Posts mit dem Label Die Kunst der Fuge werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Die Kunst der Fuge werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 1. Januar 2022

Daniil Trifonov - Bach: The Art of Life (Deutsche Grammophon)


 Eine sehr persönliche Sicht auf das Schaffen Johann Sebastian Bachs offenbart dieses Doppelalbum. Um Die Kunst der Fuge, als spätes Meisterwerk, hat Daniil Trifonov Werke der vier komponierenden Söhne Bachs gruppiert, sowie eine Auswahl an kleinen Stücken aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach und zwei „Schicksalsstücke“, die eng mit der Biographie des Komponisten verknüpft sind: Die Chaconne aus der Partita für Violine solo BWV 1004 erklingt in einer Transkription für linke Hand von Johannes Brahms, und der berühmte Choral Jesus bleibet meine Freude in der bekannten Version von Myra Hess.

Daniil Trifonov befragt die alten Kompositionen aus einer sehr zeitgenössischen Perspektive. Der Pianist spielt Bach selbstverständlich am modernen Konzertflügel, und schon nach wenigen Takten ist dem Zuhörer klar, dass es ihm keineswegs um eine historisch adäquate Interpretation geht. Spätestens beim Anhören seiner Version von Die Kunst der Fuge stellt man ernüchtert fest: Für Trifonov ist Bach nicht Anfang und Ende aller Musik, sondern eher ein Accessoire, das zur Selbstinszenierung genutzt wird. Klavier freilich spielt der Mann genial – aber reicht das aus? 

Donnerstag, 31. Mai 2018

Bach: Die Kunst der Fuge (Gramola)

Die Kunst der Fuge, das musikalische Vermächtnis des großen Johann Sebastian Bach, erklingt hier verjazzt. Ja darf man denn so etwas? 
Gunar Letzbor, der nicht nur Geiger ist, sondern auch Konzerte organisiert, war aufgefallen, dass Bachs Meisterwerk noch immer zwar Musiker begeistert, aber eher selten den Weg vor ein Publikum findet. Und so wagte er ein Experiment, das auf dieser CD dokumentiert ist: Letzbor ließ 2013 im Stift St. Florian Die Kunst der Fuge nicht auf einem Cembalo, sondern durch die Austrian Art Gang vortragen. 
Die Musiker, die sich zu diesem Projekt zusammengefunden haben, näherten sich dem Werk aus moderner Perspektive an. Klaus Dickbauer, Saxophone und Klarinetten, Daniel Oman, Gitarre, Wolfgang Heiler, Fagott, Thomas Wall, Violoncello, und Wolfram Derschmidt, Kontrabass und E-Bass, spielen nicht nur moderne Instrumente. Sie gehen mit Bachs Musik zudem zwar respektvoll, aber auch sehr spielerisch um – und improvisieren über Bachs komponierte Kontrapunkte. 
Diese Aufnahme ist dann im Juni 2017 im Studio entstanden. Das Ergebnis wirkt erstaunlich schlüssig, es ist interessant und steckt voll Energie. Ob Bach soviel Freiheit geschätzt hätte, kann ich nicht sagen – aber inspirierend ist diese CD in jedem Falle. 

Mittwoch, 15. November 2017

Bach: Keyboard Concertos BWV 1052 - 1054 (Genuin)

