Dass Hansjörg Albrecht für diese Aufnahme die Staatskapelle Weimar als Partner gewählt hat, hat gleich mehrere Gründe. Da wäre zum einen die Beziehung zwischen Franz Liszt und Richard Wagner, die dem Residenzstädtchen seinerzeit gleich mehrere Uraufführungen Wagner- scher Werke bescherte, und im Beiheft von Dr. Eva Gesine Baur ebenso amüsant wie detailliert beschrieben wird. Wussten Sie schon, beispielsweise, dass das Festspiel- haus eigentlich im Weimarer Park an der Ilm entstehen sollte?
Da ist zum anderen die Staatskapelle Weimar selbst, ein bedeutendes thüringisches Orchester mit einer Tradition, die bis in das Jahr 1491 zurückreicht. Hansjörg Albrecht hat mit diesem Klangkörper bereits bei seiner Einspielung von Orchesterliedern Walter Braunfels' zusammen- gearbeitet.
Seine ganz persönliche Auseinandersetzung mit Richard Wagners Ring des Nibelungen reicht allerdings weiter zurück. So wurde 2006, ebenfalls bei Oehms Classics, Der Ring als Orgeltranskription veröffentlicht – von Albrecht gespielt auf den beiden Instrumenten der Kirche St. Nikolai in Kiel. Auch andere Werke, die eigentlich für Orchester komponiert wurden, hat der Dirigent und Konzertorganist in Form von Orgeltranskriptionen präsentiert.
Der Ring ohne Worte wurde am 9. und 10. Oktber 2016 als Live-Mitschnitt in der Neuen Weimarhalle aufgezeichnet. Die Symphonische Dichtung mit Orchesterszenen aus dem Ring des Nibelungen erklang in der Version von Lorin Maazel. Der Maestro komprimierte in seiner Fassung das beinahe 15 Stunden lange Original Wagners auf gut 70 Minuten Spieldauer. Dabei folgte er strikt dem Ablauf des Geschehens, vom Rheingold-Vorspiel bis zum Finale der Götterdämmerung, und fügte wichtige Szenen aneinander, ohne auch nur einen Takt hinzuzufügen. Die Gesangspartien wird man nicht vermissen; die Figuren werden durch Instrumente angedeutet – Sieglinde beispielsweise durch die Flöte, Fafner durch die Bassklarinette.
Wer nun aber ein Spiel mit Klangfarben erwartet, wie man das von den Orgeltranskriptionen kennt, der wird enttäuscht. Denn Albrecht dirigiert erstaunlich zurückhaltend. Ihn interessiert Substanz, nicht Bombast. So ist diese Einspielung eher puristisch als dramatisch geraten. Langweilig freilich ist das nicht.
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Donnerstag, 4. Januar 2018
Donnerstag, 15. Dezember 2016
Lutheran Symphonix (Genuin)
Seit der Reformation werden sie ge- sungen – die Choräle Martin Luthers erklingen aber nicht nur im Gottes- dienst, sie sind für viele Menschen auch eine Quelle der Kraft und der Freude. „Seit Generationen ver- binden nun Menschen mit diesen geistlichen Lieder ganz persönliche Erfahrungen und Geschichten, so dass diese Choräle Bestandteil eines kollektiven Bewusstseins geworden sind“, schreibt Christian Sprenger im Beiheft zu dieser CD. Sprenger ist Professor für Posaune an der Weimarer Musikhochschule; seine musika- lischen Wurzeln hat er in der kirchlichen Bläsermusik. „Ich freue mich, mit meinem Projekt Lutheran Symphonix den Liedern der Reformation im zeitgemäßen, sinfonischen Gewand Aufmerksamkeit jenseits ihrer ursprünglichen liturgischen Funktion geben zu können.“
Erkennen Sie die Melodie? Christian Sprenger hat zwölf sinfonische Cho- ralfantasien zu bekannten Kirchenliedern komponiert, von Nun danket alle Gott bis Verleih uns Frieden gnädiglich und von Geh aus, mein Herz, und suche Freud bis zu Wer nur den lieben Gott lässt walten. Beim Orchestrieren wurde er, bei den allermeisten Stücken, durch Robin Hoff- mann unterstützt.
Das Ergebnis überwältigt. Carl Orff, Ennio Morricone und John Williams lassen grüßen; Sprenger nutzt für Lutheran Symphonix in erster Linie Traditionen aus der Filmmusik. Er hat hörbar Vergnügen an Pauken und Trompeten; allerdings ist es mit Pathos wie mit Alkohol – man gewöhnt sich rasch daran, und dann hat man es entweder satt, oder man will immer mehr davon. Doch letztendlich verursacht es einen Brummschädel, und, im Übermaß genossen, auch Übelkeit, bis hin zum Erbrechen. Filmmusik aber lebt auch davon, dass markante Szenen ihren Ausdruck in sehr unter- schiedlichen Themen und Motiven finden, in unverwechselbaren Arrange- ments. Im Idealfall bleiben sie dem Publikum sofort und unauslöschbar im Gedächtnis – man denke nur an die Titelmelodie zu Star Wars, oder aber an die klagende Mundharmonika aus Spiel mir das Lied vom Tod.
