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Freitag, 3. Juli 2020

Stay ye angels (Accentus)

„Wenn du aus dir verjagst / All Unruh und Getümmel, / So wirft Sankt Michael / Den Drachen aus dem Himmel.“ So zitiert das Beiheft den Barockdichter Angelus Silesius. Der Erzengel, der den Drachen tötet, ist auch in dem Programm, das die Gaechinger Cantorey unter Leitung von Hans-Christoph Rademann im September 2018 in der Stadtkirche St. Wenzel zu Naumburg aufgeführt hat, präsent. Zwei der Kantaten, Es erhub sich ein Streit BWV 19 und Man singet mit Freuden vom Sieg BWV 149, komponierte Johann Sebastian Bach einst für das Michaelisfest. Die dramatischen Werke, mit Pauken und Trompeten, wählte Rademann als Rahmen für zwei Solokantaten: Gott soll allein mein Herze haben BWV 169, wo Altstimme und konzertierende Orgel in genialer Verflechtung die himmlische Liebe besingen, und Der Friede sei mit dir BWV 158. In dieser Kantate verkündet der Solo-Bass, dass Satan nunmehr gefällt sei. 
Die Gaechinger Cantorey musiziert routiniert in schlanker Besetzung; das Solistenquartett der Aufnahme besteht aus Lenneke Ruiten, Anke Vondung, Benedikt Kristjánsson und Peter Harvey. Den glanzvollsten Part allerdings hat auf dieser CD die Orgel von Zacharias Hildebrandt, gespielt vom Organisten David Franke. Ein herrliches Instrument, und es ist immer wieder eine Freude, es zu hören. 

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Mozart: The Oboe Concerto (Glossa)

Im Jahre 1981 fanden sich Musiker aus mehr als 20 Ländern zusammen, um Musik des 18. und des frühen
19. Jahrhunderts möglichst original- getreu aufzuführen. Unter Leitung seines Gründers Frans Brüggen spielte das Orchestra of the Eighteenth Century ausgewählte Werke von Bach bis Brahms – und war damit bald international sehr erfolgreich. 

Nach dem Tode Frans Brüggens im Jahre 2014 führt das Ensemble nun diese Arbeit weiter, derzeit mit wechselnden Dirigenten. Mehrfach im Jahr geht das Orchestra of the Eighteenth Century auf Tour, und auch eine neue CD ist nun erhältlich. Sie ist dem Schaffen Wolfgang Amadeus Mozarts für Oboe gewidmet; eingespielt wurde sie von dem Oboisten Frank de Bruine gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Orchestra of the Eighteenth Century unter Leitung von Kenneth Montgomery. 
Die CD erinnert daran, dass Bläserkonzerte oftmals ihren Ursprung in Musikerfreundschaften haben. Carl Stamitz beispielsweise komponierte für den Klarinettisten Joseph Beer, Johannes Brahms für Richardt Mühlfeldt. Mozart war befreundet mit dem Flötisten Johann Baptist Wendling, dem Oboisten Friedrich Ramm und dem Fagottisten Georg Wenzel Ritter – alle drei spielten in der legendären Mannheimer Hofkapelle. Und Mozart, 1778 von Mannheim endlich weiter nach Paris gereist, berichtet in Briefen an seinen Vater, er habe eine Sinfonia concertante für Flöte, Oboe, Horn, Fagott und Orchester geschrieben. Aufgeführt wurde dieses Werk nie, aufgefunden ebenfalls nicht – ob es also jemals existiert hat, das lässt sich nicht sicher feststellen. Angeblich beruht die Sinfonia concertante KV 297b darauf; doch sie ist nur in einer Abschrift aus dem 19. Jahrhundert überliefert, das Solistenquartett ist mit Oboe, Klarinette, Horn und Fagott zudem anders besetzt, und auch aus stilistischen Erwägungen heraus wird ihre Echtheit bezweifelt. 
Frank de Bruine hat für diese CD vier Werke ausgewählt, die ohne Zweifel von Mozart stammen: Das Oboenkonzert in C-Dur KV 314 – wesentlich bekannter als Flötenkonzert in D-Dur – das Oboenquartett KV 370, und das Divertimento in D-Dur KV 251 für Oboe, zwei Hörner, zwei Violinen, Viola und Kontrabass, geschrieben vermutlich im Sommer 1776 zum Namenstag von Schwester Nannerl. Die Sängerin Aloysia Weber, in die Mozart sehr verliebt war, bedachte er mit Bravourarien. In Vorrei spie- garvi, oh Dio KV 418 singen Sopran und Oboe um die Wette – Sopranistin Lenneke Ruiten wagt sich an die Partie, die eine exzellente Technik und eine Wahnsinnshöhe verlangt.