Mit Musik von Nicolò Paganini ist Dynamic vor 40 Jahren gestartet: Kein geringerer als Salvatore Accardo spielte das erste Album für das italienische Label ein. Etliche weitere Aufnahmen mit dem Violinvirtuosen folgten. Und auch andere hervor- ragende Geiger wählten Dynamic für ihre Veröffentlichungen.
Obwohl beispielsweise Tartini und Viotti ebenfalls im Repertoire vertreten sind, hat sich Dynamic all die Jahre insbesondere für das Werk Paganinis engagiert. Diese Box gibt Zeugnis davon – sie enthält auf sagenhaften 40 (!) CD sämtliche überlieferten Kompositionen des „Teufelsgeigers“ aus Genua, darunter einige Weltersteinspielungen, und noch ein bisschen mehr.
Zu finden sind in der phänomenalen Box unter anderem die Violinkon- zerte, vorgetragen von Massimo Quarta auf Paganinis Geige gemeinsam mit dem Orchester des Theaters Carlo Felice Genua. Etliche Werke hat auch Mario Hossen eingespielt; außerdem findet sich eine CD, die ursprünglich für EMI entstanden ist, mit Salvatore Accardo und dem Chamber Orchestra of Europe unter Franco Tamponi. Komplettiert wird dieser Teil durch einige Raritäten, wie die Sonata per la Grand Viola, zu hören ist hier Luigi Alberto Bianchi mit dem Rias Orchester Berlin unter Jacques Delacôte. Es erklingt auch Le Couvent du Mont St. Bernard für Violine, Männerchor und Orchester, übrigens ebenfalls mit einem Rondò del campanello.
Im zweiten Teil folgt dann die Kammermusik – von den Quartetten, mit dem Quartetto Paganini, über die Trios für Streicher und Gitarre, bis hin zu den Duetten für Violine und Violincello. Die hinreißenden Duette für Violine und Fagott werden gespielt von Salvatore Accardo und Claudio Gonella.
Die Werke für Violine und Gitarre – beide Instrumente spielte Paganini virtuos – präsentieren Luigi Alberto Bianchi und Maurizio Preda. Man staunt, denn dass es tatsächlich so viele sind, fällt erst auf, wenn man die vielen CD in der Box versammelt sieht.
Bei den Werken für Solo-Violine dürfen natürlich die berühmten 24 Capricci nicht fehlen; sie werden hier von Leonidas Kavakos vorgetragen. Die verbleibenden Solo-Werke, ihre Zahl ist überschaubar, spielt Stefan Milenkovich.
Die 37 Gitarrensonaten und die fünf Sonatinen für Gitarre sowie einige kleinere Werke stellt Guido Fichtner vor, die Ghiribizzi Adriani Sebastiani. Auf drei weiteren CD sind zudem Raritäten und neu entdeckte Werke zusammengefasst; über eine der Aufnahmen wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet.
Ebenfalls drei CD bieten bekannte Einspielungen mit Salvatore Accardo und mit Ruggiero Ricci; letzterer spielt unter anderem auch die 24 Capricen. Last but not least fasst Dynamic auf zwei weiteren CD unter dem Motto „A Tribute to Paganini“ Werke zusammen, zu denen der Musiker einst andere Komponisten inspiriert hat. Der Pianist Marco Pasini präsentiert Stücke von Johann Nepomuk Hummel, Franz Liszt, Ignaz Moscheles, Friedrich Kuhlau, Feruccio Busoni, Luigi Dallapiccola, Robert Schumann und Johannes Brahms, Henri Herz und Johann Strauss. Eine wirklich grandiose Kollektion, die derzeit weit und breit nicht Ihresgleichen hat. Gratulation an Dynamic – und meine unbedingte Empfehlung!
