Weihnachtliche Musik aus der Zeit nach der Reformation hat das Ensemble Bell'Arte Salzburg unter der Leitung von Annegret Siedel für seine neues Album „Himlische Weynacht“ herausgesucht. Die Musiker haben den wohl bekanntesten Choral Martin Luthers, Vom Himmel hoch, da komm ich her, in den Mittelpunkt ihres Programmes gestellt. Er erklingt in sieben verschiedenen Bearbei- tungen, und gibt den ausgewählten Werken aus dem 17. und 18. Jahr- hundert den festlichen Rahmen.
Die traditionellen Weihnachtslieder spielen ansonsten auf dieser CD nur am Rande eine Rolle: Ich steh an deiner Krippen hier erklingt in seiner ursprünglichen Fassung, und Wie schön leuchtet der Morgenstern in drei ganz unterschiedlichen Sätzen, eingebettet in eine Violinsonate eines unbekannnten Komponisten.
Ansonsten enthält diese CD sorgsam ausgesuchte geistliche Konzerte aus der Barockzeit. Diese vom Umfang her meist kleinen, aber ausgesprochen virtuosen Werke bieten sowohl Sängern als auch Instrumentalisten Gelegenheit, ihr Können zu beweisen.
Besonders gefreut habe ich mich über Mein Herz ist bereit von Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697), eines meiner Lieblingskonzerte, das nun damit endlich auch auf CD verfügbar ist. Bruhns war ein Schüler von Dieterich Buxtehude. Er spielte die Geige ebenso gut wie die Orgel – was diesem Werk eine ausgedehnte, konzertante Einleitung beschert hat, in der die Geige brillieren kann. Anschließend konzertieren Sänger und Geiger gemeinsam, wobei jede Menge Tempo- und auch Taktwechsel hohe Anforderungen an Aufmerksamkeit und Präzision stellen.
Auch Hans Leo Hassler (1564 bis 1612), Heinrich Schütz (1585 bis 1672), sein Schüler Christoph Bernhard (1628 bis 1692), Heinrich Franz Ignaz Biber (1644 bis 1704), Johann Valentin Meder (1649 bis 1719), der aus Wasungen an der Werra stammte und selbst im Baltikum gefragt war, und der Dresdner Hofkomponist Jas Dismas Zelenka (1670 bis 1745) sind auf dieser CD mit Konzerten vertreten. Mit Ausnahme des Magnificat SWV 344 von Heinrich Schütz, das vielleicht am ehesten bekannt ist, handelt es sich dabei durchweg um Raritäten.
Das Ensemble Bell'Arte Salzburg musiziert ausdrucksstark und gestaltet zusammen mit Marie Luise Werneburg, Sopran, und dem renommierten Bassbariton Klaus Mertens ein ebenso besinnliches wie feierliches, ab- wechslungsreiches Programm. Meine Empfehlung!
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Donnerstag, 17. Dezember 2015
Samstag, 27. September 2014
Schütz: Psalmen Davids (Carus)
Heinrich Schütz (1585 bis 1672) hat wie kein anderer Komponist die Kunst der venezianischen Mehrchö- rigkeit mit der lutherischen Tradition der Textauslegung verknüpft. Besonders strahlend zeigt sich diese seine Kunstfertigkeit in den Psalmen Davids. Dort verbindet er repräsen- tative Klangpracht, wie er sie in Italien bei Giovanni Gabrieli kennengelernt hat, mit der Idee der Predigt, allerdings in Musik gesetzt, denn das war das Geschäft des Kapellmeisters am sächsischen Kurfürstenhof.
