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Samstag, 20. Mai 2017

Cynthia's Revels (FHR)

Musik aus Elisabethaníscher Zeit erklingt auf dieser CD des Blockflö- tenquartetts The Flautadors. Das britische Ensemble, bestehend aus Catherine Fleming, Merlin Harrison, Celia Ireland und Ian Wilson, hat sich dazu noch Leo Chadburn als Verstärkung geholt. 
Für die vorliegende Aufnahme spielt das Quartett Flöten aus der Werkstatt Thomas Prescotts nach Instrumenten des 16. Jahrhunderts, die sich heute in den Beständen des Kunsthistori- schen Museums Wien befinden. Zu hören sind Werke von Anthony Holborne (um 1545 bis 1602), William Byrd (1540 bis 1623), John Dowland (1563 bis 1626), Jacob van Eyck (1590 bis 1657), Thomas Morley (1557 bis 1602) und anderen Kompo- nisten – vor allem Tänze, aber auch Phantasien und Lieder. The Flauta- dors spielen elegant, aber auch ein wenig langweilig. Sie musizieren immer schön geradeaus, ohne individuell Akzente zu setzen und ohne dynamische Differenzierung. Bei mehr als einer Stunde Spielzeit wird da das Zuhören irgendwann anstrengend – schade! 

Donnerstag, 16. April 2015

Byrd: Infelix ego (Phi)

Die dritte CD mit Chorrepertoire aus der Zeit der Renaissance, die Philippe Herreweghe bei seinem Label Phi vorgelegt hat, ist William Byrd (um 1540-1623) gewidmet. Der Komponist wirkte, ebenso wie Thomas Tallis, der möglicherweise sein Lehrer gewesen ist, als Organist an der Chapel Royal. Mit der anglikanischen Kirche konnte Byrd allerdings wenig anfangen; er selbst blieb zeitlebens Katholik und schrieb, neben Werken für den anglikanischen Gottesdienst, auch eine Vielzahl von Musikstücken entsprechend der katholischen Liturgie. Er veröffentlichte sie auch, was ziemlich kühn war, da Katholiken damals in England verfolgt und für die Missachtung des staatlich verordne- ten rechten Glaubens mitunter hart bestraft wurden. 
Mit dem Collegium Vocale Gent hat Herreweghe neben der fünfstimmigen Messe auch einige Motetten dieses bedeutenden Meisters der späten Tudor-Zeit eingespielt. Byrds Musik wurde zudem durch je ein Werk von Alfonso Ferrabosco und Philippe de Monte ergänzt. Auch diese beiden Musiker wirkten zeitweise in England bei Hofe; es gibt gute Gründe dafür, anzunehmen, dass Byrd beide kannte. 
Den Mittelpunkt dieser CD bildet Byrds berühmte Motette Infelix ego. Der Text ist eine Meditation über Psalm 51, verfasst von dem Dominikaner Girolamo Savonarola (1452 bis 1498) kurz vor seiner Hinrichtung. Der Prediger hatte seinerzeit die Medici aus Florenz vertrieben und dort ein grausiges, rigoros frommes Regime zu errichten versucht. Er ist damit gescheitert – und wurde als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Diesen Text dürfte Byrd wohl kaum zufällig gewählt haben; seine Verto- nung ist ein Meisterwerk, das man unbedingt kennen sollte. Und das Collegium Vocale Gent singt exzellent. Es ist faszinierend, wie sehr sich die Sängerinnen und Sänger sogar auf den typisch englischen Chorklang einstellen. Bravi! 