Auch für ihre zweite CD bei Genuin hat Schaghajegh Nosrati wieder Werke von Johann Sebastian Bach ausgewählt. Es kommt nicht oft vor, dass sich ein Pianist für sein Debüt ausgerechnet Die Kunst der Fuge aussucht, Bachs Opus ultimum. Schon diese erste Aufnahme freilich ließ aufhorchen, präsentierte sich damit doch eine Musikerin mit Sinn für die leisen Töne. Eher ruhige Tempi, enorme Klarheit und die höchst sorgsame Phrasierung ließen aufhorchen. 
Wenn Schaghajegh Nosrati nun gemeinsam mit dem Deutschen Kammerorchester Berlin die drei Klavierkonzerte BWV 1052, 1053 und 1054 des Komponisten aufführt, dann freut man sich zunächst über ihr perlendes, fein ziseliertes und nuanciertes Klavierspiel. Die Pianistin, die erneut an einem modernen Flügel musiziert, beginnt durchaus schwungvoll, aber sie bleibt immer nobel, kultiviert, hochgradig differenziert, oft nahe am Cembalo. 
Das Deutsche Kammerorchester Berlin ist ihr dabei ein ebenso souveräner wie sensibler Partner. Das gilt insbesondere auch für die Konzerte BWV 1052 und 1053, wo Nosrati eine Anregung von Robert Levin aufgegriffen und die Ecksätze um Bläserstimmen erweitert hat. Das musikalische Material dafür liefern Bachs Kantaten; der Komponist Frank Zabel hat die Pianistin dann dabei unterstützt, einen neuen Stimmensatz inklusive Oboe, Oboe d'amore und Englischhorn zu erstellen. 
Im Beiheft erläutert Schaghajegh Nosrati detailliert, welche Überlegungen sie zu dieser Erweiterung bewegt haben. Das Ergebnis jedenfalls beein- druckt durch Farbenreichtum und Gefühlstiefe. 

Mittwoch, 9. August 2017

Bach: Die Kunst der Fuge (Oehms Classics)

Kaum eine andere Komposition hat Musiker und Musikwissenschaft derart fasziniert wie Die Kunst der Fuge, das letzte Werk von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750). Schon die Überlieferungssituation war Anlass für zahlreiche Debatten. Denn eine endgültige Reinschrift fehlt; die Autographen, die sich in der Staatsbibliothek Berlin befinden, geben nach Ansicht von Experten zumeist nicht den finalen Stand der Komposition wieder. Es wird aber vermutet, dass ein Manuskript existierte, das zumindest die (vollständige) Schlussfuge enthalten haben soll. 
Dagegen spricht freilich jene Bemerkung, die Carl Philipp Emanuel Bach dort notierte, wo im Manuskript die Notenschrift abbricht: „NB: Ueber dieser Fuge, wo der Nahme B A C H im Contrasubject angebracht worden, ist der Verfaßer gestorben.“ Doch warum sind sämtliche Stücke zuvor sorgsam in Partiturform niedergeschrieben worden – und dieses in einem System, für ein Tasteninstrument? 
Derartige Rätsel gibt es viele. So ist die Abfolge der einzelnen Teile umstritten. Auch wird von Anbeginn darüber diskutiert, für welche Instrumente dieser Zyklus eigentlich geschrieben worden ist. Bachs Sohn jedenfalls schrieb 1751, bei der Werbung um Subskribenten für den Erstdruck: „Es ist aber dennoch alles zu gleicher Zeit zum Gebrauch des Claviers und der Orgel ausdrücklich eingerichtet.“ 
Wie also umgehen mit diesem Rätselwerk der Musikgeschichte? Hans-Eberhard Dentler, studierter Dr. med., aber auch renommierter Cellist, Schüler von Pierre Fournier und Gründer einer Bach-Gesellschaft in Italien, hat sich viele Jahre mit dem Opus beschäftigt. Er ist zu der Überzeugung gelangt, dass man „Bachs Wunderwerk“ – so einst Karl Straube – „als Teil einer groß und komplex angelegten pythagoreischen Rätselfrage zu verstehen“ hat. 
Dentler nimmt die vorhandenen Quellen als die gegebenen hin – und er hat anhand der Handschriften seine eigene Edition herausgegeben. Bachs mathematisch-philosophischem Rätsel hat er zudem ein umfangreiches Buch gewidmet, in dem er seine Theorie ausführlich begründet. Im Beiheft zu dieser Einspielung findet sich nun ein Aufsatz, in dem er auf wichtige Argumente hinweist. 
Darin begründet er auch seine Entscheidung für eine Besetzung für Violine, Viola, Violoncello, Fagott und Kontrabass. Mit seinem Ensemble L'Arte della Fuga – der Cellist musiziert gemeinsam mit Carlo Parazzoli, Raffaele Mallozzi, Francesco Bossone und Antonio Sciancalepore – hat Dentler diese Vision schließlich zum Klingen gebracht; dokumentiert ist dies auf zwei CD, die bei Oehms Classics erschienen sind. 
Um es klar zu sagen: Die gewählte Besetzung überzeugt mich nicht; das Fagott wirkt auf mich inmitten der Streicher mitunter wie ein Irrläufer. Mich fasziniert aber die Leidenschaft, mit der hier musiziert wird, die Intensität dieser Aufnahme. Hier erklingt kein Choral zum Schluss. Die berühmte Fuge beginnt, nimmt ihren Lauf, und bricht dann einfach ab. Der Rest ist Schweigen.