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Dienstag, 21. August 2018
Montag, 10. Juli 2017
Rossini: 6 Sonate a quattro / Bottesini: Gran Duo Concertante (Eloquence)
„Sei Sonate orrende“, so schrieb Gioacchino Rossini Jahre später auf das Manuskript, „da me composte alla Villeggiatura (..) del mio amico mecenate Agostino Triossi alla età la più Infantile non avenda presa nep- pure una Leziona di Accompagna- mento: il Tutto Composto e Copiato in trè giorni ed eseguito cagnesca- mente dal Triossi Contrabasso, Morini (..) Primo Violino, il fratello di questo il Violoncello, ed il Secondo Violino da me stesso, che ero per dir vero il meno Cane.“
Die sechs „schrecklichen Sonaten“ freilich, deren Entstehung der Komponist derart launig schildert, sind so übel nicht. Was Rossini seinerzeit, im Sommer 1804, innerhalb von drei Tagen zu Papier brachte, das klingt überhaupt nicht nach dem Werk eines Zwölfjährigen.
Die Sonate a quattro sind beschwingte Musikstücke, die gelegentlich bereits jenen berühmten Rossini-Humor aufblitzen lassen; doch die Heiterkeit ist immer eine elegische, es ist Fröhlichkeit in Moll. Bei Eloquence ist nun eine berühmte Aufnahme dieser Musik wieder zugänglich – eingespielt 1978 in der Schweiz von Salvatore Accardo gemeinsam mit Sylvie Gazeau, ebenfalls Violine, Alain Meunier, Violoncello, und Franco Petracchi, Kontrabass. Diese Referenzaufnahme wird im originalen Zwei-LP-Set für dreistellige Beträge gehandelt – und sie ist in der Tat exquisit.
Komplettiert wird das Programm auf Doppel-CD durch das Duett für Violoncello und Kontrabass, sowie Un mot à Paganini, gespielt von Salvatore Accardo und Bruno Canino. Der Pianist ist auch Partner von Franco Petracchi bei Une larme in einer Bearbeitung für Kontrabass und Klavier. Als Zugabe erklingt das virtuose Gran Duo Concertante von Giovanni Bottesini, mit Luciano Vicari, Violine, Lucio Buccarella, Kontrabass, und dem Orchester I Musici.
Die sechs „schrecklichen Sonaten“ freilich, deren Entstehung der Komponist derart launig schildert, sind so übel nicht. Was Rossini seinerzeit, im Sommer 1804, innerhalb von drei Tagen zu Papier brachte, das klingt überhaupt nicht nach dem Werk eines Zwölfjährigen.
Die Sonate a quattro sind beschwingte Musikstücke, die gelegentlich bereits jenen berühmten Rossini-Humor aufblitzen lassen; doch die Heiterkeit ist immer eine elegische, es ist Fröhlichkeit in Moll. Bei Eloquence ist nun eine berühmte Aufnahme dieser Musik wieder zugänglich – eingespielt 1978 in der Schweiz von Salvatore Accardo gemeinsam mit Sylvie Gazeau, ebenfalls Violine, Alain Meunier, Violoncello, und Franco Petracchi, Kontrabass. Diese Referenzaufnahme wird im originalen Zwei-LP-Set für dreistellige Beträge gehandelt – und sie ist in der Tat exquisit.
Komplettiert wird das Programm auf Doppel-CD durch das Duett für Violoncello und Kontrabass, sowie Un mot à Paganini, gespielt von Salvatore Accardo und Bruno Canino. Der Pianist ist auch Partner von Franco Petracchi bei Une larme in einer Bearbeitung für Kontrabass und Klavier. Als Zugabe erklingt das virtuose Gran Duo Concertante von Giovanni Bottesini, mit Luciano Vicari, Violine, Lucio Buccarella, Kontrabass, und dem Orchester I Musici.