Montag, 7. Juli 2014

Te Deum laudamus (cpo)

Eine Überraschung ganz besonde- rer Art hielt der Freiberger Dom bereit: Als man daran ging, die Engel zu restaurieren, die in der Grablege der einstmals evange- lischen Wettiner hoch über den Köpfen Instrumente in den Händen hielten, um himmlische Musik anzustimmen, stellte sich heraus, dass es sich dabei zumeist um echte Instrumente handelte. Die Freude der Experte war riesen- groß, denn die Geigen, Zinken, Harfen, Cistern, Lauten und Schal- meien stammten aus einer Zeit, aus der nur sehr wenig derartige Sachzeugen überliefert sind. Und sie waren so gut erhalten, dass Instrumentenbauer sie kopieren konnten. Selbst die hölzernen Posaunen waren so detailgetreu angefertigt worden, dass ein Nachbau möglich war. Auf dieser CD ist nun anzuhören, wie die Engelskapelle geklungen haben könnte. 
Die Werke dazu wurden der Sammlung der einstigen Freiberger Lateinschule entnommen. 1515 gegründet, zählt sie zu den ältesten städtischen Bildungseinrichtungen Sachsens. „Musik aus der Freiber- ger Gymnasialbibliothek aufführen zu wollen, heißt weniger, Lokalkolorit herauszuarbeiten und unbekannte, vergessene Meister der Öffentlichkeit vorzuführen. Vielmehr ist erstaunlich, wie welt- gewandt die Freiberger Musik im 15. und 16. Jahrhundert war“, meint Domkantor Albrecht Koch. „Führend dabei natürlich die Dommusik, die in enger Verbindung zur damaligen Lateinschule stand. Im Zentrum des Konzertes steht so das Te Deum von Rogier Michael, einem der wichtigen sächsischen Hofkapellmeister vor Heinrich Schütz. Das Programm erfährt seine Ergänzung aus den Werken vieler Meister, die in Freiberg gesammelt und aufbewahrt werden, unter ihnen Atanasius Kirchner, Leonard Lechner oder Orlando di Lasso. Es liegt auf der Hand, diese Musik mit dem groß- artigen Freiberger Renaissance-Instrumentarium zu verbinden und am ursprünglichen Ort zum Klingen zu bringen.“
Und so musizieren auf dieser CD gemeinsam die Ensembles „chordae freybergensis“ um Professorin Susanne Scholz, gegründet 2005, um Spieltechnik und Klang der Engelsgeigen zu erkunden, und die Sängerinnnen und Sänger der Freiberger Dom-Musik. Die Leitung hat Domkantor Koch, er spielt auch das Orgelpositiv. Bei aller Faszination ist leider eine gewisse Blutleere der Interpretationen zu bemängeln. Alles klingt irgendwie gleich; und das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Singenden zwar sehr sauber, aber wenig durchhörbar musizieren. Es fehlt Struktur, und man vermisst Abwechslung und auch verschiedene Klangfarben. Schade! 

Dienstag, 6. August 2013

Fabulous London - Les Escapades (Christophorus)

„In London, they are at work with a downright furore to resuscitate archaic music!“ Das berichtete ein Korrespondent 1896 mehr oder minder kopfschüttelnd. Ein Enthu- siast namens Arnold Dolmetsch suchte in Archiven nach Musik aus dem elisabethanischen Zeitalter, die er dann, auf wiederbelebten Instrumenten und mit Hilfe seiner Familie, in Konzerten vorstellte. Das muss ein großes Erlebnis gewesen sein. Denn Dolmetsch gelang es tatsächlich, die Consortmusik wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken – eine Tradition, die seitdem nicht nur in England wieder gepflegt wird. 
So haben Franziska Finckh, Sabine Kreutzberger, Barbara Pfeifer und Adina Scheyhing – die vier Damen musizieren seit dem Jahr 2000 gemeinsam als Gambenconsort Les Escapades – unterstützt durch Barbara Leitherer, Bassgambe, und Andrea Cordula Baur, Renaissancelaute, kürzlich bei Christophorus eine CD mit englischer Gambenmusik veröffentlicht. 
Es sind Stücke von bekannten und unbekannten Komponisten, vom Tanz bis zur Klage und von kunstvoll bis schlicht. Ein abwechslungs- reiches Programm, gekonnt vorgetragen, das mit einer enormen Palette an Klangfarben überrascht. Diese stimmungsvolle CD sei daher an dieser Stelle empfohlen – sie ist wirklich rundum gelungen!