Andreas Hammerschmidt neben Friedrich Hollaender, Samuel Scheidt und Heinrich Schütz neben Hanns Eisler – auf dieser Doppel-CD bringt die Lautten Compagney höchst unterschiedliche Musikstücke zusammen. Zwei Jahreszahlen verbinden die Zeithorizonte: 1618 begann der Dreißigjährige Krieg, und 1918 endete der Erste Weltkrieg. Beide verwüsteten ganze Regionen Europas und brachten die Menschen in Not und Elend.
„Angst“, „Katastrophe“, „Vergäng- lichkeit“ und „Sehnsucht“ stehen als Überschriften über den vier Kapiteln, in denen die Musiker um Wolfgang Katschner sowohl Barockmusik als auch Klänge aus dem frühen 20. Jahrhundert miteinander kombiniert haben. Sopranistin Dorothee Mields gibt sowohl den Klageliedern als auch der Hoffnung auf Frieden und auf ein friedvolles Leben Stimme. Sie singt ergreifend und berührend, wobei mir ihr engelsreiner Gesang freilich besser zu den barocken Melodien zu passen scheint als zu den doch oft recht ruppigen Liedern aus dem Berlin der 20er Jahre. Großartig sind die Arrangements von Bo Wiget und Ensembleleiter Wolfgang Katschner. Eisler, Hollaender und Satie in frühbarockem Klanggewand - das ist sehr spannend.
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Freitag, 25. Oktober 2019
Mittwoch, 28. November 2018
Gott ist unsere Zuversicht (Rondeau)
Der Stadtsingechor Halle/Saale ist ein renommiertes Ensemble mit einer ganz enormen Tradition. Seine Wurzeln reichen bis in das Jahr 1116, zur Gründung des Augustiner-Chorherrenstiftes Neuwerk, zurück. 1565 schlossen sich die Hallenser Pfarrschulen zum lutherischen Gymnasium zusammen. So entstand auch ein Schulchor, der unter anderem Gottesdienste in den drei Hauptkirchen Unser Lieben Frauen, St. Ulrich und St. Moritz musikalisch auszugestalten hatte. Er wurde später Stadtsingechor genannt, und wirkte im Laufe der Jahrhunderte mit zahlreichen hervorragenden Kantoren und Organisten zusammen, wie Samuel Scheidt, Friedrich Wilhelm Zachow, Daniel Gottlob Türk oder Wilhelm Friedemann Bach. Seit 2014 wird der Chor von Clemens Flämig geleitet. Er ist heute in den Franckeschen Stiftungen beheimatet; die Sänger lernen am Landesgymnasium Latina, und absolvieren zudem ein umfangreiches Pensum an Musikunterricht, Proben und Konzerten.
Die neue CD mit dem Titel „Gott ist unsre Zuversicht“ bietet Chormusik vom 16. bis zum 21. Jahrhundert; das Programm ist auf den 46. Psalm ausgerichtet. Sein Text wurde von Martin Luther zu einem Lied umge- arbeitet: Ein feste Burg ist unser Gott gilt bis heute als ein Symbol der Reformation.
So reicht denn auch dieses Programm von der Reformation bis in die Moderne. Die Anforderungen an die jungen Chorsänger sind hoch, doch sie singen mit hoher Präzision und mit Engagement. Allerdings erfolgte die Aufnahme so ungeschickt, dass der überaus hallige Kirchenraum alles dominiert. Wer auch immer für die Tontechnik verantwortlich war – eine Glanzleistung ist das leider nicht.
Die neue CD mit dem Titel „Gott ist unsre Zuversicht“ bietet Chormusik vom 16. bis zum 21. Jahrhundert; das Programm ist auf den 46. Psalm ausgerichtet. Sein Text wurde von Martin Luther zu einem Lied umge- arbeitet: Ein feste Burg ist unser Gott gilt bis heute als ein Symbol der Reformation.
So reicht denn auch dieses Programm von der Reformation bis in die Moderne. Die Anforderungen an die jungen Chorsänger sind hoch, doch sie singen mit hoher Präzision und mit Engagement. Allerdings erfolgte die Aufnahme so ungeschickt, dass der überaus hallige Kirchenraum alles dominiert. Wer auch immer für die Tontechnik verantwortlich war – eine Glanzleistung ist das leider nicht.