Donnerstag, 8. Dezember 2016
Bach: Violin Concertos / Vivaldi: The Four Seasons (Eloquence)
Und da wir gerade über Salvatore Accardo geschrieben haben – bei Eloquence sind jüngst gleich ein halbes Dutzend CD bzw. Doppel-CD erschienen, die berühmte Einspie- lungen des Geigers wieder zugänglich machen. Die Aufnahmen machen zugleich deutlich, wie sehr die Ansichten von Musikern darüber, wie eine Partitur zu interpretieren ist, Veränderungen unterliegen – man ist mitunter beinahe geneigt, es „Moden“ zu nennen. Man höre nur, mit welcher Sorgfalt Accardo Bach spielt. Da wird jeder Ton zu hundert Prozent geformt, jede Phrase aufmerksam gestaltet. Entsprechend langsam sind die Tempi gewählt; doch selbst im Vivace gibt es keine in Rasanz verschwim- menden Tonleitern, keine verhuschten Figurationen. Accardo lässt seine Geige singen – eine Kunst, die man heutzutage suchen kann. Die Bach-Aufnahmen mit dem Chamber Orchestra of Europe entstanden 1985, darunter sind interessante Adaptionen von Cembalokonzerten, teils durch Accardo selbst.
Kombiniert sind Bachs Konzerte auf einer Doppel-CD mit den Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi. Accardos Aufnahme dieser Konzerte mit den I Solisti di Napoli verdankt ihren aufsehenerregenden Klang nicht zuletzt legendären Violinen: Der Musiker spielte 1987 in seinem Konzert auf dem Cremona Festival, bei dem dieser Live-Mitschnitt entstanden ist, gleich drei Geigen von Antonio Stradivari. Zu hören sind im Frühling die Il Cremonese aus dem Jahre 1715, einst ein Instrument von Joseph Joachim und nun der Stadt Verona gehörend, im Sommer die Le Reynier (1727), im Herbst die Firebird ex Saint Exupéry (1718), und im Winter schließlich noch einmal die Le Reynier. Dieses Instrument wird auch als Hart ex Francescatti bezeichnet; es befand sich damals, wie auch die Firebird, im Besitz von Salvatore Accardo. Es ist faszinierend, wie der Geiger es versteht, die individuellen Vorzüge der drei Instrumente voll zur Geltung zu bringen und für seine Interpretation zu nutzen.
Kombiniert sind Bachs Konzerte auf einer Doppel-CD mit den Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi. Accardos Aufnahme dieser Konzerte mit den I Solisti di Napoli verdankt ihren aufsehenerregenden Klang nicht zuletzt legendären Violinen: Der Musiker spielte 1987 in seinem Konzert auf dem Cremona Festival, bei dem dieser Live-Mitschnitt entstanden ist, gleich drei Geigen von Antonio Stradivari. Zu hören sind im Frühling die Il Cremonese aus dem Jahre 1715, einst ein Instrument von Joseph Joachim und nun der Stadt Verona gehörend, im Sommer die Le Reynier (1727), im Herbst die Firebird ex Saint Exupéry (1718), und im Winter schließlich noch einmal die Le Reynier. Dieses Instrument wird auch als Hart ex Francescatti bezeichnet; es befand sich damals, wie auch die Firebird, im Besitz von Salvatore Accardo. Es ist faszinierend, wie der Geiger es versteht, die individuellen Vorzüge der drei Instrumente voll zur Geltung zu bringen und für seine Interpretation zu nutzen.
Paganini: Violin Concertos 1 & 2 (SWR Music)
Das Werk von Niccolò Paganini hat Salvatore Accardo, geboren 1941 in Turin, schon früh fasziniert: Bereits als 13jähriger spielte der Geiger, ein Schüler von Luigi d'Ambrosio und Yvonne Astruc, öffentlich die 24 Capricci op. 1 – und zwar alle. Im Laufe seiner Karriere hat Accardo dann auch sämtliche Violinkonzerte Paganinis im Konzert gespielt, und mehrfach eingespielt, inklusive der rekonstruierten.
Im Hans-Rosbaud-Studio Baden-Baden sind einige Aufnahmen entstanden, die nun nach einem digitalen Remastering der SWR-Originalbänder aus den Jahren 1961 bis 1970 auf CD veröffentlicht worden sind. Zu hören sind das Violinkonzert Nr. 1 D-Dur op. 6, die Caprice a-Moll op. 1 Nr. 24, die Variationen über God Save the King, mit Maria Bergmann am Klavier, und das Violin- konzert Nr. 2 h-Moll op. 7, bekannt als La Campanella. Die Orchester- introduktion im Kopfsatz des ersten Konzertes wurde sehr stark gekürzt; das war damals nicht unüblich, zumal Paganini seinen Orchestersatz bewusst einfach gehalten hatte. Insofern hält sich der Verlust in Grenzen. Das damalige Sinfonieorchester des Südwestfunks in Baden-Baden wurde von Ernest Bour geleitet, einem Dirigenten, der offenbar akkurates Musi- zieren mit einer großen Portion Eleganz zu verbinden wusste.
