Einmal mehr erweist sich hier Vox Luminis als eines der weltweit besten Ensembles für „Alte“ Musik. Seine Aufnahmen sind immer wieder ein Erlebnis – phänomenal!
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Montag, 3. Februar 2020
Bach Kantaten (Ricercar)
Nach ihrer hochgelobten Einspielung von Motetten der Vorfahren von Johann Sebastian Bach widmet sich das Ensemble Vox Luminis unter Leitung von Lionel Meunier nunmehr Kantaten und geistlichen Konzerten der Bach-Familie. Aus dem sogenannten Altbachischen Archiv, in dem das musikalische Wirken der Musikerdynastie Bach bewahrt wurde, wurden dafür fünf Kompositionen ausgewählt. Zu hören sind Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ und Herr, der König freuet sich von Johann Michael Bach (1648 bis 1694), Ich danke dir Gott von Heinrich Bach (1615 bis 1692) und Die Furcht des Herrn sowie Herr, wende dich und sei mir gnädig von Johann Christoph Bach (1641 bis 1703). Außerdem erklingt die frühe Arnstädter Fassung der Kantate Christ lag in Todesbanden BWV 4 von Johann Sebastian Bach (1642 bis 1750).
Einmal mehr erweist sich hier Vox Luminis als eines der weltweit besten Ensembles für „Alte“ Musik. Seine Aufnahmen sind immer wieder ein Erlebnis – phänomenal!
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Montag, 14. Mai 2018
The New Paganini Project (Sony)
Welch
enorme Bedeutung doch die Begleitung für die Wirkung eines
Musikstückes hat, das macht dieses faszinierende Experiment deutlich: Der junge
Geiger Niklas Liepe, Preisträger des Deutschen Musik- wettbewerbes
2017 und NDR-Kulturpreisträger, hat ausgewählte Komponisten
eingeladen, Capricen für Violine solo von Niccolo Paganini (1782
bis1842) durch einen Orchesterpart zu ergänzen. Einzige Bedingung:
Der Geigenpart durfte nicht verändert werden.
Dieses
Verfahren hat Tradition. Denn schon die Zeitgenossen des Virtuosen
fühlten sich dazu herausgefordert, Paganinis Capricen zu
„komplettieren“; so schrieb beispielsweise Robert Schumann
1853/54 eine – sehr dezente – Klavierbegleitung. Den jeweiligen
Zeitgeschmack spiegeln Klavierparts, die Geigenvirtuosen von
Ferdinand David bis zu Fritz Kreisler oder Jacques Thiebaut
hinzugefügt haben.
Sieben
dieser „historischen“ Begleitungen hat Niklas Liepe in
Zusammen- arbeit mit Andreas N. Tarkmann für diese Aufnahme
ausgesucht. Tark- mann, ein renommierter Arrangeur, hat sie gekonnt und
stilgerecht orchestriert. Er ließ es sich natürlich auch nicht
nehmen, eine Caprice, und zwar die Nr. 14, mit einer Begleitung zu
versehen.
Generell
zeichnen sich die Komponisten, die sich an diesem Vexierspiel
beteiligten, durch höchst unterschiedliche musikalische
Handschriften und Klangvorstellungen aus. Peter WesenAuer
beispielsweise hat die Caprice Nr. 7 mit einem Orchesterpart
versehen, der sicherlich auch Paganini gut gefallen hätte. Gérard
Tamestit hingegen stellt seine Komposition ganz entschieden neben
jene von Paganini. Das wirkt beinahe so, als würde er das Original
ignorieren.
Nahezu
jede Variante aber wertet den Orchesterpart auf, macht ihn zu einem
gleichberechtigten Partner des Solisten. Die Deutsche Radio
Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern hat sich unter der Leitung
von Georg Bühl dieser Herausforderung gestellt, und die 24 Capricen
mit den neu komponierten Begleitungen gemeinsam mit Niklas Liepe
eingespielt. Außerordentlich spannend! So aufregend war Klassik
lange nicht mehr.
