Das Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen – vorgetragen von einem Posaunen-Ensemble? Trombone Unit Hannover beweist auf dieser CD, dass so etwas möglich ist. Frederic Belli, Mateusz Dwulecki, Karol Gajda, Lars Karlin, Angelos Kritikos, Tomer Maschkowski, Tobias Schiessler, Mateusz Sczendzina und Michael Zühl haben neben dem Zyklus Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski auch Musik aus Sergej Prokofjews Ballett Romeo und Julia sowie die populäre Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel eingespielt. Dabei wurden sie unterstützt durch den Posaunisten Yuval Wolfson sowie Martin Hennecke, Dominik Minsch und Johannes Walter am Schlagzeug. Ein irrwitziges Programm – und trotzdem klingt das alles so soft, so entspannt und so rund, als wäre dieses Repertoire ein Spaziergang.
Doch ganz so einfach ist das offenbar nicht: „Leben an der Kante“, so haben die Mitglieder der Trombone Unit Hannover ihr zweites Album genannt. Veröffentlicht haben sie es fünf Jahre nach dem ersten, pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum des Bläserensembles. „Aus End-Zwanzigern sind Mitt-Dreißiger geworden, die Zahl der Familienväter ist von einem auf vier gestiegen und die Mitgliederzahl im ,Trombone Unit Kindergarten' hat sich ebenfalls von drei auf neun erhöht“, so beschreibt Frederic Belli die Veränderungen, die sich in diesem Zeitraum ergeben haben.
Eine Herausforderung ist es ohnehin, das Musizieren in einem Ensemble, dessen Mitglieder über ganz Deutschland verstreut leben und arbeiten. Und auch das Programm, das Trombone Unit sich für diese CD ausgesucht hat, ist ohne Zweifel „on the edge“. Verantwortlich ist dafür nicht zuletzt Lars Karlin, der Arrangeur. „Was die Stücke betrifft, die ich für die Trombone Unit geschrieben habe, so hätte ich sie niemals für irgendein anderes Ensemble schreiben können“, räumt der Posaunist ein. „Niemand hätte so etwas akzeptiert! Viele der späteren Arrangements sind so nah an der Grenze sowohl der musikalischen als auch der technischen Möglichkeiten, dass ich mich selbst frage, wie das enden soll.“
Seine Bearbeitungen, so Karlin, sollen möglichst wie das Original klingen – und so will der Musiker auch möglichst wenig aus der originalen Partitur weglassen. Das bringt für Blechbläser einige Probleme mit sich: „Diese Person ist verantwortlich für unmenschliche Höhen und Tiefen auf unseren Instrumenten, technische Passagen, die weder auf den ersten, noch auf den zweiten oder dritten Blick möglich zu sein scheinen“, so wiederum Frederic Belli. „Er schreibt als Anweisung in den Noten zum Beispiel ,Jetzt oder nie!' oder ,wenn der erste Alt stirbt, spiele die nächst höhere Stimme' oder ,spiele das hohe F nur, wenn Du die Kraft dazu hast :-)'.“
„Als Arrangeur der Trombone Unit versuche ich Musik zu schreiben, die für das Ensemble auf den ersten Blick immer zu schwer aussieht. Nach mehrmaligem Durchspielen wird dann klar, dass sie doch machbar und irgendwann für die Spieler sogar ganz normal ist. Mit der Zeit erkennen das auch die Ensemblemitglieder“, meint wiederum Karlin. „Die Grenzen sind immer fließend, wenn man bereit ist, das Ensemble ein wenig anzustoßen.“
Diese Neckereien verbergen ein wenig den Ehrgeiz, trotz aller Schwierigkeiten erstklassige Qualität zu erreichen. Und das hat schon auch seine Tücken, wie die Musiker verraten. So entstand die Bläserversion der Bilder einer Ausstellung seinerzeit für ein Konzert im Jahre 2009 auf Wunsch von Frederic Belli.
Karlin zweifelte sehr daran, dass Ravels bombastische Orchestrierung auf acht Posaunen zu übertragen sein wird. Versuch macht klug, so der Musiker: „Also besorgte ich mir die Partitur und fing an. Ich begann spät und arbeitete Tag und Nacht, eine ganze Woche lang. Frederic weckte mich jeden Morgen per Telefon, so dass ich mit dem Arrangieren fortfahren konnte. Die Transkription wurde rechtzeitig fertig... zwei volle Tage vor dem Konzert!“, erinnert sich Lars Karlin. „Ich werde gar nicht erst versuchen, das Gesicht von Tobias zu beschreiben,als er seine Partie der Altposaune I bei der ersten Probe übte. Unvergesslich...“ Der Aufwand freilich lohnt sich. Denn die Klangpracht, die das Ensemble aufbieten kann, ist unvergleichlich.
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Donnerstag, 25. Januar 2018
Dienstag, 7. Februar 2012
Prokofiev: Romeo and Juliet (Decca)
In der Ballett Edition des Labels Decca erschien kürzlich eine Einspielung des Balletts Romeo und Julia von Sergej Prokofjew mit dem Royal Philharmonic Orchestra unter Vladimir Ashkenazy aus dem Jahre 1991. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine Gesamtauf- nahme der Ballettmusik - was schon an sich eine ziemliche Rari- tät ist; meistens erscheinen auf CD nur die Suiten oder Kombinationen daraus.
