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Montag, 14. Mai 2018

The New Paganini Project (Sony)

Welch enorme Bedeutung doch die Begleitung für die Wirkung eines Musikstückes hat, das macht dieses faszinierende Experiment deutlich: Der junge Geiger Niklas Liepe, Preisträger des Deutschen Musik- wettbewerbes 2017 und NDR-Kulturpreisträger, hat ausgewählte Komponisten eingeladen, Capricen für Violine solo von Niccolo Paganini (1782 bis1842) durch einen Orchesterpart zu ergänzen. Einzige Bedingung: Der Geigenpart durfte nicht verändert werden.
Dieses Verfahren hat Tradition. Denn schon die Zeitgenossen des Virtuosen fühlten sich dazu herausgefordert, Paganinis Capricen zu „komplettieren“; so schrieb beispielsweise Robert Schumann 1853/54 eine – sehr dezente – Klavierbegleitung. Den jeweiligen Zeitgeschmack spiegeln Klavierparts, die Geigenvirtuosen von Ferdinand David bis zu Fritz Kreisler oder Jacques Thiebaut hinzugefügt haben.
Sieben dieser „historischen“ Begleitungen hat Niklas Liepe in Zusammen- arbeit mit Andreas N. Tarkmann für diese Aufnahme ausgesucht. Tark- mann, ein renommierter Arrangeur, hat sie gekonnt und stilgerecht orchestriert. Er ließ es sich natürlich auch nicht nehmen, eine Caprice, und zwar die Nr. 14, mit einer Begleitung zu versehen.
Generell zeichnen sich die Komponisten, die sich an diesem Vexierspiel beteiligten, durch höchst unterschiedliche musikalische Handschriften und Klangvorstellungen aus. Peter WesenAuer beispielsweise hat die Caprice Nr. 7 mit einem Orchesterpart versehen, der sicherlich auch Paganini gut gefallen hätte. Gérard Tamestit hingegen stellt seine Komposition ganz entschieden neben jene von Paganini. Das wirkt beinahe so, als würde er das Original ignorieren.
Nahezu jede Variante aber wertet den Orchesterpart auf, macht ihn zu einem gleichberechtigten Partner des Solisten. Die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern hat sich unter der Leitung von Georg Bühl dieser Herausforderung gestellt, und die 24 Capricen mit den neu komponierten Begleitungen gemeinsam mit Niklas Liepe eingespielt. Außerordentlich spannend! So aufregend war Klassik lange nicht mehr. 

Montag, 16. November 2015

Tarkmann: Jack und die Bohnenranke (Coviello Classics)

„Als die Düsseldorfer Philharmoniker mich beauftragten, ein Orchester- märchen für Kinder zu komponieren, durfte ich mir die Geschichte frei aussuchen. Die einzige Bedingung war, dass das Fagott darin eine ganz besondere Rolle spielen solle“, berichtet Andreas N. Tarkmann im Beiheft zu dieser CD. „Ich hatte näm- lich schon einmal ein Orchester- märchen komponiert, das von den Abenteuern eines reisenden Mistkäfers handelt. Diesen eitlen und immer etwas beleidigten Käfer ließ ich in meiner Musik von einem Fagott (..) spielen.“ Den Musikern hatte das so gut gefallen, dass sie sich ein weiteres Werk von Tarkmann wünschten. 
Der Komponist hat sich nach einiger Überlegung für das englische Märchen Jack und die Bohnenranke entschieden. „Es ist die Geschichte über den Mut und das Erwachsenwerden eines armen Jungen, die mich noch mehr in Staunen versetzte als die Größe seiner Bohnenranke, die immerhin bis zu einer langen Straße am Himmel reicht“, so Tarkmann. Reich werden Jack und seine Mutter zudem schnell. Aber glücklich werden sie erst, als der Riese besiegt ist, Jack dabei eine singende Harfe sowie zwei Kinder befreit hat – und sie mit dem Vermögen, das ihnen so unverhofft zugefallen ist, nicht nur selbst in Wohlstand leben, sondern auch Waisen- kindern zu einem besseren Leben verhelfen. 
Diese Geschichte erzählt Tarkmann mit musikalischen Mitteln – und mit Unterstützung durch den Sprecher Malte Arkona, der sie mit hörbarem Vergnügen und ausgesprochen souverän gestaltet. Auch die Duisburger Philharmoniker unter ihrem Dirigenten Francesco Savignano setzen sehr viel Leidenschaft daran, die Bohnenranke in den Himmel wachsen zu lassen, oder aber den Riesen hörbar zu machen. Was für ein Spaß! Diese CD ist wirklich sehr gelungen, fanden auch unsere Jungs.