit prächtiger Klangfülle zu erleben. Dem Aufnahme- team ist es gelungen, diesen Klangraum in einer Mehrkanal-Aufnahme so zu erfassen, dass man beim Anhören dieser Super Audio CD mitunter das Gefühl hat, in der Kirche zu sitzen. Grandios!
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Montag, 13. November 2017
Freitag, 3. April 2015
Praetorius: Complete Organ Works (cpo)
Das Orgelwerk von Michael Praeto- rius (1571 bis 1621) stellt Friedhelm Flamme auf diesen beiden CD vor. Der Sohn eines Pfarrers wuchs in Torgau und Zerbst auf, und bereits 1585 begann er an der Viadrina in Frankfurt/Oder mit dem Studium der Theologie. Von 1587 bis 1591 war Praetorius dort Organist an der St. Marienkirche. 1594 wurde er Kammerorganist des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig und Lüneburg. Dieser residierte nicht nur in Wolfenbüttel, sondern auch auf Schloss Gröningen bei Halber- stadt, und ließ ab 1592 durch David Beck eine große Orgel in seiner Schlosskapelle errichten. Eingeweiht wurde sie 1596 durch einen „Organi- sten-Convent“, zu dem, teilweise aus großer Entfernung, immerhin 54 bedeutende Organisten anreisten.
1604 wurde Praetorius zum Hofkapellmeister des Herzogs ernannt. Nach dem Tode seines Dienstherren im Jahre 1613 finden wir ihn am kursäch- sischen Hof in Dresden. Er reiste wahrscheinlich sehr viel – belegt sind Aufenthalte beispielsweise in Sondershausen, Kassel, Magdeburg, Nürnberg, Leipzig und Bayreuth. So wirkte der Musiker als Organisator, Dirigent, Musikberater und Diplomat an verschiedenen Orten. Außerdem komponierte er fleißig; überliefert sind zahlreiche Werke, sowohl Kirchen- musik als auch weltliche Klänge. Wie er daneben noch Unmengen an Briefen sowie sein dreibändiges Syntagma musicum, das als erstes Handbuch der Musikwissenschaft überhaupt gilt, schreiben konnte, das lässt uns heute sehr staunen.
Wenn man Praetorius heute zumeist nur noch als Urheber des bekannten Chorsatzes zu Es ist ein Ros' entsprungen sowie vom Quempas-Singen kennt, dann ist das zu bedauern. Spätestens nach dem Anhören der vorliegenden Einspielung wird man sich auf die Suche nach weiteren Aufnahmen machen. Da dürfte so manche Überraschung warten. Denn der Komponist gehörte jener Musikergeneration an, die versuchte, den deutschen protestantischen Choral mit dem italienischen Madrigal zu verknüpfen, um dadurch eine wesentlich tiefgründigere Textausdeutung zu erzielen. Aus der Vokalmusik leitet Praetorius zudem die Formen für seine Orgelmusik ab; so entwickelt er aus der Choralbearbeitung die ebenso umfangreiche wie ausdrucksstarke Choralmotette. Schlichte homophone Sätze umstrickt er kreativ mit Kontrapunktik und figurativem Zierrat, und niemals gehen ihm dabei die Ideen aus. So wird die Orgelmusik dieses Großmeisters auch nie langweilig, egal, wie lang die Stücke sind.
Flamme musiziert an der Treutmann-Orgel in der Klosterkirche St. Georg zu Grauhof. Dieses Instrument wurde 1737 von dem Magdeburger Orgelbauer Christoph Treutmann vollendet. Es vereint Elemente sowohl aus der nord- als auch der mitteldeutschen Tradition, und wurde 1989-92 durch die Firma Hillebrand, Altwarmbüchen bei Hannnover, grundlegend restauriert. Flamme nutzt die reiche Palette an Klangfarben, die ihm dieses Instrument zur Verfügung stellt, gekonnt. Und weil die wenigen erhaltenen Orgelwerke von Michael Praetorius die beiden Silberscheiben nicht ganz füllen, ergänzt der Organist das Programm noch durch die kleineren Orgelgesamtwerke von David Abel, Johann Bahr, Jakob Bölsche, Petrus Hasse I und II, Wilhelm Karges, Hieronymus Praetorius III, Andreas Werckmeister und Melchior Woltmann. Wer sich für norddeutsche Orgelmusik interessiert, der kommt an dieser Einspielung jedenfalls nicht vorbei.
