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Freitag, 27. März 2015

Haydn: The seven last words of Christ (Zig-Zag Territoires)

Über Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze, jene berühmte Meditationsmusik, die Joseph Haydn (1732 bis 1809) im Winter 1786/87 für einen Domherrn aus dem spanischen Cádiz komponiert hat, wurde in diesem Blog bereits mehrfach geschrieben. Dieses Werk, im Original entstanden für Orchester, besteht aus sieben langsamen Sätzen zuzüglich einer ziemlich dramatischen Einleitung sowie einem abschließenden Presto, welches das Erdbeben hörbar macht, das nach Christi Tod die Erde erschütterte. Es erklang zum ersten Male zum Karfreitag 1787 – mit Voraufführungen im Palais Auersperg in Wien sowie in Bonn. Und weil diese Musik weithin gefragt war, fertigte Haydn anschließend noch eine Bearbeitung für Streichquartett an, sowie eine Oratorienversion, für die einmal mehr Baron Gottfried van Swieten den Text lieferte. Innerhalb weniger Jahre erschienen zudem in vier (!) europäischen Musikverlagen Klavierfassungen – nicht von Haydn, aber von ihm geprüft und für gut befunden. 
Dieser Variante hat sich nun Alexej Ljubimow zugewandt: „The Seven Last Words occupies a unique place in Haydn's output“, erläutert der russische Pianist im Beiheft zu seiner CD. „This cycle of slow pieces concluded by a violent Presto calls for great variety of sonorities, strong emotional projection of contrasts with dramatic power, and, finally, judicious balance between tempo and expression.“ Aus diesem Grunde hat sich Ljubimow entschlossen, Haydns Musik auf einem historischen Instrument zu spielen. Ausgewählt hat er dafür den Nachbau eines Tangentenflügels von Späth & Schmahl, Regensburg 1794, angefertigt in der Werkstatt des westflandrischen Spezialisten Chris Maene. Diese Instrumente ähneln äußerlich noch einem Cembalo, aber sie klingen ausdrucksstärker und auch lauter. Mozart beispielsweise kannte und schätzte das „Späthische Clavier“. 
Ljubimow nutzt den Farbenreichtum und die klanglich durchaus unterschiedlichen Register des Tangentenflügels, um Ausdrucksnuancen zu erreichen, die mit einem modernen Konzertflügel so nicht zu erzielen wären. Er spielt grandios, gestaltet souverän und bringt die ganz eigenen Qualitäten der Klavier-Version hervorragend zur Geltung. Diese Einspielung hat sich umgehend einen Platz unter meinen persönlichen Haydn-Lieblingsaufnahmen erobert – und sie wird ihren Referenzstatus ganz ohne Zweifel lange behalten. Unbedingt anhören! 

Montag, 5. Januar 2015

Orff: Carmina Burana (Zig-Zag Territoires)

Die Carmina Burana von Carl Orff gehören zu den bedeutendsten und auch beliebtesten Chorwerken des
20. Jahrhunderts. Gesungen werden sie zumeist von großen Chören, in Begleitung eines stark besetzten Sinfonieorchesters. 

Jos van Immerseel hat nun die Carmina Burana mit seinem Orchester Anima Eterna Brügge neu eingespielt, und dabei nicht nur darauf geachtet, Instrumente genau so einzusetzen, wie sie in den 30er Jahren gespielt worden sind. Er hat auch mit kritischem Blick in die Partitur geschaut – und dabei festgestellt, dass die Streicher hier nicht die Hauptrolle spielen: „De hoofdrol ist weggelegd voor de percussie en de blazers, vaak in ongewone combinaties“, erläutert van Immerseel. „De celesta met de fluiten, de contrafagot met de tuba, de hoge fagot met die drei trombones... Echt verbazende zaken die ook verbazend goed klingen!“ 
Für eine Konzertreise im Februar 2014 durch Belgien und die Niederlande haben sich die Musiker mit dem Collegium Vocale Gent zusammengetan, das die Chorpartien übernommen hat – allerdings ist jede Stimme nur dreifach besetzt. Das macht überhaupt nichts, wie man staunend feststellt – die 36 Profis bringen hinreichend Wucht auf für die großen Chöre, und die intimen Momente gelingen ihnen hinreißend. Der Königlich Belgische Knabenchor Schola Cantorum Cantate Dominum unter David De Geest wirkt als Kinderchor mit. Auch die Vokalsolisten hat van Immerseel mit Sorgfalt ausgesucht. Yeree Suh, Sopran, Yves Saelens, Tenor, und Thomas Bauer, Bariton, brillieren in ihren Partien. Insbesondere Saelens' Klage- gesang des Schwans ist ein Ereignis. 
Eine farbensatte, detailreiche, spannungsvolle Interpretation, die ihren Platz in der schmalen Reihe der Referenzaufnahmen unter den vielen Einspielungen finden wird. Beachtlich! 

