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Freitag, 21. Mai 2021

beyond words - Felix Klieser (Berlin Classics)

 

Dass Musik, die ursprünglich für Sängerinnen und Sänger geschrieben worden ist, auch als Sprache ohne Worte funktioniert, beweist Felix Klieser mit diesem Album. Dazu hat der Hornist bekannte Melodien von Bach, Vivaldi, Händel und Gluck ausgewählt. Gemeinsam mit dem Ensemble Chaarts Chamber Artists aus der Schweiz erkundet Klieser die Stücke, und gestaltet jeweils ganz unterschiedliche musikalische Welten. 

In Händels berühmtem Halleluja oder in Vivaldis Gloria übernimmt er den Part des Chores, klar vom Orchester abgesetzt. In vielen Arien, am schönsten sicherlich in Bachs Erbarme dich aus der Matthäus-Passion, tritt er in einen spannungsvollen Dialog mit dem Orchester – und gelegentlich wird er auch ein Teil davon. 

Farbenreich und außerordentlich einfühlsam spürt Felix Klieser dem musikalischen Gehalt der Kompositionen nach; er kombiniert barocken Affekt und romantischen Hornklang. Eine interessante Kombination, und ein Album zum Träumen und Schwelgen. Barock-Puristen freilich wird diese CD eher nicht begeistern. 

Dienstag, 24. November 2020

Care Pupille - Samuel Marino (Orfeo)

 


Ein neuer Star betritt die Opernbühne: Samuel Mariño ist ein Stimmphänomen. Auf dieser CD präsentiert der junge venezolanische Sopranist Arien von Georg Friedrich Händel und dem frühen Christoph Willibald Gluck. Und sein Gesang lässt erahnen, wieso die Stimmakrobatik der Kastraten einst das Publikum derart fasziniert hat. 

Mariño beeindruckt durch technische Perfektion, eine unglaubliche Atemführung, absolut mühelos wirkende Koloraturen, eine sagenhafte Höhe und eine Ausdrucksstärke, die selbst den Hörer am Lautsprecher mitreißt. Mariños Gesang ist berückend. Seine Stimme hat, ganz besonders im Mezza voce und im Piano, eine Klarheit, Reinheit und auch Zartheit, der man sich nicht entziehen kann. Dennoch hat sein Vortrag Biss und wirkt ausgesprochen maskulin. 

In der mittlerweile langen Riege der Herren, die sich für die hohe Stimmlage entschieden haben, ist Mariños Stimmklang einzigartig. In seinem Programm auf dieser CD zeigt der junge Sopranist sowohl Virtuosität, Leidenschaft und Kraft als auch seine Fähigkeit zu Pathos und Kantilene. 

Mit seinem Gesang gestaltet er die unterschiedlichsten Figuren eindrücklich, und das Händelfestspielorchester Halle/Saale unter Leitung von Michael Hofstetter bietet dem Solisten dafür einen wunderbar farbigen orchestralen Rahmen. Hingewiesen sei zudem darauf, dass die Gluck-Arien durchweg in Weltersteinspielung erklingen. Phänomenal! 


Freitag, 29. April 2016

Ouvertüren (Tudor)

Antike Sagengestalten stehen im Mittelpunkt dieser CD der Bamberger Symphoniker. Die Auswahl der Musik für ein solches Programm fällt sicherlich nicht leicht, denn schon für die allerersten Opern wählten die Komponisten Stoffe aus der griechi- schen oder römischen Mythologie. Dirigent Karl-Heinz Steffens prä- sentiert mit den Bamberger Sym- phonikern Werke aus dem 18. und
19. Jahrhundert. Die CD beginnt mit der Ouvertüre zu Iphigenie in Aulis von Christoph Willibald Gluck (1714 bis 1787) – in einer Bearbeitung von Richard Wagner. Aus Mozarts Oper Ideomeneo erklingt ebenfalls die Ouvertüre, sowie die abschließende Ballettmusik, die die Krönung Idaman- tes in Form einer Pantomime in Szene setzen soll. 

