Nach dem Tode seines langjährigen Dienstherren Fürst Nikolaus 1790 kehrte Joseph Haydn (1732 bis 1809) nach Wien zurück. Er ge- dachte, fürderhin in Ruhe das Dasein eines Pensionärs zu führen - doch daraus wurde nichts. Denn der Londoner Geiger und Konzert- veranstalter Johann Peter Salo- mon überredete ihn, nach Groß- britannien zu kommen, und dort sechs neue Sinfonien uraufzufüh- ren. Und weil die erste Konzert- reise 1791/92 ein großer Erfolg wurde, ging Haydn 1794/95 gleich noch einmal nach London.
In der britischen Hauptstadt musizierte der Österreicher aber nicht nur, er besuchte auch etliche Konzerte und traf Kollegen. So hörte er einige von Händels Oratorien, und war davon so angetan, dass er selbst daran ging, ähnliche Werke in deutscher Sprache zu schaffen. Ideen brachte er aus England mit - und so entstand zunächst Die Schöpfung (1798), die vom Publikum geradezu enthusiastisch auf- genommen wurde.
Baron Gottfried van Swieten schuf anschließend einen weiteren Text, diesmal nach dem Versepos The Seasons von James Thomson. Haydn scheint die Arbeit daran nicht ganz leicht gefallen zu sein. Auch die Wiener reagierten mit einer gewissen Zurückhaltung auf das Werk, dem eine Handlung fehlt. Die Jahreszeiten (1801) sind eher Idyllen, Genrebilder; und die drei auftretenden Personen Simon, ein Pächter (Bass), Hanne, dessen Tochter (Sopran) und Lukas, ein junger Bauer (Tenor) sind nicht wirklich Helden. Der Verklärung des Landlebens, ganz im Sinne Rosseaus, scheint Haydn eine gewisse Ironie entge- gengesetzt zu haben. So schuf er einen köstlichen Chor zum Lobe des Fleißes - wer dieses Stücklein für bare Münze nimmt, der hat keine Ohren am Kopf. Und über die Musik, mit der er das Weinfest des Landvolkes schildert, schrieb Haydn einst: "Einen so komischen Kontrapunkt und eine so besoffene Fuge habe ich noch nie geschrie- ben."
Ansonsten muss er sich mit dem Libretto ziemlich geplagt haben, es ist jedenfalls überliefert, dass er über den "französischen Abfall" murrte. Der bürgerlichen Chorbewegung freilich war das egal - und die Liedertafeln und Gesangsvereine hatten auch kein Problem mit diesem biedermeierlich-verklärten Lob des Landlebens. So kam es, dass ausgerechnet dieses Oratorium über einen langen Zeitraum sehr beliebt blieb.
Diese Aufnahme aus dem Jahre 1994 dürfte dazu beitragen, dass dies auch so bleibt. Wolfgang Sawallisch führt Chor und Symphonie- orchester des Bayerischen Rundfunks ohne Mätzchen, schlicht und gerade. Die drei Solisten singen sehr hörenswert, allen voran die exzellente Sopranistin Ruth Ziesak. Gemeinsam mit dem Bassisten Alfred Muff sowie dem amerikanischen Tenor Robert Gambill ge- staltet sie die textlich mitunter ziemlich schlichten Partien - "Außen blank und innen rein / muss des Mädchens Busen sein, / wohl deckt ihn der Schleier." So etwas überzeugend zu interpretieren, das ist eine Leistung.
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Mittwoch, 13. April 2011
Dienstag, 5. April 2011
Mendelssohn: Elias (Naxos)
Felix Mendelssohn Bartholdy, hochdramatisch: Das Wort Orato- rium ist für Elias zu schwach. Dieses Werk, ein regelrechtes Bibliodrama, schuf Mendelssohn nach einer Textkompilation aus dem Buch der Könige, geschrieben von seinem Freund Julius Schub- ring, Pastor in Dessau.