Im Hans-Rosbaud-Studio Baden-Baden sind einige Aufnahmen entstanden, die nun nach einem digitalen Remastering der SWR-Originalbänder aus den Jahren 1961 bis 1970 auf CD veröffentlicht worden sind. Zu hören sind das Violinkonzert Nr. 1 D-Dur op. 6, die Caprice a-Moll op. 1 Nr. 24, die Variationen über God Save the King, mit Maria Bergmann am Klavier, und das Violin- konzert Nr. 2 h-Moll op. 7, bekannt als La Campanella. Die Orchester- introduktion im Kopfsatz des ersten Konzertes wurde sehr stark gekürzt; das war damals nicht unüblich, zumal Paganini seinen Orchestersatz bewusst einfach gehalten hatte. Insofern hält sich der Verlust in Grenzen. Das damalige Sinfonieorchester des Südwestfunks in Baden-Baden wurde von Ernest Bour geleitet, einem Dirigenten, der offenbar akkurates Musi- zieren mit einer großen Portion Eleganz zu verbinden wusste.
Sonntag, 4. Januar 2015
Rolla: Three Duets for Violin and Viola Op. 15 (Dynamic)
Alessandro Rolla (1757 bis 1841) war ein Virtuose nicht nur auf der Violine, sondern auch auf der Viola. Sein Engagement für beide Instrumente spiegeln vielleicht am schönsten die Duette op. 15.
Es sind hochvirtuose Werke, an die sich nur ausgesprochen versierte Musiker wagen können. Hier sind Salvatore Accardo und Luigi Alberto Bianchi zu hören, die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1972. „In keinem anderen Duett für Violine und Viola sind derartige akrobati- sche Passagen von überwältigender Virtuosität zu finden“, merkt Bianchi im Beiheft an. „Ein gutes Beispiel für ein solches Feuerwerk ist das Rondò alla Polacca im Duett Nr. 1, ent- standen möglicherweise für einige der hervorragenden Musiker, die Rolla am Mailänder Konservatorium unterrichtet hat.“ Doch nicht die platten zirzensischen Effekte stehen im Vordergrund; Rolla hat einmal mehr wundervolle Musik geschrieben. Accardo und Bianchi haben hörbar ihr Vergnügen an diesen Kabinettstückchen, und spielen sie mit Hingabe. Phantastisch!
Es sind hochvirtuose Werke, an die sich nur ausgesprochen versierte Musiker wagen können. Hier sind Salvatore Accardo und Luigi Alberto Bianchi zu hören, die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1972. „In keinem anderen Duett für Violine und Viola sind derartige akrobati- sche Passagen von überwältigender Virtuosität zu finden“, merkt Bianchi im Beiheft an. „Ein gutes Beispiel für ein solches Feuerwerk ist das Rondò alla Polacca im Duett Nr. 1, ent- standen möglicherweise für einige der hervorragenden Musiker, die Rolla am Mailänder Konservatorium unterrichtet hat.“ Doch nicht die platten zirzensischen Effekte stehen im Vordergrund; Rolla hat einmal mehr wundervolle Musik geschrieben. Accardo und Bianchi haben hörbar ihr Vergnügen an diesen Kabinettstückchen, und spielen sie mit Hingabe. Phantastisch!
Freitag, 16. November 2012
The young Salvatore Accardo (Idis)
"Il mio iter di studi è stato asso- lutamente normale, solo che ho fatto tutto molto prima", bemerkte der Geiger Salvatore Accardo einmal. Üblicherweise dauert das Studium an einem italienischen Konservatorium zehn Jahre, mit Prüfungen nach dem fünften, dem achten und dem letzten Unter- richtsjahr. Accardo, Jahrgang 1941, absolvierte die erste Prüfung 1951, die zweite 1953 und das Ab- schlussexamen 1956. Zwei Jahre später gewann er den Internatio- nalen Violinwettbewerb Premio Paganini in Genua.
