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Dienstag, 17. März 2020

Bach: Oboe Concertos (Berlin Classics)

Auf ihrem neuen Album setzt sich Céline Moinet mit der Musik von Johann Sebastian Bach auseinander. „Bachs Kantaten waren mein erster Zugang“, zitiert das Beiheft die Musikerin, die in Paris studiert hat, und mit 23 Jahren Solo-Oboistin der Sächsischen Staatskapelle Dresden wurde. „Es ist eine überaus reiche, anspruchsvolle Literatur für Oboisten, letztendlich die Essenz seiner Musik. Hier wird die Oboe zur Erzählerin.“ 
Zwei Sinfonien aus Bach-Kantaten sind auf dieser CD zu hören. Musik aus seinen Kantaten verwendete Bach aber auch in seinen Solo-Konzerten, und umgekehrt. In Bachs musikalischem Universum gibt es erstaunlich viele Querverbindungen; das wird auf dieser CD anhand der rekonstru- ierten Konzerte deutlich. 
Für Bach benötige man mehr Zeit als für die meisten anderen Kompo- nisten, meint Moinet. Und seine Konzerte seien eine Herausforderung, „technisch virtuos, mit schier endlos fortgesponnenen Passagen, die kaum Möglichkeiten zum Atmen lassen.“ Zu hören sind die Konzerte BWV 1059, 1053 und 1055. Komplettiert wird das Programm durch das Konzert in d-Moll von Alessandro Marcello. 
Die Oboistin musiziert auf dieser CD gemeinsam mit dem Instrumental-Ensemble L'arte del mondo unter Werner Ehrhardt. Die Kombination aus einem historisch informierten Orchesterklang und ihrer modernen Marigaux-Oboe funktioniert erstaunlich gut. Die Instrumente der Pariser Firma klingen warm und wesentlich voller als Barockoboen. Als Solistin führt Céline Moinet einen lebendigen Dialog aus moderner Perspektive mit dem Orchester, das beispielsweise barocke Bögen verwendet. Man nähert sich an, was unter anderem in den Verzierungen hörbar wird. Der Austausch lohnt sich: Musiziert wird klangschön, sensibel und kammermusikalisch transparent – und mit Noblesse, was Bachs Werke sehr gut steht. 

Sonntag, 28. Juli 2019

Albrecht Mayer - Longing for Paradise (Deutsche Grammophon)

Der Traum von einer harmonischen Welt kennzeichnet alle Werke, die Albrecht Mayer für seine jüngste Einspielung ausgesucht hat: „Wie reagiert man als emotionaler, fühlend-romantischer Komponist, wenn man mit der Kriegssituation und einer zerstörten Heimat konfrontiert wird?“, fragt sich der Oboist. „Dieser Gedanke und die damit verbundene Sehnsucht nach Schönheit vereint alle Stücke auf diesem Album.
Die Musik, die Mayer auf dieser CD zusammengetragen hat, ist alles andere als leichtgewichtig. So schrieb Richard Strauss (1864 bis 1949) kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs sein einziges Oboenkonzert, „ein Stück voller Schönheiten, vielleicht eine Ahnung vom Paradies“, begeistert sich Mayer. Der Komponist selbst nannte das Werk eine „Werkstattarbeit“, geschrieben, „damit das vom Taktstock befreite rechte Handgelenk nicht vorzeitig einschläft“
Die Nachkriegssituation spiegelt das Konzert für Oboe und kleines Orchester eher indirekt: „Das ist eines der wenigen Stücke von Strauss, bei denen ich nirgends den Ansatz einer Doppelbödigkeit erkennen kann“, meint Mayer. „Vielmehr verlangt dieses Stück ein Höchstmaß an Mühelosigkeit, womöglich schwebte Strauss selbst beim Komponieren so etwas wie die reine Fülle des Wohllauts vor.“ 
Albrecht Mayer spielt dieses Konzert, das von Anfang bis Ende höchste Anforderungen an den Solisten stellt, mit einem wunderschönen, runden Ton, herrlicher Kantilene und geradezu magischer Schwerelosigkeit. Er lässt den Hörer zu keinem Zeitpunkt daran denken, dass es sich dabei um eines der anspruchsvollsten Werke der gesamten Oboen-Literatur handelt. 
In den Bamberger Symphonikern unter Jakub Hrůša steht dem Oboisten dabei ein erstklassiges Orchester als Musizierpartner zur Seite. Man kennt sich, und man schätzt sich: Mayer begann dort seinerzeit 1990 als Solo-Oboist seine Karriere. 
An den Anfang seines Programmes, vor das Strauss-Konzert, stellte Mayer Edward Elgars (1857 bis 1934) Soliloquy. Dabei handelt es sich um eine Elegie, die lange Fragment geblieben ist. Erst 1967 erklang sie in einer vervollständigten Fassung von Gordon Jacob erstmals öffentlich – gespielt von Léon Goossens. 
Für diesen Oboenvirtuosen schrieb sein Bruder Eugène Goossens (1893 bis 1962) ein ebenfalls höchst anspruchsvolles Konzert, das Mayer am Schluss seiner CD platzierte. „Man stelle sich vor, Strawinksy hätte ein Konzert für Oboe geschrieben, mit einer Prise britischen Humors gewürzt und um einige regionale Klangzutaten ergänzt“, so beschreibt der Oboist diese Musik. 
Mein ganz persönlicher Favorit aber, neben dem Strauss-Konzert, ist die Neubearbeitung von Maurice Ravels (1875 bis 1937) Le Tombeau de Couperin für Oboe und Orchester. Das Arrangement stammt von Joachim Schmeißer, und es ist unglaublich gut. Ravel nutzte die Tradition, verstorbenen Musikern ein Tombeau, eine Trauermusik, zu schreiben. Doch in dem Stück geht es nur vordergründig um Couperin und die Musik des 18. Jahrhunderts. Denn Ravel schrieb es nach seiner Entlassung aus dem Kriegsdienst; und jeder Satz ist einem gefallenen Kameraden gewidmet. 

