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Dienstag, 3. März 2015

Tchaikovsky: Iolanta (Deutsche Grammophon)

Iolanta ist ein Märchen mit einem positiven Ende: Die blinde Prinzessin kann plötzlich sehen. Der Graf bekommt diese Frau, in die er sich soeben verliebt hat, weil sein Freund, der Herzog, verzichtet – nicht ganz uneigennützig, denn eigentlich liebt er längst eine andere. Der maurische Arzt ist mit seiner Kur erfolgreich, und der König freut sich über diesen Ausweg aus einem Idyll, in das er seine Tochter eingeschlossen hatte, in dem sie aber nicht endlos bleiben kann; schließlich sind Prinzessinnen zum Verheiraten auf der Welt. Und dieses Exemplar ist obendrein ein Muster an Schönheit, Tugend und Demut. 
All das erzählt Peter Iljitsch Tschaikowski in seinem Einakter, der in einem verborgenen Garten spielt. „Es ist eine wunderschöne Oper, in Russland kennt jeder dieses Stück“, schwärmte Anna Netrebko schon vor Jahren in einem Interview. Doch den Weg auf die Bühnen der Welt hat Tschaikowskis letzte Oper nie gefunden: „Ich war sehr erstaunt, dass niemand außerhalb Russlands diese Oper kennt“, meinte die Sängerin – und beschloss, das zu ändern. So hat sie dafür gesorgt, dass Iolanta 2011 konzertant bei den Salzburger Festspielen aufgeführt wurde. In den beiden darauffolgenden Jahren ging sie mit der Oper auf Tournee. Und im Januar und Februar 2015 hat sie die Titelrolle an der Metropolitan Opera in New York gesungen. Außerdem sind im Sommer erneut konzertante Aufführungen in London und Luzern geplant. 
Iolanta ist eine Oper fast ohne Handlung, ohne akrobatische Arien und dramatische Verwicklungen. Alle Konflikte lösen sich umgehend in Harmonie auf – und Tschaikowskis Musik leuchtet dazu, spätromantisch üppig, farbenreich und tiefsinnig. „Die Musik macht glücklich“, so bringt es Anna Netrebko auf den Punkt. Und damit auch diejenigen daran teilhaben können, die keine Aufführung besuchen können, ist nun bei der Deutschen Grammophon ein Live-Mitschnitt erschienen. Er wurde bei einer konzertanten Aufführung der Oper in Essen während der Tournee aufgezeichnet. Neben Anna Netrebko in der Titelrolle sind unter anderem zu hören Sergej Schkorochodow als Graf Vaudémont, Vitali Kowaljow als König René, Alexej Markow als Herzog von Burgund, Lucas Meachem als maurischer Arzt Ibn-Hakia, Monika Bohinec als Amme und Theresa Plut sowie Nuska Rojko als Freundinnen der Prinzessin, dazu der Slovenische Kammerchor und das Orchester der Slowenischen Nationalphilharmonie unter Emmanuel Villaume. Eine Entdeckung, nicht nur für Netrebko-Fans.

Samstag, 7. Januar 2012

Meyerbeer: Il crociato in Egitto (Naxos)

Giacomo Meyerbeer, eigentlich Jakob Liebmann Meyer Beer (1791 bis 1864), war einer der bedeu- tendsten Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts. Zu seinen Lehrern gehörten unter anderem Carl Friedrich Zelter, Abbé Vogler und Antonio Salieri. Letzterer riet ihm, nach Italien zu gehen. Dort schrieb Meyerbeer eine ganze Reihe Opern, doch der Durchbruch gelang ihm erst in Paris, wo er gemeinsam mit dem Dramatiker Eugène Scribe die Opern Robert
le Diable
, Les Huguenots, Le prophète und L'Africaine schuf. Kein Zweifel: Die Grand opéra lag ihm. 
Doch auch der Stil Rossinis war Meyerbeer nicht fremd, wie die letzte in Italien entstandene Oper zeigt. Il crociato in Egitto, nach einem Libretto von Gaetano Rossi, wurde 1824 im Teatro La Fenice in Vene- dig uraufgeführt. Von dort stammt auch die Einspielung aus dem Jahre 2007, die das Label Naxos nun auf drei CD vorlegt. 
Die Handlung ist nicht unbedingt das, was man sich für vier lange Stunden wünscht. Held dieser Oper ist der Kreuzritter Armando d'Orville, der unter falschem Namen am Hofe von Sultan Saladin lebt - und dessen Tochter Palmide, die heimlich zum Christentum konver- tiert ist, ebenso heimlich geheiratet hat. Doch da naht schon das Unheil in Gestalt von Armandos früherer Verlobter Felicia, die sich als Mann verkleidet hat und gemeinsam mit Armandos Onkel Adriano di Monfort in Ägypten eintrifft. Daraus entstehen böse Verwicklun- gen, die Anlass zu vielen, teilweise ziemlich virtuosen Arien geben - und angesichts der herrlichen Musik verzeiht man gerne sämtliche Schwächen dieser Geschichte.  
Das liegt nicht zuletzt an Patrizia Ciofi, die die schwierige Partie der Palmide perfekt gestaltet. Sie ist ohne Zweifel der Star des Ensembles, das jedoch auch sonst nicht schlecht besetzt ist. Sehr hörenswert sind beispielsweise die beiden Mezzosopranistinnen Silvia Pasini und Laura Polverelli als Alma und Felicia, sowie Marco Vinco als Aladino und Iorio Zennaro als Osmino. Die Besetzung der Rolle des Armando d'Orville hingegen ist Geschmackssache. Sie wurde seinerzeit für einen Kastraten geschrieben; der amerikanische Sopranist Michael Maniaci verfügt zwar über ein beträchtliches Stimmvolumen, aber für diese Partie würde man sich doch etwas mehr virtuose Stimmführung und Delikatesse in der Gestaltung wünschen.