Diese CD bringt - sorgsam remastert - einige ganz frühe Aufnahmen Accardos, die er in den Jahren 1959/60 im Studio eingespielt hat, am Klavier begleitet von Antonio Beltrami. Der Hörer erlebt kein dres- siertes Wunderkind, sondern einen jugendlichen Künstler, der sich bereits durch jene Sorgfalt und Finesse auszeichnet, die sein Spiel auch später prägt. Und noch eines wird klar: Alle Geiger, die Werke von Paganini vortragen wollen, müssen sich an diesen Aufnahmen messen lassen. Dieses Niveau will erst einmal erreicht sein.
Diese CD bringt - sorgsam remastert - einige ganz frühe Aufnahmen Accardos, die er in den Jahren 1959/60 im Studio eingespielt hat, am Klavier begleitet von Antonio Beltrami. Der Hörer erlebt kein dres- siertes Wunderkind, sondern einen jugendlichen Künstler, der sich bereits durch jene Sorgfalt und Finesse auszeichnet, die sein Spiel auch später prägt. Und noch eines wird klar: Alle Geiger, die Werke von Paganini vortragen wollen, müssen sich an diesen Aufnahmen messen lassen. Dieses Niveau will erst einmal erreicht sein.
Salvatore Accardo (Dynamic)
Diese Neun-CD-Box, erschienen anlässlich des siebzigsten Geburts- tages des großen Geigers Salvatore Accardo, bestätigt es wieder ein- mal: Virtuosität ist eine notwendi- ge, aber keine hinreichende Vor- aussetzung für den Musikerberuf.
Das zeigt sich insbesondere an Accardos Auseinandersetzung mit dem Werk Nicoló Paganinis. Wir verdanken ihm viele Ersteinspie- lungen und Wiederentdeckungen - und wer darum weiß, wie der exzellent ausgebildete Nachwuchs diese Werke oftmals spielt, der wird bestätigen, dass es nichts von dem Zauber dieser Musik vermittelt, wenn man sie lediglich technisch brillant und so rasant wie eben möglich vorträgt. So erklingen Paga- ninis Drei Duette für Violine und Fagott als zwar virtuose, aber eben auch geistreiche Stücke, in denen Salvatore Accardo in einen spielerischen Wettstreit mit Claudio Gonella tritt, der die höllisch anspruchsvolle Fagott-Partie locker und mit Witz meistert.
Auch die Kammermusik gehört offensichtlich zu den Leidenschaften Accardos. Ob das Concerto von Alberto Ginastera oder Werke von Dvorak, Verdi, Chausson, Borodin oder Rolla - in den Archiven von Dynamic fanden sich viele interessante Aufnahmen. Sie zeigen, mit welcher Sorgfalt und Hingabe der Geiger auch Werke erarbeitete, die viele namhafte Solisten gar nicht beachten. Vielen Dank an das Label für dieses großartige Porträt eines bedeutenden Musikers.
Das zeigt sich insbesondere an Accardos Auseinandersetzung mit dem Werk Nicoló Paganinis. Wir verdanken ihm viele Ersteinspie- lungen und Wiederentdeckungen - und wer darum weiß, wie der exzellent ausgebildete Nachwuchs diese Werke oftmals spielt, der wird bestätigen, dass es nichts von dem Zauber dieser Musik vermittelt, wenn man sie lediglich technisch brillant und so rasant wie eben möglich vorträgt. So erklingen Paga- ninis Drei Duette für Violine und Fagott als zwar virtuose, aber eben auch geistreiche Stücke, in denen Salvatore Accardo in einen spielerischen Wettstreit mit Claudio Gonella tritt, der die höllisch anspruchsvolle Fagott-Partie locker und mit Witz meistert.
