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Montag, 10. April 2017

Fauré/Messager: Messe des pêcheurs de Villerville, Bach/Pergolesi: Tilge, Höchster, meine Sünden (Rondeau)

Wer bei den beiden Werken,die auf dieser CD zu hören sind, meint, er hätte diese Musik doch schon ander- weitig gehört, der hat vollkommen recht. Die Messe des pêcheurs de Villerville haben Gabriel Fauré und André Messager gemeinsam geschaffen. Der Komponist und sein Schüler waren in dem Fischerdorf des öfteren zu Gast; 1881 schufen sie ein Werk, das von Dorfbewohnern zusammen mit Sommergästen in der Dorfkirche aufgeführt wurde, begleitet von Harmonium und einer Geige. Die Kollekte, die dabei eingesammelt wurde, kam den Fischern und ihren Familien zugute. 
Im darauffolgenden Jahr waren deutlich mehr Musiker anwesend, was dazu führte, dass die Instrumentalbegleitung der verfügbaren Besetzung angepasst wurde. Auf dieser CD musizieren Eva Ludwig, Flöte, Nikolaus Kolb, Oboe, Sharon Kam, Klarinette, Birte Päplow und Saskia Rohde, Violine, Johanna Held, Viola, Ute Sommer, Violoncello, Heinrich Lade- mann, Kontrabass, und Ulfert Smidt, Orgel. 
Im Jahre 1907 verwendete Fauré diese Musik noch einmal: Die Messe basse ist ohne jeden Zweifel eine Variante der Fischermesse – noch schlichter und vielleicht sogar edler als das Original, das einst in der Sommerfrische entstanden ist. 
Im Parodieverfahren verwandelte 1746/47 Johann Sebastian Bach das Stabat mater von Giovanni Battista Pergolesi in eine Vertonung von Psalm 51. Er brachte die Musik des Italieners, die ihn inspirierte, vor seine Gemeinde – indem er sie für den evangelischen Gottesdienst tauglich machte. 
Für Tilge, Höchster, meine Sünden BWV 1083 wagte Bach aber weit mehr als nur die behutsame Anpassung auf einen neuen Text. Er veränderte Pergolesis Musik mit der offenkundigen Absicht, den Psalmtext musika- lisch auszudeuten. Dies zog stellenweise doch recht deutliche Eingriffe nach sich. So ersetzte Bach lange Notenwerte durch Melismen und überarbeitete auch die Begleitung umfangreich. Allerdings bleibt das Original immer präsent; Bach hat es, bei aller Umdeutung, ausgesprochen respektvoll behandelt. 
Der Mädchenchor Hannover singt die beiden Werke sehr hörenswert. Chorleiterin Gudrun Schröfel führt die jungen Sängerinnen mit sicherer Hand – und auch ungemein stilsicher. So erhält jedes Musikstück seinen individuellen Charakter. Faurés Messe des pêcheurs de Villerville erklingt eindringlich und innig, BWV 1083 klar akzentuiert und affektgeladen. Die Soli singen Ania Vegry, Sopran, und Mareike Morr, Alt; das Arte Ensemble musiziert gemeinsam mit dem Marktkirchenorganisten Ulfert Smidt. Eine gelungene Kombination zweier Raritäten. 

Sonntag, 26. Dezember 2010

Lamenti - furore e dolore (Genuin)

Nach der Uraufführung von Monteverdis Oper L'Arianna im Jahre 1608 soll es in Mantua kein Cembalo gegeben haben, auf dem nicht die Noten der Klage der Königstochter stand, die sich von Theseus verlassen und auf Naxos ausgesetzt sah. Das berühmte Lamento ist das einzige, was von dieser Oper heute noch erhalten ist. 
Und weil diese musikalische Innovation so erfolgreich war, haben sie auch Opernkomponisten nach Monteverdi gern genutzt. Die Mezzosopranistin Mareika Morr hat nun mit der Hannoverschen Hofkapelle eine ganze CD voll Klage- gesänge der Barockzeit vorgelegt. Sie ist in der Movimentos Edition bei Genuin Classics erschienen - und sie ist grandios.
Das hat mehrere Gründe; der wichtigste aber ist die Stimme vom Mareike Morr - ein dunkel timbrierter, wundervoller Mezzo, wie lang keiner mehr zu hören war. Die Sängerin, die auch eine erfolgreiche Pianistin ist, gestaltet klug, und die meisten dieser Lamenti erschei- nen wie für sie geschrieben. Nur in Koloraturpassagen würde man sich noch mehr Geschmeidigkeit und Geläufigkeit wünschen. 
Die Auswahl der Arien ist ebenfalls interessant, denn natürlich er- klingen die "Hits" der Gattung aus der Feder von Claudio Monteverdi, Antonio Vivaldi, Christoph Willibald Gluck, Georg Friedrich Händel und Henry Purcell. Doch daneben sind auch einige nicht ganz so bekannte Werke zu hören. Die Hannoversche Hofkapelle begleitet die Sängerin mit kammermusikalischer Finesse und einem Engagement, dass man kaum glauben mag, dass dieses Ensemble das dienstälteste Barockorchester Deutschlands ist. Meiner Ansicht nach ist das die beste Debüt-CD des Jahres 2010.