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Samstag, 16. November 2019

Mayr: Stabat mater in F minor (Naxos)

Mit dem zweiten Teil der Motetten sowie dem Stabat mater in f-Moll und zwei kleineren Kompositionen, Eja mater in F-Dur und Ave maris stella in G-Dur, setzt das Label Naxos sich erneut für die Wiederentdeckung des Schaffens von Johann Simon Mayr (1763 bis 1845). Über den Lebensweg dieses Komponisten wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet. 
Mayr stammte aus Bayern, doch in die Musikgeschichte ging er schließlich nach seiner Auswanderung nach Italien als einer der produktivsten Komponisten der Belcanto-Ära ein. Er schrieb aber nicht nur enorm viele Opern, sondern auch eine Vielzahl geistlicher Werke – und diese beiden CD machen einmal mehr deutlich, dass Giovanni Simone Mayr sehr zu Unrecht so wenig bekannt ist. 
Franz Hauk setzt sich seit Jahren mit großem Engagement für die Wiederentdeckung seines Werkes ein. Hauk ist es beispielsweise gelungen, aus zwei unvollständigen Manuskriptfassungen Mayrs Stabat Mater zu rekonstruieren. Es wurde 2014 in Ingolstadt erstmals wieder aufgeführt, und wird hier als Weltersteinspielung veröffentlicht. Das ist großartige Kirchenmusik, hinreißend, effektvoll. Und auch die Motetten sind von enormem melodischen Reichtum. Man staunt immer wieder über neue Ideen, die der Komponist auch beim vierten Salve Regina noch zu Papier brachte. Ganz erstaunlich! 

Sonntag, 30. Dezember 2018

Mayr: Psalms from Sacri Concentus 1681 (Challenge Classics)

„Ich komme aus den Bergen und ich liebe steinige Wege!“, schreibt Gunar Letzbor in seinem Geleitwort zu dieser Aufnahme. Als Geiger dürfte er auch mit den Mühen der Ebene ver- traut sein, denn eine Voraussetzung dafür, das Instrument exzellent zu spielen, ist jahrelanges beharrliches Üben – mit viel Geduld, Fortschritten und Rückschlägen. Die Ausbildung eines Sängers verläuft ähnlich; sie beginnt traditionell schon im Kindesalter. „Ich danke dem lieben Gott, dass er in St. Florian ein Sängerknaben-Institut bis zum heutigen Tag hat bestehen lassen“, meint Letzbor. „Wir konnten mit AAA schon von Anfang an mit diesen Knabenstimmen musizieren, ein Privileg!“ 
Auf dieser CD erklingen Psalmkonzerte von Rupert Ignaz Mayr (1646 bis 1712), die Sänger, Solovioline und Basso continuo gleichermaßen fordern. Mayr stammte aus Oberösterreich und erhielt seine musikalische Ausbildung vermutlich in Passau. Als Violinist musizierte er in Freising, Eichstätt, Regensburg und Passau. 1685 ging Mayr nach München, wo er in der kurfürstlichen Hofkapelle musizierte. Der Kurfürst schickte ihn zur weiteren Ausbildung nach Paris zu Jean-Baptiste Lully. Ansonsten orientierte sich die Musik am Münchner Hof aber an italienischen Vorbildern. 
1706 wurde Mayr in Freising zum fürstbischöflichen Hofkapellmeister ernannt. In diesem Amt komponierte er neben Kirchen- und Instrumen- talmusik offenbar auch für das Schultheater. In seinen Werken erinnert er an Zeitgenossen wie Johann Caspar von Kerll, Johann Philipp Krieger oder die österreichischen Musiker um Heinrich Ignaz Franz Biber. 
Diese CD mit Psalmvertonungen zeigt, dass Mayr auch protestantische Einflüsse durchaus nicht ignorierte. Insbesondere das Geistliche Konzert fand er interessant, wie seine äußerst anspruchsvollen Psalmkompo- sitionen aus den Sacri Concentus 1681 belegen. Es singen Fabian Winkelmaier, Knabensopran der St. Florianer Sängerknaben, Alois Mühlbacher, Sopran, ebenfalls ein ehemaliges Mitglied des renommierten Knabenchores, der nun schon seit vielen Jahren erfolgreich von Franz Farnberger geleitet wird, Markus Forster, Alt, Markus Miesenberger, Tenor, und Gerd Kenda, Bass. Ebenso individuell wie die Sänger agieren auch die Musiker von Ars Antiqua Austria und Gunar Letzbor, der die Solo-Violine spielt und das Ensemble leitet. 

