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Dienstag, 16. Juni 2015

Telemann: Festive Cantatas (Hänssler Classic)

Als Director Musices der Hansestadt Hamburg war Georg Philipp Telemann verpflichtet, pro Woche zwei Kantaten zu schreiben, dazu jährlich eine Passion und zusätzlich Festmusiken für besondere Anlässe. Fleiß und Kreativität wurden dem Komponisten dann allerdings zum Verhängnis – spätere Generationen schalten ihn einen Vielschreiber, und erklärten seine Werke für unbedeu- tend und nichtssagend. 
Dies ist der Grund dafür, dass Telemanns Werk noch immer zu großen Teilen unerschlossen ist. In den letzten Jahren haben sich, glücklicherweise, etliche bedeutende Solisten und Ensembles dem Schaffen des Meisters zugewandt. So zeigt auch diese CD mit den großartigen Solisten Miriam Feuersinger, Franz Vitzthum und Klaus Mertens sowie dem stimmstarken Collegium vocale Siegen und der Hannoverschen Hofkapelle unter Kirchenmusikdirektor Ulrich Stötzel, dass dieses harte Urteil der Musikgeschichte keine Berechtigung hat. Zu hören sind die festlichen, groß besetzten Kantaten Der Herr lebet, Ehr und Dank sey Dir gesungen und Der Geist giebt Zeugnis – und sie sind wundervoll. Unbedingt anhören! 

Mittwoch, 26. März 2014

Händel: Water Music, Concerto grosso op. 6,11 (MDG)

Als Georg Friedrich Händel den Auftrag erhielt, die Wassermusik zu komponieren, muss ihm dies wie ein Geschenk des Himmels erschienen sein. Denn soeben war er mit seiner Opern-Gesellschaft am Haymarket-Theater geschei- tert. Es war zugleich der erste Auftrag Georgs I. Der König freilich wusste, was er an dem Musiker hatte, denn Händel war bereits sein Kapellmeister gewesen, als er noch Kurfürst Georg Ludwig zu Hanno- ver war. 
Nachdem er 1714 den englichen Thron bestiegen hatte, lebte Georg I. eher bescheiden. Höfischer Glanz und Prunk waren seine Sache nicht. Als der King am 17. Juni 1717 das Schiff bestieg, um jene sagenhafte Bootspartie auf der Themse zu starten, die in die Musikgeschichte eingehen sollte, war dies möglicherweise seine Antwort auf die auf- wendige Hofhaltung seines Ältesten, des Prince of Wales. 
Händels Musik für diese prachtvolle Ausfahrt hat die Zeiten über- dauert. Sie gehört noch heute zu den absoluten Publikumsfavoriten, und wurde nun nebst dem Concerto grosso op. 6,11 HWV 329 durch die Hannoversche Hofkapelle bei Dabringhaus und Grimm einge- spielt. Dieses Ensemble begeistert sowohl durch Expertise in der historischen Aufführungspraxis als auch durch seine hinreißende Musizierlust. Mit dieser CD gibt es nun endlich sein Debüt im Bereich der Instrumentalmusik. 
Die Frage, in welcher Folge die einzelnen Tanzsätze aufzuführen seien, haben die Musiker pragmatisch entschieden – zugunsten der klang- lichen Abwechslung. Händel selbst schätzte Überraschungseffekte, und hat sie in seinen Werken gern eingesetzt. So hatte der Komponist seinerzeit eigens für die Wassermusik zwei Jagdhörner aus Deutsch- land importiert. Diese Instrumente, die gleich für zwei Leidenschaften des Adels standen, die Jagd und die musikalische Repräsentation, waren auf dem Kontinent bald sehr beliebt, in England aber damals noch unüblich. 

Mittwoch, 2. Mai 2012

Telemann: Cantatas (Hänssler)

Festkantaten für Ostern, Himmel- fahrt und Pfingsten stellt diese Einspielung vor. Sie sind Bestand- teil eines Kantatenjahrganges, den Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) für das Kirchenjahr 1716/17 komponierte und 1720 ergänzte. 
Die Hannoversche Hofkapelle, die diese Werke gemeinsam mit dem Collegium vocale Siegen unter Lei- tung von Ulrich Stötzel vorstellt, hat damit eine attraktive Aufgabe. Denn Telemann ließ sich für diese Kantaten vom italienischen Stil inspirieren - das bedeutet anspruchsvolle Instrumentalpartien mit konzertierenden Elementen, die mit den Chören und  den Vokalso- listen wetteifern. Stefanie Wüst, Sopran, Angela Froemer, Alt, Georg Poplutz, Tenor und Jens Hamann, Bass, haben keine Schwierigkeiten mit der musikalischen Auslegung der Kantatentexte, die von Tele- manns bevorzugtem Textdichter Erdmann Neumeister stammen, und das jeweilige Bibelwort auf das gläubige Individuum beziehen. Und das hat, den Feiertagen entsprechend, reichlich Anlass zu Jubel und Jauchzen. 