Luigi Cherubini (1760 bis 1842) stammte aus Florenz. 1787 ging er nach Paris, und dort überlebte er die Revolution und die Schreckensherrschaft der Jakobiner. Im März 1797 stellte er dann seine Oper Médée vor. Dass die grausige Geschichte um die Zauberin Medea bis zum heutigen Tage ihren Platz auf der Opernbühne behauptet, ist auch das Verdienst von Maria Callas, die diese Partie einst phänomenal gesungen hat. Die Bamberger Symphoniker spielen die Ouvertüre, die bereits den Furor der Heldin ankündigt. 
Deutlich ruhiger gestaltet hat Ludwig van Beethoven die Eröffungsmusik zu Die Ruinen von Athen, einem Huldigungs-Opus zur Eröffnung des Theaters im ungarischen Pest. Mit knapp fünf Minuten ist dies die kürzeste Ouvertüre des Komponisten überhaupt; sie ist knapp, aber reizvoll, und lässt das dazugehörige Stück aus der Feder von Kotzebue nicht vermissen, in dem Göttervater Zeus höchstpersönlich eine Büste des österreichischen Kaisers Franz I. aufstellt. 
Shakespeares Sommernachtstraum stand Pate bei der romantischen Oper Oberon, die Carl Maria von Weber (1786 bis 1826) schwerkrank in seinen letzten Lebensmonaten geschaffen hat. Die Handlung soll ein wenig verwirren – aber wenn die Musik insgesamt so ist wie das, was die Bamberger Symphoniker auf dieser CD vorstellen, dann könnte man vielleicht sogar über Schwächen des Textbuches hinwegsehen und dem Opus eine zumindest konzertante Wiederauferstehung wünschen. 
Und da wir einmal bei Puck, Oberon und Titania sind – die CD endet mit dem Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Bamberger Symphoniker beweisen einmal mehr, dass sie zu den besten Orchestern Deutschlands gehören; musiziert wird mit Präzision und Esprit. Steffens erweist sich als Klangmagier, er vergisst aber auch nicht, hier und da mit einer Prise Dramatik zu würzen. Diese Einspielung ist ein kleines Juwel, hier passt einfach alles. 

Freitag, 11. März 2016

Gluck: Orfeo ed Euridice (Deutsche Grammophon)

Eine Oper, die nur von drei hohen Stimmen, dem Chor, einigen Tänzern und dem Orchester gestaltet wird, müsste eigentlich der Traum eines jeden Intendanten sein. Dass Orfeo ed Euridice, das wohl berühmteste Werk von Christoph Willibald Gluck (1714 bis 1787) dennoch nur selten zu hören ist, das könnte mit daran liegen, dass die Gesangspartien einige Ansprüche stellen. 
Bei der Uraufführung 1762 sang der Kastrat Gaetano Guadagni die Rolle des Orfeo; beim Blick in die Noten wird schnell deutlich, dass er über einen immensen Stimmumfang verfügt haben muss, und über eine exzellente Technik. Aus diesem Grunde ist die Besetzung dieser Partie nicht einfach; für diese Oper aber ist sie entscheidend. 
Die Deutsche Grammophon hat im vergangenen Jahr Franco Fagioli als ersten Countertenor in der Geschichte des Labels exklusiv unter Vertrag genommen – und Glucks Oper mit diesem Sänger in der Hauptrolle neu aufgenommen. Orfeo ed Euridice erklingt dabei erstmalig in der italienischen Originalversion; auf einer zusätzlichen CD sind zudem die „Hits“ einer Konzertfassung zu hören, die das Wiener Original von 1762 um einige Höhepunkte jener Version ergänzt, die 1774 in Paris aufgeführt wurde. 
Fagioli beeindruckt mit einer angenehm timbrierten und perfekt geführten Stimme – klar und rein in der Höhe, kernig in der Tiefe, rasant in den Koloraturen. Der Klagegesang um die verlorene Euridice, wahrscheinlich das bekannteste Stück aus Glucks Oper, gelingt ihm so ausdrucksstark, dass man sich über den glücklichen Ausgang der Geschichte danach gar nicht mehr wundert. 
Die Euridice singt sehr hörenswert Malin Hartelius, den Amor Emmanuelle de Negri. Das Ensemble wird vervollständigt durch den Chor Accentus und das Insula Orchestra. Die Leitung hat Laurence Equilbey. „Avec Insula orchestra, je présente une version sur instruments d'èpoque, fidèle à l'instrumentarium souhaité par Gluck. Il a pensé son opéra pour ces instruments colorés que sont le traverso, le clavecin ou encore les cornets à bouquin, mais aussi pour des cordes en boyaux jouées avenc des archets classiques“, erläutert der Dirigent im Beiheft. „La plastique sonore est ainsi souple à sculpter, et les équilibres sont facilités.“ 