Freitag, 6. Juli 2018
Scheidt: Cantiones Sacrae (Carus)
Man staunt – doch bei den Werken von Samuel Scheidt (1587 bis 1654) sind offenbar noch immer Welt- ersteinspielungen möglich. Auf dieser CD jedenfalls sind etliche zu finden; und wer die Cantiones Sacrae selbst singen möchte: Die Notenausgaben sind ebenfalls bei Carus verfügbar.
Ganz einfach allerdings dürfte das nicht werden. Scheidt lässt durchweg doppelchörig musizieren, mit zwei vierstimmigen Chören, die Stimmen gern auch auf einen hohen und einen tieferen Chor verteilt. Musiziert wird prachtvoll nach italienischem Vor- bild, und die Stimmumfänge, vor allem im Sopran und im Bass, werden dabei gehörig ausgereizt.
Das Athesinus Consort Berlin, geleitet von Klaus-Martin Bresgott, hat damit keine Schwierigkeiten. Die Chorsänger, die vorzugsweise als Doppelquartett agieren, sind Profis, und sie bringen die notwendige Technik mit, um diese Motetten aufs Schönste zu präsentieren. Ergänzend erklingt zudem Die Stimme meines Freudes, eine zweiteilige Motette nach Texten des Hoheliedes und der Sprüche Salomos für zehn Stimmen und Violoncello von Frank Schwemmer (*1961). Dabei handelt es sich um ein Auftragswerk, das eigens für diese CD entstanden ist. Klangflächen und Rhythmisierung zeichnen dieses Werk aus, das einen spannungsvollen zeitgenössischen Kontrast zu Scheidts vom Kontrapunkt getragenen Kompositionen ergibt.
Ganz einfach allerdings dürfte das nicht werden. Scheidt lässt durchweg doppelchörig musizieren, mit zwei vierstimmigen Chören, die Stimmen gern auch auf einen hohen und einen tieferen Chor verteilt. Musiziert wird prachtvoll nach italienischem Vor- bild, und die Stimmumfänge, vor allem im Sopran und im Bass, werden dabei gehörig ausgereizt.
Das Athesinus Consort Berlin, geleitet von Klaus-Martin Bresgott, hat damit keine Schwierigkeiten. Die Chorsänger, die vorzugsweise als Doppelquartett agieren, sind Profis, und sie bringen die notwendige Technik mit, um diese Motetten aufs Schönste zu präsentieren. Ergänzend erklingt zudem Die Stimme meines Freudes, eine zweiteilige Motette nach Texten des Hoheliedes und der Sprüche Salomos für zehn Stimmen und Violoncello von Frank Schwemmer (*1961). Dabei handelt es sich um ein Auftragswerk, das eigens für diese CD entstanden ist. Klangflächen und Rhythmisierung zeichnen dieses Werk aus, das einen spannungsvollen zeitgenössischen Kontrast zu Scheidts vom Kontrapunkt getragenen Kompositionen ergibt.
Donnerstag, 7. Dezember 2017
Scheidt: Das Orgelwerk Vol. 11 (Fagott)
Samuel Scheidt (1587 bis 1654) gehört wie der Dresdner Hofkapell- meister Heinrich Schütz und Thomaskantor Johann Hermann Schein zu den „drei großen Sch“. Die drei befreundeten Musiker haben aus Mitteldeutschland heraus tatkräftig Musikgeschichte geschrieben.
Die Zeiten allerdings waren alles andere als musisch – denn der Dreißigjährige Krieg, von 1618 bis 1648, verwüstete die Region gleich mehrfach. Von Krankheit und Not blieben auch die Musiker nicht verschont; so verlor Scheidt 1636 vier seiner sieben Kinder an die Pest. Ein weiteres war schon im ersten Lebensjahr verstorben. Nur die beiden Jüngsten, geboren 1638 und 1640, überlebten.
Dabei hatte das Leben des Komponisten hoffnungsvoll begonnen. In Halle/Saale, seiner Heimatstadt, begann er seine Ausbildung und wurde 1603 Organist an St. Moritz. 1607 wurde nach Amsterdam gesandt, wo er bei Jan Pieterszon Sweelinck lernen durfte. Im Jahre 1609 kehrte Scheidt in die Heimat zurück, und wurde zum Hoforganisten von Markgraf Christian Wilhelm von Brandenburg, der Administrator des Erzstiftes Magdeburg war, und in Halle residierte. 1620 wurde er zudem Hof- kapellmeister.