Dieses bedeutende Werk gehört auch in der Schütz-Gesamteinspielung bei Carus ohne Zweifel zu den Höhepunkten. Das liegt zum einen an den herausragenden Solisten, die in den Favoritchören musizieren. Doch auch die Kapellchöre sind nicht wirklich schwächer besetzt. Hans-Christoph Rademann gelingt es zudem, die Sänger und die Instrumentalisten des Dresdner Barockorchesters so durch die komplizierten musikalischen Strukturen zu navigieren, dass der Klang perfekt ausbalanciert bleibt, so dass die Musik zu jedem Zeitpunkt durchhörbar wirkt. An keiner Stelle entsteht Klangbrei; allen Mitwirkenden gelingt es obendrein, Emotion und Textverständlichkeit in vorbildlicher Weise zu kombinieren. Und als besonderes Sahnehäubchen erklingt das ohnehin groß besetzte Danket dem Herren, denn er ist freundlich SWV 45 hier erstmals mit einem von dem Trompeter Edward H. Tarr rekonstruierten fünfstimmigen Bläserchor nebst Pauke. So wird auch die höfische Dimension dieser Musik zum Erlebnis.
Dieses bedeutende Werk gehört auch in der Schütz-Gesamteinspielung bei Carus ohne Zweifel zu den Höhepunkten. Das liegt zum einen an den herausragenden Solisten, die in den Favoritchören musizieren. Doch auch die Kapellchöre sind nicht wirklich schwächer besetzt. Hans-Christoph Rademann gelingt es zudem, die Sänger und die Instrumentalisten des Dresdner Barockorchesters so durch die komplizierten musikalischen Strukturen zu navigieren, dass der Klang perfekt ausbalanciert bleibt, so dass die Musik zu jedem Zeitpunkt durchhörbar wirkt. An keiner Stelle entsteht Klangbrei; allen Mitwirkenden gelingt es obendrein, Emotion und Textverständlichkeit in vorbildlicher Weise zu kombinieren. Und als besonderes Sahnehäubchen erklingt das ohnehin groß besetzte Danket dem Herren, denn er ist freundlich SWV 45 hier erstmals mit einem von dem Trompeter Edward H. Tarr rekonstruierten fünfstimmigen Bläserchor nebst Pauke. So wird auch die höfische Dimension dieser Musik zum Erlebnis.
Dienstag, 26. April 2011
Hasse: Requiem in C (Carus)
"Die Frauen bekränzten ihn mit Blumen, die Dichter feierten ihn in Sonetten, und wo er sich sehen ließ, empfingen ihn jubelnde Zurufe", berichtet eine Geschichte des Hoftheaters zu Dresden über Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783). Es war Hasse, der gemein- sam mit seinem Berliner Kollegen Graun die italienische Oper zu erster Blüte führte. Doch mit dem Verschwinden der opera seria von der Bühne gerieten diese Komponi- sten so gründlich in Vergessenheit, dass man sich nicht genug darüber wundern kann.
"Wir sind in der glücklichen Lage, gemeinsam mit dem Dresdner Barockorchester und anderen Künstlern immer wieder sächsische Musikschätze von Weltgeltung zu heben und den wertvollen Dresd- ner Kunstsammlungen ,klingende Exponate' von außerordentlicher Güte zur Seite zu stellen", schreibt Hans-Christoph Rademann. Der Gründer und künstlerische Leiter des Dresdner Kammerchores engagiert sich seit vielen Jahren für die Wiederentdeckung der Werke des sächsischen Barocks. In diesem Falle handelt es sich um das Requiem in C, von Hasse 1763 komponiert für die Beisetzung seines langjährigen Dienstherrn Friedrich August II. Dieses Werk wurde in Dresden bis 1850 alljährlich am Todestag dieses Kurfürsten und polnischen Königs zum Gedenken aufgeführt.
"Der Musik Johann Adolf Hasses zu begegnen, heißt für uns immer wieder über die einzigartige Verbindung von Schlichtheit und Vir- tuosität, Eleganz und Bescheidenheit zu staunen", so Rademann. Bei dieser Aufnahme werden "seine" Sänger vom Dresdner Barock- orchester begleitet, in dem Alte-Musik-Spezialisten gemeinsam mit Musikern der Dresdner Staatskapelle und der Dresdner Philharmonie musizieren. Seit 20 Jahren pflegen sie erfolgreich das Erbe der Hof- kapelle Augusts des Starken, die zu Hasses Zeiten eine der besten in Europa war.