Die markanten Themen geben in diesem Falle die Kirchenlieder vor. Die klar unterscheidbaren Arrangements aber fehlen, leider. Sprenger hat sich vom musikalischen Material mitreißen lassen. Was er dabei offenbar we- niger beachtet hat, das sind die Texte der Choräle. Traditionelle Choral- fantasien sind üblicherweise stark am Wort orientiert; sie sind nicht zuletzt Auslegungen des Textes mit den Mitteln der Musik. Das scheint mir in diesem Falle etwas aus dem Blick geraten zu sein, auch wenn der phantas- tische Kammerchor der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar nicht nur Vokalisen, sondern gelegentlich auch eine Choralstrophe inmitten der anflutenden Instrumentalklänge singen darf. Auswirkungen auf den Charakter der jeweiligen Komposition hat das kaum; irgendwie klingt alles ähnlich, ob Ein feste Burg ist unser Gott oder Befiehl du deine Wege. Jedes dieser Werke führt ins kollektive Abheben, am Rande der Verzückung. Die Staatskapelle Weimar musiziert, dirigiert vom Komponisten höchstpersön- lich, mit Leidenschaft. Aber von Luthers Innigkeit, vom ursprünglichen Geist der Kirchenlieder haben sich diese sinfonischen Werke weit entfernt. Schade.
Erkennen Sie die Melodie? Christian Sprenger hat zwölf sinfonische Cho- ralfantasien zu bekannten Kirchenliedern komponiert, von Nun danket alle Gott bis Verleih uns Frieden gnädiglich und von Geh aus, mein Herz, und suche Freud bis zu Wer nur den lieben Gott lässt walten. Beim Orchestrieren wurde er, bei den allermeisten Stücken, durch Robin Hoff- mann unterstützt.
Das Ergebnis überwältigt. Carl Orff, Ennio Morricone und John Williams lassen grüßen; Sprenger nutzt für Lutheran Symphonix in erster Linie Traditionen aus der Filmmusik. Er hat hörbar Vergnügen an Pauken und Trompeten; allerdings ist es mit Pathos wie mit Alkohol – man gewöhnt sich rasch daran, und dann hat man es entweder satt, oder man will immer mehr davon. Doch letztendlich verursacht es einen Brummschädel, und, im Übermaß genossen, auch Übelkeit, bis hin zum Erbrechen. Filmmusik aber lebt auch davon, dass markante Szenen ihren Ausdruck in sehr unter- schiedlichen Themen und Motiven finden, in unverwechselbaren Arrange- ments. Im Idealfall bleiben sie dem Publikum sofort und unauslöschbar im Gedächtnis – man denke nur an die Titelmelodie zu Star Wars, oder aber an die klagende Mundharmonika aus Spiel mir das Lied vom Tod.
Die markanten Themen geben in diesem Falle die Kirchenlieder vor. Die klar unterscheidbaren Arrangements aber fehlen, leider. Sprenger hat sich vom musikalischen Material mitreißen lassen. Was er dabei offenbar we- niger beachtet hat, das sind die Texte der Choräle. Traditionelle Choral- fantasien sind üblicherweise stark am Wort orientiert; sie sind nicht zuletzt Auslegungen des Textes mit den Mitteln der Musik. Das scheint mir in diesem Falle etwas aus dem Blick geraten zu sein, auch wenn der phantas- tische Kammerchor der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar nicht nur Vokalisen, sondern gelegentlich auch eine Choralstrophe inmitten der anflutenden Instrumentalklänge singen darf. Auswirkungen auf den Charakter der jeweiligen Komposition hat das kaum; irgendwie klingt alles ähnlich, ob Ein feste Burg ist unser Gott oder Befiehl du deine Wege. Jedes dieser Werke führt ins kollektive Abheben, am Rande der Verzückung. Die Staatskapelle Weimar musiziert, dirigiert vom Komponisten höchstpersön- lich, mit Leidenschaft. Aber von Luthers Innigkeit, vom ursprünglichen Geist der Kirchenlieder haben sich diese sinfonischen Werke weit entfernt. Schade.
Sonntag, 31. August 2014
Humperdinck: Hänsel und Gretel (MDG)
Am Großherzoglichen Hof-Theater in Weimar erlebte 1893 in der Weihnachtszeit , unter der musika- lischen Leitung von Richard Strauss, eine Oper ihre Premiere, die bis heute alljährlich auf dem Spielplan vieler Ensembles steht: Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck, nach einem Text seiner Schwester Adelheid Wette (die für das Libretto die Geschich- te, frei nach den Gebrüdern Grimm, ein wenig geglättet und festkompatibel bearbeitet hat). Im September 2013 hat Dabringhaus und Grimm das Märchenspiel am historischen Ort aufgenommen. Zu hören sind Solisten und Opern- chor des Deutschen Nationaltheaters Weimar sowie der Kinder- und Jugendchor schola cantorum weimar und die Staatskapelle Weimar, dirigiert von Martin Hoff. Alexander Günther ist eine grandiose Hexe, ansonsten ist das Niveau gutes Stadttheater.
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