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Sonntag, 27. Juni 2021

Cole Porter - A Celebration (SWR Music)

 

Diesen Komponisten zu feiern, ist zweifellos eine hervorragende Idee. Doch was heißt Komponist – Cole Albert Porter (1891 bis 1964) war ein Multitalent. Notfalls schrieb er seine Lieder komplett selbst. Und was für Lieder! 

Wann immer ich diese CD in den Player lege, geht die Sonne auf, und der Tag beginnt zu swingen; wer diese Melodien anhören kann, ohne gute Laune zu bekommen, der muss fürwahr aus Holz sein. Porters Melodien beeindrucken mit Leichtigkeit, Eleganz und Drive. Viele seiner Songs wurden zu Evergreens, und seine Texte sind ebenfalls eine Klasse für sich. 

Auch die Sänger schätzen diese Lieder – so hat Ella Fitzgerald Cole Porter gleich zwei Alben gewidmet. Louis Armstrong und Frank Sinatra haben seine Songs ebenfalls gern gesungen. Etliche Melodien von Cole Porter wurden zu Jazz-Klassikern. Kann eine klassisch ausgebildete Sopranistin diesen Repertoireschätzen gerecht werden? 

Juliane Banse gelingt dies wunderbar. Die Sängerin macht kleine Opernrollen daraus, und gestaltet diese mit hörbarem Vergnügen – ironisch, munter swingend, mitunter auch energisch, und Banse kann durchaus auch lasziv. 

Der Arrangeur, Komponist, Chorleiter und Kirchenmusiker Lars J. Lange hat die Melodien des Amerikaners liebevoll und mit Witz für Orchester arrangiert. Und die Deutsche Radio Philharmonie, dirigiert von Dorian Wilson, musiziert mit  Leidenschaft. Bravi! 


Samstag, 2. Januar 2021

Clarinet Concertos - Nielsen & Lindberg (Berlin Classics)


 Musik aus Skandinavien widmet sich Sebastian Manz auf diesem Album. Zu hören sind Klarinettenkonzerte des dänischen Komponisten Carl Nielsen (1865 bis 1931) und des finnischen Komponisten Magnus Lindberg (*1958). Komplettiert wird das Programm durch eine Rarität, Nielsens farbenreiche Serenata in vano

Gemeinsam mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern stellt Manz diese komplexen, anspruchsvollen Werke vor, die auf nordische Landschaften verweisen. Nielsens Klarinettenkonzert spielte der Solist bereits 2008 erfolgreich im Finale des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD. Dirigent dieser Aufnahme ist Dominik Beykirch. 

Das Konzert von Lindberg, das an den Solisten extreme Anforderungen stellt, dirigierte der Komponist selbst. Manz leistet hier, ebenso wie die Deutsche Radio Philharmonie, Außerordentliches. 


Freitag, 17. Juli 2020

Reicha Romberg Concertos for two Cellos (Sony)

„Beethoven’s world“ erkundet eine CD-Reihe bei Sony – und dabei handelt es sich, das lässt sich nach den beiden ersten Neuerscheinungen bereits sagen, ohne Zweifel um wichtige Beiträge zum Jubiläumsjahr. 
Mit diesem Aufnahmeprojekt zeigt sich Reinhard Goebel einmal mehr als exzellenter Kenner der Musikgeschichte und des Repertoires. Denn nach Violinkonzerten von Franz Clement (1780 bis 1842), Widmungsträger von Beethovens Violinkonzert, bietet Vol. 2 nun weitere Entdeckungen. 
Den Anfang macht eine irrwitzig virtuose Sinfonia Concertante für zwei Violoncelli und Orchester von Antonín Reicha (1770 bis 1836). Auch das nachfolgende Concertino op. 72 von Bernhard Romberg (1767 bis 1841) stellt allerhöchste Ansprüche an die beiden Solisten; es ist ein knackiges Stück, dass Romberg seinerzeit gemeinsam mit seinem Sohn Karl auf Konzertreisen vorgetragen hat. 
Konzerte für zwei Violoncelli sind rar – insofern sind die beiden Stücke durchaus interessant. Bruno Delepelaire und Stephan Koncz, beide Mitglieder der Berliner Philharmoniker, präsentieren diese Werke höchst ansprechend. Sie musizieren mit der Deutschen Radio Philharmonie Kaiserslautern unter Leitung von Reinhard Goebel, der für dieses Album neben der Reicha-Sinfonia auch noch eine weitere Weltersteinspielung parat hatte: Das Divertisment für Fasching Dienstag von Josef von Eybler (1765 bis 1846), weiland k.u.k. Hofkapellmeister. Das Stück ist höfische Gebrauchsmusik, und dafür ist es gar nicht schlecht. 
Zur Musik gibt es ein Beiheft mit einem durchaus interessanten Text aus der Feder von Reinhard Goebel. Als Autor äußert sich der Musiker gewohnt launig; der wirklich informative Aufsatz wäre allerdings noch besser, wenn Goebel darauf verzichten könnte, die Dinge ins Negative zu verzeichnen. Maßstäbe wandeln sich – das dürfte doch keiner besser wissen als der Dirigent und Musikhistoriker. 

Montag, 14. Mai 2018

The New Paganini Project (Sony)

Welch enorme Bedeutung doch die Begleitung für die Wirkung eines Musikstückes hat, das macht dieses faszinierende Experiment deutlich: Der junge Geiger Niklas Liepe, Preisträger des Deutschen Musik- wettbewerbes 2017 und NDR-Kulturpreisträger, hat ausgewählte Komponisten eingeladen, Capricen für Violine solo von Niccolo Paganini (1782 bis1842) durch einen Orchesterpart zu ergänzen. Einzige Bedingung: Der Geigenpart durfte nicht verändert werden.
Dieses Verfahren hat Tradition. Denn schon die Zeitgenossen des Virtuosen fühlten sich dazu herausgefordert, Paganinis Capricen zu „komplettieren“; so schrieb beispielsweise Robert Schumann 1853/54 eine – sehr dezente – Klavierbegleitung. Den jeweiligen Zeitgeschmack spiegeln Klavierparts, die Geigenvirtuosen von Ferdinand David bis zu Fritz Kreisler oder Jacques Thiebaut hinzugefügt haben.
Sieben dieser „historischen“ Begleitungen hat Niklas Liepe in Zusammen- arbeit mit Andreas N. Tarkmann für diese Aufnahme ausgesucht. Tark- mann, ein renommierter Arrangeur, hat sie gekonnt und stilgerecht orchestriert. Er ließ es sich natürlich auch nicht nehmen, eine Caprice, und zwar die Nr. 14, mit einer Begleitung zu versehen.
Generell zeichnen sich die Komponisten, die sich an diesem Vexierspiel beteiligten, durch höchst unterschiedliche musikalische Handschriften und Klangvorstellungen aus. Peter WesenAuer beispielsweise hat die Caprice Nr. 7 mit einem Orchesterpart versehen, der sicherlich auch Paganini gut gefallen hätte. Gérard Tamestit hingegen stellt seine Komposition ganz entschieden neben jene von Paganini. Das wirkt beinahe so, als würde er das Original ignorieren.
Nahezu jede Variante aber wertet den Orchesterpart auf, macht ihn zu einem gleichberechtigten Partner des Solisten. Die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern hat sich unter der Leitung von Georg Bühl dieser Herausforderung gestellt, und die 24 Capricen mit den neu komponierten Begleitungen gemeinsam mit Niklas Liepe eingespielt. Außerordentlich spannend! So aufregend war Klassik lange nicht mehr.