Schülerkonzerte von Friedrich Seitz (1848 bis 1918) kennt wohl jeder, der irgendwann Geige spielen gelernt hat. Die Biographie des Musikers ist in diesem Blog an anderer Stelle nachzulesen. Seitz war nicht nur ein gefragter Virtuose, sondern auch ein geschickter Musikpädagoge; er hat noch Geigenschüler unterrichtet, als er selbst auf das Konzertpodium schon verzichtet hatte.
Mit dieser CD komplettieren die Geigerin Hyejin Chung und der Pianist Warren Lee ihre Gesamt- aufnahme von Seitz' Schüler-Violinkonzerten. Sie stellen höchst unterschiedliche technische Anforderungen, bei steigendem Schwierigkeitsgrad. Musikalisch sind sie ebenfalls interessant gestaltet, und diese Einspielung zeigt, dass sie den jungen Solisten in der Tat alle Möglichkeiten bieten, sich ansprechend zu präsentieren.
Hyejin Chung und Warren Lee lassen Seitz' Unterrichtswerke wie kleine Juwelen funkeln – mit vielen klanglichen Facetten, sorgsam gestaltet, und mit Charme vorgetragen. Schade, dass diese Edition nun schon komplett ist.
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Samstag, 4. Mai 2019
Sonntag, 22. Juli 2018
à la francaise - Duos der französischen Romantik für Kunstharmonium & Klavier (Christophorus)
Als „Orgue à Double-Expression“, „Harmonium d'Artiste“ oder auch „Harmonium d'Art“ erlebte das Kunstharmonium in Frankreich um die Jahrhundertwende eine kurze Blütezeit. Um 1900 wurden dort doppelt so viele Harmonien wie Klaviere verkauft. Zu den führenden Instrumentenbauern in diesem Markt gehörten Victor Mustel (1815 bis 1890) sowie seine Söhne Charles und Auguste.
Ihrem Vermächtnis ist diese CD gewidmet; Jan Hennig und Ernst Breidenbach musizieren auf Kunst- harmonium und Piano. Die Instrumente sind Originale – der Konzert- flügel ist ein klangschöner Erard aus dem Jahre 1858, mit sommier de bronze, und das Harmonium aus dem Jahre 1902 verfügt im oberen Bereich zusätzlich über ein Celesta, übrigens ebenfalls eine Erfindung von Victor Mustel. Das Instrument wurde seinerzeit nach Deutschland verkauft, und erklingt nun wieder nach sorgfältiger Restauration.
Für diese Einspielung haben die beiden Musiker Werke ausgewählt, wie man sie damals auch im Konzertsaal des Pariser Harmoniumbauers hätte hören können. Und so reicht das Programm von kleinen Salonstücken bis hin zu wirklich großer Musik, wie der Sonate op. 55 von Adolphe Blanc (1828 bis 1885) oder Prélude et Fugue op. 28 von Marie Prestat. Durchweg handelt es sich um Raritäten, die man sonst wahrscheinlich nirgends hören kann.
Mit großem Engagement machen Jan Hennig und Ernst Breidenbach auf ein Kapitel der europäischen Musikgeschichte aufmerksam, das wieder- zuentdecken sich durchaus lohnt. Denn die Klangkombination Konzert- flügel – Kunstharmonium ist eine sehr aparte, die außerordentlich viele Klangfarben zu bieten hat, und hinreißende Effekte ermöglicht. Meine unbedingte Empfehlung!
Ihrem Vermächtnis ist diese CD gewidmet; Jan Hennig und Ernst Breidenbach musizieren auf Kunst- harmonium und Piano. Die Instrumente sind Originale – der Konzert- flügel ist ein klangschöner Erard aus dem Jahre 1858, mit sommier de bronze, und das Harmonium aus dem Jahre 1902 verfügt im oberen Bereich zusätzlich über ein Celesta, übrigens ebenfalls eine Erfindung von Victor Mustel. Das Instrument wurde seinerzeit nach Deutschland verkauft, und erklingt nun wieder nach sorgfältiger Restauration.
Für diese Einspielung haben die beiden Musiker Werke ausgewählt, wie man sie damals auch im Konzertsaal des Pariser Harmoniumbauers hätte hören können. Und so reicht das Programm von kleinen Salonstücken bis hin zu wirklich großer Musik, wie der Sonate op. 55 von Adolphe Blanc (1828 bis 1885) oder Prélude et Fugue op. 28 von Marie Prestat. Durchweg handelt es sich um Raritäten, die man sonst wahrscheinlich nirgends hören kann.
Mit großem Engagement machen Jan Hennig und Ernst Breidenbach auf ein Kapitel der europäischen Musikgeschichte aufmerksam, das wieder- zuentdecken sich durchaus lohnt. Denn die Klangkombination Konzert- flügel – Kunstharmonium ist eine sehr aparte, die außerordentlich viele Klangfarben zu bieten hat, und hinreißende Effekte ermöglicht. Meine unbedingte Empfehlung!