In diesen Jahren schuf und veröffentlichte er bedeutende Werke, wie die Tabulatura nova, die den Weg für die weitere Entwicklung der Claviermusik bereitete. Mit seinem Tabulaturbuch hundert geistlicher Lieder und Psalmen, 1650 in Görlitz erschienen, gab Scheidt zudem der Choralbearbeitung eine gänzlich neue Ausrichtung.
Seine persönlichen Verhältnisse allerdings hatten im Kriege gelitten. Zwar schuf Halle nach der Flucht des Markgrafen 1628 eigens für Scheidt die Stelle eines städtischen Musikdirektors. Diese verlor er aber bereits zwei Jahre später wieder, und musste sich zunächst ohne Anstellung behaup- ten. 1638 wurde schließlich August von Sachsen als neuer Administrator ins Amt eingeführt; Scheidt erhielt von diesem sein Amt als Organist und Hofkapellmeister zurück, was er bis zu seinem Tode inne hatte.
Das Label Fagott veröffentlicht derzeit in einer CD-Reihe das komplette Orgelwerk von Samuel Scheidt. Folge elf, eingespielt von Jan Vermeire, enthält auf zwei CD überwiegend Stücke aus dem Görlitzer Tabulatur- buch. Der renommierte Organist wählte dafür ein modernes Instru- ment: Die Orgel in Saint-Vlaast, Béthune, wurde im Jahre 2001 durch die Schweizer Orgelbaufirma Felsberg AG errichtet. In Disposition und Klang orientiert sie sich am norddeutschen Vorbild.
Die Zeiten allerdings waren alles andere als musisch – denn der Dreißigjährige Krieg, von 1618 bis 1648, verwüstete die Region gleich mehrfach. Von Krankheit und Not blieben auch die Musiker nicht verschont; so verlor Scheidt 1636 vier seiner sieben Kinder an die Pest. Ein weiteres war schon im ersten Lebensjahr verstorben. Nur die beiden Jüngsten, geboren 1638 und 1640, überlebten.
Dabei hatte das Leben des Komponisten hoffnungsvoll begonnen. In Halle/Saale, seiner Heimatstadt, begann er seine Ausbildung und wurde 1603 Organist an St. Moritz. 1607 wurde nach Amsterdam gesandt, wo er bei Jan Pieterszon Sweelinck lernen durfte. Im Jahre 1609 kehrte Scheidt in die Heimat zurück, und wurde zum Hoforganisten von Markgraf Christian Wilhelm von Brandenburg, der Administrator des Erzstiftes Magdeburg war, und in Halle residierte. 1620 wurde er zudem Hof- kapellmeister.
In diesen Jahren schuf und veröffentlichte er bedeutende Werke, wie die Tabulatura nova, die den Weg für die weitere Entwicklung der Claviermusik bereitete. Mit seinem Tabulaturbuch hundert geistlicher Lieder und Psalmen, 1650 in Görlitz erschienen, gab Scheidt zudem der Choralbearbeitung eine gänzlich neue Ausrichtung.
Seine persönlichen Verhältnisse allerdings hatten im Kriege gelitten. Zwar schuf Halle nach der Flucht des Markgrafen 1628 eigens für Scheidt die Stelle eines städtischen Musikdirektors. Diese verlor er aber bereits zwei Jahre später wieder, und musste sich zunächst ohne Anstellung behaup- ten. 1638 wurde schließlich August von Sachsen als neuer Administrator ins Amt eingeführt; Scheidt erhielt von diesem sein Amt als Organist und Hofkapellmeister zurück, was er bis zu seinem Tode inne hatte.
Das Label Fagott veröffentlicht derzeit in einer CD-Reihe das komplette Orgelwerk von Samuel Scheidt. Folge elf, eingespielt von Jan Vermeire, enthält auf zwei CD überwiegend Stücke aus dem Görlitzer Tabulatur- buch. Der renommierte Organist wählte dafür ein modernes Instru- ment: Die Orgel in Saint-Vlaast, Béthune, wurde im Jahre 2001 durch die Schweizer Orgelbaufirma Felsberg AG errichtet. In Disposition und Klang orientiert sie sich am norddeutschen Vorbild.