Dienstag, 17. Januar 2017

Bach: The Art of Fugue (Channel Classics)

Warum Johann Sebastian Bach am Ende seines Lebens Die Kunst der Fuge schrieb, darüber diskutieren Musikwissenschaftler bis heute. Ob dieses komplexe und außerordentlich gelehrte, unvollendete Werk über- haupt dazu gedacht war, gespielt zu werden, oder ob es nicht vielmehr so etwas wie „Augenmusik“, künstleri- sches Vermächtnis des Komponisten, war – das wird sich wohl nicht mehr klären lassen. 
Rachel Podger hat sich mit Brecon Baroque an den berühmten Fugenzyklus gewagt. Das Ensemble musiziert in einer „klassischen“ Streichquartettbesetzung, wobei Johannes Pram- sohler gelegentlich die zweite Geige beiseite legt und zur Bratsche greift; zu hören sind zudem neben Rachel Podger, Violine, noch Jane Rogers, Viola, Alison McGillivray, Violoncello, und, leider sehr oft, auch Marcin Świąt- kiewics am Cembalo – was durchaus nicht als Kritik an seinem Cembalo- spiel zu verstehen ist. Aber das Cembalo „mitlaufen“ zu lassen, was ja bei Barockmusik durchaus üblich ist, das macht aus einer Fuge, in der eigentlich alle Stimmen gleich bedeutsam sind, ein Werk quasi für Melodiestimmen und Basso continuo. Bei allem Respekt – so dürfte Bach das ganz sicher nicht gemeint haben. Und der Transparenz ist eine solche Lesart auch nicht gerade zuträglich. Schade! 

Mittwoch, 9. Mai 2012

Bach: Die Kunst der Fuge; Berben (Ramée)

Léon Berben, Spezialist für "Alte" Musik, spielt Bachs grandiosen Zyklus Die Kunst der Fuge an der Orgel der Marienkirche Anger- münde. Dabei handelt es sich um ein Instrument, das Joachim Wagner in den Jahren 1742 bis 1744 erbaut hat. 
Dieser Orgelbauer hatte in der Werkstatt Gottfried Silbermanns als Geselle gearbeitet, bevor er dann nach Brandenburg ging. Die Wagnerorgel in Angermünde ist eine der schönsten erhaltenen Barockorgeln; sie klingt zudem auch heute noch sehr ausdrucksstark, wie diese Aufnahme beweist.
Um die zahllosen Mythen, die sich um Bachs Werk ranken, schert sich Berben wenig. Er schaut in die Noten, und schenkt uns eine transpa- rente, sehr klar strukturierte, mitunter allerdings kühn registrierte Interpretation. Die Canons platziert er zwischen den Fugengruppen. Oft strahlen seine Contrapuncti eine geradezu magische Ruhe aus, insbesondere dort, wo sich die Registerwahl durch Zurückhaltung auszeichnet. So baut Berben eine enorme Spannung auf. Und man ist erstaunt, wenn schließlich bei der abschließenden Fuga a 3 Soggetti, satt im Plenum, das B-A-C-H erklingt, und das Werk abrupt abbricht - ein Rätsel, das auch Berben im Schweigen enden lässt. 

