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Dienstag, 19. Januar 2010

Erwin Schrott: Arias by Mozart, Verdi, Berlioz, Gounod & Meyerbeer (Decca)


Erwin Schrott, bekannt geworden dank Klatschpresse als Vater des Netrebko-Babys, schaut vom Cover dieser CD wie ein Boss-Model. Doch die Dämonie, die die Typographie ebenso wie die Auswahl der Arien suggeriert, habe ich in seinem Gesang nicht wiedergefunden. Die Teufel von Berlioz, Gounod und Meyerbeer singt er sauber - und?!
Am besten gefällt mir der uruguayische Bassbariton als enttäuschter Philippe von Spanien, der feststellen muss, dass ihn seine Frau Elisabeth nur aus Gründen der Staatsraison geheiratet hat. Verdi liegt ihm, keine Frage.
Über die Stimme des Sängers ist nicht viel zu sagen - leider auch nicht viel Gutes. Seine Technik ist solide, aber nicht überragend. Und es fehlt seinen Interpretationen an Ecken und Kanten; das Ergebnis: Klangbrei, zum Sattlöffeln und Wohlfühlen, doch ohne Wieder-erkennungswert.
Mozart jedenfalls können andere besser. Schrott nimmt man letzten Endes weder einen Figaro noch einen Leporello oder einen Don Giovanni ab - da fehlt etwas, was ein guter Freund unnachahmlich zutreffend  "vokalen Sex Appeal" genannt hat. Schrotts Gesang führt das Publikum nicht in Versuchung; das Prickeln bleibt aus. Schade.

Freitag, 11. September 2009

Händel: Arien; Danielle de Niese (Decca)

Die australische Sopranistin Danielle de Niese hat für ihr Album "starke Heldinnen" ausgesucht und "intelligente Charaktere". Zu ihrer Persönlicheit dürfte dies ohne Zweifel passen. Zur Stimme der jungen Sängerin, einem lyrischen Sopran reinsten Wassers, passt dies aber leider meistens nicht. Sehr hübsch gelingen ihr die Arien aus "Apolle e Dafne", "Armadigi di Gaula" und "Semele". Doch Partien wie Medea, Armida oder Cleopatra brauchen mehr Volumen, als ihr derzeit zur Verfügung steht. Die Sängerin versucht, das über Vibrato auszugleichen - zum Teil sogar in den Koloraturen, die dadurch unsauber und verwischt klingen.  Das ist kein Hörvergnügen - auch Les Arts Florissants können mit ihrer perfekten Begleitung da nichts retten.

Dienstag, 12. Februar 2008

Fritz Wunderlich: Sacred Arias (Deutsche Grammophon)

Fritz Wunderlich gehört ohne Zweifel zu den größten Tenören aller Zeiten. Leider dauerte seine Karriere nur wenige Jahre; 1966 kam der Sänger unter ungeklärten Umständen zu Tode. Dass sein Name nicht länger nur Insidern bekannt ist, ist nicht zuletzt das Verdienst der Deutschen Grammophon. Die Plattenfirma hat in jüngster Zeit etliche Wunderlich-Aufnahmen aufgespürt und vorgelegt. So bietet die CD „Sacred Arias“ einen Querschnitt durch das geistliche Repertoire und zugleich eine Dokumentation der Entwicklung des Sängers von den Anfängen 1956 bis zu seinem viel zu frühen Tod. Die CD beginnt mit Ausschnitten aus Händels „Messias“ – eine grandiose Aufnahme, die erstaunlich frisch wirkt, und die man gern im Ganzen hören würde. Es folgen Arien aus verschiedenen Bach-Kantaten und aus der Matthäus-Passion. Drei Stücke aus Verdis Requiem, aufgezeichnet 1960, lassen ahnen, wohin sich die Stimme möglicherweise hätte entwickeln können, wenn Wunderlich die Zeit dazu beschieden gewesen wäre. Das Leistungsvermögen des Sängers aber offenbaren vor allem die Stücke aus Haydns „Schöpfung“, eingespielt mit den Wiener Philharmonikern unter Herbert von Karajan 1965, in Wunderlichs vorletzter Festspielsaison in Salzburg. Dabei zeigt der Tenor erneut jene einzigartige Kombination aus Gesangskultur und musikalischer Sensibilität, die seine Interpretationen so unverwechselbar macht. Letztes Stück auf der CD: Eine Arie aus Bachs Weihnachtsoratorium, aufgezeichnet 1965 mit dem Münchner Bach-Orchester unter Karl Richter. Auch davon wünscht man sich durchaus mehr.