Posts mit dem Label Humperdinck werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Humperdinck werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 5. Februar 2022

Erinnerung - Homage to Humperdinck (Deutsche Grammophon)


 Dieses Doppel-Album, dass die Deutsche Grammophon anlässlich des hundertsten Todestages von Engelbert Humperdinck 2021 veröffentlicht hat, lädt dazu ein, den Komponisten und sein Werk neu zu entdecken. Selbstverständlich erklingen Auszüge aus den Opern Hänsel und Gretel und Die Königskinder, die noch heute ihren Platz im Repertoire haben. Zu hören ist auch ein von Richard Wagner autorisiertes Humperdinck-Arrangement des Vorspiels zur Oper Tristan und Isolde

Doch das Programm, das der Pianist Hinrich Alpers mit Sorgfalt zusammengestellt hat, macht deutlich, dass man Engelbert Humperdinck (1854 bis 1921) Unrecht tut, wenn man ihn nur als Wagner-Schüler betrachtet. Dieses Album macht deutlich, dass er sehr bald zu einer eigenen musikalischen Handschrift fand. 

Humperdinck war auch ein höchst respektabler Liederkomponist, wie eine Auswahl an Kunstliedern zeigt, die Alpers gemeinsam mit der Sopranistin Christina Landshamer eingespielt hat. Außerordentlich spannend sind zudem Ausschnitte aus den Orchestersuiten zu Shakespeares Sturm, hier zu hören mit den Bamberger Symphonikern unter Karl Anton Rickenbacher. Diese Schauspielmusik für die Eröffnung des Neuen Schauspielhauses am Berliner Nollendorfplatz erscheint mit ihrer detailreichen Orientierung am Bühnengeschehen beinahe wie ein Vorgänger heutiger Filmmusiken. Um das Meer zu erleben, und sich nicht nur von musikalischen Vorbildern, sondern vor allem auch von der Realität inspirieren zu lassen, hatte sich Humperdinck seinerzeit übrigens als Pensionsgast in Heringsdorf auf Usedom einquartiert. 

Weitere Facetten seines Schaffens werden in einem kleinen Klavierstück sichtbar: Erinnerung schrieb Humperdinck als 17jähriger in das Poesiealbum seiner Schwester Ernestine. Die nachdenkliche Miniatur ist auf der zweiten CD in Weltersteinspielung zu hören, interpretiert von Hinrich Alpers. Nach dem frühen Tod der Schwester schrieb der Bruder ihr eine Trauermusik. Es ist der langsame Mittelsatz des Klavierquintettes G-Dur aus dem Jahr 1875, das von Alpers mit dem Schumann Quartett vorgetragen wird. Den Schlusspunkt setzt das Streichquartett in C-Dur, entstanden in den Jahren 1919/20, ebenfalls eingespielt vom Schumann Quartett. 


Dienstag, 17. Dezember 2019

Bübchens Weihnachtstraum (Genuin)

Einladung zum Krippenspiel, mit Chor und einem kleinen Orchester: Stimmungsvoll wie die Märchenoper Hänsel und Gretel ist auch Bübchens Weihnachtstraum, ebenfalls von Engelbert Humperdinck. Seine Musik führt uns mitten hinein in die festliche Atmosphäre am Heiligabend. Es duftet nach Backwerk und Tannenzweigen, in der Stube ist es heute besonders heimelig, und draußen vor dem Fenster tanzen die Schneeflocken. Einem kleinen Jungen dauert das Warten aufs Christkind zu lang. Er schlummert ein, und Humperdinck zeigt uns in seiner Kombination aus Liedern, Sprechtext und Orchestermusik, wie das Bübchen im Traum schon an die Krippe tritt. 
Dabei kombinierte der Komponist bekannte Weihnachtslieder und neue Ideen. Humperdinck erweist sich gerade in diesem kleinen Stück als ein großer Meister, der mit bescheidenen Mitteln ganz enorme Wirkung erzielen kann. Seine Orchestration und auch seine Chorsätze sind schlicht und zugleich raffiniert – und der MDR Kinderchor hat nun glücklicherweise Bübchens Weihnachtstraum wiederentdeckt und das „melodramatische Krippenspiel für Schule und Haus“ auf CD eingespielt. 
Das Leipziger Ensemble, das seit Januar 2018 von Alexander Schmitt geleitet wird, ist der einzige Kinderchor der ARD – und künstlerisch ein Juwel, wie diese Aufnahme beweist. Daran haben auch das MDR-Sinfonieorchester sowie Sopranistin Lisa Rothländer mitgewirkt, die das kleine Solo hinreißend singt. Als Erzähler brilliert Axel Thielmann, der die Hörer gekonnt und humorvoll durch die Geschichte geleitet. Und weil es so schön ist, gibt’s als Zugabe gleich noch einige Weihnachtslieder aus der Chortradition. 

