Warum Johann Sebastian Bach am Ende seines Lebens Die Kunst der Fuge schrieb, darüber diskutieren Musikwissenschaftler bis heute. Ob dieses komplexe und außerordentlich gelehrte, unvollendete Werk über- haupt dazu gedacht war, gespielt zu werden, oder ob es nicht vielmehr so etwas wie „Augenmusik“, künstleri- sches Vermächtnis des Komponisten, war – das wird sich wohl nicht mehr klären lassen.
Rachel Podger hat sich mit Brecon Baroque an den berühmten Fugenzyklus gewagt. Das Ensemble musiziert in einer „klassischen“ Streichquartettbesetzung, wobei Johannes Pram- sohler gelegentlich die zweite Geige beiseite legt und zur Bratsche greift; zu hören sind zudem neben Rachel Podger, Violine, noch Jane Rogers, Viola, Alison McGillivray, Violoncello, und, leider sehr oft, auch Marcin Świąt- kiewics am Cembalo – was durchaus nicht als Kritik an seinem Cembalo- spiel zu verstehen ist. Aber das Cembalo „mitlaufen“ zu lassen, was ja bei Barockmusik durchaus üblich ist, das macht aus einer Fuge, in der eigentlich alle Stimmen gleich bedeutsam sind, ein Werk quasi für Melodiestimmen und Basso continuo. Bei allem Respekt – so dürfte Bach das ganz sicher nicht gemeint haben. Und der Transparenz ist eine solche Lesart auch nicht gerade zuträglich. Schade!
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Dienstag, 17. Januar 2017
Samstag, 5. November 2016
Telemann: Recorder Sonatas & Fantasies; Thorby (Linn)
„I am full of admiration for the warmth and conviviality of Tele- mann's writing, the easy beauty of his melodies, and the knowing playfulness and ingenuity, across many national styles, that lovingly and effortlessly pervade his structu- ral and rhetorical compositional devices“, schreibt Pamela Torby im Geleitwort zu dieser Doppel-CD. Sie hat eine Auswahl an Sonaten sowie die Fantasien für Flöte solo von Georg Philipp Telemann eingespielt.
„I am lucky to be living in a new century that has seen a third golden age – after the Renaissance and Baroque – of recorder instrument-making and playing“, merkt die britische Flötistin an. „So I have seized the moment to record the fantasias on a wide range of recorders of many sizes, instruments known to players in the eighteenth century but only recently again perfected by modern makers. As an alternative to playing the set on a single instrument, I have tried to adopt an overarching progression of keys and recorders whose character, I felt, complemented each fantasia by turn (the original keys are in brackets).“ So groß ist die Vielfalt dann freilich nicht – es erklingen drei Altblockflöten, angefertigt von Luca de Paolis nach Denner und Bressan, sowie von Frederick Morgan nach Bressan/Stanesby, und zwei Voice-Flöten von Luca de Paolis nach Denner und Bressan.
Auch sonst lässt diese Aufnahme ein wenig Abwechslung und vor allem Esprit vermissen. Auch in den Sonaten, wo Pamela Thorby gemeinsam mit Peter Whelan, Fagott, Alison McGillivray, Violoncello), Elizabeth Kenny, Laute und Gitarre, und Marcin Świątkiewicz, Cembalo und Orgel, musi- ziert, klingt alles sehr brav und ein bisschen langweilig. Das hat Telemann so nicht verdient.
„I am lucky to be living in a new century that has seen a third golden age – after the Renaissance and Baroque – of recorder instrument-making and playing“, merkt die britische Flötistin an. „So I have seized the moment to record the fantasias on a wide range of recorders of many sizes, instruments known to players in the eighteenth century but only recently again perfected by modern makers. As an alternative to playing the set on a single instrument, I have tried to adopt an overarching progression of keys and recorders whose character, I felt, complemented each fantasia by turn (the original keys are in brackets).“ So groß ist die Vielfalt dann freilich nicht – es erklingen drei Altblockflöten, angefertigt von Luca de Paolis nach Denner und Bressan, sowie von Frederick Morgan nach Bressan/Stanesby, und zwei Voice-Flöten von Luca de Paolis nach Denner und Bressan.