Donnerstag, 18. Januar 2018

Richter: Sinfonias, Sonatas & Oboe Concertos (Christophorus)

Franz Xaver Richter (1709 bis 1789) stammte aus Mähren und wirkte zunächst als Bassist. 1740 wurde er erst Vizekapellmeister und später auch Kapellmeister am Hofe des Kemptener Fürstabtes; 1746 erhielt er eine Anstellung in der berühmten Mannheimer Hofkapelle des Kurfürsten Karl Theodor, wo er es immerhin bis zum Cammercompo- siteur brachte. 1769 wurde Richter dann Kapellmeister des Straßburger Münsters – was damals ein bedeutendes Amt darstellte; die Kapelle dort war die zweitgrößte in Frankreich. Soweit die trockenen Fakten. 
Die vorliegende CD zeigt uns Richter als einen Komponisten, der vielerlei Einflüsse in sein Schaffen integrierte. In seinen Werken spiegeln sich italienische Vorbilder, herausragendes kontrapunktisches Können, frühklassische Klarheit und Eleganz, Vergnügen an der Kantilene, und auch so manche musikalische Innovation, die wir heute der Mannheimer Schule zurechnen. 
Zu hören sind drei Sinfonien, zwei Triosonaten und ein faszinierendes Oboenkonzert, das einen dauerhaften Platz im Repertoire durchaus verdient hätte. Das Capricornus Consort Basel präsentiert Richters Musik inspiriert und mit sehr viel Charme. Den Oboenpart spielt Xenia Löffler mit Präzision und wunderbarem Ausdruck. Wenn es um die historische Aufführungspraxis geht, ist diese Musikerin derzeit unübertrefflich. 

Samstag, 6. Januar 2018

Tesori d'Italia (Deutsche Grammophon)

„Tesori d’Italia“ suchte Albrecht Mayer für seine aktuelle CD. Und dafür musste der Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker nicht einmal weit reisen. Denn die begehrten Schätze aus Italien fand er in Dresden, einer Stadt, die nicht umsonst Elbflorenz genannt wird. 
Sie ist aber nicht nur durch italienische Architekten dazu geworden, sondern auch dank einer Vielzahl italienischer Künstler, die im Umkreis des sächsischen Hofes wirkten. So engagierten die sächsischen Kurfürsten für Oper und Hofkapelle gern Virtuosen aus dem Süden. Begabte deutsche Musiker hingegen schickten sie nach Italien, wo sie von den besten Meistern lernen sollten – ein Modell, das über Generationen hinweg ausgezeichnet funktionierte, von Heinrich Schütz bis zu dem Geiger Johann Georg Pisendel. 
Dieser studierte bei Antonio Vivaldi, und aus Italien brachte er nicht nur viele Noten, sondern auch gute Kontakte mit, von denen die Hofmusik sehr profitierte. Die Notensammlung des legendären Konzertmeisters der Dresdner Hofkapelle befindet sich heute in den Beständen der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek. Sie wurde überliefert, weil sie einst in einem Schrank eingeschlossen und vergessen worden ist. Heute werden die Bestände aus diesem „Schranck No: II“ durch Musikhistoriker ebenso gern genutzt wie durch Musiker. 
Albrecht Mayer hat dort eine Abschrift des Oboenkonzertes in C-Dur RV 450 von Antonio Vivaldi gefunden, sowie ein Oboenkonzert in a-Moll von Domenico Elmi (um 1676 bis 1744), das hier in Weltersteinspielung erklingt. Aus „Schranck No: II“ stammt zudem das Oboenkonzert in Es-Dur von Giovanni Alberto Ristori (1692 bis 1753), einem Organisten, Kapellmeister und Komponisten, der ebenfalls am Dresdner Hof wirkte. 
Giuseppe Sammartini (1695 bis 1750) war der Sohn eines französischen Oboenvirtuosen, und spielte auch selbst dieses Instrument hervorragend. Er wurde in Italien geboren, ging aber später nach London, wo er unter anderem in Händels Opernorchester musizierte, und hoch angesehen war. Mayer hat für seine CD gleich drei Oboenkonzerte von Sammartini ausgewählt. In Weltersteinspielung zu hören ist das Konzert in C-Dur op. 8 Nr. 4. 
Außerdem erklingt das Oboenkonzert in g-Moll op. 8 Nr. 5 sowie ein weiteres Konzert in C-Dur ohne Opuszahl. Es ist „in einer Abschrift aus dem 18. Jahrhundert erhalten, die sich der musikliebende schwedische Baron Patrick Alströmer (..) für seine private Notenbibliothek anfertigen ließ“, berichtet Mayer in einem ausführlichen Text im Beiheft. Die beiden anderen Konzerte befinden sich in den Beständen der British Library. Und die Edition des Vivaldi-Konzertes, die für diese Einspielung verwendet wurde, beruht auf einem Manuskript, das in der Biblioteca nazionale universitaria di Torino aufbewahrt wird. 
An der weiten Verbreitung dieser Musikstücke kann man noch heute erkennen, wie sehr die Werke italienischer Komponisten seinerzeit in ganz Europa geschätzt und begehrt wurden. Mayer hat eine Auswahl derartiger musikalische Kostbarkeiten zusammengestellt, die man auch heute noch gern hört. „Um dabei intensiv in das spezielle Flair Italiens eintauchen zu können, suchte ich mir als meine Wegbegleiter Musiker, die die Welt kennen, aber italienisch denken, lachen und fühlen“, schreibt der Oboist – „und ich fand sie mit I Musici di Roma, jenem Ensemble, das schon in meiner Kindheit eine Instanz auf dem Gebiet des italienischen Barock- repertoires war.“ 
Nun hat sich aber seitdem die Welt weiter gedreht, und wer Barockmusik als solche hören möchte, der wird heute wohl kaum noch dieses Ensemble dafür wählen. Wer allerdings italienische Lebensfreude und Musizierlust erleben möchte, und wer bei der Oboe insbesondere musikalischen Aus- druck und schöne Töne schätzt, der wird diese CD lieben. Denn Albrecht Mayer ist wirklich ein vortrefflicher Oboist. 