Donnerstag, 22. November 2018

Humperdinck: Hänsel und Gretel (Genuin)

Liebe Streicher, ihr müsst jetzt ganz stark sein. Denn auf dieser CD be- weist die Sächsische Bläserphilhar- monie unter Chefdirigent Thomas Clamor, dass es eigentlich auch ganz gut ohne Violinen, Violen und Violoncelli geht. 
Das Ensemble präsentiert die beliebte Oper Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck in einer Version nur für Blasinstrumente. Natürlich passt nicht das ganze Werk auf die eine Silberscheibe – aber tatsächlich sind alle bekannten Melodien zu hören: Brüderchen, komm tanz mit mir, singen Caroline Schnitzer und Anne Petzsch, alias Hänsel und Gretel. Und Frederick Tucker als Vater lässt sein Rallalala erklingen. 
Aus dem zweiten Bild ist neben dem herzigen Ein Männlein steht im Walde auch das Lied des Sandmanns – diese Partie übernahm neben jener der Mutter Josephin Queck – zu hören. Und natürlich dürfen der Abendsegen sowie die Musik zur Engels-Pantomime nicht fehlen. 
Auch das Taumännchen, zu hören ist hier Leevke Hambach mit ihrem wirklich federleichten Sopran, der Knusperwalzer oder das große Finale sind zu finden. Nicht zu hören hingegen ist die Knusperhexe. Aber das ist zu verschmerzen, denn die jungen Sänger – vier von ihnen sind Preisträger der Internationalen Sächsischen Sängerakademie Torgau – sind wirklich exzellent. Es sind schöne Stimmen, klug geführt, die zu der jeweiligen Partie hervorragend passen. 
Und auch die Sächsische Bläserphilharmonie beeindruckt einmal mehr – es ist kaum zu glauben, wie farbenreich Bläser klingen können, und wie facettenreich dieses Orchester musiziert. Zu loben sind außerdem die Arrangements, in denen Siegmund Goldhammer Humperdincks Musik kongenial für die Bad Lausicker bearbeitet hat. Die Sächsische Bläser- philharmonie ist doch immer wieder für eine Überraschung gut! 

Dienstag, 13. März 2018

#hornlikes (Genuin)