Montag, 7. Mai 2018
Reutter: Arie & Sinfonie (Accent)
Johann Adam Joseph Karl Georg Reutter (1708 bis 1772) war offenbar ebenso fleißig wie begabt: Schon als 14jähriger vertrat er seinen Vater im Dienst – dieser war Dom- und Hoforganist in Wien, und man kann sich vorstellen, dass die Anforderun- gen, die der musikliebende und sachkundige Kaiser Karl VI. an seine Virtuosen stellte, nicht gerade gering waren.
Dennoch befürwortete Hofkapell- meister Johann Joseph Fux (1660 bis 1741) die wiederholte Bewerbung des jungen Musikers um eine Hof- scholarenstelle nicht. Möglicherweise lag dies mit daran, dass Georg Reutter d.J. seinen Kompositionsunterricht beim Vizekapellmeister Antonio Caldara erhielt – und dass die ersten Werke, die der Bewerber bei Hofe vorgestellt hatte, dort mit großem Beifall bedacht worden waren.
Wie auch immer - Reutter reiste 1729 erst einmal nach Italien. Nach seiner Rückkehr 1731 ernannte ihn der Kaiser zum Hofkomponisten. 1738 wurde der Musiker Amtsnachfolger seines Vaters, der mittlerweile zum Ersten Kapellmeister am Stephansdom aufgestiegen war. In dieser Position war er auch für die Sängerknaben verantwortlich. So holte Reutter Joseph Haydn nach Wien und sorgte für dessen musikalische Unterweisung.
1740 wurde Reutter in den Adelsstand erhoben. 1746 machte Kaiserin Maria Theresia ihn zum Vize-Hofkapellmeister, sein Bereich war die Sakralmusik. Ab 1751 war Reutter faktisch für die gesamte Tafel-, Kammer- und Kirchenmusik zuständig, die er dazu unter abenteuerlichen Bedingungen pachten musste. Doch erst 1769 wurde er endlich Hofkapell- meister.
Nach seinem Tode gelangte sein Nachlass über seinen Sohn, den Abt Marian, in das Archiv des Stiftes Heiligenkreuz. Auf dieser CD sind drei Werke aus diesen Beständen zu hören – eine Sinfonia in D-Dur, ein Concerto per il clarino sowie ein verträumter, fast schon klassisch schlichter Einzelsatz, der Pizzicato überschrieben ist.
Komplettiert wird das Programm durch die Sinfonia in g-Moll aus La Betula Liberata, einer azione sacra, sowie durch ausgewählte Arien, die sich sämtlich dadurch auszeichnen, dass das Hackbrett bei der Begleitung der Singstimme einen wichtigen Part übernimmt. Das Salterio war damals groß in Mode, und am Wiener Hof gab es gleich zwei Virtuosen, die es exzellent spielten. Sängerin Olivia Vermeulen ist bei dieser Aufnahme im Dialog zu hören mit Elisabeth Seitz, die dieses in Vergessenheit geratene Instrument auf das Schönste wieder zum Erklingen bringt. Auch sonst ermuntert das Ensemble Nuovo Aspetto mit dieser CD zur Wieder- entdeckung eines Wiener Meisters, dem die Musikgeschichtsschreibung ziemlich übel mitgespielt hat. Die Aufnahme jedenfalls zeigt: Es lohnt sich!
Dennoch befürwortete Hofkapell- meister Johann Joseph Fux (1660 bis 1741) die wiederholte Bewerbung des jungen Musikers um eine Hof- scholarenstelle nicht. Möglicherweise lag dies mit daran, dass Georg Reutter d.J. seinen Kompositionsunterricht beim Vizekapellmeister Antonio Caldara erhielt – und dass die ersten Werke, die der Bewerber bei Hofe vorgestellt hatte, dort mit großem Beifall bedacht worden waren.
Wie auch immer - Reutter reiste 1729 erst einmal nach Italien. Nach seiner Rückkehr 1731 ernannte ihn der Kaiser zum Hofkomponisten. 1738 wurde der Musiker Amtsnachfolger seines Vaters, der mittlerweile zum Ersten Kapellmeister am Stephansdom aufgestiegen war. In dieser Position war er auch für die Sängerknaben verantwortlich. So holte Reutter Joseph Haydn nach Wien und sorgte für dessen musikalische Unterweisung.
1740 wurde Reutter in den Adelsstand erhoben. 1746 machte Kaiserin Maria Theresia ihn zum Vize-Hofkapellmeister, sein Bereich war die Sakralmusik. Ab 1751 war Reutter faktisch für die gesamte Tafel-, Kammer- und Kirchenmusik zuständig, die er dazu unter abenteuerlichen Bedingungen pachten musste. Doch erst 1769 wurde er endlich Hofkapell- meister.
Nach seinem Tode gelangte sein Nachlass über seinen Sohn, den Abt Marian, in das Archiv des Stiftes Heiligenkreuz. Auf dieser CD sind drei Werke aus diesen Beständen zu hören – eine Sinfonia in D-Dur, ein Concerto per il clarino sowie ein verträumter, fast schon klassisch schlichter Einzelsatz, der Pizzicato überschrieben ist.