Dienstag, 28. August 2018

Mayr: Venetian Solo Motets (Naxos)

Johann Simon Mayr (1763 bis 1845) gilt als einer der bedeutenden Komponisten der italienischen Oper im 19. Jahrhundert. Über den Lebensweg des Musikers, der aus Mendorf im oberbayerischen Landkreis Eichstätt stammt, wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle ausführlicher berichtet. 
Was nicht mit erwähnt wurde: Mayr scheint auch recht fromm gewesen zu sein. Schon während seines Studiums in Ingolstadt wirkte er als Organist. Auch während seiner Ausbildung in Venedig sowie in den letzten 20 Jahren seines Lebens komponierte er Kirchenmusik. So schrieb er, neben vielen Opern, auch etliche Oratorien, Motetten und Messen. 1802 erhielt er eine Anstellung als Kapellmeister an der Basilika Santa Maria Maggiore in Bergamo, die er bis an sein Lebensende inne hatte. 
Nachdem bei Naxos inzwischen zahlreiche Opern des Komponisten in Aufnahmen dokumentiert sind, wendet sich das Label nun verstärkt dem geistlichen Schaffen Mayrs zu. In Weltersteinspielungen sind dort beispielsweise das Miserere in g-Moll und die Litaniae Lauretanae in g-Moll für Soli, Chor und Orchester sowie hinreißend schöne venezianische Solo-Motetten zu finden. Jede dieser Pretiosen ist in der Tat der Wiederentdeckung wert. 
Franz Hauk, der sich unermüdlich dafür engagiert, das Werk von Johann Simon Mayr aus dem Archiv zurück auf Bühne und Podium zu bringen, dirigiert das Ensemble, dem neben ausgewählten Solisten auch das Orchester I Virtuosi Italiani sowie, bei den groß besetzten Werken, die Instrumentalisten von Concerto de Bassus, der Simon Mayr Chor und Mitglieder des Chores der Bayerischen Staatsoper angehören.

Montag, 22. Mai 2017

Mayr: Telemaco (Naxos)

Fast 70 Opern schrieb Johann Simon Mayr (1763 bis 1845). Eine seiner frühen Opern galt der Figur des Telemaco. Telemach, wie er hierzulande genannt wird, ist in Homers Odysee nur eine Nebenfigur. Allerdings hat François Fénelon, Erzbischof von Cambray, für seinen Schüler, den siebenjährigen Louis, Dauphin von Frankreich und Herzog von Burgund, Les aventures de Télémaque zu Papier gebracht – einen Roman, in dessen Mittelpunkt er den Sohn des Odysseus stellte. 
Dieses Buch, 1699 veröffentlicht, brachte seinem Autor eine Menge Ärger ein, denn es wurde bei Hofe als Kritik am Absolutismus gelesen. Zugleich wurde es europaweit ein Best- seller, und inspirierte sowohl bildende Künstler als auch Opernlibrettisten. Eines dieser Textbücher, das erzählt, dass Telemach wie einst sein Vater Odysseus auf der Insel der Nymphe Calypso strandet, vertonte Simon Mayr. Seine Oper erklang in Venedig 1797 zum Karneval fast einen Monat lang beinahe täglich, was deutlich macht, dass sie ein großer Erfolg war. 
Die Kombination aus einer guten Story – immerhin lebte Odysseus sieben Jahre bei Calypso; die Nymphe musste ihn schließlich ziehen lassen, weil es die Götter befahlen – und erstklassiger Musik, die italienische Traditionen und Wiener Klassik in sich vereint, macht diese Oper auch heute noch interessant. Es ist Mayr-Spezialist Franz Hauk sehr zu danken, dass man Telemaco nell’isola di Calipso nunmehr auf CD anhören kann. 
Die Weltersteinspielung ist nun in seiner fortlaufend erweiterten Edition der Opern des bayerisch-italienischen Komponisten erschienen. Die Sänger und Musiker hat Franz Hauk bei der Aufnahme vom Cembalo aus dirigiert. Ein exzellentes Solistenensemble, der versierte Simon Mayr Chor, verstärkt durch Mitglieder des Chores der Bayerischen Staatsoper, und das Ensemble Concerto de Bassus unter seiner Konzertmeisterin Theona Gubba-Chkeidze machen diese Oper, in der der junge Held durch seinen Mentor auf den rechten Weg geführt wird, zu einem Hörvergnügen. 