Montag, 11. September 2017

Vivaldi: Fagottkonzerte / Oboenkonzerte (Ars Produktion)

Simon Fuchs, Solo-Oboist des Tonhalle-Orchesters Zürich, und Matthias Rácz, Solofagottist dieses Ensembles sowie des Lucerne Festival Orchestra, präsentieren Konzerte von Antonio Vivaldi. Entstanden sind sie einst für das Mädchenorchester des Ospedale della Pietà in Venedig. Nicht umsonst wird dieses Ensemble in zeitgenössi- schen Reiseberichten immer wieder sehr gelobt. Die jungen Musikerinnen müssen enorm gut ausgebildet und überragend in ihrem jeweiligen Fach gewesen sein; diese Kompositionen jedenfalls sind durchaus anspruchsvoll und bieten selbst heutigen Solisten, auf modernen Instrumenten, so manche Herausforderung. 
Sowohl die Oboe als auch das Fagott waren zu Vivaldis Lebzeiten Innova- tionen. Entsprechend experimentierfreudig werden sie eingesetzt. Bei den Oboenkonzerten beispielsweise orientierte sich der Komponist am Vorbild der Violine, und auch dem Fagott verlangt er, unter anderem mit weiten Intervallsprüngen zwischen Tenor- und Basslage, so einiges ab. 
Eine Auswahl aus dem umfangreichen Repertoire, das Vivaldi für die Oboe und das Fagott geschaffen hat, ist auf dieser CD zu hören. Simon Fuchs und Matthias Rácz spielen virtuos, gekonnt gestalten sie ein abwechs- lungsreiches Programm. Die Solisten musizieren gemeinsam mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester unter Johannes Schlaefli. 

Montag, 7. August 2017

Ristori: Cantatas for Soprano, Oboe Concerto (Audax)

Compositeur de la musique italienne, Kammerorganist, Opernlieferant und geheimer Korrespondent, Kirchen- komponist und schließlich Vize- kapellmeister – Giovanni Alberto Ristori (1692/93 bis 1753) fand am Dresdner Hof seine Lebensstellung. Der Musiker war in Venedig bereits für seine Oper Orlando gefeiert worden, als er 1715 mit der italieni- schen Schauspieltruppe seines Vaters nach Sachsen ging. 
Auch in Dresden war er als Komponist mit seinen Opern hochwillkommen. Besonders wichtig aber wurde er für den Hof als Musiklehrer der sächsischen Prinzessinnen. Nachdem Maria Amalia 1738, gerade einmal 13 Jahre alt, mit Karl, dem König von Neapel und beider Sizilien, verheiratet wurde, wurde auch Ristori nach Italien gesandt. Er glänzte dort mit seinen Opern, erteilte gelegentlich Unterricht – und berichtete dem Dresdner Hof, wie seine Schülerin ihre neue Rolle als Königin und Ehefrau bewältigte. 
Als Ristori 1740 nach Dresden zurückgerufen wurde, brachte er aus Neapel auch die neueste Musik mit. Sie erklang nun im Gottesdienst an der katholischen Hofkirche. Sein üppiges Gehalt und die Ernennung zum Vizekapellmeister unter Johann Adolf Hasse im Jahre 1750 konnte Ristori aber nicht mehr lange genießen. 
Nach dem Tode des Musikers erwarb der Hof seine Notenmanuskripte. Im Druck erschienen ist kein einziges seiner Stücke; neue Komponisten schrieben für den Hof neue Werke, und bald war Ristori vergessen. Um die Jahrhundertwende würdigten einige Musikhistoriker sein Wirken, doch viele der Archivalien, die ihnen noch zur Verfügung standen, gingen im Zweiten Weltkrieg verloren. 
Das Ensemble Diderot hat sich dennoch auf die Spurensuche eingelassen – und aus den verbliebenen Dresdner Notenbeständen drei Solo-Kantaten und ein brillantes Oboenkonzert herausgesucht. Die Libretti der Kantaten schrieb Maria Antonia, eine Tochter Kaiser Karls VII., die 1747 den sächsischen Kurprinzen Friedrich Christian geheiratet hatte. Diese junge Dame aber war nicht nur in der Dichtkunst höchst versiert; sie scheint auch eine exzellente Sängerin, Lautenistin und Cembalistin gewesen zu sein. 
Ihre Kantaten sind Monologe berühmter Heldinnen: Lavinia muss ihrem Geliebten erklären, warum sie gleich einen anderen heiraten wird. Dido, von Aeneas verlassen, geht in den Tod. Und Nice beklagt sich bitter den wankelmütigen Amor – und über die Trennung von ihrem Tirsis. Ristori hat die Leidenschaft dieser Frauen in entsprechend dramatische Musik umgesetzt. Es ist belegt, dass die Kurprinzessin selbst diese Kantaten gesungen hat – in dieser Aufnahme übernimmt die argentinische Sopranistin María Savastano den durchaus anspruchsvollen Part. Die mehrfach preisgekrönte Sängerin wird begleitet vom Ensemble Diderot unter Leitung seines Konzertmeisters Johannes Pramsohler. 
Komplettiert wird diese CD durch die Weltersteinspielung eines Oboenkonzertes, das Ristori für den Oboenvirtuosen Antonio Besozzi geschrieben hat. Dieses grazile Solo, voll Anmut und Charme, spielt Jon Olaberria; und sobald eine Notenedition verfügbar ist, werden dieses hinreißende Konzert wohl auch andere Ensembles nachspielen. 