„Die Hörner sind los!“, warnt das Leipziger Label Genuin Classics. Nachdem sie bisher immer gemeinsam mit anderen Ensembles zu hören waren, haben die Musiker von German Hornsound nun zum ersten Mal eine CD eingespielt, auf der sie pur zu erleben sind. Das darf man durchaus wörtlich nehmen. Denn das Hornquartett hat dafür Lieblingsstücke seiner Mitglieder neu arrangiert. 
Das ermöglicht interessante Eindrücke – egal, ob Sebastian Schorr Händels populäre Arie Lascia ch'io pianga einmal auf dem Horn spielen möchte, Stephan Schottstädt die ebenso berühmte Englischhorn-Melodie der Sinfonie Aus der Neuen Welt von Antonín Dvořák erkundet, Christoph Eß die Trompetenklänge aus dem Finalsatz des zweiten Brandenburgischen Konzertes von Johann Sebastian Bach auf das Horn verlegt, oder Timo Steininger den Meditango von Astor Piazzolla. Jeder Musiker durfte drei Favoriten für diese CD auswählen. Und es gibt, von Händels Wassermusik bis zu Verdis Messa da Requiem und von Alessandro Marcellos Oboenkonzert bis hin zu Bruckners Chorälen, eigentlich kein einziges Werk, das nicht mindestens so schön klingt wie im Original, wenn es derart gekonnt durch vier Hörner vorgetragen wird. 
Und weil es so schön ist, hatte auch das Publikum drei #hornlikes frei. Es entschied sich für Melodien von Richard Wagner, Franz Schubert und Engelbert Humperdinck. Eigens für Tonmeister Michael Silberhorn, der „es gerne hat, wenn es mal ein bisschen schmettert“, erklingt dann zum Schluss noch ein Chor aus Carl Maria von Webers Freischütz. Hinreißend! 
Die Edel-Blechbläser von German Hornsound entlocken ihren Instrumen- ten ebenso farben- wie nuancenreiche Klänge. Sie demonstrieren, dass mit dem Horn gefühlvolle Melodielinien genauso selbstverständlich gestaltet werden können wie rhythmische Fundamente. Von ätherisch bis groovig sind alle Optionen möglich – Horn grandios! 

Sonntag, 10. Dezember 2017

Humperdinck: Hänsel und Gretel (Pentatone)

Am 31.Dezember 2016 nahm Marek Janowski mit Beethovens Neunter seinen Abschied als langjähriger Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Mit diesem Ensemble hatte er im Berliner Mu- sikleben deutliche Akzente gesetzt; so hat Janowski die Opern von Richard Wagner konzertant aufgeführt – mit einem handverlesenen Sängerensem- ble, und, da ohne szenisches Geschehen, gänzlich auf die Musik konzentriert. 
Am 23. Dezember 2016 ließ er darauf Engelbert Humperdincks Märchen- oper Hänsel und Gretel folgen, erneut in einer konzertanten Vorstellung, deren Mitschnitt nun bei Pentatone veröffentlicht wurde. Das bunte Bild auf dem Cover aber täuscht - denn Janowski ging es leider mitnichten um eine reizvoll-magische Kinder-Weihnachtsoper. Auch wenn der Kinderchor der Staatsoper Unter den Linden, geleitet von Vinzenz Weissenburger, wunderbar gesungen hat. Aber diese Vorstellung war wohl eher für ein ergrautes Publikum bestimmt, das die Magie vor allem in der engen Verbindung zwischen Humperdinck und Richard Wagner sah. 
Denn Janowski stellte diese Verknüpfung in den Vordergrund; er spürte den Wagner-Anklängen feinsinnig nach. Und er fand eine Menge Stellen, wo man es wagnern lassen kann - so massiv war mir das noch nie aufgefallen, und es ist die Frage, ob dies wirklich musikalisch derart zentral ist. 
Denn im Gegenzug ließ der Dirigent dafür so manches zurückstehen, was Humperdinck ausgemacht hätte. Bei aller Inspiration durch das Erlebnis Bayreuth - aber ist er nicht doch deutlich mehr als nur ein Wagner-Epi- gone? So gab es also, auf den Tag genau 123 Jahre nach der Uraufführung durch die Staatskapelle Weimar unter Richard Strauss, in der Philhar- monie mit dem trefflich musizierenden Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin ein Kinderstuben-Weihfestspiel: „Reisbrei! Reisbrei!“ statt „Rhein- gold! Rheingold!“ 
Der Live-Mitschnitt bietet reichlich Drama; man höre nur die Auftritte von Ricarda Merbeth als verzweifelte Mutter und Albert Dohmen als angesäuselter Vater. Großes Kino! doch leider versteht man bei Frau Merbeth kaum ein Wort. Der Text aber ist nun einmal Bestandteil des Gesamtkunstwerkes Oper, daran ist nicht zu rütteln. 
Alexandra Steiner als Gretel und Katrin Wundsam als Hänsel hält man beim Anhören vom Timbre her für eine vertauschte Besetzung – und zu Kindern im Grundschulalter passen diese vibratoreichen, hubraumstarken Stimmen gleich gar nicht. So mangelt es den Szenen der Kinder an Verspieltheit und an Charme, wallalaweia. Auch bei diesen Sängerinnen lässt zudem die Textverständlichkeit erheblich zu wünschen übrig. 
Als Sandmännchen ist Annika Gerhards zu hören, und Alexandra Hutton als Taumännchen. Die Partie der Knusperhexe gestaltet Christian Elsner – und er übernimmt diese Aufgabe mit Hingabe. Der Tenor hat hörbar Spaß an dem so gar nicht netten Treiben der Rosine Leckermaul, und so kann sich beim dritten Akt endlich auch ein Zuhörer amüsieren, der Wagner womöglich weniger wonniglich findet. Das ist unter dem Strich allerdings enttäuschend; insgesamt finde ich diesen Live-Mitschnitt so gar nicht zauberhaft. Schade! 