Komplettiert wird das Programm durch die Sinfonia in g-Moll aus La Betula Liberata, einer azione sacra, sowie durch ausgewählte Arien, die sich sämtlich dadurch auszeichnen, dass das Hackbrett bei der Begleitung der Singstimme einen wichtigen Part übernimmt. Das Salterio war damals groß in Mode, und am Wiener Hof gab es gleich zwei Virtuosen, die es exzellent spielten. Sängerin Olivia Vermeulen ist bei dieser Aufnahme im Dialog zu hören mit Elisabeth Seitz, die dieses in Vergessenheit geratene Instrument auf das Schönste wieder zum Erklingen bringt. Auch sonst ermuntert das Ensemble Nuovo Aspetto mit dieser CD zur Wieder- entdeckung eines Wiener Meisters, dem die Musikgeschichtsschreibung ziemlich übel mitgespielt hat. Die Aufnahme jedenfalls zeigt: Es lohnt sich!
Montag, 8. Januar 2018
Seitz: Concertos for Violin and Piano Nos. 1-5 (Naxos)
Friedrich Seitz (1848 bis 1918), Sohn eines Landwirtes aus Günthersleben bei Gotha, erlernte das Geigenspiel in Sondershausen bei Karl Wilhelm Uhlrich und in Dresden bei Hofkon- zertmeister Johann Christoph Lauterbach. 1869 begann er seine Laufbahn als Geiger am Sonders- häuser Hoforchester – das damals von Max Bruch geleitet wurde.
1876 wurde er Konzertmeister in Magdeburg, wo er auch eine Musik- schule gründete. Ab 1884 war er zudem Dirigent des Dessauer Hoforchesters.
Seitz gehört außerdem zu den prägenden Persönlichkeiten in der Geschichte der Bayreuther Festspiele nach Richard Wagner: Ab 1888 wirkte er als Konzertmeister des Festspielorchesters auf dem grünen Hügel. Auch als reisender Violinvirtuose war der Musiker sehr gefragt. 1908 trat er schließlich wegen eines Nervenleidens in den Ruhestand, wobei er auch weiterhin komponierte und Violinunterricht gab. Seine bekannteste Geigenschülerin war übrigens Filmdiva Marlene Dietrich.
Für den Unterricht schrieb Friedrich Seitz eine ganze Reihe von Konzerten für Violine und Klavier. Sie werden noch heute von Violinpädagogen rege genutzt, denn sie bieten schöne Melodien, und solistische Aufgaben von höchst unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. So kann der Lehrende seinem Geigenschüler aus den Seitz-Konzerten immer wieder ein Pensum zuweisen, dass zu dessen Leistungsstand gewissermaßen maßgeschneidert passt.
Wer Geige spielen gelernt hat, der kennt daher üblicherweise Seitz' Schülerkonzerte – und sie sind der Grund dafür, dass der Name dieses Geigers noch heute präsent ist. Wie charmant diese Werke klingen können, wenn sie Könner spielen, das zeigt eine Einspielung aus dem Hause Naxos: Geigerin Hyejin Chung stellt auf dieser CD gemeinsam mit dem Pianisten Warren Lee die ersten fünf Seitz-Konzerte vor, und sie präsentiert die kleinen Kostbarkeiten liebevoll und mit schönem Ton.
1876 wurde er Konzertmeister in Magdeburg, wo er auch eine Musik- schule gründete. Ab 1884 war er zudem Dirigent des Dessauer Hoforchesters.
Seitz gehört außerdem zu den prägenden Persönlichkeiten in der Geschichte der Bayreuther Festspiele nach Richard Wagner: Ab 1888 wirkte er als Konzertmeister des Festspielorchesters auf dem grünen Hügel. Auch als reisender Violinvirtuose war der Musiker sehr gefragt. 1908 trat er schließlich wegen eines Nervenleidens in den Ruhestand, wobei er auch weiterhin komponierte und Violinunterricht gab. Seine bekannteste Geigenschülerin war übrigens Filmdiva Marlene Dietrich.
Für den Unterricht schrieb Friedrich Seitz eine ganze Reihe von Konzerten für Violine und Klavier. Sie werden noch heute von Violinpädagogen rege genutzt, denn sie bieten schöne Melodien, und solistische Aufgaben von höchst unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. So kann der Lehrende seinem Geigenschüler aus den Seitz-Konzerten immer wieder ein Pensum zuweisen, dass zu dessen Leistungsstand gewissermaßen maßgeschneidert passt.
Wer Geige spielen gelernt hat, der kennt daher üblicherweise Seitz' Schülerkonzerte – und sie sind der Grund dafür, dass der Name dieses Geigers noch heute präsent ist. Wie charmant diese Werke klingen können, wenn sie Könner spielen, das zeigt eine Einspielung aus dem Hause Naxos: Geigerin Hyejin Chung stellt auf dieser CD gemeinsam mit dem Pianisten Warren Lee die ersten fünf Seitz-Konzerte vor, und sie präsentiert die kleinen Kostbarkeiten liebevoll und mit schönem Ton.
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