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Amoretti - Christiane Karg (Berlin Classics)

Christiane Karg hat für diese CD ein Programm zusammengestellt, das Arien von Wolfgang Amadeus Mozart, Christoph Willibald Gluck und André-Ernest-Modeste Grétry klug kombiniert. Einerseits staunt man darüber, wie sehr die italieni- sche Oper, bei allen Reformbestre- bungen, damals in ganz Europa das Geschehen auf den Bühnen prägte. 
Andererseits fasziniert die Sängerin, die 2006 in Salzburg ihr Debüt gegeben hat, durch eine Stimme, die sich von den üblichen Susanna- und Musetta-Stimmchen deutlich abhebt. Da ist zum einen die enorme Geläufigkeit, mit der Karg durch Koloraturen turnt, ohne jemals die Kontrolle über den Ton und das Timbre zu verlieren. Und da ist zum anderen diese sagenhafte Wandlungsfähigkeit, mit der sie ihren lieblichen, hellen Sopran nach Belieben eindunkeln kann. Diese seidenweiche Stimme klingt niemals schrill oder grell. Den Zuhörer erfreut zudem Kargs berückendes Piano, und die sängerische Intelligenz, mit der sie ihre Partien gestaltet. 
So lauscht man gern dem Streifzug der charismatischen Sängerin durch die Untiefen und Tiefen der Gefühle, bei dem sie vom Ensemble Arcangelo unter Jonathan Cohen hervorragend begleitet wird. Bravi! 

Montag, 2. Juli 2012

Arias for Guadagni (Hyperion)

Die Paraderolle des Kastraten Gae- tano Guadagni (1728 bis 1792) war der Orpheus - Gluck hat seine Oper Orfeo ed Euridice für diesen Sänger geschaffen, was nicht ohne Risiko war: "Die Rolle passte ihm wie an- gegossen", meinte Textdichter Calzabigi, "in anderer Hand wäre sie eine Katastrophe gewesen."
Und obwohl sich das Traumteam Gluck-Calzabigi-Guadagni schon wenig später, nach dem Misserfolg der Oper Telemaco, in der der Kastrat ebenfalls die Titelrolle sang, erledigt hatte, behielt der Sänger die Partie des Orpheus mehr als 20 Jahre lang in seinem Repertoire. Dass er sich mit dieser Figur derart identifizierte, mag auch in seiner Biographie begründet liegen.
Guadagni stammte aus einer Musikerfamilie; auch die drei Schwe- stern und sein Bruder waren Opernsänger. Der Kastrat begann seine Karriere 1746 als Mitglied des renommierten Chores der Basilika des Heiligen Antonius zu Padua. Zugleich sang er aber mit Begeisterung Opern, was dazu führte, dass er seine Stelle in der cappella bald wieder verlor. 1748 kam der Sänger mit einer Buffa-Truppe nach London. Sie ging dort bald bankrott, doch Guadagni wurde Händel vorgestellt, der von seiner Stimme sehr angetan war.
Diese CD enthält eine Reihe von Arien, die der Komponist speziell für den Kastraten geschrieben hat. Sie zeigen, dass er keineswegs nur die Phrasierung und das Legato-Singen in großen Bögen exzellent beherrschte. Auch Koloraturen und Verzierungen wusste er offenbar kunstvoll zu gestalten. 
In den europäischen Musikmetropolen wurde Guadagni bald schon gefeiert. So sang er unter anderem in Paris und Versaille, in Wien, München - und in Padua, wo er 1768 in Gnaden wieder aufgenommen und mit einem Gehalt ausgestattet wurde, das deutlich über dem des Konzertmeisters Tartini und auch des Kapellmeisters Valotti lag. An seinen Konzertreisen störte sich nun niemand mehr. Guadagni war ein Star. Davon profitierte seine Wahlheimat Padua, denn der Künst- ler glänzte nicht nur mit seinem Gesang an den großen Kirchenfesten. Er stiftete zudem große Summen und kümmerte sich um städtische Projekte. 
Auch Iestyn Davies begann seine Karriere in einem Chor: Er war choral scholar im St. John's College der Cambridge University, wo er zunächst Archäologie und Anthropologie studierte, bevor er sich dazu entschloss, an die Royal Acadamy of Music zu wechseln. Mittlerweile hat der Countertenor bedeutende Partien an etlichen wichtigen Opernhäusern dieser Welt gesungen. Mit dem Ensemble Arcangelo unter Jonathan Cohen hat Davies bereits Kantaten von Porpora aufgenommen; die Guadagni-Arien führen diese erfreuliche Zusammenarbeit nun in der denkbar schönsten Weise weiter. Hier sind Partner am Werk, die aufeinander hören, und miteinander gestalten - und das Ergebnis begeistert einmal mehr. Die eingestreute Orchester-Sinfonie in D-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach zeigt zudem, dass auch Arcangelo durchaus spannende Akzente zu setzen versteht. Von diesen jungen Musikern darf man noch viel erwarten.  

