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Samstag, 4. Mai 2019

Seitz: Concertos for Violin and Piano Nos. 6-10 and Op. 25 (Naxos)

Schülerkonzerte von Friedrich Seitz (1848 bis 1918) kennt wohl jeder, der irgendwann Geige spielen gelernt hat. Die Biographie des Musikers ist in diesem Blog an anderer Stelle nachzulesen. Seitz war nicht nur ein gefragter Virtuose, sondern auch ein geschickter Musikpädagoge; er hat noch Geigenschüler unterrichtet, als er selbst auf das Konzertpodium schon verzichtet hatte. 
Mit dieser CD komplettieren die Geigerin Hyejin Chung und der Pianist Warren Lee ihre Gesamt- aufnahme von Seitz' Schüler-Violinkonzerten. Sie stellen höchst unterschiedliche technische Anforderungen, bei steigendem Schwierigkeitsgrad. Musikalisch sind sie ebenfalls interessant gestaltet, und diese Einspielung zeigt, dass sie den jungen Solisten in der Tat alle Möglichkeiten bieten, sich ansprechend zu präsentieren. 
Hyejin Chung und Warren Lee lassen Seitz' Unterrichtswerke wie kleine Juwelen funkeln – mit vielen klanglichen Facetten, sorgsam gestaltet, und mit Charme vorgetragen. Schade, dass diese Edition nun schon komplett ist.

Montag, 29. Januar 2018

Schubert: Forellenquintett (Deutsche Grammophon)

Die renommierte Geigerin Anne-Sophie Mutter, mittlerweile seit über 40 Jahren im Klassik-Geschäft, und der exzellente Pianist Daniil Trifonov, jetzt Mitte zwanzig, haben im Juni 2017 im Baden-Badener Festspiel- haus zusammen mit drei jungen Stipendiaten der Anne-Sophie Mutter Stiftung Schuberts Klavierquintett in A-Dur D 667 gespielt, allgemein bekannt als Forellenquintett. Auf dem Programm standen außerdem das Trio in Es-Dur Notturno D 897, ein kühnes spätes Werk für Violine, Cello und Klavier, sowie zwei bekannte Lieder des Komponisten, arrangiert als Encores. 
„Die größten Werke der Musikgeschichte sind für kammermusikalische Besetzungen geschrieben“, sagt Anne-Sophie Mutter. „Aber nicht nur deshalb habe ich die Kammermusik schon immer geliebt und liebe sie immer mehr. Es gibt keine Musik von einer solchen Intimität und keine, die so viel Spontaneität erlaubt und Reaktionsfähigkeit benötigt.“ 
Mit Daniil Trifonov musizierte Anne-Sophie Mutter bei diesem Projekt zum ersten Mal gemeinsam. Beteiligt als Kammermusikpartner sind zudem Hwayoon Lee, Viola, Maximilian Hornung, Violoncello und Roman Patkoló, Kontrabass. Musiziert wird frisch und akzentuiert; festzustellen ist allerdings, dass die Geige und das Klavier sehr oft dominieren. 
Auch in den beiden Zugaben zeigen Mutter und Trifonov, wie gut sie trotz des Generationen-Unterschieds miteinander harmonieren. „Es ist eine ganz eigene Literatur mit einem ganz besonderen Stil“, meint die Geigerin. Das Ave Maria beispielsweise hat Jascha Heifetz 1917 in sein Repertoire aufgenommen, und mehr als 200 Mal gespielt. „Das schöne Arrangement des Ständchens (..) bringt doch wunderbar die Einsamkeit, Dunkelheit und Melancholie zum Ausdruck, die über dem Lied liegen“, so Anne-Sophie Mutter. „Auch wenn Daniil, Franz Liszt und ich den Arrangeuren ein bisschen geholfen haben, um die Originale noch etwas besser durchscheinen zu lassen.“ 

Montag, 8. Januar 2018

Seitz: Concertos for Violin and Piano Nos. 1-5 (Naxos)