Mittwoch, 10. September 2014

Vivaldi: Cello Sonatas (Zig-Zag Territoires)

Als um 1740 in Paris ein Raubdruck mit sechs Violoncello-Sonaten von Antonio Vivaldi erschien, scheint das ein gutes Geschäft gewesen zu sein. „En France, le violoncelle savourait finalement son triomphe face à la viole de gambe, grâce notamment aux prestations du violoncelliste Jean Barrière, et devenait l'instru- ment de salon par excellence“, schreibt Olivier Fourés im Beiheft zu dieser CD. Und so erschien 1748 gleich noch eine Auflage. 
Das Ensemble Accademia Ottoboni präsentiert auf dieser CD eine Auswahl aus Vivaldis Cellosonaten – ausgewählt aus dem Pariser Manuskript, aber auch aus Quellen, die sich in Neapel gefunden haben sowie in Wiesentheid in der Musikaliensammlung des Grafen Rudolf Franz Erwein von Schön- born (1677 bis 1754), der offenbar ein hervorragender Cellist gewesen ist. Eine wundervolle Einspielung, unbedingt anhören!  

Sonntag, 6. April 2014

Corelli: The complete Concerti grossi (Zig-Zag Territoires)

Die Concerti grossi op. 6 von Arcangelo Corelli (1653 bis 1713) sind derart bekannt, dass sie wohl jeder Musikfreund mitpfeifen kann. Dennoch haben sich Amandine Beyer und ihr Ensemble Gli Incogniti dafür entschieden, den großen Komponisten zu seinem 300. Todestag durch eine Einspie- lung dieser Werke zu ehren. 
Das ist den Musikern bestens ge- lungen – die Aufnahmen sind fein austariert, dabei aber schwung- voll, musikantisch und hinreißend elegant. An dieser Doppel-CD werden sich ohne Zweifel in Zukunft alle anderen Interpretationen messen lassen müssen. Bravi! 

Samstag, 13. April 2013

Bach: Zanaida (Zig-Zag Territoires)