Mittwoch, 6. Juli 2016

Mayr: Requiem (Naxos)

Geradezu kriminalistische Fähig- keiten waren erforderlich, um die Musik zu rekonstruieren, die auf diesen beiden CD zu hören ist. Zwar war bereits eine Grande Messa da Requiem von Johann Simon Mayr (1763 bis 1845) bekannt; bei Archivrecherchen zeigte sich aber, dass es noch ein weiteres Requiem des Komponisten gegeben haben muss. „Dieses bislang in der Forschung nicht erwähnte Werk übertrifft das gedruckte im Umfang und in der Instrumentierung“, be- richtet Franz Hauk im Beiheft. Die einzelnen Sätze fanden sich verstreut in den Beständen der Bibliotheca civica in Bergamo, wo Mayrs Nachlass aufbewahrt wird, sowie an anderen Standorten – mitunter in Form von Einzelstimmen. Mit Spürsinn, Beharr- lichkeit und unter großen Mühen ist es gelungen, die Messe zu rekonstru- ieren und das Notenmaterial für eine Aufführung zu erstellen. 
Das hat sich durchaus gelohnt, denn das „Requiem summum“, wie Hauk es nennt, erweist sich als ein überaus beeindruckendes Opus. Mit neun Sänger-Solisten, einem großen Chor und einem ebenso umfangreichen Orchester ist das Werk üppig besetzt. Zwei Sätze hat allerdings nicht Mayr, sondern Gaetano Donizetti (1797 bis 1848) komponiert. Er zeige „bereits in diesen frühen Werken eine eigenständige Handschrift, er kreiert Klang- flächen, mit einfachen Mittel erreicht Mayrs Schüler grandiose Klangwir- kungen“, urteilt Hauk. „Mayr hat Donizettis Partiturvorlage in einigen Stimmen umgeschrieben und ,korrigiert' – ein Problem für Verfechter eines sogenannten ,Urtextes'. Wir musizieren Donizettis Musik in der Mayr-Version.“ Dieses Requiem vereint Wiener Frömmigkeit und italie- nischen Schmelz – grandiose Musik, von den Solisten und vom Simon Mayr Chor und Ensemble unter Franz Hauk sehr hörenswert präsentiert. 

Dienstag, 5. Juli 2016

Accordato - Habsburg violin music ex Vienna (Pan Classics)