Dienstag, 23. Mai 2017

Telemann: Oboe Concertos (Brilliant Classics)

Es ist ein würdiges Andenken, das der Andrius Puskunigis mit einem der besten Kammerensembles seiner Heimat Litauen, dem St. Christopher Chamber Orchestra, für den 250. Todestag Georg Philipp Telemanns (1681 bis 1767) vorbereitet hat: Eine charmante Aufnahme von sechs Oboenkonzerten des Komponisten – musikalisch ansprechend, sehr abwechslungsreich und mit hinreißender Spielfreude präsentiert. 
Auch wenn Telemann 1718 in seiner Autobiografie schrieb, dass ihm Konzerte „niemahls recht von Hertzen gegangen sind“, so muss man aus heutiger Sicht feststellen, dass sein Schaffen auch in diesem Bereich nach wie vor unterschätzt wird. Die Werke jedenfalls, die Puskunigis für diese Einspielung ausgewählt hat, verknüpfen elegante Melodien mit fröhlicher Virtuosität – ganz nach italienischem Vorbild; wer die Musik etwa Vivaldis oder Albinonis schätzt, der wird sich garantiert nicht langweilen. 

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Mozart: The Oboe Concerto (Glossa)

Im Jahre 1981 fanden sich Musiker aus mehr als 20 Ländern zusammen, um Musik des 18. und des frühen
19. Jahrhunderts möglichst original- getreu aufzuführen. Unter Leitung seines Gründers Frans Brüggen spielte das Orchestra of the Eighteenth Century ausgewählte Werke von Bach bis Brahms – und war damit bald international sehr erfolgreich. 

Nach dem Tode Frans Brüggens im Jahre 2014 führt das Ensemble nun diese Arbeit weiter, derzeit mit wechselnden Dirigenten. Mehrfach im Jahr geht das Orchestra of the Eighteenth Century auf Tour, und auch eine neue CD ist nun erhältlich. Sie ist dem Schaffen Wolfgang Amadeus Mozarts für Oboe gewidmet; eingespielt wurde sie von dem Oboisten Frank de Bruine gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Orchestra of the Eighteenth Century unter Leitung von Kenneth Montgomery. 
Die CD erinnert daran, dass Bläserkonzerte oftmals ihren Ursprung in Musikerfreundschaften haben. Carl Stamitz beispielsweise komponierte für den Klarinettisten Joseph Beer, Johannes Brahms für Richardt Mühlfeldt. Mozart war befreundet mit dem Flötisten Johann Baptist Wendling, dem Oboisten Friedrich Ramm und dem Fagottisten Georg Wenzel Ritter – alle drei spielten in der legendären Mannheimer Hofkapelle. Und Mozart, 1778 von Mannheim endlich weiter nach Paris gereist, berichtet in Briefen an seinen Vater, er habe eine Sinfonia concertante für Flöte, Oboe, Horn, Fagott und Orchester geschrieben. Aufgeführt wurde dieses Werk nie, aufgefunden ebenfalls nicht – ob es also jemals existiert hat, das lässt sich nicht sicher feststellen. Angeblich beruht die Sinfonia concertante KV 297b darauf; doch sie ist nur in einer Abschrift aus dem 19. Jahrhundert überliefert, das Solistenquartett ist mit Oboe, Klarinette, Horn und Fagott zudem anders besetzt, und auch aus stilistischen Erwägungen heraus wird ihre Echtheit bezweifelt. 
Frank de Bruine hat für diese CD vier Werke ausgewählt, die ohne Zweifel von Mozart stammen: Das Oboenkonzert in C-Dur KV 314 – wesentlich bekannter als Flötenkonzert in D-Dur – das Oboenquartett KV 370, und das Divertimento in D-Dur KV 251 für Oboe, zwei Hörner, zwei Violinen, Viola und Kontrabass, geschrieben vermutlich im Sommer 1776 zum Namenstag von Schwester Nannerl. Die Sängerin Aloysia Weber, in die Mozart sehr verliebt war, bedachte er mit Bravourarien. In Vorrei spie- garvi, oh Dio KV 418 singen Sopran und Oboe um die Wette – Sopranistin Lenneke Ruiten wagt sich an die Partie, die eine exzellente Technik und eine Wahnsinnshöhe verlangt. 