Donnerstag, 26. Januar 2017
Paganini: 24 Capricci (Dynamic)
Als Robert Schumann (1810 bis 1856) am Ostersonntag 1830 in Frankfurt das Geigenspiel des berühmten Nicolò Paganini (1782 bis 1840) hörte, war dies ein Erlebnis, das sein Leben änderte: Wenig später schrieb der Jurastudent aus Heidelberg an seine Mutter, dass er nun doch beabsichtige, Musiker zu werden. Er kehrte nach Leipzig zurück, um bei Friedrich Wieck zu studieren. Und auch wenn er sich vom Auftreten des „Teufelsgeigers“ eher abgestoßen fühlte, so verrät doch sein Lebenswerk, dass Schumann sich immer wieder mit der Musik des Virtuosen auseinandergesetzt hat.
Noch in seinen letzten Jahren arbeitete er an einer Klavierbegleitung zu den Violin-Capricen, für seinen Freund Joseph Joachim. Vollendet hat er sie 1855, in der Psychiatrie. Betrachtet man Schumanns Klavierpart, so wird man feststellen, dass sich der Komponist nicht damit begnügte, die Capricen mit Akkorden zu unterfüttern. Schumann tritt in den Dialog mit Paganinis Melodien, die er mitunter ergänzt oder aber weiterführt. So ist Schumanns Musik das Zeugnis seiner sehr persönlichen Begegnung mit dem Geigenvirtuosen, die ihn vom Anbeginn seiner Laufbahn an und bis zu ihrem Ende beschäftigt haben muss.
Auch wenn Clara Schumann dieses Werk ihres Mannes, dass sie nach seinem Tode in seinen Papieren vorgefunden hat, niemals veröffentlichte – kurioserweise wurde es rasch Mode, Paganinis Capricen mit Klavierbeglei- tung zu spielen. Der „nackte“ Klang der Violine war den Romantikern offenbar suspekt; selbst Geiger schufen Klavierversionen. Und das blieb die Norm, bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die junge Geigerin Maristella Patuzzi hat diese Tradition jetzt aufgegriffen, und gemeinsam mit ihren Vater, dem Pianisten Mario Patuzzi, Paganinis 24 Capricen mit der Klavierbegleitung von Robert Schumann eingespielt. So weit, so gut – die Aufnahme ist solide, aber unspektakulär. Stücke, die Geiger üblicherweise als Etüden nutzen, so vorzutragen, dass das auch für den Hörer ein Gewinn ist, das scheint ziemlich schwierig zu sein.
Noch in seinen letzten Jahren arbeitete er an einer Klavierbegleitung zu den Violin-Capricen, für seinen Freund Joseph Joachim. Vollendet hat er sie 1855, in der Psychiatrie. Betrachtet man Schumanns Klavierpart, so wird man feststellen, dass sich der Komponist nicht damit begnügte, die Capricen mit Akkorden zu unterfüttern. Schumann tritt in den Dialog mit Paganinis Melodien, die er mitunter ergänzt oder aber weiterführt. So ist Schumanns Musik das Zeugnis seiner sehr persönlichen Begegnung mit dem Geigenvirtuosen, die ihn vom Anbeginn seiner Laufbahn an und bis zu ihrem Ende beschäftigt haben muss.
Auch wenn Clara Schumann dieses Werk ihres Mannes, dass sie nach seinem Tode in seinen Papieren vorgefunden hat, niemals veröffentlichte – kurioserweise wurde es rasch Mode, Paganinis Capricen mit Klavierbeglei- tung zu spielen. Der „nackte“ Klang der Violine war den Romantikern offenbar suspekt; selbst Geiger schufen Klavierversionen. Und das blieb die Norm, bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die junge Geigerin Maristella Patuzzi hat diese Tradition jetzt aufgegriffen, und gemeinsam mit ihren Vater, dem Pianisten Mario Patuzzi, Paganinis 24 Capricen mit der Klavierbegleitung von Robert Schumann eingespielt. So weit, so gut – die Aufnahme ist solide, aber unspektakulär. Stücke, die Geiger üblicherweise als Etüden nutzen, so vorzutragen, dass das auch für den Hörer ein Gewinn ist, das scheint ziemlich schwierig zu sein.
