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Sonntag, 27. Juni 2021

Cole Porter - A Celebration (SWR Music)

 

Diesen Komponisten zu feiern, ist zweifellos eine hervorragende Idee. Doch was heißt Komponist – Cole Albert Porter (1891 bis 1964) war ein Multitalent. Notfalls schrieb er seine Lieder komplett selbst. Und was für Lieder! 

Wann immer ich diese CD in den Player lege, geht die Sonne auf, und der Tag beginnt zu swingen; wer diese Melodien anhören kann, ohne gute Laune zu bekommen, der muss fürwahr aus Holz sein. Porters Melodien beeindrucken mit Leichtigkeit, Eleganz und Drive. Viele seiner Songs wurden zu Evergreens, und seine Texte sind ebenfalls eine Klasse für sich. 

Auch die Sänger schätzen diese Lieder – so hat Ella Fitzgerald Cole Porter gleich zwei Alben gewidmet. Louis Armstrong und Frank Sinatra haben seine Songs ebenfalls gern gesungen. Etliche Melodien von Cole Porter wurden zu Jazz-Klassikern. Kann eine klassisch ausgebildete Sopranistin diesen Repertoireschätzen gerecht werden? 

Juliane Banse gelingt dies wunderbar. Die Sängerin macht kleine Opernrollen daraus, und gestaltet diese mit hörbarem Vergnügen – ironisch, munter swingend, mitunter auch energisch, und Banse kann durchaus auch lasziv. 

Der Arrangeur, Komponist, Chorleiter und Kirchenmusiker Lars J. Lange hat die Melodien des Amerikaners liebevoll und mit Witz für Orchester arrangiert. Und die Deutsche Radio Philharmonie, dirigiert von Dorian Wilson, musiziert mit  Leidenschaft. Bravi! 


Montag, 14. November 2016

Virgins, Vixens & Viragos (Onyx)

Mit extremen weiblichen Emotionen konfrontiert Susan Graham die Zuhörer auf dieser CD. Die Sängerin zeigt Frauen in den verschiedensten Rollen – von der Heiligen Jungfrau, die ihren Sohn vermisst, und den Zwölfjährigen schließlich im Tempel wiederfindet, wo er mit den Schrift- gelehrten diskutiert, bis hin zur mörderischen Lady Macbeth. Das Programm, das sie gemeinsam mit dem erfahrenen Liedpianisten Malcolm Martineau präsentiert, reicht von Henry Purcell bis zu Joseph Horovitz und von Hector Berlioz, vertreten mit La mort d'Ophélie, bis hin zu Cole Porters The Physician.  Sehr spannend sind  übrigens die verschiedenen Vertonungen der Lieder der Mignon aus Goethes Wilhelm Meister

Montag, 1. August 2011

The Ballad Singer (Hyperion)

Die Ballade ist ein alterprobtes Medium, um Geschichten zu er- zählen. Der Name Ballade freilich stand im Mittelalter für ein Tanz- lied; heute bezeichnet das Wort die bekannten und beliebten Strophen- lieder, die bevorzugt von makab- ren, aufregenden oder übernatür- lichen Vorgängen berichten. 
Morde, Schlachten, wundersame Errettung und mysteriöses Ver- hängnis, Wiedergänger, Feen, Elfen und andere Zauberwesen, Liebes- paare, Helden - was das Volk inte- ressierte, das faszinierte oftmals auch die Dichter. Und auch die Komponisten hatten ihr Vergnügen daran, wie diese CD zeigt. Sie enthält eine Vielzahl grandioser Balladen - von Beethovens berühm- ter Vertonung der Ballade vom König mit dem Floh aus Goethes Faust über Werke von Carl Loewe, Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms, Hugo Wolf und vielen anderen, bis hin zu Cole Por- ters ironischem The Tale of the Oyster. Bariton Gerald Finley und Julius Drake am Klavier zelebrieren die zumeist schaurigen Geschich- ten mit Hingabe - musikalisch sind sie brillant, und der Zuhörer wird öfters schmunzeln.