Rademann ist es gelungen, für dieses Projekt exzellente Sänger zu gewinnen. Zu hören sind Johanna Winkel und Marie Luise Werneburg, Sopran, Wiebke Lehmkuhl und Marlen Herzog, Alt, Colin Balzer, Tenor und Cornelius Uhle, Bass. Die jungen Sängerinnen und Sänger, die aus dem Chor heraus solistische Aufgaben übernehmen, können es dabei durchaus mit ihren etablierten Kollegen aufnehmen.
Zusammen mit dem Miserere in c, das Hasse ursprünglich für die Mädchen des Ospedale degli Incurabili in Venedig geschaffen und in einer Fassung für den Dresdner Hof für gemischten Chor bearbeitet hatte, erklang das Requiem im Rahmen des Musikfestes Erzgebirge 2010. Die entsprechenden Konzerte in der St. Marienkirche Marien- berg wurden aufgezeichnet, und nun erschien der Mitschnitt bei Carus. Eine kluge Entscheidung des Labels, denn sowohl das Orchester als auch die Sänger sind überragend. Rademann gelingt eine Hasse-Interpretation, die schwerlich zu übertreffen sein wird. Diese CD ist vom ersten bis zum letzten Ton ein Genuss.
"Wir sind in der glücklichen Lage, gemeinsam mit dem Dresdner Barockorchester und anderen Künstlern immer wieder sächsische Musikschätze von Weltgeltung zu heben und den wertvollen Dresd- ner Kunstsammlungen ,klingende Exponate' von außerordentlicher Güte zur Seite zu stellen", schreibt Hans-Christoph Rademann. Der Gründer und künstlerische Leiter des Dresdner Kammerchores engagiert sich seit vielen Jahren für die Wiederentdeckung der Werke des sächsischen Barocks. In diesem Falle handelt es sich um das Requiem in C, von Hasse 1763 komponiert für die Beisetzung seines langjährigen Dienstherrn Friedrich August II. Dieses Werk wurde in Dresden bis 1850 alljährlich am Todestag dieses Kurfürsten und polnischen Königs zum Gedenken aufgeführt.
"Der Musik Johann Adolf Hasses zu begegnen, heißt für uns immer wieder über die einzigartige Verbindung von Schlichtheit und Vir- tuosität, Eleganz und Bescheidenheit zu staunen", so Rademann. Bei dieser Aufnahme werden "seine" Sänger vom Dresdner Barock- orchester begleitet, in dem Alte-Musik-Spezialisten gemeinsam mit Musikern der Dresdner Staatskapelle und der Dresdner Philharmonie musizieren. Seit 20 Jahren pflegen sie erfolgreich das Erbe der Hof- kapelle Augusts des Starken, die zu Hasses Zeiten eine der besten in Europa war.
Rademann ist es gelungen, für dieses Projekt exzellente Sänger zu gewinnen. Zu hören sind Johanna Winkel und Marie Luise Werneburg, Sopran, Wiebke Lehmkuhl und Marlen Herzog, Alt, Colin Balzer, Tenor und Cornelius Uhle, Bass. Die jungen Sängerinnen und Sänger, die aus dem Chor heraus solistische Aufgaben übernehmen, können es dabei durchaus mit ihren etablierten Kollegen aufnehmen.
Zusammen mit dem Miserere in c, das Hasse ursprünglich für die Mädchen des Ospedale degli Incurabili in Venedig geschaffen und in einer Fassung für den Dresdner Hof für gemischten Chor bearbeitet hatte, erklang das Requiem im Rahmen des Musikfestes Erzgebirge 2010. Die entsprechenden Konzerte in der St. Marienkirche Marien- berg wurden aufgezeichnet, und nun erschien der Mitschnitt bei Carus. Eine kluge Entscheidung des Labels, denn sowohl das Orchester als auch die Sänger sind überragend. Rademann gelingt eine Hasse-Interpretation, die schwerlich zu übertreffen sein wird. Diese CD ist vom ersten bis zum letzten Ton ein Genuss.
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