Die Handschrift XIV 726 des Wiener Minoritenkonvents enthält zahlreiche erlesene Musikstücke für die Violine. Damit zählt sie zu den bedeutendsten Quellen österreichischer Barock- musik. „Ein besonderes Merkmal aller im Konvolut vereinigten Sonaten ist die Forcierung des virtuosen Elements“, schreibt Gunar Letzbor, und sinniert: „Wer hat sich wohl die Arbeit gemacht, über hundert Sonaten mit der Hand zu Papier zu bringen, wenn nicht ein Geiger, der diese Sonaten selbst musizieren konnte? Es muss ein sehr guter Violinist gewesen sein, sonst hätte er nicht gerade diese anspruchs- volle Musik notiert.“ 
Letzbor hat mit seinem Ensemble Ars Antiqua Austria bereits zwei CD mit Werken aus dieser Handschrift veröfffentlicht. Eines dieser Programme widmete er anonym überlieferter Musik, das andere Stücken speziell für skordierte, umgestimmte, Violine. Im dritten Teil, zum Abschluss dieser Serie, spielt er Sonaten von Rupert Ignaz Mayr, Bonaventura Viviani, Antonio Bertali, Johann Caspar Teubner, Johann Heinrich Schmelzer und Heinrich Ignaz Franz Biber. 
Die Einspielung ist erneut hörenswert, zumal die meisten Stücke bislang anderweitig noch nicht zugänglich sind. Auf die zukünftigen Entdeckun- gen dieses Ensembles darf man gespannt bleiben. 

Freitag, 13. März 2015

Mayr: Il sogno di Partenope (Naxos)

Das Label Naxos engagiert sich seit Jahren für die Wiederentdeckung des Werkes von Johann Simon Mayr (1763 bis 1845). Mit dem Simon-Mayr-Chor & Ensemble Ingolstadt, gegründet und geleitet von Franz Hauk, und wechselnden Solisten hat Naxos mittlerweile eine Vielzahl der Opern des Komponisten sowie einige seiner Kantaten und Oratorien veröffentlicht. So ist jüngst Il sogno di Partenope erschienen. 
Mayr komponierte dieses melodram- ma allegorico nach einem Libretto, das ein renommierter Altphilologe und Autor eigens erstellt hatte, für die Einweihung des nach einem Brand wieder aufgebauten Teatro San Carlo in Neapel. Gewidmet ist es König Ferdinand I. zum Geburtstag, und wie bei einer derartigen Huldigungs- kantate üblich, wird ein beträchtlicher mythologischer wie musikalischer Aufwand betrieben, um den Herrscher angemessen zu feiern. Dummer- weise ist nur der zweite Akt überliefert – doch was da zu hören ist, das lässt den Verlust des ersten Teiles erst recht sehr bedauerlich erscheinen.  

Mittwoch, 31. Juli 2013

Die Donati-Orgel in der Schlosskapelle Lichtenwalde (Auris subtilis)

Dass Orgeln umziehen, geschieht gar nicht so selten. Die Donati-Orgel allerdings, die sich nun in der Schlosskapelle im sächsischen Lichtenwalde befindet, hat eine bewegte Geschichte. Sie beginnt 1741, als eine Gräfin für die Stiftskirche Ebersdorf von dem Orgelbauer Johann Christoph Gottlob Donati ein solches Instrument anfertigen ließ. Und weil ihr der Klang der fertig- gestellten Orgel so gut gefiel, bestellte sie gleich noch eine weitere für ihre Schlosskapelle. 
Die Ebersdorfer Orgel wurde Ende des 19. Jahrhunderts ausgetauscht; die in Lichtenwalde blieb erhalten, wurde aber im Krieg beschädigt. Die verbleibenden Orgelreste wurden schließlich in den 60er Jahren nach Ebersdorf umgesetzt und durch die Firma Eule, dem Zeitge- schmack folgend, wieder spielbar gemacht. Dabei wurde das Instru- ment sehr stark verändert. 
In jüngster Vergangenheit wurde die Schlosskapelle sorgsam restau- riert. Dabei entstand die Idee, auch die Donati-Orgel wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückzuholen. Das war ein Problem, berichtet Orgelbauer Thomas Wolf, der den Auftrag dazu erhielt: „Die Orgel mit der tiefen Stimmung und somit zu großen bzw. zu langen Pfeifen passte nicht mehr in die kleine Kapelle.“ 
Die Unterstützung durch den Freistaat Sachsen sowie das Engagement einer Vielzahl von Sponsoren hat letztendlich die Rückkehr der Orgel und ihre Wiederherstellung ermöglicht. Auf dieser CD stellt Matthias Grünert, Kantor an der Dresdner Frauenkirche, nun das restaurierte Instrument und seine klanglichen Möglichkeiten vor. Dabei streicht er insbesondere die Stärken der Orgel geschickt heraus. Einige der Aufnahmen sind zudem bereits 2009, vor dem Umzug der Orgel, in Ebersdorf entstanden. So wird auch der Vergleich möglich. 
Bei einigen Stücken musiziert Grünert zusammen mit der Sopranistin Jana Reiner. Ihre Stärke ist das nahezu vibratofreie Singen in langen, lyrischen Bögen. So gehört ihre Interpretation einiger Lieder aus Schemellis Gesangbuch zum Besten, was ich je dazu gehört habe. Auch Ich will den Herrn loben allezeit, ein Geistliches Konzert von Heinrich Schütz, gestaltet sie klug und singt sie exzellent. Die beiden italienischen Kirchenkantaten hingegen fallen dagegen deutlich ab; Dramatik liegt Reiner offenbar gar nicht. Humor aber haben die Beteiligten ganz sicher – der Marsch am Ende der CD ist ein 1A Schlusspunkt. 