Mittwoch, 30. Mai 2012

Gluck: Il trionfo di Clelia (MDG)

Die Oper Il trionfo di Clelia kompo- nierte Christoph Willibald Gluck (1714 bis 1787) eigens für die Eröffnung des neu erbauten Teatro Comunale in Bologna 1763. Das Libretto stammte von Metastasio, die Erstvertonung durch Johann Adolf Hasse war ein Jahr zuvor bereits in Wien gefeiert worden. 
Glucks Werk scheint in Bologna ziemlich gut angekommen zu sein; Rechnungsbücher geben uns die Auskunft, dass die Oper im Früh- jahr 1763 immerhin 28 Auffüh- rungen erlebt hat. Der Komponist jedenfalls erfüllte die Erwartungen seiner Auftraggeber, und vertonte den Text ziemlich traditionell - allerdings folgte er dabei auch seiner Maxime prima la parole, poi la musica. Das beschert den meisten Arien bei aller sängerischen Bravour eine Emotionalität, die nicht mehr in Chiffren, nur Kennern verständlich, sondern direkt in musikalischen Ausdruck umgesetzt wird. 
Zugleich gewinnt der Orchesterpart an Gewicht - was dem Ensemble Armonia Atenea, das auf zeitgenössischen Instrumenten musiziert, einige ausdrucksstarke Stücke beschert. So gibt es eine große drama- tische Szene mit einer Sinfonia, in der das Orchester den Kampf zwischen Römern und Toskanern akustisch darstellt. "Ich habe die Partitur zufällig entdeckt, in einer italienischen Bibliothek", berichtet Giuseppe Sigismondi de Risio, der diese Aufnahme auch dirigierte, "und sie erweckte sofort das größte Interesse, nicht nur wegen der offensichtlichen musikalischen Qualität des Werkes (...), sondern vor allem, weil diese Oper unverständlicherweise vergessen war." 
In Bologna stand Gluck nicht nur ein exzellentes Sängerensemble und ein groß besetztes Orchester, sondern vor allem auch modernste Büh- nentechnik zur Verfügung. All dies erschwerte es anderen Häusern, dieses Werk ebenfalls aufzuführen. Dazu kommt die große Begeiste- rung, mit die Leute damals Aufführungen neuer Opern anhörten - und komponiert wurde ebenfalls eine Menge. Unsere Freude an "Alter" Musik dürfte einen Opernfreund des 17. Jahrhunderts ziemlich befremden. Und so ist es nachvollziehbar, dass ein solches Werk in Vergessenheit geraten ist. 
An der Wiederentdeckung freilich kann man sich erfreuen. Denn auch die Sänger, die de Risio für diese Aufführung im Juli 2011 im Mega- ron, der Konzerthalle von Athen, zur Verfügung standen, sind ganz hervorragend. Die Rolle der Clelia sang Hélène Le Corre, ihren Ver- lobten Orazio Mary-Ellen Nesi, und ihren Verehrer Tarquinio Irini Karaianni. Als Porsenna, König von Toskana, ist Vassilis Kavayas zu hören, und als seine Tochter Larissa Burcu Uyar. Sie ist Tarquinio versprochen - und liebt Mannio, gesungen von Countertenor Florin Cezar Ouatu. 
Die Toskaner belagern Rom, um Tarquinio dort als König einzusetzen. Die junge Römerin Clelia wird von Porsenna als Geisel festgehalten. Tarquinio ist der Sohn des gestürzten Tarquinius Superbus, und er bedrängt Clelia, obwohl er doch eigentlich Larissa, der Tochter Por- sennas, versprochen ist. Man kann sich vorstellen, dass diese Kon- stellation für einige Verwirrung sorgen wird, ganz wie es in einer opera seria üblich ist, bis dann zum Schluss der Edelmut siegt, der Schuft als Schurke enttarnt ist, und die Paare sich glücklich finden. Doch zuvor gibt es jede Menge hörenswerte Musik, in Welterstein- spielung. 