Ashkenazy hat sich bereits als Pianist intensiv mit dem Werk Prokofjews beschäftigt. So hat er alle seine Klavierkonzerte eingespielt, und eine Klaviertranskription von Romeo und Julia. Es war daher nur konsequent, dass er sich dann als Dirigent noch einmal diesem Ballett zugewendet hat. Seine Interpre- tation erweist sich als durchdacht und klar strukturiert; sie ist tänze- risch und farbenreich, kostet aber auch die dramatischen Momente aus. Aus diesem Grunde kann diese Aufnahme hier empfohlen werden.
Ashkenazy hat sich bereits als Pianist intensiv mit dem Werk Prokofjews beschäftigt. So hat er alle seine Klavierkonzerte eingespielt, und eine Klaviertranskription von Romeo und Julia. Es war daher nur konsequent, dass er sich dann als Dirigent noch einmal diesem Ballett zugewendet hat. Seine Interpre- tation erweist sich als durchdacht und klar strukturiert; sie ist tänze- risch und farbenreich, kostet aber auch die dramatischen Momente aus. Aus diesem Grunde kann diese Aufnahme hier empfohlen werden.
Donnerstag, 22. September 2011
Prokofiev: Suite from Romeo and Juliet (Naxos)
Romeo und Julia, das berühmte Ballett von Sergej Prokofjew, in einer Fassung für Bratsche und Klavier? Wer wagt denn das? Das Beiheft - wie bei Naxos üblich eher ein Beiblatt, aber dennoch sehr informativ - gibt Auskunft: Dieses Arrangement stammt von Wadim Wassiljewitsch Borisowski (1900 bis 1972), einem berühmten russi- schen Bratscher und Mitbegründer des legendären Beethoven-Quar- tetts. Fünf Jahre nach seinem Exa- men am Moskauer Konservato- rium wurde er dort selbst Professor, und er unterrichtete eine Viel- zahl junger Musiker, so dass er als der Stammvater der russischen Viola-Schule gilt.
Borisowski hat mehr als 250 Werke aus unterschiedlichen Epochen der Musikgeschichte für sein Instrument oder die Viola d'amore bearbeitet, darunter - im Einvernehmen mit dem Komponisten - auch eine Suite aus Prokofjews Romeo und Julia. Sie bestand zunächst aus acht Sätzen für Viola und Klavier; einige Jahre später fügte Borisowski noch weitere fünf hinzu. Für zwei davon wird eine zweite Viola benö- tigt. Das wird nicht verblüffen, denn Prokofjews Stück ist ziemlich komplex. Desto erstaunlicher erscheint es, wie perfekt diese Musik im Arrangement wiedergegeben wird. Das klingt tatsächlich, als wäre dieses Werk für diese Besetzung entstanden. Man mag sich aber nicht ausmalen, was das für die Solisten bedeutet - insbesondere der Brat- schenpart muss eine tour de force sein.
Matthew Jones bewältigt ihn souverän, und auch Rivka Golani an der zweiten Viola sekundiert derart versiert, dass man nur staunen kann. Der warme Klang der Bratsche passt ohnehin ausgezeichnet zu dieser Musik. Michael Hampton ist den beiden Streichern am Klavier ein engagierter Partner. Das Ergebnis ist grandios. Diese CD gehört zu meinen persönlichen Jahresfavoriten. Unbedingt anhören!
Borisowski hat mehr als 250 Werke aus unterschiedlichen Epochen der Musikgeschichte für sein Instrument oder die Viola d'amore bearbeitet, darunter - im Einvernehmen mit dem Komponisten - auch eine Suite aus Prokofjews Romeo und Julia. Sie bestand zunächst aus acht Sätzen für Viola und Klavier; einige Jahre später fügte Borisowski noch weitere fünf hinzu. Für zwei davon wird eine zweite Viola benö- tigt. Das wird nicht verblüffen, denn Prokofjews Stück ist ziemlich komplex. Desto erstaunlicher erscheint es, wie perfekt diese Musik im Arrangement wiedergegeben wird. Das klingt tatsächlich, als wäre dieses Werk für diese Besetzung entstanden. Man mag sich aber nicht ausmalen, was das für die Solisten bedeutet - insbesondere der Brat- schenpart muss eine tour de force sein.
Matthew Jones bewältigt ihn souverän, und auch Rivka Golani an der zweiten Viola sekundiert derart versiert, dass man nur staunen kann. Der warme Klang der Bratsche passt ohnehin ausgezeichnet zu dieser Musik. Michael Hampton ist den beiden Streichern am Klavier ein engagierter Partner. Das Ergebnis ist grandios. Diese CD gehört zu meinen persönlichen Jahresfavoriten. Unbedingt anhören!
Sonntag, 7. März 2010
Prokofiev: Romeo and Juliet for Brass Band (Naxos)
Die Eikanger-Björsvik Band spielt Prokofjews berühmte Ballettmusik: Romeo und Julia for Brass Band - geht das denn? Es ist ein großes Vergnügen, der Eikanger-Björsvik Band zu lauschen, die hier von Bjarte Engeset geleitet wird und bis hin zum feinsten Pianissimo rundum souverän musiziert - fantastisch! Aus dem Booklet erfährt man dann so nebenbei, dass es sich bei dieser Brass Band, die ohne Zweifel zu den besten der Welt gehört, um eine Amateurformation handelt. Man staunt, und wundert sich - wie müssen dann erst die norwegischen Profis spielen?!
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