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Bach: Die Kunst der Fuge; Kofler (Raumklang)

"Für mich ist die Kunst der Fuge kein akademisches Lehrbuch der Fugenkomposition, sondern eine Folge von lebendigen, packenden Charakterstücken", erklärt Peter Kofler. Damit tritt der Organist und Cembalist in die Tradition Robert Schumanns, der diese Bezeichnung seinerzeit wählte. Es ist eine ro- mantische Tradition, und das prägt auch diese CD maßgeblich. 
Um den Ausdruck zu unterstrei- chen, wählte Kofler für diese Ein- spielung zwei höchst unterschied- liche Instrumente aus. Da wäre zum einen ein zweimanualiges Cem- balo von Karl August Gräbner, Dresden 1782, aus der Sammlung des Germanischen Nationalmuseums zu Nürnberg. Es ist ein Instrument, das vergleichsweise spät angefertigt worden ist, zu einem Zeitpunkt, da das Hammerklavier schon weit verbreitet war. Dennoch blieb das Cembalo noch für einige Zeit ein beliebtes Konzertinstrument - und profitierte ebenfalls von der Weiterentwicklung  des Klavierbaus. 
Im Kontrast dazu entschied sich Peter Kofler für ein Organo di Legno, eine kleine Orgel, deren Pfeifen ganz aus Zypressenholz bestehen. Sie wurde von Andreas J. Schiegnitz, Albsheim/Grünstadt in der Pfalz, nach einem Original erbaut, das sich in der Silbernen Kapelle zu Innsbruck befindet. Ihr Klang ist charakteristisch, sehr weich und zugleich durchdringend. Auch sind die Klangfarben von Bass und Diskant ziemlich unterschiedlich, was zur Durchhörbarkeit eines mehrstimmigen Satzes beiträgt. 
Bei der Erkundung der einzelnen Stücke lässt sich Kofler Zeit. Er spürt dem Charakter der jeweiligen Fuge nach, versäumt darüber jedoch nicht, den Zyklus als solchen zu präsentieren. Eine interessante Variante, die man gern anhört. 

Sonntag, 14. März 2010

Bach: Die Kunst der Fuge / Orgelkonzerte (Berlin Classics)

Zwei historische Aufnahmen aus fernen DDR-Tagen: Johannes Ernst Köhler (1910-1990) spielt Bachs Kunst der Fuge an der Hildebrand- orgel der Wenzelskirche zu Naum- burg, sowie die Orgelkonzerte Nr. 1, 3, 2 und 5 an der Silbermann- orgel der katholischen Hofkirche zu Dresden. 
Köhler wirkte als Organist zu St. Peter und Paul in Weimar, bekannter wohl als Herderkirche, und bildete dort zugleich als Professor an der Musikhochschule bis zu seiner Emeritierung 1975 zahlreiche Kirchenmusiker aus. Er galt nicht nur als großartiger Organist, sondern auch als vorzüglicher Pädagoge mit enormer Ausstrahlung. Leider erfährt der Käufer dieser CD von all dem nichts, denn es gibt kein Beiheft.
Die vorliegenden Einspielungen zeigen ihn als erfahrenen Musiker, kurz vor dem Ruhestand. Sie beeindrucken durch eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit, ohne dabei aber langweilig oder gar nach- lässig zu werden. Köhler registriert abwechslungsreich, einfühlsam und niemals auf oberflächliche Effekte bedacht; dennoch demonstriert er mit seinem Spiel zugleich die Möglichkeiten und Stärken des jeweiligen Instrumentes.