In Persien spielt die Oper Zanaide von Johann Christian Bach (1735 bis 1782). Der jüngste Sohn von Johann Sebastian Bach erhielt seine musikalische Ausbildung vor allem bei seinem Halbbruder Carl Philipp Emanuel Bach in Berlin. Stark beeindruckt hat ihn offenbar auch die Königliche Oper, die damals unter Hofkapellmeister Carl Heinrich Graun über ein exzellentes Ensemble verfügte und weithin gerühmt wurde. So wird es nicht überraschen, dass Johann Christian Bach bei seinem mehrjährigen Aufenthalt in Italien nicht nur Kirchenmusik komponierte, sondern auch erste Werke für die Opernbühne, die einigen Anklang fanden.
Der Kastrat Filippo Elisi, der in London am King's Theatre sang und Bach aus Mailand kannte, sorgte dafür, dass die Leitung des Hauses bei dem Komponisten zwei Opern in Auftrag gab. Also ging Johann Christian Bach 1762 nach London, wo er zunächst am King's Theatre dirigierte, und dann im nächsten Jahr vertragsgemäß seine Opern präsentierte - Orione und Zanaida.
Bereits im Juli 1763 schrieb Bach an seinen verehrten Lehrer Padre Martini, dass er nicht nach Italien zurückkehren werde. Das Organi- stenamt am Mailänder Dom gab er auf. Denn Königin Charlotte war auf den jungen Musiker aufmerksam geworden, und hatte ihn als music master engagiert. In dieser Position unterrichtete er die Queen im Gesang, komponierte für sie, organisierte und leitete die Kammer- konzerte des Königspaares, begleitete das Flötenspiel des Königs und überwachte die Ausbildung der Prinzessinnen und Prinzen. Der "Londoner Bach" war zeitweise zudem erfolgreich als Pianist und, gemeinsam mit dem Gambenvirtuosen Carl Friedrich Abel, als Konzertveranstalter. Dass das Geschäft als Impresario nicht ohne Risiko war, hatte allerdings schon Händel erleben müssen. So blieb Johann Christian Bach von Rückschlägen nicht verschont; auch einige seiner Opern fielen beim Publikum durch.
Zanaida allerdings, seine 1763 uraufgeführte zweite Londoner Oper, war ein großer Erfolg. Dieses Werk von Johann Christian Bach galt jedoch lange als verschollen. Bekannt waren lediglich das Libretto, die Ouvertüre und ein paar Arien - bis ein New Yorker Reeder und Kunstsammler dem Leipziger Bach-Archiv für zehn Jahre seine Privatsammlung überließ. In dem Konvolut, das mehr als tausend Dokumente umfasste, fand sich auch die verloren geglaubte auto- graphe Partitur. 
Das französische Ensemble Opera Fuoco unter Leitung von David Stern hatte Zanaida kurzfristig einstudiert, und auf dem Interna- tionalen Bachfest 2011 im barocken Goethe-Theater Bad Lauchstädt vorgestellt. Das Werk erklang auch im Théatre de Saint-Quentin-en-Yvelines. Aus dem Live-Mitschnitt von zwei Vorstellungen dort entstand die vorliegende Weltersteinspielung, die bei dem Label Zig Zag Territoires erschienen ist. 
Die Handlung der Oper ist hanebüchen, Kabale und Liebe. Zur Festigung des soeben geschlossenen Friedens soll der persische König Tamasse Zanaida heiraten, die Tochter des türkischen Sultans Soliman. Doch der Herrscher liebt eine andere - Osira, die Tochter des türkischen Botschafters Mustafa, die als Geisel an seinem Hof lebt. Was also tun ? Schnell ist ein Ausweg gefunden: Zanaida wird beschuldigt, einen Anschlag auf den Herrscher geplant zu haben. Das wiederum erfährt Mustafa, der nun seinerseits bei der Hinrichtung der Braut Tamasse töten will. Doch Zanaida wirft sich dazwischen. Und so kommt es, wie es kommen muss. Das Brautpaar heiratet, und alle vertragen sich wieder miteinander - wobei man wissen sollte, dass es noch fünf Nebenfiguren gibt, die zum Geschehen ihre eigenen Intrigen und Liebeshändel beisteuern. 
Obwohl die Geschichte im exotischen Lande spielt, hat sich Bach davor gehütet, eine der damals modernen "Janitscharenmusiken" zu schreiben. Seine Oper ist durchweg elegant und durchaus traditionell, Rezitative und Arien wechseln in steter Folge. Aber die Arien sind vergleichsweise kurz und schlicht, auf allzu virtuose Koloraturen und auf das Da-capo-Modell verzichtete der Komponist. Und am Ende eines jeden Aktes erklingt ein wundervolles Ensemble - kein Wunder, dass Leopold Mozart seinen achtjährigen Sohn, der in London Bachs Werke gehört haben dürfte, ermuntert hat, sich diesen Stil zum Vorbild zu nehmen. 
David Stern und das von ihm 2003 gegründete Orchester Opera Fuoco musizieren routiniert und sängerfreundlich. Die Sänger sind durchweg sehr jung; das ist heutzutage zwar weithin üblich, doch die Schwächen einer solchen Nachwuchstruppe sind halt auch unüber- hörbar. Die amerikanische Sopranistin Sara Hershkowitz in der Rolle der Zanaida ist richtig gut, der Rest klingt eher nach Stadttheater, irgendwo in der Provinz. Wer sich dennoch für die Namen der Sänger interessiert, der steht zudem vor einer Knobelaufgabe. Im Beiheft sieht man zwar einige Fotos, und auch einige Namen sind genannt, aber eine Besetzungsliste bleibt das Büchlein schuldig. Trotzdem sei die Aufnahme hier empfohlen, weil diese Oper eine Rarität ist und wohl auch bleiben wird - denn einfach sind die Partien der neun Solisten nicht, der Orchesterpart stellt ebenfalls hohe Anforderungen, und auch die Handlung spricht nicht gerade dafür, dass dieses Werk sich einen Platz im Repertoire erobern wird. 

