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Montag, 30. März 2015

A Festival of English Organ Music Vol. 1 (MDG)

Der niederländische Organist Ben van Oosten hat sich eingehend mit spätromantischer Orgelmusik be- schäftigt. Für seine Gesamteinspie- lungen der Orgelwerke von Charles-Marie Widor, Camille Saint-Saens, Louis Vierne, Marcel Dupré und Alexandre Guilmant erhielt er zahl- reiche Auszeichnungen. Auch ein Festival französischer Orgelmusik hat der Organist bereits veröffent- licht. 
Auf der vorliegenden CD wendet er sich der spätromantischen Orgel- kunst Englands zu. Und da gibt es einiges zu entdecken – angefangen bei dem Instrument, das Ben van Oosten für die Aufnahmen ausgewählt hat. Die Orgel in der Kathedrale von Salisbury wurde 1876/77 von „Father“ Henry Willis (1821 bis 1901), dem renommiertesten englischen Orgelbauer der viktorianischen Zeit, errichtet. Sie ist nicht nur ziemlich groß, sie gilt auch als eine der klangschönsten Orgeln überhaupt; Willis selbst soll erklärt haben, sie sei sein bestes Instrument. 
Faszinierend erscheint insbesondere der Farbenreichtum dieser Orgel – wie auch die französischen Instrumente jener Zeit folgten auch die englischen einem orchestralen Konzept mit vielfältigen Klangmöglich- keiten. Van Oosten stellt Orgelwerke vor, die dazu sehr gut passen. Von einem eleganten Divertimento aus der Feder von Percy William Whitlock (1903 bis 1946) bis hin zur hochvirtuosen Concert Ouverture des blinden Organisten Alfred Hollins (1865 bis 1942) reicht das Programm. Sir George Thomas Thalben-Ball (1896 bis 1924) hatte seine Elegy ursprünglich als Zeitfüller während einer Rundfunksendung improvisiert. Fantasia and Tocccata op. 57 von Sir Charles Villiers Stanford (1852 bis 1924) verweisen unüberhörbar auf seine Studienjahre in Leipzig und Berlin. William Thomas Best (1826 bis 1897), einer der weltbesten Organisten seiner Zeit, der lange Jahre als Stadtorganist die Father-Willis-Orgel der St. Georges Hall in Liverpool spielte, erweist van Oosten mit dessen Scherzo Referenz. Effektvoll ist auch das Rondo Capriccioso von Edwin Henry Lemare (1865 bis 1934). Es trägt den Untertitel A Study in Accents, weil mit Hilfe des Schwellers Sforzandi erzeugt werden. Sir Edward William Elgar (1844 bis 1925) hat lediglich zwei Originalkompositionen für die Orgel geschaffen. Van Oosten spielt die Sonata for Organ in G major op. 28, ein Werk von monumentalem Ausmaß. Doch bevor die CD mit dieser Herausforderung endet, erklingt Nimrod, die neunte Enigma-Variation Elgars, in einer Bearbeitung für Orgel von Sir William Harris (1883 bis 1973) – insgesamt wahrlich ein Orgel-Festival, und ein Hörgenuss nicht nur für Kenner und Liebhaber. 

Montag, 1. August 2011

The Ballad Singer (Hyperion)

Die Ballade ist ein alterprobtes Medium, um Geschichten zu er- zählen. Der Name Ballade freilich stand im Mittelalter für ein Tanz- lied; heute bezeichnet das Wort die bekannten und beliebten Strophen- lieder, die bevorzugt von makab- ren, aufregenden oder übernatür- lichen Vorgängen berichten. 
Morde, Schlachten, wundersame Errettung und mysteriöses Ver- hängnis, Wiedergänger, Feen, Elfen und andere Zauberwesen, Liebes- paare, Helden - was das Volk inte- ressierte, das faszinierte oftmals auch die Dichter. Und auch die Komponisten hatten ihr Vergnügen daran, wie diese CD zeigt. Sie enthält eine Vielzahl grandioser Balladen - von Beethovens berühm- ter Vertonung der Ballade vom König mit dem Floh aus Goethes Faust über Werke von Carl Loewe, Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms, Hugo Wolf und vielen anderen, bis hin zu Cole Por- ters ironischem The Tale of the Oyster. Bariton Gerald Finley und Julius Drake am Klavier zelebrieren die zumeist schaurigen Geschich- ten mit Hingabe - musikalisch sind sie brillant, und der Zuhörer wird öfters schmunzeln.