Donnerstag, 7. Juni 2012

Mayr: Samuele (Naxos)

Für die Feierlichkeiten zur Einset- zung eines neuen Bischofs 1821 in Bergamo schuf Giovanni Simone Mayr (1763 bis 1845) sein Orato- rium Samuele. Das Libretto stammt von Bartolomeo Merelli; die Handlung schildert die Beru- fung Samuels zum Propheten - ein nettes Thema für ein Huldigungs- oratorium. 
Auch wenn der Komponist aus Niederbayern stammt und seine Ausbildung am Jesuitenkolleg in Ingolstadt startete, so trägt diese Musik doch unverkennbar italienischen Charakter. Nach etlichen Jahren, die Mayr überwiegend damit beschäftigt war, Opern zu komponieren, entschied er sich 1802, die Nachfolge seines einstigen Lehrers Carlo Lenzi als maestro di capella an der Kathedrale von Bergamo anzutreten. Drei Jahre später wurde er Direktor der Chor- schule an dieser Kathedrale, und in dieser Position verblieb er bis an sein Lebensende. 
Mayr hat 70 Opern und gut 600 Werke geschaffen, die der geistlichen Musik zuzurechnen sind. Es ist sehr erfreulich, dass der lang vergesse- ne Komponist nun zunehmend wieder entdeckt wird. Dazu trägt auch diese CD bei. Franz Hauk hat Samuele mit dem von ihm 2003 gegrün- deten Simon Mayr Chor und dem georgischen Kammerorchester Ingolstadt eingespielt. Zu hören sind zudem als Solisten Andrea Lauren Brown und Susanne Bernhard, Sopran, Rainer Trost, Tenor und Jens Hamann, Bass. Die Aufnahme ist gelungen, die Soli singen sehr ordentlich, und der Chor agiert kraftvoll. Eine Entdeckung! 

Samstag, 2. Juni 2012

Mayr: Medea in Corinto (Oehms Classics)