Auch die Kammermusik gehört offensichtlich zu den Leidenschaften Accardos. Ob das Concerto von Alberto Ginastera oder Werke von Dvorak, Verdi, Chausson, Borodin oder Rolla - in den Archiven von Dynamic fanden sich viele interessante Aufnahmen. Sie zeigen, mit welcher Sorgfalt und Hingabe der Geiger auch Werke erarbeitete, die viele namhafte Solisten gar nicht beachten. Vielen Dank an das Label für dieses großartige Porträt eines bedeutenden Musikers.
Freitag, 1. Juni 2012
The Art of Luigi Alberto Bianchi - Violin and Viola (Dynamic)
Luigi Alberto Bianchi, 1945 gebo- ren in Rimini und aufgewachsen in einer Musikerfamilie, begann schon als Kind mit dem Geigenspiel. Dennoch wurde die Bratsche sein Hauptinstrument. Als 19jähriger spielte er zu seinem Examen in Rom Bartóks berühmtes Konzert.
1970 gewann Bianchi den renom- mierten Carl-Flesch-Wettbewerb. Er wurde Erster Bratschist im Sinfonieorchester der RAI, und unterrichtete am Mailänder Kon- servatorium. 1980 wurde ihm sein Instrument gestohlen, eine Amati-Bratsche mit dem Beinamen del crocifisso aus dem Jahre 1595 mit einem sehr individuellen, unver- kennbaren Klang. Dieser Verlust traf den Musiker schwer. So ist es vielleicht auch zu erklären, dass er zur Violine wechselte.
Bianchi kaufte eine Stradivari von 1692, und konzertierte mit nam- haften Dirigenten und Orchestern. 1987 hatte Bianchi bei einer Versteigerung in London eine weitere Geige erworben, die von Antonio Stradivari 1716 angefertigt worden war, und aufgrund ihrer außergewöhnlichen Größe auch Colossus genannt wurde. Sie wurde ihm 1998 gestohlen; im Gegensatz zu Bianchis Amati, die 2006 von den Carabinieri aufgespürt wurde, blieb sie verschwunden.
Die vorliegende Box mit zehn CD enthält viele der Aufnahmen, die der Musiker bei seinem Hauslabel Dynamic eingespielt hat. Da gibt es viele interessante Werke zu entdecken, beispielsweise die Stücke von Antonio Bazzini (1818 bis 1897) für Violine und Klavier. Dieser war ebenfalls ein großer Geiger, und hatte einst als allererster Solist das
e-Moll-Konzert von Felix Mendelssohn-Bartholdy aufgeführt, vom Komponisten selbst auf dem Klavier begleitet. Bianchi stellt zudem gemeinsam mit dem Gitarristen Maurizio Preda die Sonate di Lucca von Niccolo Paganini vor, die in den 80er Jahren wieder aufgefunden worden waren. Auch die effektvolle Sonata per la Grand' Viola von Paganini hat Bianchi 1973 mit dem Rias-Orchester Berlin eingespielt - und zwar so, wie dies der Virtuose einst vorgegeben hatte, ohne seine Stimme zu vereinfachen oder eine fünfte Saite zu Hilfe zu nehmen. Darauf ist Bianchi zu recht stolz, denn das war zuvor noch bei keiner Aufnahme gelungen. Die vierte CD präsentiert die Amati darüber hinaus noch in einigen typischen Encores. Auf der fünften CD sind Werke für Geige und Bratsche solo von Max Reger zu hören - hier spielt Bianchi die beiden kostbaren Instrumente, die ihm später ent- wendet worden sind.
Die Duetti Concertanti op. 15 von Alessandro Rolla (17757 bis 1814), Paganinis Lehrer, musiziert Bianchi gemeinsam mit Salvatore Accar- do - ohne Zweifel einer der Höhepunkte der Box. CD 7 ist Zoltán Kodály und Maurice Ravel gewidmet. CD 8 bringt etliche "Hits" von Fritz Kreisler, ebenfalls wundervoll vorgetragen. CD 9 enthält Stücke von Edouard Lalo, CD 10 Werke Carl Maria von Webers.