Sonntag, 9. Oktober 2016
The Organ at European Courts (Brilliant Classics)
Nicht nur in Kirchen erklang in früheren Jahrhunderten die Orgel. Zur Zeit der Renaissance und auch noch im Barock spielte man sie an vielen europäischen Höfen durchaus auch zur Unterhaltung. Die Instru- mente, die dabei genutzt wurden, waren zumeist kleiner als die klangstarken Kirchenorgeln. Francesco Cera, ein ausgewiesener Spezialist für das historische Repertoire, hat für dieses Album ein Programm zusammengestellt, das exemplarisch zeigt, wie höfische Orgelmusik geklungen hat. Die ausgewählten Stücke führen den Hörer quer durch Europa – von Andrea Gabrieli (1533 bis 1585) bis zu Samuel Scheidt (1578 bis 1654), von Paul Hofhaimer (1459 bis 1537) bis Hugh Aston (um 1485 bis 1558) und von Antonio de Cabezon (1510 bis 1566) bis zu Pierre Attaingnant (1494 bis 1552). All diese Canzonen, Tänze und Variationswerke geben ein ebenso abwechslungsreiches wie beeindruckendes Bild von den Fähigkeiten der damaligen Musiker, die auf technisch vergleichsweise schlichten Instru- menten erstaunlich virtuose Werke vorgetragen haben.
Für diese Aufnahme wählte Cera ein Orgelpositiv von 1772, das sich im Refektorium des Franziskanerkonvents im italienischen Lustra Cilento befindet. Diese organo ottavino in kompakter neapolitanischer Bauart, 2012 liebevoll restauriert, ähnelt vielen Hausorgeln des europäischen Adels, so der Organist. Bei der Einspielung wurde sogar der Orgelwind originalgetreu von Hand erzeugt.
Für diese Aufnahme wählte Cera ein Orgelpositiv von 1772, das sich im Refektorium des Franziskanerkonvents im italienischen Lustra Cilento befindet. Diese organo ottavino in kompakter neapolitanischer Bauart, 2012 liebevoll restauriert, ähnelt vielen Hausorgeln des europäischen Adels, so der Organist. Bei der Einspielung wurde sogar der Orgelwind originalgetreu von Hand erzeugt.
Donnerstag, 24. März 2016
Bruhns: Complete Organ Music (Brilliant Classics)
Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697) entstammte einer schleswig-hol- steinischen Musikerdynastie. Sein Großvater war Lautenist und Musik- direktor am Hofe des Gottorper Herzogs, ein Onkel war Direktor der Hamburger Ratsmusik, und sein Vater war Organist; es wird vermutet, dass er ein Schüler von Franz Tunder gewesen sein könnte.
Beim Vater erhielt Nicolaus den ersten Unterricht. Als er 16 Jahre alt war, übernahm dann ein Onkel, der Ratsmusiker in Lübeck war, seine weitere Ausbildung insbesondere an Geige und Gambe. Bruhns soll zudem der Lieblingsschüler Dieterich Buxtehudes gewesen sein, der ihn im Orgelspiel und in Komposition unterrichtete.
Der Musiker wirkte einige Jahre in Kopenhagen, und erhielt dann eine Stelle als Organist in Husum. Als die Stadt Kiel wenig später mit einem konkurrierenden Angebot an den Musiker herantrat, erhöhte der Stadtrat ihm erheblich die Bezüge – und Bruhns blieb. Schaut man sich seine wenigen überlieferten Werke an, so muss er sowohl auf der Geige als auch an der Orgel ein Virtuose gewesen sein. Leider starb er bereits mit 31 Jah- ren; erhalten sind ein knappes Dutzend Geistliche Konzerte und Kantaten sowie vier Orgelwerke – das Große Präludium in e-Moll, das Kleine Präludium in e-Moll, das Präludium in G-Dur, sowie die Choralfantasie über Nun komm, der Heiden Heiland. Zwei weitere Orgelwerke, ein Präludium im g-Moll sowie ein Adagio als Bruchstück aus einem Präludium in D-Dur sind ebenfalls überliefert, aber ihre Echtheit ist umstritten.