1604 wurde Praetorius zum Hofkapellmeister des Herzogs ernannt. Nach dem Tode seines Dienstherren im Jahre 1613 finden wir ihn am kursäch- sischen Hof in Dresden. Er reiste wahrscheinlich sehr viel – belegt sind Aufenthalte beispielsweise in Sondershausen, Kassel, Magdeburg, Nürnberg, Leipzig und Bayreuth. So wirkte der Musiker als Organisator, Dirigent, Musikberater und Diplomat an verschiedenen Orten. Außerdem komponierte er fleißig; überliefert sind zahlreiche Werke, sowohl Kirchen- musik als auch weltliche Klänge. Wie er daneben noch Unmengen an Briefen sowie sein dreibändiges Syntagma musicum, das als erstes Handbuch der Musikwissenschaft überhaupt gilt, schreiben konnte, das lässt uns heute sehr staunen.
Wenn man Praetorius heute zumeist nur noch als Urheber des bekannten Chorsatzes zu Es ist ein Ros' entsprungen sowie vom Quempas-Singen kennt, dann ist das zu bedauern. Spätestens nach dem Anhören der vorliegenden Einspielung wird man sich auf die Suche nach weiteren Aufnahmen machen. Da dürfte so manche Überraschung warten. Denn der Komponist gehörte jener Musikergeneration an, die versuchte, den deutschen protestantischen Choral mit dem italienischen Madrigal zu verknüpfen, um dadurch eine wesentlich tiefgründigere Textausdeutung zu erzielen. Aus der Vokalmusik leitet Praetorius zudem die Formen für seine Orgelmusik ab; so entwickelt er aus der Choralbearbeitung die ebenso umfangreiche wie ausdrucksstarke Choralmotette. Schlichte homophone Sätze umstrickt er kreativ mit Kontrapunktik und figurativem Zierrat, und niemals gehen ihm dabei die Ideen aus. So wird die Orgelmusik dieses Großmeisters auch nie langweilig, egal, wie lang die Stücke sind.
Flamme musiziert an der Treutmann-Orgel in der Klosterkirche St. Georg zu Grauhof. Dieses Instrument wurde 1737 von dem Magdeburger Orgelbauer Christoph Treutmann vollendet. Es vereint Elemente sowohl aus der nord- als auch der mitteldeutschen Tradition, und wurde 1989-92 durch die Firma Hillebrand, Altwarmbüchen bei Hannnover, grundlegend restauriert. Flamme nutzt die reiche Palette an Klangfarben, die ihm dieses Instrument zur Verfügung stellt, gekonnt. Und weil die wenigen erhaltenen Orgelwerke von Michael Praetorius die beiden Silberscheiben nicht ganz füllen, ergänzt der Organist das Programm noch durch die kleineren Orgelgesamtwerke von David Abel, Johann Bahr, Jakob Bölsche, Petrus Hasse I und II, Wilhelm Karges, Hieronymus Praetorius III, Andreas Werckmeister und Melchior Woltmann. Wer sich für norddeutsche Orgelmusik interessiert, der kommt an dieser Einspielung jedenfalls nicht vorbei.
Freitag, 20. März 2015
Praetorius: Organ Works (cpo)
Schon seit geraumer Zeit engagiert sich KMD Friedhelm Flamme, Orgelwerke des norddeutschen Barock auf historischen Instrumenten vorzustellen. Für diese CD hat er gleich zwei Raritäten miteinander verknüpft – er spielt an der Scherer-Orgel der St. Stephanskirche Tangermünde Orgelmusik von Hieronymus Praetorius (1560 bis 1629).