Mittwoch, 14. September 2016

Telemann: The Oboe Album (Accent)

Es war kein Zufall, dass die Leipziger Stadtväter Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) nach dem Tode Johann Kuhnaus 1722 gern als neuen Thomaskantor gewonnen hätten. Zum einen hatte Telemann in Leipzig studiert und zugleich seine Laufbahn als Musiker begonnen; er war an der Pleiße also kein Unbekannter. Zum anderen war er ohne Zweifel damals der wohl bekannteste deutsche Kom- ponist überhaupt; ähnlich prominent war wohl nur noch Händel. 
Über Bach hingegen, der die Stelle schließlich erhielt, nachdem auch ein Christoph Graupner absagen musste, meinten die Stadträte, so steht es im Ratsprotokoll, „da man nun die besten nicht bekommen könne, müße man mittlere nehmen“. Aus der Perspektive des 19. Jahrhunderts heraus aber veränderte sich diese Bewertung: Bach wurde zum Genie, Telemann jedoch wurde zum Vielschreiber, dem die aufkommende Musikwissenschaft zudem Oberflächlichkeit zuschrieb – schließlich hatte er nicht nur Kirchenmusik, sondern obendrein obendrein noch Opern geschrieben.
Aus diesem Grunde aber wird das Werk des Komponisten erst jetzt in seiner vollen Breite erschlossen, sowie in seiner vollen Schönheit und Bedeutung erkannt. Dass sich die Auseinandersetzung mit der Musik Telemanns lohnt, beweist auch die jüngste Doppel-CD mit dem Oboisten Marcel Pon- seele, der bei Accent gemeinsam mit dem Ensemble Il Gardellino Oboen- musik des Meisters eingespielt hat. Die Concerti, Triosonaten, Sonaten und die Partita Belegen Telemanns enormen Einfallsreichtum, und bieten auch klanglich Abwechslung, nicht zuletzt durch eine Vielzahl unter- schiedlicher Besetzungen, aber schlicht auch aufgrund der versierten musikalischen Gestaltung. Dazu kommt bei dieser Aufnahme noch der faszinierende Klang der Barockoboe, die derzeit wohl niemand so virtuos spielt wie Marcel Ponseele. Zu hören sind mehr als zwei Stunden (!) Programm – und keine einzige Sekunde davon habe ich mich gelangweilt. Bravi! Das ist wirklich große Kunst.

Mittwoch, 29. Juni 2016

Vivaldi - Bach - Telemann: Oboe Concertos (Supraphon)

Eine schöne Einspielung barocker Oboenkonzerte ist bei Supraphon erschienen. Vilém Veverka, Oboe, spielt diese gemeinsam mit dem Ensemble 18+ und der Cembalistin Barbara Maria Willi. Es erklingen die Konzerte RV 455 und 450 von Antonio Vivaldi, TWV 51:d1 von Georg Philipp Telemann und die (rekonstruierten) Konzerte BWV 1059 und 49/169 von Johann Sebastian Bach. Bei Vivaldis Konzert für zwei Oboen, Streicher und Basso continuo RV 535 übernimmt Dominik Wollenweber einen Oboenpart. Musiziert wird historisch informiert auf, abgesehen vom Cembalo, modernen Instrumenten. 

Freitag, 6. März 2015

Lost and Found - Albrecht Mayer (Deutsche Grammophon)

Die Oboe war zur Zeit der Wiener Klassik als Musikinstrument allgegenwärtig. Sie erklang sowohl im Freien, wenn beispielsweise eine Serenade gespielt wurde, als auch in der Kirche und im Konzertsaal. Entsprechend viele Musiker spielten Oboe, und natürlich schrieben sie ebenso viele Konzerte für „ihr“ Instrument. Das befand sich seiner- zeit noch in der Entwicklung, und so dokumentieren diese Musikstücke nicht zuletzt auch die jeweiligen technischen Möglichkeiten der Oboenvirtuosen. Um so verblüffender erscheint allerdings die Tatsache, dass davon heute kaum noch etwas im Konzert zu hören ist. 
Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker, hat sich darüber ebenfalls gewundert. Und so ging der Musiker auf die Suche nach Alterna- tiven zu Mozarts berühmtem Oboenkonzert. Dabei durchstöberte er zunächst das Internet und anschließend jene Archive und Bibliotheken, die aufgrund der digitalen Fundstellen Erfolg versprachen. Bei der Recherche unterstützte ihn tatkräftig Adelheid Schloemann, beim Sichten der Manu- skripte Albert Breier. Das Projekt war von Erfolg gekrönt: Mayer hat mit seinem kleinen Team sagenhafte 120 Konzerte aufgespürt. Einige davon sind mittlerweile bereits als Notenedition verfügbar. 
Die vier schönsten präsentiert der Oboist nun, begleitet von der Kammer- akademie Potsdam, auf seinem neuen Album Lost and Found. Es sind drei Oboenkonzerte von Franz Anton Hoffmeister (1754 bis 1812), Jan Antonín Koželuch (1738 bis 1814)– dem älteren Vetter des Klaviervirtuosen Leopold Anton Koželuch, mit dem er oftmals verwechselt wird (das ist kurioser- weise auch im Beiheft zu dieser CD passiert) – und Ludwig August Lebrun (1752 bis 1790), der allerdings nicht in Wien, sondern in Mannheim wirkte. Sein g-Moll-Oboenkonzert ist wirklich sehr schön, und auch wenn es keineswegs „verloren“ war, so ist doch nachvollziehbar, dass Mayer dieses Werk seines berühmten Kollegen hier mit einspielen wollte. 
Aus Böhmen stammte Joseph Fiala (1748 bis 1816). Nach seiner Flucht aus der Leibeigenschaft musizierte er zunächst am Hof von Oettingen-Wallerstein, dann in München, und schließlich in Salzburg, wo er allerdings entlassen wurde, als er aufgrund eines Lungenleidens nicht mehr Oboe spielen konnte. Und so war Fiala dann den Rest seiner Tage als Cellist sehr erfolgreich. „Trotz aller Recherche wissen wir leider immer noch nicht, ob es sich bei dem Konzert von Joseph Fiala auf diesem Album tatsächlich um das Konzert für Englischhorn handelt, von dem Wolfgang Amadeus Mozart seinem Vater in einem Brief vorschwärmte; auch kennen wir das Instrument nicht, für das dieses Konzert in extrem hoher Lage geschrieben wurde“, teilt Mayer im Beiheft mit. „Durch die Transponierung nach C-Dur liegt es aber nun perfekt für das heutige Englischhorn und wird sicher spätestens jetzt seinen wohlverdienten Stammplatz im Repertoire erobern.“ 
Die von Mayer ausgewählten Konzerte begeistern nicht nur durch ihre zauberhaften Oboen-Soli, sondern auch durch einen zumeist wohlausge- wogenen Dialog zwischen dem Solisten und dem Orchester. So liefert die Kammerakademie Potsdam dem Oboisten, der auch selbst dirigiert, nicht nur die Klangkulisse, vor der sich die Solostimme präsentiert. Man höre nur die Hörner im Hoffmeister-Konzert – wirklich exzellent! Diese CD ist wirklich rundum erfreulich und sehr hörenswert.

