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Dienstag, 21. August 2018

Paganini - Complete Edition (Dynamic)

Mit Musik von Nicolò Paganini ist Dynamic vor 40 Jahren gestartet: Kein geringerer als Salvatore Accardo spielte das erste Album für das italienische Label ein. Etliche weitere Aufnahmen mit dem Violinvirtuosen folgten. Und auch andere hervor- ragende Geiger wählten Dynamic für ihre Veröffentlichungen. 
Obwohl beispielsweise Tartini und Viotti ebenfalls im Repertoire vertreten sind, hat sich Dynamic all die Jahre insbesondere für das Werk Paganinis engagiert. Diese Box gibt Zeugnis davon – sie enthält auf sagenhaften 40 (!) CD sämtliche überlieferten Kompositionen des „Teufelsgeigers“ aus Genua, darunter einige Weltersteinspielungen, und noch ein bisschen mehr. 
Zu finden sind in der phänomenalen Box unter anderem die Violinkon- zerte, vorgetragen von Massimo Quarta auf Paganinis Geige gemeinsam mit dem Orchester des Theaters Carlo Felice Genua. Etliche Werke hat auch Mario Hossen eingespielt; außerdem findet sich eine CD, die ursprünglich für EMI entstanden ist, mit Salvatore Accardo und dem Chamber Orchestra of Europe unter Franco Tamponi. Komplettiert wird dieser Teil durch einige Raritäten, wie die Sonata per la Grand Viola, zu hören ist hier Luigi Alberto Bianchi mit dem Rias Orchester Berlin unter Jacques Delacôte. Es erklingt auch Le Couvent du Mont St. Bernard für Violine, Männerchor und Orchester, übrigens ebenfalls mit einem Rondò del campanello
Im zweiten Teil folgt dann die Kammermusik – von den Quartetten, mit dem Quartetto Paganini, über die Trios für Streicher und Gitarre, bis hin zu den Duetten für Violine und Violincello. Die hinreißenden Duette für Violine und Fagott werden gespielt von Salvatore Accardo und Claudio Gonella. 
Die Werke für Violine und Gitarre – beide Instrumente spielte Paganini virtuos – präsentieren Luigi Alberto Bianchi und Maurizio Preda. Man staunt, denn dass es tatsächlich so viele sind, fällt erst auf, wenn man die vielen CD in der Box versammelt sieht. 
Bei den Werken für Solo-Violine dürfen natürlich die berühmten 24 Capricci nicht fehlen; sie werden hier von Leonidas Kavakos vorgetragen. Die verbleibenden Solo-Werke, ihre Zahl ist überschaubar, spielt Stefan Milenkovich. 
Die 37 Gitarrensonaten und die fünf Sonatinen für Gitarre sowie einige kleinere Werke stellt Guido Fichtner vor, die Ghiribizzi Adriani Sebastiani. Auf drei weiteren CD sind zudem Raritäten und neu entdeckte Werke zusammengefasst; über eine der Aufnahmen wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet. 
Ebenfalls drei CD bieten bekannte Einspielungen mit Salvatore Accardo und mit Ruggiero Ricci; letzterer spielt unter anderem auch die 24 Capricen. Last but not least fasst Dynamic auf zwei weiteren CD unter dem Motto „A Tribute to Paganini“ Werke zusammen, zu denen der Musiker einst andere Komponisten inspiriert hat. Der Pianist Marco Pasini präsentiert Stücke von Johann Nepomuk Hummel, Franz Liszt, Ignaz Moscheles, Friedrich Kuhlau, Feruccio Busoni, Luigi Dallapiccola, Robert Schumann und Johannes Brahms, Henri Herz und Johann Strauss. Eine wirklich grandiose Kollektion, die derzeit weit und breit nicht Ihresgleichen hat. Gratulation an Dynamic – und meine unbedingte Empfehlung! 

Samstag, 7. Januar 2012

Meyerbeer: Il crociato in Egitto (Naxos)

Giacomo Meyerbeer, eigentlich Jakob Liebmann Meyer Beer (1791 bis 1864), war einer der bedeu- tendsten Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts. Zu seinen Lehrern gehörten unter anderem Carl Friedrich Zelter, Abbé Vogler und Antonio Salieri. Letzterer riet ihm, nach Italien zu gehen. Dort schrieb Meyerbeer eine ganze Reihe Opern, doch der Durchbruch gelang ihm erst in Paris, wo er gemeinsam mit dem Dramatiker Eugène Scribe die Opern Robert
le Diable
, Les Huguenots, Le prophète und L'Africaine schuf. Kein Zweifel: Die Grand opéra lag ihm. 
Doch auch der Stil Rossinis war Meyerbeer nicht fremd, wie die letzte in Italien entstandene Oper zeigt. Il crociato in Egitto, nach einem Libretto von Gaetano Rossi, wurde 1824 im Teatro La Fenice in Vene- dig uraufgeführt. Von dort stammt auch die Einspielung aus dem Jahre 2007, die das Label Naxos nun auf drei CD vorlegt. 
Die Handlung ist nicht unbedingt das, was man sich für vier lange Stunden wünscht. Held dieser Oper ist der Kreuzritter Armando d'Orville, der unter falschem Namen am Hofe von Sultan Saladin lebt - und dessen Tochter Palmide, die heimlich zum Christentum konver- tiert ist, ebenso heimlich geheiratet hat. Doch da naht schon das Unheil in Gestalt von Armandos früherer Verlobter Felicia, die sich als Mann verkleidet hat und gemeinsam mit Armandos Onkel Adriano di Monfort in Ägypten eintrifft. Daraus entstehen böse Verwicklun- gen, die Anlass zu vielen, teilweise ziemlich virtuosen Arien geben - und angesichts der herrlichen Musik verzeiht man gerne sämtliche Schwächen dieser Geschichte.  
Das liegt nicht zuletzt an Patrizia Ciofi, die die schwierige Partie der Palmide perfekt gestaltet. Sie ist ohne Zweifel der Star des Ensembles, das jedoch auch sonst nicht schlecht besetzt ist. Sehr hörenswert sind beispielsweise die beiden Mezzosopranistinnen Silvia Pasini und Laura Polverelli als Alma und Felicia, sowie Marco Vinco als Aladino und Iorio Zennaro als Osmino. Die Besetzung der Rolle des Armando d'Orville hingegen ist Geschmackssache. Sie wurde seinerzeit für einen Kastraten geschrieben; der amerikanische Sopranist Michael Maniaci verfügt zwar über ein beträchtliches Stimmvolumen, aber für diese Partie würde man sich doch etwas mehr virtuose Stimmführung und Delikatesse in der Gestaltung wünschen.