Der Komponist war von den Orga- nisatoren des Festivals gebeten worden, bei den Festspielen 1846 in Birmingham die künstlerische Leitung zu übernehmen - und dort ein neues Werk vorzustellen. Die Direktion lehnte er ab, den Komposi- tionsauftrag allerdings akzeptierte er - und so erklang der Elias erstmals am 26. August 1846 in Birmingham. Das Werk sorgte für Furore; 1847 folgten weitere Aufführungen in London, und nach Leipzig zurückgekehrt, begann Mendelssohn dann mit den Proben für die deutsche Uraufführung. Sie wurde schließlich von Niels Wilhelm Gade geleitet, denn Mendelssohn war am 4. November 1847 nach mehreren Schlaganfällen gestorben.
Im englischen Sprachraum blieb der Elias immer beliebt; in Deutsch- land ist er es heute wieder - wohl jeder Chor freut sich darüber, dieses Werk singen zu dürfen. Die Anleihen bei Bach, für dessen Passionen sich Mendelssohn sehr eingesetzt hatte, sind unüberhörbar. Dennoch ist der Elias ganz Romantik - in seinen expressiven Chören ebenso wie in den mitreißenden Ensembles, den oftmals wuchtigen, machtvollen Partien der Solisten und der Klangsprache des Orchesters.
In der vorliegenden Aufnahme mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Jun Märkl steht die Dramatik klar im Vordergrund. Der Chor erweist sich als überaus stimmstark; doch auch die fünf Solisten, auf die hier die ursprünglich sechs wesentli- chen Solopartien verteilt sind, singen sehr hörenswert - allen voran Ruth Ziesak mit ihrem kristallklaren Sopran, Claudia Mahnke mit einem wunderschönen, dunkel timbrierten Mezzo, Luise Müller als "Knaben"sopran, sowie der Bassist Ralf Lukas als fulminanter Elias, und Christoph Genz, Tenor. Immer wieder sind auch Chorsolisten zu hören; leider erfährt hier man keine Namen.
Der Komponist war von den Orga- nisatoren des Festivals gebeten worden, bei den Festspielen 1846 in Birmingham die künstlerische Leitung zu übernehmen - und dort ein neues Werk vorzustellen. Die Direktion lehnte er ab, den Komposi- tionsauftrag allerdings akzeptierte er - und so erklang der Elias erstmals am 26. August 1846 in Birmingham. Das Werk sorgte für Furore; 1847 folgten weitere Aufführungen in London, und nach Leipzig zurückgekehrt, begann Mendelssohn dann mit den Proben für die deutsche Uraufführung. Sie wurde schließlich von Niels Wilhelm Gade geleitet, denn Mendelssohn war am 4. November 1847 nach mehreren Schlaganfällen gestorben.
Im englischen Sprachraum blieb der Elias immer beliebt; in Deutsch- land ist er es heute wieder - wohl jeder Chor freut sich darüber, dieses Werk singen zu dürfen. Die Anleihen bei Bach, für dessen Passionen sich Mendelssohn sehr eingesetzt hatte, sind unüberhörbar. Dennoch ist der Elias ganz Romantik - in seinen expressiven Chören ebenso wie in den mitreißenden Ensembles, den oftmals wuchtigen, machtvollen Partien der Solisten und der Klangsprache des Orchesters.
In der vorliegenden Aufnahme mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Jun Märkl steht die Dramatik klar im Vordergrund. Der Chor erweist sich als überaus stimmstark; doch auch die fünf Solisten, auf die hier die ursprünglich sechs wesentli- chen Solopartien verteilt sind, singen sehr hörenswert - allen voran Ruth Ziesak mit ihrem kristallklaren Sopran, Claudia Mahnke mit einem wunderschönen, dunkel timbrierten Mezzo, Luise Müller als "Knaben"sopran, sowie der Bassist Ralf Lukas als fulminanter Elias, und Christoph Genz, Tenor. Immer wieder sind auch Chorsolisten zu hören; leider erfährt hier man keine Namen.
Sonntag, 27. März 2011
Brahms: Ein deutsches Requiem; Albrecht (Oehms Classics)
Diese CD ist der Live-Mitschnitt des Benefizkonzertes in der Phil- harmonie im Gasteig, München, aus Anlass des Todestages von Dominik Brunner. Doch wer nun lediglich eine weitere Aufnahme des Brahms-Requiems befürchtet, die sich in die leider ziemlich lange Reihe belangloser Interpretatio- nen einreiht, der wird schon bald die Ohren spitzen.