Friedrich Seitz (1848 bis 1918), Sohn eines Landwirtes aus Günthersleben bei Gotha, erlernte das Geigenspiel in Sondershausen bei Karl Wilhelm Uhlrich und in Dresden bei Hofkon- zertmeister Johann Christoph Lauterbach. 1869 begann er seine Laufbahn als Geiger am Sonders- häuser Hoforchester – das damals von Max Bruch geleitet wurde. 
1876 wurde er Konzertmeister in Magdeburg, wo er auch eine Musik- schule gründete. Ab 1884 war er zudem Dirigent des Dessauer Hoforchesters. 
Seitz gehört außerdem zu den prägenden Persönlichkeiten in der Geschichte der Bayreuther Festspiele nach Richard Wagner: Ab 1888 wirkte er als Konzertmeister des Festspielorchesters auf dem grünen Hügel. Auch als reisender Violinvirtuose war der Musiker sehr gefragt. 1908 trat er schließlich wegen eines Nervenleidens in den Ruhestand, wobei er auch weiterhin komponierte und Violinunterricht gab. Seine bekannteste Geigenschülerin war übrigens Filmdiva Marlene Dietrich. 
Für den Unterricht schrieb Friedrich Seitz eine ganze Reihe von Konzerten für Violine und Klavier. Sie werden noch heute von Violinpädagogen rege genutzt, denn sie bieten schöne Melodien, und solistische Aufgaben von höchst unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. So kann der Lehrende seinem Geigenschüler aus den Seitz-Konzerten immer wieder ein Pensum zuweisen, dass zu dessen Leistungsstand gewissermaßen maßgeschneidert passt. 
Wer Geige spielen gelernt hat, der kennt daher üblicherweise Seitz' Schülerkonzerte – und sie sind der Grund dafür, dass der Name dieses Geigers noch heute präsent ist. Wie charmant diese Werke klingen können, wenn sie Könner spielen, das zeigt eine Einspielung aus dem Hause Naxos: Geigerin Hyejin Chung stellt auf dieser CD gemeinsam mit dem Pianisten Warren Lee die ersten fünf Seitz-Konzerte vor, und sie präsentiert die kleinen Kostbarkeiten liebevoll und mit schönem Ton. 

Freitag, 23. April 2010

Schumann: Piano Music; Mi-Joo Lee (MDG)

Robert Schumann hat etliche seiner Werke im Laufe seines Lebens  mehrfach überarbeitet. So ist die Große Sonate f-Moll op. 14 zu Lebzeiten des Komponisten bereits in zwei unterschiedlichen Druckversionen erschienen - und das Manuskript weist noch sehr viel mehr Modifikationen auf. Das Werk gehört zu einem Zyklus von drei Klaviersonaten, den Schu- mann offenbar im Frühjahr 1833 begonnen hatte. Wie sehr er von der - damals gerade 14jährigen - Tochter seines Klavierlehrers beeindruckt war, belegt die Tatsache, dass er einen kompletten Satz seiner Großen Sonate Variationen über ein Thema aus der Feder Clara Wiecks widmete.
Dieses Thema erweist sich zudem als Grundsubstanz des ganzen Werkes; es dominiert, direkt oder indirekt, das ganze Musikstück, das ohnehin in Umfang und Inhalt schier jede Dimension sprengt.
Für die vorliegende Einspielung wählte die Pianistin Mi-Joo Lee die zweite veröffentlichte Version, erschienen 1853, ergänzt um ein Scherzo, das erst posthum durch Brahms publiziert wurde, und zwei Variationen, die nur im ersten Druck von 1836 enthalten waren.
In dieser frühen Schaffensperiode schrieb Schumann für Clara Wieck zudem Studien nach Capricen von Paganini op. 3 sowie sechs Konzertetüden nach Capricen von Paganini op. 10. Die solcherart gewürdigte freilich scheint von diesen Stücken nicht sonderlich angetan gewesen zu sein. Die Grandes études de Paganini, die Franz Liszt ihr 1851 widmete, nahm sie in ihr Repertoire auf - die beiden Werke Schumanns hingegen spielte sie im Konzert wohl nicht. Wer Mi-Joo Lee damit hört, wird Frau Schumann in diesem Punkte wahrscheinlich verstehen. Denn auch wenn die Etüden höllisch schwierig sein dürften - das Publikum im 19. Jahrhundert, das dem Genie und der Virtuosität huldigen wollte, dürften sie wenig beeindruckt haben.
Mi-Joo Lee balanciert die Stücke ganz präzis zwischen Zirkuszauber und romantischem Seelenweh. Sie gibt dem zweifelnden, grübleri- schen Schumann genauso Raum wie dem jungen, aufstrebenden Musiker, der um seine Clara wirbt - und zu diesem Zweck auch seine Musik ins rechte Licht zu rücken wünscht. Wunderbare Aufnahmen, wie üblich bei Dabringhaus und Grimm.