Sonntag, 10. Juni 2012

Bach: Sonates & Partitas BWV 1001 - 1006; Beyer (Zig-Zag Territoires)

Aufnahmen von Bachs Sonaten und Partiten - er selbst nannte diese Stücke allerdings Partia - sind mittlerweile in großer Zahl verfügbar. Etliche davon sind leider nur für den Geiger span- nend, der sie eingespielt hat. Das ist bei dieser Version, vorgetragen von der französischen Solistin Amandine Beyer, glücklicherweise nicht der Fall. Sie musiziert auf einer wundervollen Barockvioline von Pierre Jaquier aus dem Jahre 1996, mit einem zwölf Jahre alten Bogen von Eduardo Gorr, Cremona. Was für ein Klang! allein dieses Instrument wäre die CD wert.
Beyer spielt Bachs Werke beherzt, aber nicht ruppig; sie musiziert tänzerisch akzentuiert, aber sie strebt keine Geschwindigkeitsrekorde an. Dabei spielt sie stets mit klarem, schönen Ton - und auch die schwierigsten Passagen gelingen ihr blitzsauber. Dort, wo sie zügige Tempi wählt, wird sie nicht flüchtig. Und die latente Polyphonie dieser Werke macht sie hörbar. Das macht die Aufnahme spannend, zumal im Kontrast danach eine Sonata a Violino solo senza Basso von Bachs Zeitgenossen Johann Georg Pisendel erklingt. Der war ein berühmter Geiger, Konzertmeister der Dresdner Hofkapelle - seine Musik ist ganz sicher virtuos, aber gegen Bachs furiose Schöpfung wirkt sie seltsam blass und fad.
Dieses Stück an den Schluss zu stellen, erscheint aus diesem Grunde nicht ganz fair. Und warum Beyer die Sonata BWV 1001 nicht an den Anfang, sondern zwischen BWV 1005 und 1006 gesetzt hat, das würde uns auch interessieren. Im Beiheft ist dazu nichts zu erfahren; es ist auch sonst leider nicht besonders aussagekräftig. Das ist sehr schade, denn ansonsten ist dieses CD-Doppel gut gelungen. Meine Empfehlung! 

Sonntag, 15. Januar 2012

Weckmann: Abendmusiken (Zig-Zag Territoires)

Matthias Weckmann (1616 bis 1674) war einer der wenigen Schüler von Heinrich Schütz. Der Sohn eines Pfarrers aus dem Dörf- chen Niederdorla bei Mühlhausen in Thüringen war zunächst Kapell- knabe am Dresdner Hof, und wurde auch im Orgelspiel unterwiesen. 1633 schickte der Kurfürst den jungen Musiker mit einem Stipen- dium nach Hamburg, damit er dort bei Jacob Praetorius seine Ausbil- dung fortsetzen kann. 1637 kehrte Weckmann nach Dresden zurück, und wurde Organist der kurfürstli- chen Hofkapelle. 
Doch seine Kontakte nach Hamburg blieben lebendig. Immer wieder reiste er nach Norddeutschland, und er hielt sich auch mehrfach am Hof Christians IV. in Kopenhagen auf. 
1655 setzte sich Weckmann in einem Vorspiel durch, und erhielt die Stelle des Organisten an der Jacobikirche in Hamburg. 1660 gründete er zudem das Collegium musicum, und prägte somit das Musikleben in der Hansestadt auf Jahre. Die Abendmusiken aber, auf die der Titel dieser CD anspielt, waren eine Tradition aus Lübeck, begründet durch den Organisten Franz Tunder (1617 bis 1667), den Amtsvorgänger und Schwiegervater Dieterich Buxtehudes. Weckmann war damit ganz sicher vertraut, denn er heiratete in Lübeck, und Tunder war sein Trauzeuge. 
Die drei Vokalwerke, die das Ensemble Les Cyclopes für diese CD ausgewählt hat, entstanden durchweg im Pestjahr 1663. Es wird nicht verwundern, dass es sich dabei in erster Linie um ergreifende Klage- gesänge handelt. Eugénie Warnier, Damien Guillon, Robert Getchell und Benoit Arnould singen sie mit Hingabe. Ergänzt werden diese drei Vokalwerke durch die Sonaten à 4 Nummer 2 und 9, die Partita d-Moll für Cembalo und die virtuose Choralfantasie Komm, heiliger Geist, interpretiert von Thierry Maeder an der Orgel der Ludgeri- kirche im ostfriesischen Norden, erbaut und ergänzt von Arp Schnitger 1686/88 und 1691/92 - nach ihrer Restaurierung durch Jürgen Ahrend in den 80er Jahren wieder ein wundervolles Instru- ment mit einem traumhaften Klang. 