Denn die Sänger sind ein Ereignis, allen voran Ruth Ziesak, die ihren Part als eine Folge großer Melo- diebögen gestaltet, die silbrig und schwerelos emporsteigen, ganz so, als wäre Singen nicht mit Mühe und Arbeit verbunden. Das ist so klug angelegt und technisch so perfekt - so überirdisch schön hat man den Trost noch nie empfangen, den das Brahms-Requiem spendet. Bariton Konrad Jarnot erweist sich ebenfalls als gute Besetzung. Im Zentrum dieser Interpretation aber stehen ganz klar die Sängerinnen und Sänger des Münchner Bach-Chores, der 1954 von dem legendären Karl Richter gegründet wurde, und seit 2005 von Hansjörg Albrecht geleitet wird. Dieser Chor singt mit einer Geschmeidigkeit und Transparenz, wie sie beim Brahms-Requiem noch nicht zu hören war.
Am Anfang steht für meinen Geschmack etwas zu viel Lautstärke. Aber dort, wo die Musiker des Münchner Rundfunkorchesters nebst Friedemann Winklhofer an der Orgel nicht gar zu entfesselt loslegen, gelingt Albrecht eine Aufführung von geradezu kammermusikalischer Durchhörbarkeit und Flexibilität. Das ist wirklich beeindruckend, und spätestens ab "Wie lieblich sind deine Wohnungen" fasziniert diese Aufnahme durch ihre Intensität. Grandios!
Denn die Sänger sind ein Ereignis, allen voran Ruth Ziesak, die ihren Part als eine Folge großer Melo- diebögen gestaltet, die silbrig und schwerelos emporsteigen, ganz so, als wäre Singen nicht mit Mühe und Arbeit verbunden. Das ist so klug angelegt und technisch so perfekt - so überirdisch schön hat man den Trost noch nie empfangen, den das Brahms-Requiem spendet. Bariton Konrad Jarnot erweist sich ebenfalls als gute Besetzung. Im Zentrum dieser Interpretation aber stehen ganz klar die Sängerinnen und Sänger des Münchner Bach-Chores, der 1954 von dem legendären Karl Richter gegründet wurde, und seit 2005 von Hansjörg Albrecht geleitet wird. Dieser Chor singt mit einer Geschmeidigkeit und Transparenz, wie sie beim Brahms-Requiem noch nicht zu hören war.
Am Anfang steht für meinen Geschmack etwas zu viel Lautstärke. Aber dort, wo die Musiker des Münchner Rundfunkorchesters nebst Friedemann Winklhofer an der Orgel nicht gar zu entfesselt loslegen, gelingt Albrecht eine Aufführung von geradezu kammermusikalischer Durchhörbarkeit und Flexibilität. Das ist wirklich beeindruckend, und spätestens ab "Wie lieblich sind deine Wohnungen" fasziniert diese Aufnahme durch ihre Intensität. Grandios!
Montag, 29. Juni 2009
Franz Liszt: Lieder - Ruth Ziesak (Berlin Classics)

So ähnlich müssen Engel singen: Glockenrein und himmelsklar klingt der Sopran von Ruth Ziesak, alles, was sie anstimmt, wird pure Melodie. Und Gerold Huber am Klavier begleitet diese Sphärengesänge angemessen. Mehr als 80 Lieder hat Franz Liszt komponiert, 21 davon stellt Ziesak in dieser Einspielung vor. Man hört und staunt: Diese Lieder sind intime Miniaturen, irgendwo zwischen Schumann, Mendelssohn und Meyerbeer. Ziesak bringt das Kunststück fertig, mit ihrer Auswahl zugleich die Entwicklung des Liedkomponisten Liszt aufzuzeigen - von der großen, nahezu ariösen Form der frühen Jahre hin zur Klarheit und Konzentriertheit der späten Werke. Eine grandiose CD, allerdings mit einem winzigen Makel: Etwas mehr Textverständlichkeit bleibt zu wünschen.
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