Sonntag, 26. Dezember 2010

Lamenti - furore e dolore (Genuin)

Nach der Uraufführung von Monteverdis Oper L'Arianna im Jahre 1608 soll es in Mantua kein Cembalo gegeben haben, auf dem nicht die Noten der Klage der Königstochter stand, die sich von Theseus verlassen und auf Naxos ausgesetzt sah. Das berühmte Lamento ist das einzige, was von dieser Oper heute noch erhalten ist. 
Und weil diese musikalische Innovation so erfolgreich war, haben sie auch Opernkomponisten nach Monteverdi gern genutzt. Die Mezzosopranistin Mareika Morr hat nun mit der Hannoverschen Hofkapelle eine ganze CD voll Klage- gesänge der Barockzeit vorgelegt. Sie ist in der Movimentos Edition bei Genuin Classics erschienen - und sie ist grandios.
Das hat mehrere Gründe; der wichtigste aber ist die Stimme vom Mareike Morr - ein dunkel timbrierter, wundervoller Mezzo, wie lang keiner mehr zu hören war. Die Sängerin, die auch eine erfolgreiche Pianistin ist, gestaltet klug, und die meisten dieser Lamenti erschei- nen wie für sie geschrieben. Nur in Koloraturpassagen würde man sich noch mehr Geschmeidigkeit und Geläufigkeit wünschen. 
Die Auswahl der Arien ist ebenfalls interessant, denn natürlich er- klingen die "Hits" der Gattung aus der Feder von Claudio Monteverdi, Antonio Vivaldi, Christoph Willibald Gluck, Georg Friedrich Händel und Henry Purcell. Doch daneben sind auch einige nicht ganz so bekannte Werke zu hören. Die Hannoversche Hofkapelle begleitet die Sängerin mit kammermusikalischer Finesse und einem Engagement, dass man kaum glauben mag, dass dieses Ensemble das dienstälteste Barockorchester Deutschlands ist. Meiner Ansicht nach ist das die beste Debüt-CD des Jahres 2010.

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Händel: Messiah; Budday (K&K)

Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler dokumen- tieren seit vielen Jahren in exzellenten Mitschnitten auf ihrem Label K & K Konzerte im Kloster Maulbronn. 1147 gegründet, ist es ein eindrucksvolles Zeugnis der Zisterzienserkultur - und die besterhaltene Klosteranlage nördlich der Alpen. Seit 1993 gehört Kloster Maulbronn zum Unesco-Weltkulturerbe.
Jürgen Budday, Musiklehrer am Evangelisch-theologischen Se- minar Maulbronn, Kirchenmusikdirektor und Leiter der Konzerte im Kloster Maulbronn, der Kantorei Maulbronn und des Maulbronner Kammerchores, hat sich ganz besonders den Oratorien Händels verschrieben, und im Laufe der Jahre etliche davon im Rahmen der Kloster-Konzerte aufgeführt. 
Die vorliegende CD dokumentiert ein Konzert vom September 2005, bei dem Händels Messias erklang - selbstverständlich in englischer Sprache, und in einer Fassung aus dem Jahre 1748, in der Budday so viel wie möglich von den Absichten des Komponisten deutlich machen wollte. So griff er auf die Ripieno-Vorschriften der Dubliner Partitur zurück, und erzielt damit außerordentlich interessante dyna- mische Effekte - für jedermann hörbar unter anderem am Beginn des legendären Halleluja-Chores. Dabei geht es nicht nur um die Differen- zierung zwischen "laut" und "leise"; mit der barocken "Terrassendyna- mik" verbunden ist in diesem Falle auch ein ganz erstaunlicher Zuwachs in der Palette der verfügbaren Klangfarben. Das macht diese Einspielung spannend - und der ganz außerordentlich gut studierte Maulbronner Kammerchor, in Verbindung mit der versierten Hannoverschen Hofkapelle, die hier auf rekonstruierten historischen Instrumenten spielt, und bei einem Stimmton von 415 Hertz. Die Solisten - Miriam Allan, Sopran, Michael Chance, Countertenor, Mark LeBrocq, Tenor und Christopher Purves, Bass - sind solide, aber ich finde sie nicht überragend.