Mittwoch, 14. Dezember 2016

L'Inverno degli Flauti (MGD)

Haben Sie schon einmal eine Kontra- bass- oder gar eine Subkontrabass- flöte gehört und gesehen? Bei den 14 Berliner Flötisten gibt es gleich vier Spezialisten für die Querflöten mit dem sehr tiefen Klang. Dieses Ensemble, 1996 von Musikern aus Ost und West gemeinsam gegründet, ist auch sonst Grenzgängen nicht abgeneigt. 
Auf ihrem jüngsten Album erkunden die Flötisten um Andreas Blau, den langjährigen Solo-Flötisten der Berliner Philharmoniker, weihnacht- liche und winterliche Musik – wobei festzustellen ist, dass sie exzellente Arrangeure in ihren Reihen haben. Und auch an Humor mangelt es nicht, wie gleich das erste Stück beweist: Werner Tast, mittlerweile im Ruhestand, hat aus Richard Eilenbergs Petersburger Schlittenfahrt ganz locker Peters Schlittenfahrt gemacht – Tschaikowskis Nussknacker lässt grüßen. 
Bei Prélude und Schlusschoral aus dem Oratorio de Noël von Camille Saint-Saëns wird deutlich, dass Flöten wunderbar den Klang einer Kirchenorgel imitieren können. Doch auch sinfonische Klänge sind für die Holzbläser überhaupt kein Problem; der Abendsegen von Engelbert Humperdinck beispielsweise klingt in dieser Besetzung einfach großartig. Und natürlich enthält das Programm auch einige wenige Weihnachts- lieder
Nur mit Flöten lässt sich aber auch hervorragend Barockmusik aufführen; die 14 Berliner Flötisten spielen das berühmte Weihnachtskonzert von Arcangelo Corelli, den Winter aus den Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi und die Sinfonia aus Bachs Weihnachtsoratorium – und dabei präsentieren sie einmal mehr den Farbenreichtum eines solchen Flötenensembles. Apropos: Wer die Namensliste durchzählt, der wird bemerken, dass sich die 14 für diese Aufnahme Verstärkung geholt haben. Eigentlich sind es sogar 18 Berliner Flötisten, plus Schlagzeuger. 
Sehr gelungen finde ich The snow is dancing, ein Stück aus Claude Debussys Children's Corner, hier in einer Bearbeitung von Werner Tast. Mein persönlicher Favorit auf dieser CD allerdings ist Perseus aus der Sternbilder-Suite von Gotthard Odermatt (*1974), ein Werk, das eigens für die 14 Berliner Flötisten komponiert worden ist.  Zauberhaft!  