Sonntag, 26. Dezember 2010

Lamenti - furore e dolore (Genuin)

Nach der Uraufführung von Monteverdis Oper L'Arianna im Jahre 1608 soll es in Mantua kein Cembalo gegeben haben, auf dem nicht die Noten der Klage der Königstochter stand, die sich von Theseus verlassen und auf Naxos ausgesetzt sah. Das berühmte Lamento ist das einzige, was von dieser Oper heute noch erhalten ist. 
Und weil diese musikalische Innovation so erfolgreich war, haben sie auch Opernkomponisten nach Monteverdi gern genutzt. Die Mezzosopranistin Mareika Morr hat nun mit der Hannoverschen Hofkapelle eine ganze CD voll Klage- gesänge der Barockzeit vorgelegt. Sie ist in der Movimentos Edition bei Genuin Classics erschienen - und sie ist grandios.
Das hat mehrere Gründe; der wichtigste aber ist die Stimme vom Mareike Morr - ein dunkel timbrierter, wundervoller Mezzo, wie lang keiner mehr zu hören war. Die Sängerin, die auch eine erfolgreiche Pianistin ist, gestaltet klug, und die meisten dieser Lamenti erschei- nen wie für sie geschrieben. Nur in Koloraturpassagen würde man sich noch mehr Geschmeidigkeit und Geläufigkeit wünschen. 
Die Auswahl der Arien ist ebenfalls interessant, denn natürlich er- klingen die "Hits" der Gattung aus der Feder von Claudio Monteverdi, Antonio Vivaldi, Christoph Willibald Gluck, Georg Friedrich Händel und Henry Purcell. Doch daneben sind auch einige nicht ganz so bekannte Werke zu hören. Die Hannoversche Hofkapelle begleitet die Sängerin mit kammermusikalischer Finesse und einem Engagement, dass man kaum glauben mag, dass dieses Ensemble das dienstälteste Barockorchester Deutschlands ist. Meiner Ansicht nach ist das die beste Debüt-CD des Jahres 2010.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Gluck: Orfeo ed Euridice (Berlin Classics)


Eine Aufnahme aus dem Jahre 1966, die aber überraschend frisch und lebendig daher kommt. 
Das liegt zum einen ganz sicher am Dirigenten Václav Neumann, der, geprägt durch die enge Zusammen-arbeit mit Walter Felsenstein, sehr genau auf die Partitur schaut, und keine Manierismen duldet. Er leitete ein Ensemble von Weltrang: Es spielt das Gewandhausorchester Leipzig, und die Chöre singt der Rundfunkchor Leipzig. Sie werden von Neumann sehr schlank und durchhörbar geführt. 
Das liegt zu anderen aber auch an den brillanten Sängerinnen. Die Altistin Grace Bumbry singt einen ergreifenden Orfeo, Anneliese Rothenberger eine von Trauer und Leid zerissene Euridice, und Ruth-Margret Pütz dem Amor. Keine Originalinstrumente, keine historische Aufführungspraxis, keine Barockstimmen - aber dennoch eine stimmige, stimmungsvolle Aufnahme, die man noch heute gut anhören kann.