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Mittwoch, 16. März 2016

Haydn: Die sieben letzten Worte (Obsculta Music)

Ein hochklassiger Konzertmitschnitt aus der Abteikirche des Stifts Heiligenkreuz im Wienerwald ist beim hauseigenen Label Obsculta Music erschienen: Das Razumovsky-Quartett hat dort am Mittwoch der Karwoche 2013 Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze von Joseph Haydn vorgetragen. Die zugehörigen Bibeltexte sprach, angenehm dezent, Christian Reiner. 
Dieses Konzert scheint im Stift Heiligenkreuz eine Tradition zu sein; für die Heilige Woche 2016 jedenfalls fand ich ebenfalls eine Ankündigung. Und wer die Chance hat, der sollte es sich nicht entgehen lassen, Haydns Passions- und Meditationsmusik in dieser einzigartigen Atmosphäre zu erleben. 
Der Komponist hatte sie 1787 als Auftragswerk für einen Priester aus dem spanischen Cadiz geschrieben, zunächst für Orchester. Wohl auf Bitten seines Verlegers Artaria fertigte Haydn bald darauf eine Fassung für Streichquartett an. Sie entspricht dem innigen Charakter dieser Musik letztendlich am besten, und wurde auch sehr oft auf CD veröffentlicht. Das Razumovsky-Quartett reiht sich mit seinem intensiven, ausdrucksstarken Spiel würdig in die lange Reihe der Interpreten ein, die vom Cuarteto Casals über das Gewandhaus-Quartett bis hin zum Kuijken Quartet reicht. Unbe- dingt anhören, es lohnt sich! 

Mittwoch, 31. Juli 2013

Die Donati-Orgel in der Schlosskapelle Lichtenwalde (Auris subtilis)

Dass Orgeln umziehen, geschieht gar nicht so selten. Die Donati-Orgel allerdings, die sich nun in der Schlosskapelle im sächsischen Lichtenwalde befindet, hat eine bewegte Geschichte. Sie beginnt 1741, als eine Gräfin für die Stiftskirche Ebersdorf von dem Orgelbauer Johann Christoph Gottlob Donati ein solches Instrument anfertigen ließ. Und weil ihr der Klang der fertig- gestellten Orgel so gut gefiel, bestellte sie gleich noch eine weitere für ihre Schlosskapelle. 
Die Ebersdorfer Orgel wurde Ende des 19. Jahrhunderts ausgetauscht; die in Lichtenwalde blieb erhalten, wurde aber im Krieg beschädigt. Die verbleibenden Orgelreste wurden schließlich in den 60er Jahren nach Ebersdorf umgesetzt und durch die Firma Eule, dem Zeitge- schmack folgend, wieder spielbar gemacht. Dabei wurde das Instru- ment sehr stark verändert. 
In jüngster Vergangenheit wurde die Schlosskapelle sorgsam restau- riert. Dabei entstand die Idee, auch die Donati-Orgel wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückzuholen. Das war ein Problem, berichtet Orgelbauer Thomas Wolf, der den Auftrag dazu erhielt: „Die Orgel mit der tiefen Stimmung und somit zu großen bzw. zu langen Pfeifen passte nicht mehr in die kleine Kapelle.“ 
Die Unterstützung durch den Freistaat Sachsen sowie das Engagement einer Vielzahl von Sponsoren hat letztendlich die Rückkehr der Orgel und ihre Wiederherstellung ermöglicht. Auf dieser CD stellt Matthias Grünert, Kantor an der Dresdner Frauenkirche, nun das restaurierte Instrument und seine klanglichen Möglichkeiten vor. Dabei streicht er insbesondere die Stärken der Orgel geschickt heraus. Einige der Aufnahmen sind zudem bereits 2009, vor dem Umzug der Orgel, in Ebersdorf entstanden. So wird auch der Vergleich möglich. 
Bei einigen Stücken musiziert Grünert zusammen mit der Sopranistin Jana Reiner. Ihre Stärke ist das nahezu vibratofreie Singen in langen, lyrischen Bögen. So gehört ihre Interpretation einiger Lieder aus Schemellis Gesangbuch zum Besten, was ich je dazu gehört habe. Auch Ich will den Herrn loben allezeit, ein Geistliches Konzert von Heinrich Schütz, gestaltet sie klug und singt sie exzellent. Die beiden italienischen Kirchenkantaten hingegen fallen dagegen deutlich ab; Dramatik liegt Reiner offenbar gar nicht. Humor aber haben die Beteiligten ganz sicher – der Marsch am Ende der CD ist ein 1A Schlusspunkt. 

Montag, 12. April 2010

Der musikalische Salon der Annette von Menz (Dynamic)

Annette von Menz war noch keine zwanzig Jahre alt, als ihre Eltern starben. Die junge Frau erbte ein prächtiges Palais in Bozen, ein beträchtliches Vermögen - und eine Musikaliensammlung, die ihr Vater, ein wohlhabender Kaufmann und Mäzen, zusammengetragen hatte. 
Auch Annette von Menz interes- sierte sich für Musik; sie lud zu musikalischen Akademien ein, und umgab sich mit Musikern - was dafür sorgte, dass auch ihr Noten- fundus beträchtlich weiter wuchs. Ihre Tochter führte dann die Musikaliensammlung Toggenburg weiter. Die vorliegende CD stellt einige Stücke für Gitarre solo bzw. für Gitarre und Flöte aus dieser Kollektion vor - und gewährt so einen erstaunlichen Einblick in das Repertoire, das die gehobene Hausmusik zu Beginn des 19. Jahr- hunderts prägte. 
Diese Werke sind anspruchsvoll, aber nicht zu sehr, so dass ein geübter Laie durchaus Vergnügen daran haben kann. Sie sind eingängig und gefällig, so dass sie sich auch im Salon zur Unterhaltung von Gästen gut eignen. Der Flötist Luigi Lupo und der Gitarrist Giuseppe Carrer erwecken diese längst verklungenen Werke im Palais Toggenburg noch einmal aus dem Vergessen, dem sie mit dem Unter- gang jener musikalischen Tradition anheim gefallen sind. So erinnert die CD an Kleinmeister wie Johann Baptist Gänsbacher, Joseph Ewald Reiner, Johann Nepomuk Huber oder Leonhard von Call.