Samstag, 3. Dezember 2016

Brass Christmas (Berlin Classics)

„Brass Christmas“ heißt das zweite Weihnachtsalbum von German Brass bei Berlin Classics. Zu hören sind virtuose Stücke, die festliche Weih- nachtsstimmung verbreiten – von ruhigen Klängen wie dem Abend- segen aus Engelbert Humperdincks Oper Hänsel und Gretel über Musik aus dem Messias von Georg Friedrich Händel bis hin zu bekannten Melo- dien aus Peter Tschaikowskis weih- nachtlichem Ballett Der Nußknacker. Komplettiert wird das Programm durch den Winter aus Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten, drei Stücke aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium nebst einem aus dem Magnificat, oder aber, passend zum Jubiläumsjahr, das innige Schlaf, mein Kindelein von Max Reger. 
Damit startet German Brass einmal mehr auf ganz eigene Weise in die Adventszeit. Das renommierte Blechbläserensemble begeistert sein Publi- kum seit mittlerweile 40 Jahren. Es besteht aus zehn Solobläsern und Hochschulprofessoren, und verbindet glänzende Musikalität und hand- werkliche Perfektion mit sehr viel Witz und Charme. Erst kürzlich wurde das Ensemble mit dem Echo Klassik 2016 ausgezeichnet. 
Die Werke sind auf dieser CD wurden – wie üblich – im typischen German-Brass-Sound von den Musikern des Ensembles selbst arrangiert. Mein Favorit in diesem Jahr: Das Concerto G-Dur op. 3/3 RV 310 aus Antonio Vivaldis L'Estro Armonico, bearbeitet von Matthias Höfs. Ganz großes Kino!

Sonntag, 31. August 2014

Humperdinck: Hänsel und Gretel (MDG)

Am Großherzoglichen Hof-Theater in Weimar erlebte 1893 in der Weihnachtszeit , unter der musika- lischen Leitung von Richard Strauss, eine Oper ihre Premiere, die bis heute alljährlich auf dem Spielplan vieler Ensembles steht: Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck, nach einem Text seiner Schwester Adelheid Wette (die für das Libretto die Geschich- te, frei nach den Gebrüdern Grimm, ein wenig geglättet und festkompatibel bearbeitet hat). Im September 2013 hat Dabringhaus und Grimm das Märchenspiel am historischen Ort aufgenommen. Zu hören sind Solisten und Opern- chor des Deutschen Nationaltheaters Weimar sowie der Kinder- und Jugendchor schola cantorum weimar und die Staatskapelle Weimar, dirigiert von Martin Hoff. Alexander Günther ist eine grandiose Hexe, ansonsten ist das Niveau gutes Stadttheater. 

Dienstag, 17. Dezember 2013

Weihnachtslieder von Engelbert Humperdinck (Villa Artis)

Die Märchenoper Hänsel und Gretel machte ihn berühmt – und Komponist Engelbert Humper- dinck war sich dennoch nicht zu schade, Werke für das häusliche Musizieren zu liefern. Etliche dieser Stücke gelten dem Weihnachtsfest. Entstanden sind sie oftmals auf Anfrage von Zeitschriften. So wird es nicht verwundern, dass Humperdinck sie betont schlicht gestaltet hat. 
Auf der vorliegenden CD präsen- tiert Barbara Spieß gemeinsam mit dem Pianisten Heinz Walter Florin diese Weihnachtslieder. Es ist allerdings eine Herausforderung für einen dramatischen Sopran, geschult an Partien wie Wagners Senta oder Verdis Violetta, diese scheinbar simplen, geradlinigen Stücke vorzutragen. Denn ein Pathos, wie es Oper oftmals fordert, passt zu Humperdincks volksnahen Kompositionen nicht. Man sollte sich jedoch nicht täuschen – „einfach“ sind diese Werke nicht.
Spieß setzt bei der Liedgestaltung auf Schlichtheit und Innigkeit. Dabei ist Florin ihr ein aufmerksamer Partner, der sich ebenfalls sehr zurücknimmt. Denn nur an sehr wenigen Stellen lässt Humperdinck im Klavierpart aufscheinen, wie virtuos er sein Handwerk beherrscht hat. Wer die CD anhört, der wird aber auch verstehen, warum sich diese Lieder im Repertoire nicht gehalten haben. 