1970 gewann Bianchi den renom- mierten Carl-Flesch-Wettbewerb. Er wurde Erster Bratschist im Sinfonieorchester der RAI, und unterrichtete am Mailänder Kon- servatorium. 1980 wurde ihm sein Instrument gestohlen, eine Amati-Bratsche mit dem Beinamen del crocifisso aus dem Jahre 1595 mit einem sehr individuellen, unver- kennbaren Klang. Dieser Verlust traf den Musiker schwer. So ist es vielleicht auch zu erklären, dass er zur Violine wechselte.
Bianchi kaufte eine Stradivari von 1692, und konzertierte mit nam- haften Dirigenten und Orchestern. 1987 hatte Bianchi bei einer Versteigerung in London eine weitere Geige erworben, die von Antonio Stradivari 1716 angefertigt worden war, und aufgrund ihrer außergewöhnlichen Größe auch Colossus genannt wurde. Sie wurde ihm 1998 gestohlen; im Gegensatz zu Bianchis Amati, die 2006 von den Carabinieri aufgespürt wurde, blieb sie verschwunden.
Die vorliegende Box mit zehn CD enthält viele der Aufnahmen, die der Musiker bei seinem Hauslabel Dynamic eingespielt hat. Da gibt es viele interessante Werke zu entdecken, beispielsweise die Stücke von Antonio Bazzini (1818 bis 1897) für Violine und Klavier. Dieser war ebenfalls ein großer Geiger, und hatte einst als allererster Solist das
e-Moll-Konzert von Felix Mendelssohn-Bartholdy aufgeführt, vom Komponisten selbst auf dem Klavier begleitet. Bianchi stellt zudem gemeinsam mit dem Gitarristen Maurizio Preda die Sonate di Lucca von Niccolo Paganini vor, die in den 80er Jahren wieder aufgefunden worden waren. Auch die effektvolle Sonata per la Grand' Viola von Paganini hat Bianchi 1973 mit dem Rias-Orchester Berlin eingespielt - und zwar so, wie dies der Virtuose einst vorgegeben hatte, ohne seine Stimme zu vereinfachen oder eine fünfte Saite zu Hilfe zu nehmen. Darauf ist Bianchi zu recht stolz, denn das war zuvor noch bei keiner Aufnahme gelungen. Die vierte CD präsentiert die Amati darüber hinaus noch in einigen typischen Encores. Auf der fünften CD sind Werke für Geige und Bratsche solo von Max Reger zu hören - hier spielt Bianchi die beiden kostbaren Instrumente, die ihm später ent- wendet worden sind.
Die Duetti Concertanti op. 15 von Alessandro Rolla (17757 bis 1814), Paganinis Lehrer, musiziert Bianchi gemeinsam mit Salvatore Accar- do - ohne Zweifel einer der Höhepunkte der Box. CD 7 ist Zoltán Kodály und Maurice Ravel gewidmet. CD 8 bringt etliche "Hits" von Fritz Kreisler, ebenfalls wundervoll vorgetragen. CD 9 enthält Stücke von Edouard Lalo, CD 10 Werke Carl Maria von Webers.
Donnerstag, 19. August 2010
Tartini: 3 Violin Concertos (Pentatone Classics)
Giuseppe Tartini hat nahezu aus- schließlich Werke für sein Instru- ment komponiert - die Violine, für die er mehr als 200 Sonaten schrieb, und über 125 Konzerte. Drei davon enthält diese Super Audio CD - die Violinkonzerte in A-Dur, D.96, in B-Dur, D.117 und in G-Dur, D.78. "Per bon sonare, bisogna bon cantare", soll Tartini einst gesagt haben - um gut zu klingen, muss man gut singen.
Das fiel Salvatore Accardo nicht schwer, der diese Aufnahme 1973 mit den I Musici eingespielt hat. Sie ist wirklich zauberhaft, und deshalb ist es sehr erfreulich, dass Pentatone Classics sie jetzt wieder zugänglich macht - zumal sie obendrein perfekt Quadro-remastered wurde. Hörvergnügen garantiert!
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