"Ich lebe nicht für den Gewinn, sondern für den Ruhm", schrieb Gaetano Donizetti 1828 an seinen Lehrer Giovanni Simone Mayr, "und seien Sie versichert: Wenn es mir gelänge, eine Medea zu schaf- fen, wäre ich glücklich, danach zu sterben."
Was aber begeisterte die Zeitge- nossen einst an Medea in Corinto? Diese Oper wurde von Johann Simon Mayr nach einem Libretto von Felice Romani und im Auftrage des Teatro San Carlo in Neapel komponiert. Dort wurde das Werk 1813 auch erstmals aufgeführt. Es war damals sehr erfolgreich, und war einige Jahre lang auch auf an- deren europäischen Bühnen durchaus präsent. 
Das Theater St. Gallen hat sich 2009 erstmals wieder an Mayrs Oper gewagt. Als Grundlage für die Inszenierung stand eine quellenkriti- sche Neuausgabe des Verlages Ricordi zur Verfügung. Die Handlung ist gleich in mehrfacher Hinsicht so unmoralisch, das man sich fragt, wie so etwas im 19. Jahrhundert überhaupt vor Publikum gelangen konnte. Es geht um die Hochzeit des Helden Jason mit der Tochter des Königs Kreon, Kreusa. Die Sache ist deshalb pikant, weil das Brautpaar eigentlich nicht mehr frei ist: Kreusa ist Ägeus verspro- chen, dem König von Athen. Und Jason ist mit Medea verheiratet, die ihm seinerzeit half, das Goldene Vlies aus ihrer Heimat Kolchis zu rauben. Er hat zwei Kinder mit ihr. Doch angeblich liebt er sie nicht mehr; und warum er nun Kreusa heiraten will, das äußert er ziemlich offen: Sie kann ihm etwas geben, das Medea nicht zur Verfügung steht - ein Königreich. 
Also wird Medea in die Verbannung geschickt; Jason gibt vor, damit ihr Leben zu retten. Doch statt Korinth zu verlassen, stört Medea gemeinsam mit Ägeus, der mittlerweile eingetroffen ist, die Hoch- zeitsfeierlichkeiten. Ägeus versucht, seine Braut zu entführen. Dies scheitert, und die beiden Aufrührer werden gefangen gesetzt. Nun soll das Brautpaar endlich vermählt werden. Doch die Rache der Medea ist grausam. Sie schenkt Kreusa ein vergiftetes Kleid, das die junge Frau zu Asche verbrennt, und tötet dann ihre Söhne. Diese honette Geschichte wird mit einer Musik serviert, die Mozart noch näher ist als Verdi. Bei dieser Aufnahme hört man allerdings, bei allem Enga- gement, dass die Möglichkeiten eines Stadttheaters limitiert sind. 

Donnerstag, 31. Mai 2012

Mayr: La Lodoiska (Oehms Classics)

Johann Simon Mayr (1763 bis 1845) gilt als Vater der italieni- schen Oper. Diesen Beinamen gab ihm kein geringerer als sein Freund Rossini - und dennoch fielen der Komponist ebenso wie die gut
60 Opern, die er geschaffen hatte, nach seinem Tode sehr schnell dem Vergessen anheim. Zu Lebzei- ten freilich wurde Mayr in ganz Europa gefeiert. 

Zu seinen großen Erfolgen gehörte La Lodoiska. Diese Oper erzählt die Geschichte einer tapferen Polin, die in einer Burg an der polnisch-tatarischen Grenze gefangengehal- ten und vom Burgherrn bedrängt wird. Doch sie liebt nun einmal Lovinski, und da hat Palatin Boleslao schlechte Karten. Dieses Werk nach einem Libretto von Francesco Gonella, das natürlich mit der Befreiung des jungen Paares aus den Ketten des Tyrannen endet, wurde 1796 in Venedig erstmals aufgeführt. 1799 erklang die Oper, die später übrigens die Lieblingsoper Napoleons wurde, in einer überarbeiteten Fassung erstmals in Mailand, und Mayr wurde dort gefeiert. 
Es ist erfreulich, dass das Notenmaterial nun bei Ricordi wieder er- hältlich ist; vielleicht nimmt sich ein Opernhaus des Stückes an. Musikalisch zumindest ist das Werk ergiebig, wie diese Aufzeichnung einer konzertanten Aufführung aus dem Jahre 2010 im Theater Ingol- stadt beweist. Dort erklang La Lodoiska erstmal wieder, aufgeführt von einem sehr ordentlichen Solistenensemble, dem Männerchor des Prager Philharmonischen Chores und dem Münchner Rundfunk- orchester, geleitet von George Petrou vom Hammerflügel aus.  