Dabei handelt es sich um einen der wichtigsten Hamburger Musiker seiner Zeit. Er wirkte, nach einigen Lehr- und Wanderjahren, die ihn unter anderem nach Köln und nach Erfurt führten, wie schon sein Vater als Organist an St. Jacobi. Praetorius war hoch angesehen; seine Vokal- kompositionen erschienen bereits zu Lebzeiten im Druck. Auch als Orgel- sachverständiger war er gefragt, so reiste er 1596 nach Gröningen bei Halberstadt zu einem legendären Treffen der führenden Organisten, die dort die neue Schlosskirchenorgel begutachteten. Der Musiker hatte sieben Kinder – drei seiner Söhne wurden ebenfalls Organisten, einer Theologe.
Etliche Werke von Hieronymus Praetorius sind durch einen Schüler seines Sohnes Jakob überliefert worden; die Tabulatur befindet sich heute in Visby auf der Insel Gotland. Friedhelm Flamme stellt auf den beiden CD Praetorius' Magnificat-Zyklen komplett in den acht Kirchentönen vor. Zu hören sind zudem drei der insgesamt 19 Hymnus-Kompositionen aus der Visby-Tabulatur, sowie einige liturgische Stücke und die beiden Choral- fantasien Wenn mein Stündlein vorhanden ist (1624) und Christ, unser Herr, zum Jordan kam (1625).
Ein passendes Instrument aus jener Zeit fand Flamme in Tangermünde: Die Orgel in der dortigen St. Stephanskirche wurde 1623/24 durch den Hamburger Orgelbauer Hans Scherer d. J. errichtet. Er war damals der bedeutendste Orgelbauer Norddeutschlands. Zwar wurde dieses Instrument in späteren Jahrhunderten mehrfach umgebaut, doch dabei blieben sowohl das prachtvolle Gehäuse mit seinen Schnitzereien als auch gut die Hälfte der Orgelpfeifen, darunter sämtliche Prospektpfeifen, erhalten. In den 90er Jahren wurde die Orgel daher durch die Firma Alexander Schuke Orgelbau aus Potsdam restauriert und dabei das fehlende Pfeifenwerk originalgetreu ergänzt, so dass dieses kostbare Instrument heute wieder als eine Scherer-Orgel im Originalzustand gespielt werden kann.
Friedhelm Flamme präsentiert nicht nur die Musik eines Komponisten, der für die Entwicklung des norddeutschen Orgelbarock bedeutende Impulse gegeben hat. Er nutzt diese Werke zugleich, um auch das Instrument umfassend vorzustellen. Diese Aufnahmen zeichnen sich darüber hinaus durch eine hervorragende technische Qualität aus, so dass der Zuhörer den Klang geradezu räumlich um sich hat. Rundum beeindruckend!
Dabei handelt es sich um einen der wichtigsten Hamburger Musiker seiner Zeit. Er wirkte, nach einigen Lehr- und Wanderjahren, die ihn unter anderem nach Köln und nach Erfurt führten, wie schon sein Vater als Organist an St. Jacobi. Praetorius war hoch angesehen; seine Vokal- kompositionen erschienen bereits zu Lebzeiten im Druck. Auch als Orgel- sachverständiger war er gefragt, so reiste er 1596 nach Gröningen bei Halberstadt zu einem legendären Treffen der führenden Organisten, die dort die neue Schlosskirchenorgel begutachteten. Der Musiker hatte sieben Kinder – drei seiner Söhne wurden ebenfalls Organisten, einer Theologe.
Etliche Werke von Hieronymus Praetorius sind durch einen Schüler seines Sohnes Jakob überliefert worden; die Tabulatur befindet sich heute in Visby auf der Insel Gotland. Friedhelm Flamme stellt auf den beiden CD Praetorius' Magnificat-Zyklen komplett in den acht Kirchentönen vor. Zu hören sind zudem drei der insgesamt 19 Hymnus-Kompositionen aus der Visby-Tabulatur, sowie einige liturgische Stücke und die beiden Choral- fantasien Wenn mein Stündlein vorhanden ist (1624) und Christ, unser Herr, zum Jordan kam (1625).
