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Freitag, 30. Januar 2015

Junhong Kuang (Naxos)

In Iserlohn, wo ein ausgesprochen renommiertes Gitarren-Symposion stattfindet, wurde er bestaunt: Beim
5. Internationalen Gitarrenwettbe- werb, dem höchstdotierten in Deutschland, erregte Junhong Kuang schon bei seinem Debüt 2012 Aufsehen. Damals belegte er den dritten Platz, obwohl er gerade einmal zwölf Jahre alt war. Mit
14 Jahren durfte der junge Virtuose in Iserlohn bereits im Eröffnungs- konzert spielen, und belegte im Wettbewerb Platz zwei. Das ist ein ziemliches Wunder, denn das Festival gilt als eine Art Familientreffen der weltbesten Gitarristen, und zugleich als Sprungbrett für eine internationale Konzertkarriere. 

Junhong Kuang, der aus Tibet stammt, übt seit seinem sechsten Lebens- jahr auf dem Instrument. Irgendwann hat er allerdings beschlossen, dass er nicht, wie sein Vater, Rockgitarrist werden möchte. So spielte er 2009 am Sichuan-Konservatorium in Chengdu vor – und seitdem besucht er vormittags dort die Schule, und am Nachmittag übt er, viele Stunden täglich. Das hat sich ausgezahlt. Denn mit Unterstützung durch seinen Professor Xu Bao ist aus dem Jungen ein virtuoser Gitarrist geworden, der in bedeutenden Konzertsälen gastiert und zudem etliche wichtige Wettbewerbserfolge vorzuweisen hat. So hat er mittlerweile selbst in der Carnegie Hall in New York gespielt, wo ihn das Publikum mit Standing Ovations feierte. Sein Debütalbum ist nun im Rahmen der Laureate Series bei Naxos erschienen. Wer es nicht weiß, der wird gar nicht bemerken, dass die anspruchsvolle Gitarrenmusik auf dieser CD, von Bach bis Castelnuovo-Tedesco, durch einen Jungen vorgetragen wird. Junhong Kuang spielt technisch unglaublich perfekt, und mit tief empfundenem Ausdruck. Bravo! 

Montag, 26. April 2010

Wiener Serenaden (Musicaphon)

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts brach in den europäischen Metro- polen ein regelrechtes Gitarren- fieber aus. Virtuosen reisten umher und konzertierten, und komponierten effektvolle Stücke für "ihr" Instrument. Besonders beliebt war offensichtlich damals die Kombination von Gitarre und Fortepiano.
Doch mit der Mutation der Gitarre vom Konzertinstrument zur "Klampfe" der Wandervögel und mit der Weiterentwicklung des Klavierbaus verschwanden diese Werke ebenso schnell wieder aus dem Repertoire.
Denn diese Besetzung - und das zeigt auch die vorliegende CD deutlich - ist nur mit den Instrumenten jener Zeit attraktiv. Der moderne Konzertflügel und die Konzertgitarre, wie sie heute gespielt wird, unterscheiden sich im Klang und in ihren dynamischen Möglichkeiten derart drastisch, dass an ein Zusammenspiel nicht sinnvoll zu denken ist. Die historische Gitarre und das Fortepiano hingegen erreichen einen erstaunlichen Grad klanglicher Verschmelzung und erscheinen auch dynamisch bestens ausgewogen. 
Maximilian Mangold spielt eine sechssaitige Gitarre nach einem Original von Johann Anton Stauffer (Wien, um 1840), angefertigt 2003 von Bernhard Kresse, Köln. Dieses Instrument ist kleiner und leichter als moderne Konzertgitarren, hat eine kürzere Mensur, eine geringere Halsbreite und wird natürlich auch entsprechend dem historischen Original auf einen Kammerton von 430 Hertz gestimmt. Kristian Nyquist musiziert auf einem Fortepiano, das 2002 in der Werkstatt von Michael Walker, Heidelberg, entstanden ist. Dabei handelt es sich um den Nachbau eines Flügels der europaweit berühmten Wiener Klavierbaumeisterin Nanette Streicher aus dem Jahre 1814, mit einer Wiener Mechanik, wie sie ihr Vater Johann Andreas Stein entwickelt hatte.
Die CD beginnt und endet mit Werken von Anton Diabelli, bei denen vor allem das Fortepiano dominiert. Seine Grande Sonate Brillante op. 102 gibt jedoch beiden Solisten Gelegenheit zu einem virtuosen konzertanten Dialog voll Spielwitz, aber auch zu melodischer Gestaltung. Insbesondere der letzte Satz, eine Pastorale, bietet so manche verblüffende harmonische Wendung.
Die Grandi Variazione e Polonese sulla "Nel cor piú non mi sento"
op. 65 von Mauro Giuliani - bekannt auch in einer Fassung für Streichquartett und Gitarre - erscheint fast wie eines seiner Gitarren- konzerte. Zwar übernimmt das Klavier die Einleitung und einige Zwischenspiele, aber beherrscht wird das Werk ganz eindeutig von der Gitarre. 
Es folgen zwei hübsche Miniaturen  aus der Feder von Caspar Joseph Mertz - Einsiedlers Waldglöckchen und die Barcarole op. 41 sind kurze, romantische Charakterstücke. Die CD endet mit der Sonate pour le Piano Forte et Guitare, op. 71 von Diabelli, einem flotten, heiteren Werk, das vielleicht am ehesten an eine Serenade erinnert. Mangold und Nyquist erweisen sich als exzellente Solisten, die perfekt aufeinander abgestimmt musizieren. Sie machen aus diesen hübschen Biedermeierstücken ein Musikerlebnis. Bravi!