Freitag, 25. März 2011

Biber: Vesperae longiores ac breviores (Carus)

Die Yale University scheint auch bei der Ausbildung von Musikern zu den ersten Adressen zu gehö- ren. Auf dieser CD musizieren die Yale Collegium Players, geleitet von dem Geiger Robert Mealy, sowie die 24köpfige Yale Schola Cantorum unter Leitung von Simon Carrington, vormals King's Singers. 
Beide Ensembles sind vorzüglich; sie könnten ohne Schwierigkeit mit jedem anderen Alte-Musik-Projekt weltweit konkurrieren. Auf dieser CD setzen sich die Musiker mit liturgischer Musik von Heinrich Ignaz Franz Biber auseinander, die dieser für die Vesper geschrieben hat - allerdings fehlen einige Stücke, und so hat Carrington Bibers Kompositionen mit Werken seiner Zeitgenossen Rupert Ignaz Mayr, Kaiser Leopold I. und Giovanni Legrenzi ergänzt. 

Sonntag, 31. Oktober 2010

Mayr: Te Deum, Mozart: Missa solemnis (Naxos)

Als Missa solemnis wird oft Mo- zarts C-Dur-Messe KV 337 be- zeichnet, die letzte Messe des Komponisten. Musikwissenschaft- ler verweisen jedoch darauf, dass es sich dabei um eine Kurzmesse, eine sogenannte Missa brevis, handelt. Die Missa solemnis be- gleitet ein feierliches Hochamt - und fällt in Umfang und Besetzung entsprechend üppig aus. 
Für das Werk, das auf dieser CD zu hören ist, trifft dieses uneinge- schränkt zu. Wer aber der Autor dieser Messe in C-Dur ist, das wird sich wohl nicht abschließend klären lassen. Simon Mayr besaß eine Abschrift dieses Werkes, und darauf vermerkte er: "Mozart". Diese Messe jedoch war offenbar beliebt, und so kursieren noch zahlreiche weitere Kopien davon. Darauf sind die unterschiedlichsten Autoren benannt - Franz Xaver Brixi, Abbé Georg Vogler, Cajetan Vogel; neben Wolfgang Amadeus Mozart gehört auch sein Vater Leopold Mozart zum Kreis der in Erwägung gezogenen Urheber.
Wer auch immer dieses Opus tatsächlich geschaffen haben mag - es ist prachtvoll, auch wenn es nicht wirklich Mozartsches Format erreicht. Und es wird auf dieser CD sehr ansprechend vorgetragen. Dafür wählt Franz Hauk, der Gründer und Leiter des Simon Mayr Chores, eine interessante Version der Besetzung: In der Partitur vorgesehen sind vier Solisten; hier sind acht zumeist junge Sänger zu hören, die sich jeweils die Partie teilen.
Von Johann Simon Mayr stammt das zweite Werk auf dieser CD - das Te Deum in D-Dur, entstanden 1805. Mayr, 1763 in Mendorf bei Ingolstadt als Sohn eines Lehrers und Organisten geboren, verhalf seine musikalische Begabung zu einer erstklassigen Ausbildung; er erhielt zunächst einen Freiplatz am Jesuitenkolleg Ingolstadt und konnte so studieren. Später ermöglichten es ihm Mäzene, Unterricht bei Carlo Lenzi in Bergamo und Ferdinando Bertoni in Venedig zu nehmen. Mayr war als Komponist sehr erfolgreich; er hat eine große Anzahl geistlicher Werke hinterlassen, gilt jedoch in erster Linie als Vater der italienischen Oper. Gaetano Donizetti war sein Schüler. 1845 starb Mayr in Bergamo, anerkannt und hoch geschätzt.
Sein umfangreiches Werk wird erst allmählich wiederentdeckt; dafür engagieren sich auch Franz Hauk und die jungen Sänger des Simon Mayr Chores. Auf der vorliegenden CD werden sie vom Georgischen Kammerorchester Ingolstadt begleitet. Gegründet 1964 in Tbilissi, zog das komplette Ensemble 1990 nach Ingolstadt um. Die exzellent ausgebildeten Musiker sahen in ihrer Heimat Georgien keine Zukunft mehr. Jetzt bereichern sie das Musikleben an Altmühl und Donau.