Ein passendes Instrument aus jener Zeit fand Flamme in Tangermünde: Die Orgel in der dortigen St. Stephanskirche wurde 1623/24 durch den Hamburger Orgelbauer Hans Scherer d. J. errichtet. Er war damals der bedeutendste Orgelbauer Norddeutschlands. Zwar wurde dieses Instrument in späteren Jahrhunderten mehrfach umgebaut, doch dabei blieben sowohl das prachtvolle Gehäuse mit seinen Schnitzereien als auch gut die Hälfte der Orgelpfeifen, darunter sämtliche Prospektpfeifen, erhalten. In den 90er Jahren wurde die Orgel daher durch die Firma Alexander Schuke Orgelbau aus Potsdam restauriert und dabei das fehlende Pfeifenwerk originalgetreu ergänzt, so dass dieses kostbare Instrument heute wieder als eine Scherer-Orgel im Originalzustand gespielt werden kann.
Friedhelm Flamme präsentiert nicht nur die Musik eines Komponisten, der für die Entwicklung des norddeutschen Orgelbarock bedeutende Impulse gegeben hat. Er nutzt diese Werke zugleich, um auch das Instrument umfassend vorzustellen. Diese Aufnahmen zeichnen sich darüber hinaus durch eine hervorragende technische Qualität aus, so dass der Zuhörer den Klang geradezu räumlich um sich hat. Rundum beeindruckend!
Freitag, 9. November 2012
Wilhelm Friedemann Bach: Complete Organ Works (cpo)
"Unstreitig der größte Organist der Welt", begeisterte sich einst Christian Friedrich Daniel Schu- bart, der sein Spiel gehört hatte. "Er ist ein Sohn des weltberühmten Sebastian Bach und hat seinen Vater im Orgelspiel erreicht, wo nicht übertroffen. Er besitzt ein sehr feuriges Genie, eine schöpfe- rische Einbildungskraft, Origina- lität und Neuheit der Gedanken, eine stürmende Geschwindigkeit und die magische Kraft, alle Herzen mit seinem Orgelspiel zu bezaubern. Der Natur der Orgel hat er sich ganz bemächtiget; sein Registerverständnis hat ihm noch niemand nachgemacht. (...) Schade, dass seine Orgelkompositionen kostbarer und seltener als Gold sind! Doch es ist ein Trost für die Kunst, daß dieser erste Meister seine Orgelstücke selbst sammelt und versprochen hat, sie nach seinem Tode herauszugeben."
Wilhelm Friedemann Bach (1710 bis 1784) war der älteste Sohn Johann Sebastian Bachs. Er studierte in Leipzig Jura, Philosophie und Mathematik, und wurde 1733 Organist an der Sophienkirche in Dres- den. 1746 ging er nach Halle/Saale, wo er 18 Jahre lang als Organist und Musikdirektor an der Marktkirche wirkte. 1763 wurde er als Nachfolger von Christoph Graupner zum Hessisch-Darmstädtischen Hofkapellmeister ernannt. Die Stelle trat er nicht an, den Titel durfte er aber trotzdem führen. 1764 gab er sein Amt auf. Denn durch die verheerenden Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges hatten sich die Arbeitsbedingungen in der Saalestadt derart verschlechtert, dass Wilhelm Friedemann Bach es vorzog, als Virtuose auf Konzertreisen zu gehen - möglicherweise in der Hoffnung, in einer der europäischen Musikmetropolen eine Anstellung zu erhalten. 1774 ließ er sich schließlich in Berlin nieder. Doch eine Stelle fand er nicht mehr.