Donnerstag, 1. August 2013
Paganini: 24 Caprices op. 1; Seres (Hungaroton Classics)
Die 24 Capricen op. 1 schrieb Niccolò Paganini (1782 bis 1840) für Solovioline. Sie gehören noch immer zu den Prüfsteinen für jeden Solisten, da jedes dieser Stücke andere technische Anforderungen stellt – und höllisch anspruchsvoll sind sie alle. Diese Werke auf die Querflöte zu übertragen, das ist ein extrem wagemutiges Projekt.
Die ungarische Flötistin Dóra Seres hat sich dieser Herausforderung gestellt. Sie ist Preisträgerin vieler renommierter internationaler Wettbewerbe, und derzeit Soloflötistin des DR Underholdnings- orkestrets.
Um Paganinis Capricen angemessen auf die Böhmflöte zu übertragen, hat sie sich auf ihren musikalischen Kern konzentriert, und auf einige Effekte verzichtet, die zu geigenspezifisch sind, wie beispielsweise Doppelgriffe.
Das Ergebnis bleibt spieltechnisch dennoch eine Herausforderung, selbst für eine Solistin ihrer Klasse. Seres galoppiert in geradezu atemberaubendem Tempo durch Läufe und Arpeggien. Man wird jedoch feststellen, dass es nicht ausreicht, das Instrument virtuos zu beherrschen, wenn man dieser Musik gerecht werden will. So ist diese Aufnahme streckenweise sehr gelungen; mitunter vermisst man aber das letzte Quentchen an Raffinesse in der Intonation, den über alle Oktaven gleichermaßen ausgewogenen Ton, und man würde sich mehr Mut zur Phrasierung und Gestaltung wünschen – gern auch zu Lasten der Rasanz.
Die ungarische Flötistin Dóra Seres hat sich dieser Herausforderung gestellt. Sie ist Preisträgerin vieler renommierter internationaler Wettbewerbe, und derzeit Soloflötistin des DR Underholdnings- orkestrets.
Um Paganinis Capricen angemessen auf die Böhmflöte zu übertragen, hat sie sich auf ihren musikalischen Kern konzentriert, und auf einige Effekte verzichtet, die zu geigenspezifisch sind, wie beispielsweise Doppelgriffe.
Das Ergebnis bleibt spieltechnisch dennoch eine Herausforderung, selbst für eine Solistin ihrer Klasse. Seres galoppiert in geradezu atemberaubendem Tempo durch Läufe und Arpeggien. Man wird jedoch feststellen, dass es nicht ausreicht, das Instrument virtuos zu beherrschen, wenn man dieser Musik gerecht werden will. So ist diese Aufnahme streckenweise sehr gelungen; mitunter vermisst man aber das letzte Quentchen an Raffinesse in der Intonation, den über alle Oktaven gleichermaßen ausgewogenen Ton, und man würde sich mehr Mut zur Phrasierung und Gestaltung wünschen – gern auch zu Lasten der Rasanz.
Mittwoch, 17. April 2013
Locatelli: L'arte del violino - 24 Capricci (Newton)
Pietro Antonio Locatelli (1695 bis 1764) war einer der großen Violinvirtuosen. Er stammt aus Bergamo, wo er offenbar schon früh in der cappella musicale der Kirche Santa Maria Maggiore gespielt hat. 1711 ging der junge Musiker nach Rom; drei Jahre später berichtet er in einem Brief an seinen Vater, dass er in der Hauskapelle des Fürsten Michelan- gelo I. Caetani musiziert.
Wer ihn unterrichtet hat, das kann man nur vermuten - aber er muss in Rom, wie auch zuvor schon in Bergamo, exzellente Lehrer gefun- den haben. 1721 erschien in Amsterdam Locatellis erstes Werk im Druck, XII Concerti grossi op. 1, gewidmet Kardinal Camillo Cybo.
Locatelli muss durch halb Europa gereist sein, doch es gibt wenig Berichte über seine Auftritte; wer etwas über das Wirken des Vir- tuosen erfahren will, der muss in Hofjournalen, Kassenbüchern und privaten Aufzeichnungen mühsam nach seinen Spuren suchen. So lässt sich rekonstruieren, dass er 1727 in München weilte, und 1728 am preußischen Hof, in Frankfurt/Main und in Kassel musizierte. 1729 ließ sich der Geiger in Amsterdam nieder, wo er bis an sein Lebensende blieb. Er ließ dort seine Werke drucken, unterrichtete und musizierte gelegentlich im privaten Kreis.