Montag, 31. Dezember 2012

Weihnachtslieder (Gramola)

Dieses Weihnachtsliederalbum hat die Sopranistin Ute Ziemer ge- meinsam mit dem Pianisten Julian Riem zusammengestellt und eingespielt. Im Mittelpunkt stehen Werke von Richard Strauss und Hugo Wolf; diese Komponisten sind jeweils mit einer umfang- reichen Auswahl vertreten. Doch auch Raritäten wie ein Weihnachts- lied von Engelbert Humperdinck, eines von Joseph Marx und eine berückende Ballade von Carl Loewe finden sich auf der CD. Nicht fehlen darf hier natürlich Wagners Der Engel aus den Wesendonck-Liedern
Etwas aus dem Rahmen fällt ein Werk von Claude Debussy, das der Komponist 1915 geschrieben hat, und das keineswegs das Christfest feiert, sondern die deutschen Besatzer verflucht, die den Kindern in ganz Europa große Not beschert haben. Weihnachtlich hingegen sind die beiden Lieder von Gabriel Fauré und Adolphe Adam, und ein Stück von Edvard Grieg, das Ziemer original in dänischer Sprache singt. 
Die bayerische Sopranistin erweist sich als großartige Liedersängerin. Exzellent begleitet durch Julian Riem am Flügel, begeistert sie durch ihre herausragende Gestaltung ebenso wie durch ihre klug geführte, lyrische Stimme, die auch in der Höhe niemals spitz oder scharf klingt. 

Freitag, 30. Dezember 2011

Humperdinck: Dornröschen (cpo)

Mit der Oper Hänsel und Gretel sicherte sich Engelbert Humper- dinck (1854 bis 1921) seinen Platz im Spielplan bis zum heutigen Ta- ge. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit erfreut nahezu jedes Opernensem- ble in Deutschland sein kleines Publikum mit der Geschichte der beiden tapferen Kinder, die die tückische Hexe überwinden, und aus dem finsteren Wald zurück in ein Elternhaus finden, dass einem gleich sehr viel weniger trostlos erscheint.
Es ist wenig bekannt, dass der Komponist neben diesem Erfolgsstück auch noch weitere Märchenopern geschaffen hat. Eine davon er- schien nun bei dem Label cpo: Dornröschen basiert auf einem Libretto der Berliner Jugendbuchautorin Elisabeth Ebeling, das sie mit Unterstützung ihrer Freundin Bertha Lehmann-Filhés verfasst und 1895 an den Komponisten gesandt hatte.
Doch der verspürte offenbar wenig Lust, die betulichen Verse zu vertonen. Erst nachdem Humperdinck 1900 einen Ruf an die preußische Akademie der Künste erhalten und Ebeling der gesamten Familie Quartier in ihrer Villa gewährt hatte, sah er sich genötigt, das Werk in Musik zu setzen. 1902 wurde das "Ausstattungsstück mit allerhand Musik", wie es Humperdinck selbst ironisch nannte, schließlich in Frankfurt/Main uraufgeführt. 
Die Frankfurter Zeitung urteilte damals, das Werk sei ein "Virtuosen- stück für den Dekorationsmaler und Theatertechniker". Denn die Dichterin hat das bekannte Märchen der Gebrüder Grimm erheblich ergänzt. Da gibt es einen Prinzen Reinhold, mit dem die Prinzessin verlobt werden soll - bevor sie in den Schlaf sinkt, wohlgemerkt - und nach den hundert Jahren wird sie sein Enkel, der ebenfalls Reinhold heißt, erlösen. Allerdings muss dieser dazu nicht nur die Dornenhecke überwinden, sondern auch die verlorengegangenen Verlobungsringe wieder auftreiben, und den Verführungskünsten der bösen Fee Dämonia widerstehen. Schafft er das nicht pünktlich bis zum Ende der Frist, stirbt Prinzessin Röschen - und mit ihr der ganze schlummernde Hofstaat. Natürlich hat das Märchen ein Happy End, doch zuvor muss der Held bis zu den Sternen reisen, um dann im Reich der Zwerge - Nibelheim lässt grüßen - die Ringe aufzuspüren. 
Durch diese Erweiterung der eigentlichen Dornröschen-Geschichte erhält das Märchen eine philosophische Dimension: Prinz Reinhold wird sein eigentlicher Held, und er muss Treue, Mut und Einsatz zeigen, um die Prinzessin zu retten. In zahlreichen Details dieser Handlung wird das Vorbild Wagner sichtbar, in Humperdincks Musik allerdings eher ironisch gebrochen. Und in den eher melodramati- schen Abschnitten, wo gesprochene Dialoge durch Musik kontrastiert werden, meint man gelegentlich sogar, die gute alte Operette kichern zu hören. 
Die Dimension eines Singspiels für Kinder jedenfalls sprengt die Handlung dieses "Märchens in einem Vorspiel und drei Akten". Und die umfangreiche Besetzungsliste hat sicherlich auch mit dazu bei- getragen, dass das Werk sich im Repertoire nicht halten konnte. Es ist dennoch schön, dass das Münchner Rundfunkorchester sowie der Chor des Bayerischen Rundfunks mit einer ausgewogenen Solisten- riege unter der musikalischen Leitung von Ulf Schirmer das Werk nun auf CD zugänglich gemacht hat. Auf die Bühne zurück wird es wohl eher nicht finden. 

