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Montag, 5. Januar 2015

Orff: Carmina Burana (Zig-Zag Territoires)

Die Carmina Burana von Carl Orff gehören zu den bedeutendsten und auch beliebtesten Chorwerken des
20. Jahrhunderts. Gesungen werden sie zumeist von großen Chören, in Begleitung eines stark besetzten Sinfonieorchesters. 

Jos van Immerseel hat nun die Carmina Burana mit seinem Orchester Anima Eterna Brügge neu eingespielt, und dabei nicht nur darauf geachtet, Instrumente genau so einzusetzen, wie sie in den 30er Jahren gespielt worden sind. Er hat auch mit kritischem Blick in die Partitur geschaut – und dabei festgestellt, dass die Streicher hier nicht die Hauptrolle spielen: „De hoofdrol ist weggelegd voor de percussie en de blazers, vaak in ongewone combinaties“, erläutert van Immerseel. „De celesta met de fluiten, de contrafagot met de tuba, de hoge fagot met die drei trombones... Echt verbazende zaken die ook verbazend goed klingen!“ 
Für eine Konzertreise im Februar 2014 durch Belgien und die Niederlande haben sich die Musiker mit dem Collegium Vocale Gent zusammengetan, das die Chorpartien übernommen hat – allerdings ist jede Stimme nur dreifach besetzt. Das macht überhaupt nichts, wie man staunend feststellt – die 36 Profis bringen hinreichend Wucht auf für die großen Chöre, und die intimen Momente gelingen ihnen hinreißend. Der Königlich Belgische Knabenchor Schola Cantorum Cantate Dominum unter David De Geest wirkt als Kinderchor mit. Auch die Vokalsolisten hat van Immerseel mit Sorgfalt ausgesucht. Yeree Suh, Sopran, Yves Saelens, Tenor, und Thomas Bauer, Bariton, brillieren in ihren Partien. Insbesondere Saelens' Klage- gesang des Schwans ist ein Ereignis. 
Eine farbensatte, detailreiche, spannungsvolle Interpretation, die ihren Platz in der schmalen Reihe der Referenzaufnahmen unter den vielen Einspielungen finden wird. Beachtlich! 

Dienstag, 28. Dezember 2010

Orff: Carmina Burana (Deutsche Grammophon)

Die Carmina Burana von Carl Orff gehören zu den oft und gern ein- gespielten Werken. An Aufnahmen herrscht also kein Mangel, und darunter sind wirklich exzellente, wie beispielsweise jene legendäre mit Gundula Janowitz, Gerhard Stolze und Dietrich Fischer-Dies- kau sowie dem Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin unter Eugen Jochum. Sie stammt aus den 60er Jahren, wurde von Orff sehr geschätzt, und gilt noch heute als Referenzaufnahme.
Daniel Harding setzt in erster Linie auf Rhythmus und Dynamik. Diese beiden Gestaltungsmöglichkeiten reizt er aus; das ist aber bei diesem Werk wahrlich keine Überraschung. Der Tölzer Knabenchor sowie Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks folgen Harding behende - und eines muss man der Aufnahme lassen: Hier wird Textdeklamation als Mittel zur rhythmischen Strukturierung verwendet; damit ist die Textverständlichkeit auch ziemlich gut, was mittlerweile ja leider ziemlich selten geworden ist. Patricia Petibon, Sopran, Hans-Werner Bunz, Tenor, und Christian Gerhaher, Bariton, nehmen ihre Solopartien ziemlich theatralisch.
Im Orchesterklang wird so manches hübsche Detail hörbar, was in anderen Aufnahmen nicht so zur Geltung kommt. Leider wird damit aber auch das gewollt grobgewebte Kleid erbarmungslos glattge- bügelt, das Orff vielen der mittelalterlichen Texte verpasst hat. Das macht diese Version gefällig, aber es bringt sie um jene Tiefe, die Orffs Partitur eigentlich hat. Schade.

Sonntag, 28. März 2010

Orff: Der Mond / Die Kluge (EMI Classics)

Zwei köstliche Stücke von Carl Orff nach Märchen der Gebrüder Grimm in wundervollen histori- schen Aufnahmen. Da ziehen vier Gesellen in die Fremde, und in einem Nachbarland erleben sie erstmals den Mond. Weil der so praktisch ist, beschließen die Burschen, ihn zu stehlen und mit nach Hause zu nehmen. Das gelingt auch. Doch dann beschließt jeder von ihnen, "sein" Viertel mit ins Grab zu nehmen.
In der Unterwelt aber ist das Licht nicht willkommen, denn es weckt die Toten auf und sorgt für Unruhe - bis schließlich Petrus höchstselbst die Ordnung wieder herstellt. Orff nutzt die Geschichte, um allerhand Trubel zu inszenieren; es hat da neben den vier Burschen und dem Petrus noch einen Erzähler in bester Evangelisten-Tradition (sehr hörenswert: Rudolf Christ), schwungvolle Musik und großartige Chöre. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1957. Es singen der Philharmonia Chorus and Children's Chorus, und es spielt bei beiden Werken das Philharmonia Orchestra unter Wolfgang Sawallisch.
Die Rolle des Erzählers übernimmt in Die Kluge das Volk, bestehend vor allem aus drei Vagabunden. Die Besetzung ist erstklassig. So ist als clevere Bauerntochter Elisabeth Schwarzkopf zu hören, ihren Vater singt Gottlob Frick. Prolog und Epilog spricht Orff höchstpersönlich - in seiner Gegenwart wurde 1956 Die Kluge eingespielt, so dass man davon ausgehen darf, dass die Aufnahme seinen Intentionen entspricht. Das Märchen ist bekannt. Auffällig ist, dass die scheinbar naiv erzählte Geschichte ziemlich schrill orchestriert ist - und dass Orff den König ziemlich bissig charakterisiert. Das Werk wurde 1943 in Frankfurt uraufgeführt. So harmlos wie Der Mond erscheint es nicht.