Samstag, 21. Februar 2015

Concerti veneziani per oboe (Arcana)

Die Oboe begann ihre Karriere im
17. Jahrhundert in Frankreich, wo sie aus der Schalmei hervorgegangen ist. Sie war bei Hofe bald ebenso gefragt wie als Militärinstrument. Und was dem französischen König behagte, das wollten natürlich auch all die anderen Herrscher Europas haben. So war die Oboe bald weit verbreitet. Um 1690 wurde sie dann auch in Italien gespielt. Etwa zum gleichen Zeitpunkt entstand in Italien das concerto, eine innovative Form des Musizierens, bei der Soli und Tutti einander abwechselten, begleitet vom Basso continuo. Und die Oboe erhielt in diesen neuartigen Werken umgehend ihren attraktiven Platz. 

Barock-Oboist Alfredo Bernardini hat auf dieser CD mit seinem Ensemble Zefiro einige der schönsten Konzerte zusammengestellt, die damals in der Musikmetropole Venedig für die Oboe geschrieben wurden. Neben bekannten Werken von Antonio Vivaldi, Tomaso Albinoni, Giuseppe Sammartini und Alessandro oder Benedetto Marcello – letzteres weiß man wohl nicht so genau – finden sich auch zwei Konzerte von Giovanni Benedetto Platti (1697 bis 1763) sowie von Diogenio Bigaglia (vermutlich 1676 bis 1745). Platti wirkte nach 1722 am Hofe des Fürstbischofs von Bamberg und Würzburg. Bigaglia war Benediktiner. Er lebte im Kloster
S. Giorgio Maggiore auf der gleichnamigen venezianischen Insel, und hat dort eine Vielzahl von Musikstücken geschaffen. 

Zefiro musiziert in solistischer Besetzung; nur das Continuo ist mitunter mehrfach besetzt. Das bringt zum einen Klangfarbe, zum anderen verstärkt es das Fundament, was dem Gesamtklang zugute kommt. Die Musiker spielen auf Originalen oder aber Nachbauten historischer Instrumente aus der Entstehungszeit der Konzerte. Bernardini lässt eine Oboe erklingen, die der Mailänder Instrumentenbauer Giovanni Maria Anciuti 1730 angefertigt hat. Er beeindruckt durch einen schönen, runden Ton, und lässt seine Oboe so richtig singen. Auch die anderen Mitglieder des kleinen Ensem- bles musizieren versiert und temperamentvoll. Ein schönes Album, das einen sonnigen Tag so richtig zum Strahlen bringen kann. 

Freitag, 1. August 2014

Vivaldi: Complete Oboe Concertos (Brilliant Classics)

Die Oboenkonzerte von Antonio Vivaldi (1678 bis 1741) hat Pier Luigi Fabretti gemeinsam mit dem Ensemble L’Arte dell’Arco einge- spielt. Dabei verwendete der Oboist ein Instrument von Pau Orriols, Vilanova i la Geltrú, dass dieser 2008 nach einem Original aus der Zeit um 1720 von Thomas Stanesbury Junior angefertigt hat. Die Barock-Oboen hatten noch nicht die heute übliche komplizier- te Mechanik; sie unterscheiden sich in der Spielweise und im Klang doch erheblich von den modernen Instrumenten. Insofern erscheint es sinnvoll, im Interesse eines authentischen Klangbildes eine Oboe zu wählen, wie sie zur Zeit Vivaldis gespielt wurde. 
Fabretti hat eigens für diese Einspielung zudem eine kritische Edition sämtlicher Konzerte des Komponisten erstellt. Das war mit Sicherheit ein aufwendiges Projekt, zumal nicht alle Oboenkonzerte Vivaldis in gedruckter Form vorliegen. Und so wertete Fabretti auch etliche Ma- nuskripte aus, die sich in Turin, Lund und Uppsala sowie in Dresden und in Wiesentheid befinden. 
Auf drei CD ist nun das Ergebnis dieser Recherchen zu hören. Einge- spielt wurden sämtliche Oboenkonzerte Vivaldis. Dabei handelt es sich um sechs Konzerte, die im Druck erschienen sind (CD 1), die sieben Werke des „Turiner Manuskripts“ (CD 2) und sieben weitere Konzerte, die als Abschriften in den verschiedenen europäischen Sammlungen (CD 3) erhalten blieben. Einige davon erklingen in Weltersteinspielung. 
Man staunt, doch dies ist zudem die erste Gesamtaufnahme dieser Konzerte auf historischen Instrumenten. Fabretti musiziert virtuos und klangschön, versiert unterstützt durch die Musiker von L’Arte dell’Arco um Konzertmeister Federico Guglielmo. Vivaldis Oboenkonzerte haben ihren Charme, aber gelegentlich auch ihre Längen. Möglicherweise sollte man daher diese Edition in kleinen Häppchen genießen – eine Schachtel köstliche Pralinés wird wohl ebenfalls niemand in einem Zuge leeressen. 