Sonntag, 13. März 2011

Beethoven: Piano Sonatas op. 109, 110, 111 (Zig-Zag Territoires)

Beethovens Klaviersonaten
op. 109, 110 und 111 spielt Alexej Borisowitsch Ljubimow, Jahrgang 1944. Das ist eine spannende Kombination - denn diese letzten drei Klaviersonaten haben Gene- rationen von Pianisten und Musik- wissenschaftlern Rätsel aufgege- ben. "Vor allem ziehen diese Sonaten mit ihrer Ungelöstheit, Einzigartigkeit an. Sie widerstehen jedem Standardmaß in ihrer Formproblematik", meint Ljubi- mow. "Man hat es ,unbequem', ,ungreifbar', sie zu spielen, nichts öffnet sich, spielt sich von selbst, und man gibt sich gigantische Mühe, den Text für sich zu ,erläutern', um zu verstehen, welche Metaphysik, welche philosophischen Gedanken hinter allen formalen Kunstgriffen und Deformationen stehen, dazu zwingen, dass die Form sich drängt und sich verdichtet, aber dann plötzlich erstarrt und hängen bleibt, auf einen neuen unvorhergesehenen Impuls wartend. 

Zweitens bleiben die Sonaten dem konkreten Klavierinstrument fern, der Widerstand und Kampf mit den herkömmlichen, früheren Kla- viertypen (er war bei Beethoven immer erkennbar) ist nicht mehr zu hören; als ob ihre Musik das vorhandene Instrument ,übersieht', seine Greifbarkeit und seine historischen Eigenschaften überwindet. Das historische Klavier wird heute mit diesen Sonaten sozusagen über seine Zeit hinaus transzendiert." 
Dennoch hat sich der Pianist für diese Einspielung ein historisches Instrument ausgesucht. Er spielt einen Wiener Flügel aus der Werkstatt von Alois Graff, erbaut um 1828. "Ich wählte ihn nicht nur wegen seiner reichen Klangpalette, sondern auch wegen einigen Ungleichmäßigkeiten, kleinen Mängeln an Perfektion, wie sie immer bei historischen Instrumenten vorkommen." 
Alexej Ljubimow war einer der letzten Schüler von Heinrich Neuhaus in Moskau. Ausgebildet gemäß der großen russischen Klaviertradi- tion, lernte er in Brüssel in den 60er Jahren die Gebrüder Kuijken kennen, und entdeckte fasziniert das Musizieren auf historischen Instrumenten. Zugleich engagiert sich Ljubimow aber für die Werke der zeitgenössischen Avantgarde; er hat viele davon uraufgeführt und ist gleichermaßen berühmt als Interpret der Werke von Denisov, Schnittke, Silvestrov, Gubaidulina oder Pärt. 
Diesen drei Sonaten Beethovens nähert er sich ausgesprochen respektvoll. Er belässt sie im Rätsel, und so klingen sie dann auch. Hier spielt ein Künstler, der sich nichts mehr beweisen muss, einen Komponisten, der an die Grenzen des Ausdruckes gestoßen ist. Und der Zuhörer lauscht atemlos, denn auch diese CD ist eine Grenz- erfahrung. Grandios!