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Humperdinck: Hänsel und Gretel (EMI Classics)

Dies ist das Dokument eines Ex- perimentes: Bei seiner EMI-Ein- spielung 1974 ging Heinz Wallberg das Risiko ein, die Partien der Kinder tatsächlich mit Kindern zu besetzen. Doch Brigitte Lindner und Eugen Hug singen grandios, und auch Ursula Roleff und Thomas Frohn können sich als Sand- bzw. Taumännchen hören lassen. Sie kommen gegen das groß besetzte Orchester erstaunlich gut an, und musizieren wie die Profis. 
Das ist keinesfalls selbstverständ- lich, denn Hänsel und Gretel sind mitnichten kleine Partien; so etwas will erst einmal bewältigt werden. Aber die beiden Teenager, die diese Rollen singen dürfen, machen das mit soviel Ausdruck und Musizier- lust, dass man sich fragt, warum nie wieder jemand eine solche Besetzung gewagt hat. 
Als Knusperhexe, man halte sich fest, ist Edda Moser zu hören. Und auch die Rollen von Mutter und Vater werden durch Ilse Gramatzky und Hermann Prey großartig verkörpert. Das macht diese Aufnahme zu einem derartigen Hörvergnügen, dass man dem Gürzenich-Orche- ster Köln gern den einen oder anderen krummen Ton verzeiht. Natürlich sind andere Einspielungen moderner - aber diese hier begeistert durch ihre Authentizität. Bravi! 

Samstag, 12. Februar 2011

Humperdinck: Königskinder (Crystal Classics)