Donnerstag, 1. Mai 2014

Carl Philipp Emanuel Bach: Concertos for various instruments (Accent)

Nach den Gebrüdern Graun, Jo- hann Friedrich Fasch und Johann Gottlieb Janitsch hat sich das Ensemble Il Gardellino nun einer weiteren Musikerpersönlichkeit zugewandt, die das Berliner Musikleben zur Zeit Friedrichs des Großen maßgeblich mit geprägt hat: Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788), dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 300. Male jährt. Er wirkte von 1738 bis 1768 als Hofcembalist des selbst hervorragend Flöte spielenden Königs. 
Friedrich von Preußen schätzte „seinen“ Bach durchaus; doch die Stücke, die dieser komponierte, erweckten bei dem in musikalischen Dingen eher konservativen Monarchen wenig Begeisterung. Ähnli- ches mussten auch andere Hofmusiker erleben – was letzten Endes dazu führte, dass sie die adligen und großbürgerlichen Salons Berlins und Potsdams mit ihren Werken bereicherten. Daraus entwickelten sich regelrechte Konzertreihen, wie die legendären Freitagsakade- mien im Hause Janitsch. Auch Carl Philipp Emanuel Bach war an diesen Aufführungen beteiligt. Drei seiner Konzerte hat das Ensemble Il Gardellino für diese CD ausgewählt. Es handelt sich dabei um das Flötenkonzert Wq 13, das Violoncellokonzert Wq 170 und das elegan- te Oboenkonzert Wq 164. Als Solisten musizieren Jan De Winne, Emmanuel Balssa und Marcel Ponseele. Es ist traumhaft schöne Musik. Insbesondere das Cellokonzert erweist sich als eine echte Bereicherung des Repertoires; es ist wirklich originell und hätte einen Platz im Konzertleben verdient. Besten Dank für diese Entdeckung! 

Freitag, 7. März 2014

Graun: Oboe Concertos (Accent)

„Das umfangreiche, erst 2006 von Christoph Henzel erstellte Graun-Werkverzeichnis dürfte wohl das einzige sein, das sich gleich zwei Komponisten widmet“, schreibt Bernhard Blattmann in dem informativen Beiheft zu dieser CD. „In ihm verzeichnet sind die Werke der beiden komponierenden Brüder Johann Gottlieb (1701 bis 1771) und Carl Heinrich Graun (1703 bis 1759).“ 
Sie wirkten beide die am Hof Friedrichs II. Ihre Werke sind oftmals nur in Abschriften überliefert, wo als Autor dann „Sign. Graun“ genannt ist – aber welcher? Diese Frage stellten sich aber schon ihre Zeitgenossen. Schon Johann Georg Pisendel, Konzertmeister am Dresdner Hof, meinte in einem Brief an seinen Kollegen Telemann: „Mit denen Herren Grauens wird gemeiniglich eine Confusion, die schönsten u feurigsten mit Douceur melierten Sinfonien sind nicht von dem berühmten Herrn CapellMr Graun, sondern von seinem Bruder dem ConcertMr.“ 
Oftmals lässt sich aber selbst die Autorschaft eines der beiden Brüder nicht zweifelsfrei nachweisen. Von solchen Authentizitätsfragen un- beeindruckt, hat die Oboistin Xenia Löffler auf dieser CD gemeinsam mit der Batzdorfer Hofkapelle einige Werke eingespielt, die zwar möglicherweise von umstrittener Echtheit, jedoch garantiert sehr reizvoll sind. Auch wenn es mit keinem Wort erwähnt wird – aber zumeist dürfte es sich um Weltersteinspielungen handeln. Musiziert wird gekonnt, wie man es bei den „Alte“-Musik-Enthusiasten um Stefan Maass mittlerweile erwartet. Eine gelungene CD, die ich nur empfehlen kann. 