Der Katalog seines Nachlasses verrät uns, dass Locatelli damit ein Vermögen erworben hat. Der Musiker besaß nicht nur Kleidung, Hausrat und Musikalien, sondern auch eine umfangreiche Bibliothek und zahlreiche Gemälde.
Die 24 Capricci, die Emmanuele Baldini 1998 eingespielt hat, sind Bestandteil von L'arte del violino op. 3. Es sind virtuose Zugaben zu den zwölf Violinkonzerten, die schon an sich ziemlich anspruchsvoll sind. Leider haben die Capricci später ein Eigenleben entwickelt, was man auch dieser Aufnahme anhört: Sie wurden als Etüden genutzt, und Generationen von Geigern haben an solchen Stücken Finger und Bogenführung perfektioniert - höher, schneller, weiter! Wer diese Werke so spielt, der wird ihnen aber nicht gerecht, und er wird sein Publikum langweilen, statt Faszination und Erstaunen auszulösen.
Wer ihn unterrichtet hat, das kann man nur vermuten - aber er muss in Rom, wie auch zuvor schon in Bergamo, exzellente Lehrer gefun- den haben. 1721 erschien in Amsterdam Locatellis erstes Werk im Druck, XII Concerti grossi op. 1, gewidmet Kardinal Camillo Cybo.
Locatelli muss durch halb Europa gereist sein, doch es gibt wenig Berichte über seine Auftritte; wer etwas über das Wirken des Vir- tuosen erfahren will, der muss in Hofjournalen, Kassenbüchern und privaten Aufzeichnungen mühsam nach seinen Spuren suchen. So lässt sich rekonstruieren, dass er 1727 in München weilte, und 1728 am preußischen Hof, in Frankfurt/Main und in Kassel musizierte. 1729 ließ sich der Geiger in Amsterdam nieder, wo er bis an sein Lebensende blieb. Er ließ dort seine Werke drucken, unterrichtete und musizierte gelegentlich im privaten Kreis.
Der Katalog seines Nachlasses verrät uns, dass Locatelli damit ein Vermögen erworben hat. Der Musiker besaß nicht nur Kleidung, Hausrat und Musikalien, sondern auch eine umfangreiche Bibliothek und zahlreiche Gemälde.
Die 24 Capricci, die Emmanuele Baldini 1998 eingespielt hat, sind Bestandteil von L'arte del violino op. 3. Es sind virtuose Zugaben zu den zwölf Violinkonzerten, die schon an sich ziemlich anspruchsvoll sind. Leider haben die Capricci später ein Eigenleben entwickelt, was man auch dieser Aufnahme anhört: Sie wurden als Etüden genutzt, und Generationen von Geigern haben an solchen Stücken Finger und Bogenführung perfektioniert - höher, schneller, weiter! Wer diese Werke so spielt, der wird ihnen aber nicht gerecht, und er wird sein Publikum langweilen, statt Faszination und Erstaunen auszulösen.
Montag, 13. September 2010
Paganini: 24 Caprices; Julia Fischer (Decca)
Julia Fischer war acht Jahre alt, als sie Paganinis Capricen zum ersten Male hörte. Damals saß sie, als Mit- glied eines Kinderkurses, auf einer Holzbank in einer österreichischen Kirche und lauschte Thomas Ze- hetmair, die Noten auf dem Schoß, berichtet die junge Violinistin. Jedes zu Ende gespielte Stück habe sie ordentlich abgehakt, erinnert sich die Musikerin, und nach der Nummer 24 habe sie gedacht: "Wenn ich die auch mal spielen kann, dann habe ich es geschafft, dann bin ich eine echte Geigerin."