Auch sonst lässt diese Aufnahme ein wenig Abwechslung und vor allem Esprit vermissen. Auch in den Sonaten, wo Pamela Thorby gemeinsam mit Peter Whelan, Fagott, Alison McGillivray, Violoncello), Elizabeth Kenny, Laute und Gitarre, und Marcin Świątkiewicz, Cembalo und Orgel, musi- ziert, klingt alles sehr brav und ein bisschen langweilig. Das hat Telemann so nicht verdient.
Sonntag, 28. August 2016
Music in Dresden in the times of Augustus II the Strong (Dux)
Zur Zeit Augusts des Starken war Dresden eine Kunstmetropole von europäischem Rang. In der Musik profitierte der Hof von Anregungen aus Italien und Frankreich sowie aus Böhmen, der Heimat etlicher Musi- ker, und natürlich aus der reichen deutschen Tradition.
Während August der Starke in seiner Jugend mehrfach zu Gast am französischen Hof war, verbrachte sein Sohn Friedrich August II. mehr Zeit in Italien als in Fontainebleau. In seinem Gefolge reisten auch Musiker, unter anderem Johann Georg Pisendel, der spätere Konzertmeister der sächsischen Hofkapelle. Er nutzte seinen Aufenthalt in Venedig, Rom und Neapel nicht zuletzt, um bedeutende Musiker kennenzulernen und eine Vielzahl von Werken zu kopieren.
Seine Sammlung, die etwa 1800 Werke umfasste, befindet sich heute im Bestand „Schranck No: II.“ der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden. Aus dieser Kollektion haben Martyna Pastuszka, Violine, Krzysztof Firlus, Viola da gamba, und Marcin Świątkiewicz, Cembalo, einige kostbare Raritäten ausgewählt und bei dem polnischen Label Dux eingespielt. Dabei handelt es sich durchweg um Violinsonaten, und zwar von Antonio Vivaldi, Johann David Heinichen, Felippo Benna, Francesco Maria Veracini und, möglicherweise, denn wirklich sicher ist diese Zuschreibung nicht, von Johann Friedrich Schreyfogel. Viel mehr als der Name ist über diesen Komponisten nicht bekannt. Martyna Pastuszka vermutet, dass er ein Geiger war. Aber diese Musik hat in der Tat Qualität, und auch wenn es sicherlich viel Arbeit macht, sich mit den nur skizzenhaft überlieferten Sonaten auseinander- zusetzen – es hat sich gelohnt. Man darf gespannt darauf sein, welche Schätze aus Schranck No: II. in Zukunft zu hören sein werden; sehr vieles ist bislang noch gar nicht ediert.
Während August der Starke in seiner Jugend mehrfach zu Gast am französischen Hof war, verbrachte sein Sohn Friedrich August II. mehr Zeit in Italien als in Fontainebleau. In seinem Gefolge reisten auch Musiker, unter anderem Johann Georg Pisendel, der spätere Konzertmeister der sächsischen Hofkapelle. Er nutzte seinen Aufenthalt in Venedig, Rom und Neapel nicht zuletzt, um bedeutende Musiker kennenzulernen und eine Vielzahl von Werken zu kopieren.
Seine Sammlung, die etwa 1800 Werke umfasste, befindet sich heute im Bestand „Schranck No: II.“ der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden. Aus dieser Kollektion haben Martyna Pastuszka, Violine, Krzysztof Firlus, Viola da gamba, und Marcin Świątkiewicz, Cembalo, einige kostbare Raritäten ausgewählt und bei dem polnischen Label Dux eingespielt. Dabei handelt es sich durchweg um Violinsonaten, und zwar von Antonio Vivaldi, Johann David Heinichen, Felippo Benna, Francesco Maria Veracini und, möglicherweise, denn wirklich sicher ist diese Zuschreibung nicht, von Johann Friedrich Schreyfogel. Viel mehr als der Name ist über diesen Komponisten nicht bekannt. Martyna Pastuszka vermutet, dass er ein Geiger war. Aber diese Musik hat in der Tat Qualität, und auch wenn es sicherlich viel Arbeit macht, sich mit den nur skizzenhaft überlieferten Sonaten auseinander- zusetzen – es hat sich gelohnt. Man darf gespannt darauf sein, welche Schätze aus Schranck No: II. in Zukunft zu hören sein werden; sehr vieles ist bislang noch gar nicht ediert.
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