Montag, 12. September 2011

Oboenkonzerte (Genuin)

Ramón Ortega Quero, Solo-Oboist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, hat erneut Barockkonzerte eingespielt. Doch nur das Konzert für Oboe d'amore und Basso continuo A-Dur, TWV 51:A2 von Georg Philipp Telemann ist ursprünglich für "sein" Instru- ment entstanden. Ansonsten macht sich der Solist einen Brauch zunutze, der zur Barockzeit gang und gäbe war. So hat Bach seine Oboenkonzerte für Cembalo oder Violine bearbeitet. Das Original aber ist verloren - und wer diese Werke heute auf der Oboe spielen will, der muss sich erst die entsprechende Fassung schreiben. Für das Konzert für Cembalo, Streicher und Basso continuo  BWV 1056 existierte bereits eine derartige Rekonstruktion; für das Violinkonzert BWV 1041 hat Ortega Quero selbst eine erarbeitet und hier gemein- sam mit der Kammerakademie Potsdam in Ersteinspielung aufgenom- men. Die CD beginnt mit dem Konzert für Flöte, Streicher und Cemba- lo d-Moll Wq. 22 von Carl Philipp Emanuel Bach, ebenfalls angepasst an die Möglichkeiten der Oboe. 
Der Ton von Ramón Ortega Quero ist in jüngster Zeit weicher gewor- den, runder, singender; nur in der Höhe gerät er zuweilen noch ein wenig spitz. Die Kammerakademie Potsdam sekundiert dem Solisten sachkundig und temperamentvoll.  

Sonntag, 21. November 2010

Bach: Oboe Concertos (BIS)

Der Oboe war Bach sehr verbun- den. Seine Kantaten enthalten mehr Soli für dieses als für jedes andere Instrument. Erstaunli- cherweise ist aber kein einziges größeres konzertantes Werk des Komponisten für die Oboe erhal- ten. Dabei begleitete das Instru- ment Bach sein Leben lang. So wirkte Bachs Bruder Johann Jacob  Bach (1682 bis 1722) zunächst in der Eisenacher Hofkapelle als Hautboist, und später im Dienst Karls XII. von Schweden.
In Weimar und Köthen müssen Bach exzellente Bläser zur Seite ge- standen haben; und Leipzig war damals ohnehin eine Oboen-Hoch- burg mit mindestens vier Holzblasinstrumentenbauern und einer Vielzahl engagierter Musiker. Die Oboisten Caspar Gleditsch und Gottfried Kornagel waren wie Bach städtische Angestellte und spielten an der Thomaskirche. Schon 1722 hörte Bach Gleditsch auf der kurz zuvor in Leipzig erfundenen Oboe d'amore. 
Mit den Soli aus den Kantaten, die Bach seinerzeit für diese großarti- gen Musiker komponierte, geben sich Oboisten aber ungern zufrie- den. Und so begaben sich immer wieder Neugierige auf die Spurensuche - mit Erfolg: Schon seit 1886 wird das Doppelkonzert BWV 1060 auch mit Violine und Oboe besetzt. In den 30er Jahren wurde zudem entdeckt, dass sowohl die Phrasierung als auch der Tonumfang der Solopartie von BWV 1055 präzise auf die Oboe d'amore passt. Musikwissenschaftler sind zudem der Meinung, das Adagio aus dem Oster-Oratorium BWV 249, um einen Ganzton tiefer transponiert, sei der originale Mittelsatz dieses Konzertes. 
Auf dieser CD, die mit zwei aus Kantaten "rekonstruierten" Oboen- konzerten in F-Dur und in d-Moll beginnt, erklingt dieser Satz allerdings vor dem Konzert - was eine hübsche Idee ist, weil diese Placierung zum Vergleich geradezu einlädt. Alexej Leonidowitsch Ogrintschuk, derzeit Solo-Oboist am Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam, musiziert hier gemeinsam mit Alina Ibragimova, Violine, (im Doppelkonzert), Reinut Tepp, Cembalo, und dem Swedish Chamber Orchestra, Örebro, das er bei dieser Aufnahme auch leitet. Die Einspielung ist hervorragend, was nicht zuletzt an dem samt- weichen, geschmeidigen Oboenton Ogrintschuks liegt. Er gehört ohne Zweifel zu den besten Oboisten der Welt, und er wird auf dieser CD von exzellenten Musikern begleitet. Bravi!

Montag, 12. April 2010

Albinoni Vivaldi - Oboe Concertos (Helios)

Eine traumschöne CD, aufgezeich- net 1990, die Liebhaber barocker Bläsermusik bezaubern wird: Paul Goodwin, Oboe, spielt gemeinsam mit dem King's Consort unter Robert King Konzerte von Albinoni und Vivaldi. 
Antonio Vivaldi schrieb zwei Kon- zerte für jeweils ein Paar Oboen und Klarinetten - seinerzeit eine geradezu avantgardistische Beset- zung, denn die (Barock-)Klarinette war gerade erst erfunden, und so- zusagen bei ihren ersten Schritten als Soloinstrument. Vivaldi setzt die Klarinetten sowohl gemeinsam mit den Oboen als Concertino-Gruppe als auch im Paar kontrastie- rend, imitierend und alternierend zu den Oboen ein. Im Concerto  RV560, mit dem die CD beginnt, überlässt er den langsamen Satz ganz den Oboen, die über den Streichern anmutig ihre Melodie singen. Im Concerto RV559 hingegen, das die CD beschließt, ist der Mittelsatz den Bläsern allein vorbehalten, die hier sogar ohne Continuo musi- zieren - dankbare Aufgaben für die beteiligten Musiker, die ihren Part durchweg virtuos und - das Wort sei hier gestattet - mit Grazie spielen.
Die CD enthält zudem Vivaldis Oboenkonzert in F-Dur RV455 und vier Konzerte von Tomaso Albinoni. Zwei davon sind für zwei Oboen geschrieben, eines für Trompete, drei Oboen, Fagott und Continuo. Das stärkste aber, das Concerto in d-Moll op.9 Nr.2, beschränkt sich in der Besetzung auf Oboe und Streicher - melodisch hinreißend, und, zumal im letzten Satz, auch technisch hochvirtuos.