Mittlerweile kann sie das, und viele dieser Piecen hat sie zudem bereits öffentlich gespielt, denn die virtuosen Häppchen sind eine lohnende Zugabe im Konzert; bestens geeignet, um das Publikum nachhaltig zu beeindrucken. Natürlich sind diese Stücke technisch anspruchsvoll - es sind ja eigentlich auch Etüden, Übungsstücke, an denen Musiker bestimmte Bewegungsabläufe trainieren, hunderte Male, bis der gewünschte Effekt "sitzt". Sie sind zudem durchaus faszinierend, weil jedermann mitbekommt, dass sie schwierig sind. Aber sind sie musikalisch auch derart lohnend, dass man sich daran machen muss, alle 24 hintereinander für eine CD einzuspielen?
"Ich kann nur ein Stück aufnehmen, an das ich glaube", meint Julia Fischer. Und ihre Technik ist in der Tat grandios. Die 24 Capricen spielt sie so locker, als ginge es um - pardon! - Kaffeehausmusik. Im Beiheft wird erläutert, sie gebe "dem Komponisten Niccoló Paganini mit dieser Aufnahme zurück, was er in den letzten 200 Jahren verloren hat: seine Bedeutung als Musikrevolutionär, der 1782 in die Wiener Klassik hineingeboren wurde, um halb Europa mit dieser romantisch-irrwitzigen Musik in seinen Bann zu ziehen." Davon freilich höre ich nichts; ich höre Etüden, blitzsauber und teilweise rasant gespielt, aber ohne Herzblut - und vollkommen ohne Humor.
Freitag, 28. Mai 2010
Paganini/Schumann: 24 Caprices for Violin Solo (MDG)
"Jedes dieser Werke behandelt einen speziellen technischen Stoff und stellt gleichzeitig eine zweck- dienliche Studie sowie musikali- sche Kostbarkeit und gehaltvolle Komposition dar. Diese ständigen Begleiter des Geigers bilden zusammen mit den sechs Sonaten und der Partita von Bach den Grundstock des Übungsmaterials für den Geiger, seine Bibel, sein Altes und Neues Testament. Mit ihren hohen Anforderungen vermitteln sie jene Inspiration und Energie, die uns zwingen, unserem wundervollen Instrument seine letzten Möglichkeiten abzuringen." Das schrieb Yehudi Menuhin im Geleitwort zur Faksimile-Ausgabe des Paganini-Autographs über die 24 Capricen - und besser lässt sich das Wesen dieser Stücke kaum beschreiben.
Sie sind "den Künstlern" - "agli Artisti" - gewidmet, und waren nicht nur den Violinisten vieler Generationen eine Inspirationsquelle. Auch zahlreiche Komponisten, von Franz Liszt über Sergej Rach- maninow bis hin zu Witold Lutoslawski waren von dem Werk sehr angetan, und würdigten seine Musik in ihrem Schaffen. Am Oster- sonntag 1830 erlebte Robert Schumann Paganinis Konzert in Frankfurt. Er zeigte sich schockiert, weil das Auftreten des Virtuosen so gar nicht zu seinen Vorstellungen von der "grossen, edeln priester- lichen Kunstruhe" passte - und inspiriert, wie sein Lebenswerk beweist. Da finden sich neben Variationen zum Glöckchenthema - begonnen, aber nie vollendet - diverse Capricen für Klavier, das sechzehnte Stück aus Carnaval sowie die Klavierbegleitung zu den Violin-Capricen, geschrieben für seinen Freund Joseph Joachim. Begonnen hat sie Schumann noch zu Hause. Vollendet hat er sie in der Psychiatrie; Clara Schumann erhielt das Manuskript nach seinem Tode, und lange Jahre blieb es unter Verschluss - bis es 1941 Georg Schünemann publizierte.
Schumanns Klavierpart reicht über eine bloße Harmonisierung weit hinaus. Mitunter ergänzt er Paganinis Melodien, manchmal führt er auch seine Ideen weiter. Auf dieser CD spielt daher die Pianistin Lisa Smirnova eine erstaunlich dominante Rolle. Trotz Stradivari und zahlreichen Preisen kann Benjamin Schmid da leider nicht ganz mithalten; er spielt zu brav, zu unscheinbar, und zu sehr nur mit. Aus diesem Grunde enttäuscht mich diese CD - was mir bei einer Aufnahme aus dem Hause Dabringhaus und Grimm eigentlich noch nie passiert ist.
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