Seine Werke galten lange als verschollen. So ist von seinem Orgelwerk kaum noch etwas aufzufinden. Experten gehen heute davon aus, dass Wilhelm Friedemann Bach nicht nur ein Virtuose des Orgelspiels, sondern in erster Linie auch ein Meister in der Improvisation gewe- sen sein muss.
Friedhelm Flamme hat für cpo alle überlieferten Stücke an der Hille- brand-Orgel der Münsterkirche St. Alexandri zu Einbeck eingespielt. Dabei handelt es sich um ein neues Instrument, das 2008 von der Orgelwerkstatt Martin Hillebrand aus Altwarmbüchen fertiggestellt wurde. Ein Teil der Register verblieb in der Disposition des 19. Jahr- hunderts, die Register des Plenums in Hauptwerk und Pedal hingegen folgten dem Vorbild eines älteren Instruments aus dem 18. Jahrhun- dert. Flamme demonstriert, dass sich die Hillebrand-Orgel ideal für Bachs Musik eignet. Er präsentiert die Werke des Organistenkollegen - in erster Linie Fugen und Choralvorspiele - so ansprechend, dass der Zuhörer geneigt ist, Schubarts Urteil zu bestätigen. Surround-Sound macht dies auch klanglich zu einem Erlebnis. Auf die Fortsetzung von Flammes CD-Reihe, in der er Orgeln und Orgelmusik aus Nord- deutschland vorstellt, darf man jedenfalls gespannt sein.
Wilhelm Friedemann Bach (1710 bis 1784) war der älteste Sohn Johann Sebastian Bachs. Er studierte in Leipzig Jura, Philosophie und Mathematik, und wurde 1733 Organist an der Sophienkirche in Dres- den. 1746 ging er nach Halle/Saale, wo er 18 Jahre lang als Organist und Musikdirektor an der Marktkirche wirkte. 1763 wurde er als Nachfolger von Christoph Graupner zum Hessisch-Darmstädtischen Hofkapellmeister ernannt. Die Stelle trat er nicht an, den Titel durfte er aber trotzdem führen. 1764 gab er sein Amt auf. Denn durch die verheerenden Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges hatten sich die Arbeitsbedingungen in der Saalestadt derart verschlechtert, dass Wilhelm Friedemann Bach es vorzog, als Virtuose auf Konzertreisen zu gehen - möglicherweise in der Hoffnung, in einer der europäischen Musikmetropolen eine Anstellung zu erhalten. 1774 ließ er sich schließlich in Berlin nieder. Doch eine Stelle fand er nicht mehr.
Seine Werke galten lange als verschollen. So ist von seinem Orgelwerk kaum noch etwas aufzufinden. Experten gehen heute davon aus, dass Wilhelm Friedemann Bach nicht nur ein Virtuose des Orgelspiels, sondern in erster Linie auch ein Meister in der Improvisation gewe- sen sein muss.
Friedhelm Flamme hat für cpo alle überlieferten Stücke an der Hille- brand-Orgel der Münsterkirche St. Alexandri zu Einbeck eingespielt. Dabei handelt es sich um ein neues Instrument, das 2008 von der Orgelwerkstatt Martin Hillebrand aus Altwarmbüchen fertiggestellt wurde. Ein Teil der Register verblieb in der Disposition des 19. Jahr- hunderts, die Register des Plenums in Hauptwerk und Pedal hingegen folgten dem Vorbild eines älteren Instruments aus dem 18. Jahrhun- dert. Flamme demonstriert, dass sich die Hillebrand-Orgel ideal für Bachs Musik eignet. Er präsentiert die Werke des Organistenkollegen - in erster Linie Fugen und Choralvorspiele - so ansprechend, dass der Zuhörer geneigt ist, Schubarts Urteil zu bestätigen. Surround-Sound macht dies auch klanglich zu einem Erlebnis. Auf die Fortsetzung von Flammes CD-Reihe, in der er Orgeln und Orgelmusik aus Nord- deutschland vorstellt, darf man jedenfalls gespannt sein.
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