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Donnerstag, 28. September 2017

L'Opéra - Jonas Kaufmann (Sony)

Arien und Duette aus französischen Opern des 19. Jahrhunderts präsentiert Jonas Kaufmann auf seinem jüngsten Album. Der Sänger hat dafür nicht nur bekannte Melodien und große Szenen ausgewählt, sondern vor allem auch Werke und Rollen, die für ihn Schlüsselerlebnisse waren: „Ein solches hatte ich mit der Partie des Wilhelm Meister, meiner ersten großen französischen Rolle, 2001 in Toulouse“, erzählt Kaufmann im Beiheft. „Zu diesem Zeitpunkt war mein Französisch noch so dürftig, dass ich mich in Gegenwart des Regisseurs Nicolas Joel, der alle Sprachen beherrscht, ziemlich schämte und dachte: Das muss unbedingt besser werden!“
Den Werther sang Kaufmann dann neun Jahre später zum ersten Mal – „an der Pariser Oper“, so der Tenor, „in der Höhle des Löwen, umgeben von lauter französischen Sängern und vor einem Publikum, das keinen Spaß versteht, wenn du nicht halbwegs idiomatisch klingst.“ Zu diesem Zeitpunkt lobte die Kritik dann bereits sein perfektes Französisch.
Im Repertoire kennt sich Kaufmann inzwischen ebenfalls bestens aus, wie seine Auswahl beweist. Und er singt noch immer wunderbar, begeistert auch bei dieser Einspielung mit betörender Technik und gestalterischer Intelligenz. Die beiden Duo-Partner, Sopranistin Sonya Yoncheva in Massenets Manon und Bariton Ludovic Tézier im berühmten Duett aus Bizets Perlenfischern, harmonieren mit Kaufmann bestens. Den Instrumentalpart übernahm das vielfach ausgezeichnete Bayerische Staatsorchester unter Bertrand de Billy – und es liefert weit mehr als nur eine Begleitung. Prächtig!

Sonntag, 29. Mai 2016

Serenade for Dieter Klöcker Vol. 2 (MDG)

Dieter Klöcker (1936 bis 2011) hätte in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert. Dabringhaus und Grimm erinnert mit einer ganz besonderen Edition an den Jubilar: Auf vier CD präsentiert das Label Kostbarkeiten aus dem Schallarchiv des Westdeutschen Rundfunks. Die Aufnahmen, entstanden zwischen 1969 und 1993, zeigen Klöcker als überaus versierten und engagierten Kammermusiker – und stets auf der Suche nach Raritäten. Mit Leiden- schaft hat der Klarinettist zeitlebens in Archiven und Musikbibliotheken nach Kompositionen gesucht, deren Wiederentdeckung lohnt. Es verwun- dert daher nicht, dass auch in dieser Box wieder etliche Ersteinspielungen zu finden sind. Und grandios gut musiziert wird natürlich auch – eine würdige Jubiläumsgabe, mit Aufnahmen, die rundum begeistern. 

Samstag, 7. Januar 2012

Meyerbeer: Il crociato in Egitto (Naxos)

Giacomo Meyerbeer, eigentlich Jakob Liebmann Meyer Beer (1791 bis 1864), war einer der bedeu- tendsten Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts. Zu seinen Lehrern gehörten unter anderem Carl Friedrich Zelter, Abbé Vogler und Antonio Salieri. Letzterer riet ihm, nach Italien zu gehen. Dort schrieb Meyerbeer eine ganze Reihe Opern, doch der Durchbruch gelang ihm erst in Paris, wo er gemeinsam mit dem Dramatiker Eugène Scribe die Opern Robert
le Diable
, Les Huguenots, Le prophète und L'Africaine schuf. Kein Zweifel: Die Grand opéra lag ihm. 
Doch auch der Stil Rossinis war Meyerbeer nicht fremd, wie die letzte in Italien entstandene Oper zeigt. Il crociato in Egitto, nach einem Libretto von Gaetano Rossi, wurde 1824 im Teatro La Fenice in Vene- dig uraufgeführt. Von dort stammt auch die Einspielung aus dem Jahre 2007, die das Label Naxos nun auf drei CD vorlegt. 
Die Handlung ist nicht unbedingt das, was man sich für vier lange Stunden wünscht. Held dieser Oper ist der Kreuzritter Armando d'Orville, der unter falschem Namen am Hofe von Sultan Saladin lebt - und dessen Tochter Palmide, die heimlich zum Christentum konver- tiert ist, ebenso heimlich geheiratet hat. Doch da naht schon das Unheil in Gestalt von Armandos früherer Verlobter Felicia, die sich als Mann verkleidet hat und gemeinsam mit Armandos Onkel Adriano di Monfort in Ägypten eintrifft. Daraus entstehen böse Verwicklun- gen, die Anlass zu vielen, teilweise ziemlich virtuosen Arien geben - und angesichts der herrlichen Musik verzeiht man gerne sämtliche Schwächen dieser Geschichte.  
Das liegt nicht zuletzt an Patrizia Ciofi, die die schwierige Partie der Palmide perfekt gestaltet. Sie ist ohne Zweifel der Star des Ensembles, das jedoch auch sonst nicht schlecht besetzt ist. Sehr hörenswert sind beispielsweise die beiden Mezzosopranistinnen Silvia Pasini und Laura Polverelli als Alma und Felicia, sowie Marco Vinco als Aladino und Iorio Zennaro als Osmino. Die Besetzung der Rolle des Armando d'Orville hingegen ist Geschmackssache. Sie wurde seinerzeit für einen Kastraten geschrieben; der amerikanische Sopranist Michael Maniaci verfügt zwar über ein beträchtliches Stimmvolumen, aber für diese Partie würde man sich doch etwas mehr virtuose Stimmführung und Delikatesse in der Gestaltung wünschen. 

Dienstag, 19. Januar 2010

Erwin Schrott: Arias by Mozart, Verdi, Berlioz, Gounod & Meyerbeer (Decca)


Erwin Schrott, bekannt geworden dank Klatschpresse als Vater des Netrebko-Babys, schaut vom Cover dieser CD wie ein Boss-Model. Doch die Dämonie, die die Typographie ebenso wie die Auswahl der Arien suggeriert, habe ich in seinem Gesang nicht wiedergefunden. Die Teufel von Berlioz, Gounod und Meyerbeer singt er sauber - und?!
Am besten gefällt mir der uruguayische Bassbariton als enttäuschter Philippe von Spanien, der feststellen muss, dass ihn seine Frau Elisabeth nur aus Gründen der Staatsraison geheiratet hat. Verdi liegt ihm, keine Frage.
Über die Stimme des Sängers ist nicht viel zu sagen - leider auch nicht viel Gutes. Seine Technik ist solide, aber nicht überragend. Und es fehlt seinen Interpretationen an Ecken und Kanten; das Ergebnis: Klangbrei, zum Sattlöffeln und Wohlfühlen, doch ohne Wieder-erkennungswert.
Mozart jedenfalls können andere besser. Schrott nimmt man letzten Endes weder einen Figaro noch einen Leporello oder einen Don Giovanni ab - da fehlt etwas, was ein guter Freund unnachahmlich zutreffend  "vokalen Sex Appeal" genannt hat. Schrotts Gesang führt das Publikum nicht in Versuchung; das Prickeln bleibt aus. Schade.