Sonntag, 5. Dezember 2010

Mozart: Duets for violin & viola, Divertimento (Concerto)

Die Sage berichtet, der jüngere Bruder von Franz Joseph Haydn, Johann Michael Haydn, war Hofmusicus und Concertmeister beim Erzbischof Sigismund von Schrattenbach in Salzburg, und habe für seinen Dienstherrn, der gut und gern Geige spielte, Sonaten liefern sollen. Das Minimum, das erwartet wurde, seien sechs Stück gewesen. Doch im Verzeichnis der Werke Haydns finden sich für das Jahr 1783 nur vier Stück - wo also sind die anderen beiden? 
Die Legende besagt, es handele sich dabei um die beiden Duette für Violine und Viola KV 423 und 424 von Wolfgang Amadeus Mozart. Er habe sie 1783 für den älteren Freund geschrieben, der wohl gern und oft gefeiert haben soll. -- Ob dies Dichtung oder Wahrheit ist, werden wir nicht mehr herausfinden. Aber Francesco Manara, Violine, und Simonide Braconi, Viola, zeigen, welch spannende Musik diese beiden Duosonaten sind. Beim letzten Werk werden sie durch den Cellisten Massimo Polidori komplettiert, der ebenfalls zu den Solisten der Mailänder Scala gehört. Denn die CD wird ergänzt durch das Diverti- mento in Es-Dur KV 563 für Streichtrio, das Mozart im September 1788 vollendete. Dieses Divertimento ist weit mehr als Unterhal- tungsmusik; hinter der formal konventionellen Fassade greift Mozart zur vollen Palette seiner gestalterischen Möglichkeiten, und die scheinbar schlichten Melodien führen in eine schwindelerregende Tiefe. Dieses Werk, das musikalisch das Format seiner besten späten Streichquartette hat, ist ebenso wie die beiden Duette in Mozarts Schaffen ein Solitär geblieben.

Baroque Christmas in Hamburg (cpo)

Im 17. Jahrhundert war Hamburg eine Musikmetropole von europä- ischem Rang. In der reichen Han- sestadt wirkten zahlreiche bedeu- tende Musiker der unterschiedlich- sten Provenienz, und sie bescher- ten dem "norddeutschen" Barock einen Farben- und Formenreich- tum, der seinesgleichen sucht.
Aus dem reichen Fundus der Organisten- und Kantorenmusik der damaligen Zeit schöpft das Bremer Barock Consort, ein Ensemble von Studierenden und Absolventen derHochschule für Künste Bremen unter Leitung von Manfred Cordes. Musiziert wird sehr achtbar und solide. So erklingen auf dieser CD Werke des Organisten Hieronymus Praetorius und seines Sohnes Jacob Praetorius, der ebenfalls in Hamburg als Organist wirkte. Er war wie Heinrich Scheidemann und Samuel Scheidt, von denen gleichfalls Werke auf dieser CD vorgestellt werden, ein Schüler des Amsterdamer "Organistenmachers" Jan Pieterszon Sweelinck. Stadtkantor Thomas Selle ist mit zwei Werken vertreten; auch sein Nachfolger Christoph Bernhard und Johann Philipp Förtsch, der als Kantoreisänger nach Hamburg kam, aber eigentlich Arzt war, werden mit prachtvollen Werken einbezogen. Auch Matthias Weckmann ist zu hören; allerdings will mich die Zuschreibung der Toccata primi toni an Bernhard nicht recht überzeugen - dieses Werk klingt gar zu typisch nach Weckmann. Die CD endet mit Christoph Bernhards Kantate Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren - eine hochkomplexe Vertonung des Nunc dimittis, die an Schütz denken lässt.
Auffällig ist, dass all diese Werke auf Pauken und Trompeten ver- zichten. Möglicherweise ist dies auf die traditionelle Zurückhaltung des Bürgertums der Hansestadt zurückzuführen, das seinen Reichtum fleißig mehrte, aber eher nicht zeigte.