Schon bei den ersten Takten, die selbstverständlich - es handelt sich um eine der sechs Märchenopern von Engelbert Humperdinck (1854 bis 1921) - dahergewagnert kommen, wird es jedermann klar, dass diese Geschichte nicht glücklich enden wird wie Hänsel und Gretel, das wohl berühmteste musikalische Weihnachtsmärchen des deutschen Stadttheaters.
Die Handlung der Königskinder ist eher ein Stück für den Psychoana- lytiker als eine Geschichte, die man Kindern erzählen kann: Tief im Wald lebt ein junges Mädchen bei einer Hexe, die sich als seine Großmutter ausgibt, und die "Trulle" als Gänsemagd und Mädchen für alles fleißig schaffen lässt. Weil sie ihre Sehnsucht nach anderen Menschen äußert, bannt sie die Alte mit einem Zauber, so dass sie den Wald nicht verlassen kann, und lässt sie zudem ein giftiges Brot backen, das nicht verdirbt.
Als die Hexe in den Wald geht, um "Pilze und Würzlein" zu suchen, trifft ein Königssohn, der sich im Wald verirrt hat, auf die Gänsemagd. Bei allerlei neckischen Spielchen zerreißt ihr Kränzlein - Freud lässt grüßen - und er gibt ihr eine Krone dafür. Doch dann kann sie sich vom Bann nicht befreien; der Königssohn zieht allein weiter. Und die Hexe sperrt die Trulle ein. 
Da kommen ein Spielmann, ein Holzhacker und ein Besenbinder des Weges. Sie erzählen der Hexe, dass der König gestorben ist, und dass die Leute nun nach einem neuen König suchen. Außerdem verraten sie der Gänsemagd, wer ihre Eltern waren - und diese fasst Mut, und bricht mit dem Spielmann auf, den Königssohn zu suchen. 
Zur Mittagsstunde trifft die Gänsemagd in der Stadt Hellabrunn ein, die sich bereits rüstet, um den König zu empfangen. Dieser soll, so hat es die Hexe prophezeit, eben mit dem Schlag der Mittagsglocke das Stadttor passieren. Sie begegnet dem Königssohn, der sich zwischen- zeitlich als Schweinehirt verdingt hatte, um Erfahrungen zu sammeln, und sie präsentieren sich den Bürgern als das neue Herrscherpaar. Doch diese finden das gar nicht lustig, und jagen die beiden davon. 
Das Finale ist entsprechend gruslig. Die Jahreszeit: Winter. Der Ort: Das frühere Hexenhaus, in dem nun der Spielmann haust, der miss- handelt und aus der Stadt verjagt wurde, weil er sich als Fürsprech für das junge Paar eingesetzt hat. Die Hütte haben die Bürger demoliert, und die Hexe verbrannt. Nun kommen ihre Kinder mit Holzhacker und Besenbinder, um ihn zurückzuholen, weil es ohne Lieder gar zu langweilig ist. Doch zuvor soll er mit den Kindern das Königspaar suchen. Holzhacker und Besenbinder bleiben in der Hütte zurück. Als der Königssohn dort anklopft, und um Essen und Trinken für seine kranke Gefährtin bittet, weisen sie ihn ab. Als er die Krone zerbricht, um Nahrung zu kaufen, geben sie ihm, was sie in der Hütte gefunden haben: Das vergiftete Brot der Hexe. 
Königskinder wurde 2008 von Deutschlandradio Kultur im Großen Saal der Philharmonie Berlin aufgenommen. Zu hören sind unter anderem Juliane Banse als Gänsemagd, Gabriele Schnaut als Hexe, Klaus Florian Vogt als Königssohn, Christian Gerhaher als Spielmann, sowie Andreas Hörl und Stephan Rügamer als Holzhacker und Besenbinder. Es singen der Rundfunkchor Berlin und der Berliner Mädchenchor. Es spielt das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, es dirigiert Ingo Metzmacher. Und der nimmt Humperdincks traurige Geschichte kristallklar, kein bisschen romantisch überzuckert und verklärt - was ihre Brutalität offen zutage treten lässt. 
Anders als sein großes Vorbild setzte Humperdinck nicht systema- tisch auf Leitmotive, die Personen, Beziehungen oder Handlungen zugeordnet sind. Er setzt eher auf harmonisch-atmosphärische Bezüge, zitiert hier und da ziemlich offen Wagner, und verwendet sehr viel Sorgfalt auf die stilistische Trennung der Spielräume und auf die Gestaltung der zeitlichen Abfolge. Kein Happy End, keine grandiosen Arien. Kein Wunder, dass dieses Stück auf dem Spielplan der Theater und Opernhäuser heute nicht mehr zu finden ist. Hört man die Musik, wird man freilich sagen: Schade drum.