Für die vorliegende CD hat der italienische Organist Adriano Falcioni an der Orgel der Kirche San Giorgio in Ferrara Bruhns' komplettes Orgelwerk eingespielt. Vervollständigt wird das Album durch Stücke von Jan Pieterszoon Sweelinck, Heinrich Scheidemann, Samuel Scheidt und Dieterich Buxtehude. Das ist ein interessantes Konzept, denn es macht das musikalische Umfeld deutlich, in dem Bruhns' Musik entstanden ist.
Beim Vater erhielt Nicolaus den ersten Unterricht. Als er 16 Jahre alt war, übernahm dann ein Onkel, der Ratsmusiker in Lübeck war, seine weitere Ausbildung insbesondere an Geige und Gambe. Bruhns soll zudem der Lieblingsschüler Dieterich Buxtehudes gewesen sein, der ihn im Orgelspiel und in Komposition unterrichtete.
Der Musiker wirkte einige Jahre in Kopenhagen, und erhielt dann eine Stelle als Organist in Husum. Als die Stadt Kiel wenig später mit einem konkurrierenden Angebot an den Musiker herantrat, erhöhte der Stadtrat ihm erheblich die Bezüge – und Bruhns blieb. Schaut man sich seine wenigen überlieferten Werke an, so muss er sowohl auf der Geige als auch an der Orgel ein Virtuose gewesen sein. Leider starb er bereits mit 31 Jah- ren; erhalten sind ein knappes Dutzend Geistliche Konzerte und Kantaten sowie vier Orgelwerke – das Große Präludium in e-Moll, das Kleine Präludium in e-Moll, das Präludium in G-Dur, sowie die Choralfantasie über Nun komm, der Heiden Heiland. Zwei weitere Orgelwerke, ein Präludium im g-Moll sowie ein Adagio als Bruchstück aus einem Präludium in D-Dur sind ebenfalls überliefert, aber ihre Echtheit ist umstritten.
Für die vorliegende CD hat der italienische Organist Adriano Falcioni an der Orgel der Kirche San Giorgio in Ferrara Bruhns' komplettes Orgelwerk eingespielt. Vervollständigt wird das Album durch Stücke von Jan Pieterszoon Sweelinck, Heinrich Scheidemann, Samuel Scheidt und Dieterich Buxtehude. Das ist ein interessantes Konzept, denn es macht das musikalische Umfeld deutlich, in dem Bruhns' Musik entstanden ist.
Freitag, 27. November 2015
Martin Luther - Ein feste Burg ist unser Gott (Rondeau)
Dem Reformator Martin Luther waren Lieder wichtig – und deshalb schrieb er selbst fürs Kirchenvolk mehr als 30 Lieder – nach Psalmversen, nach liturgischen Stücken, zur Unterweisung der Gläubigen und zur Erbauung. Gemeinsam mit Johann Walter, dem evangelischen Urkantor, schuf Luther durch die neue Ordnung des Gottesdienstes auch Raum für eine neue Kirchenmusik – und gleich noch das passende Gesangbuch dazu.
Luther wollte eine singende Gemeinde, die nicht nur im Gottesdienst munter anstimmte, sondern auch in der häuslichen Andacht, oder aber zur Tröstung der Kranken und Sterbenden. Bis zum heutigen Tage sind insbesondere die Luther-Choräle in der evangelischen Kirche lebendig und beliebt. Auf dieser CD stellen der Kammerchor der Frauenkirche Dresden und die Instrumenta Musica unter Leitung von Frauenkirchenkantor Matthias Grünert sieben Lieder Luthers vor. Dabei wird zugleich deutlich, wie breit und differenziert die Ideen des Reformators in der Zeit nach der Reformation aufgegriffen wurden. Denn die Choräle, die Martin Luther geschaffen hat, wurden von Heinrich Schütz, Hans Leo Hassler, Michael Praetorius und vielen anderen namhaften Musikern bearbeitet.
Nun komm, der Heiden Heiland, Vom Himmel hoch, da komm ich her, Gelobet seist du, Jesu Christ, Christ lag in Todesbanden, Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, Vater unser im Himmelreich sowie der heimliche Hymnus der protestantischen Kirche, Ein feste Burg ist unser Gott, erklingen jeweils in verschiedenen Versionen. Den Anfang macht jeweils ein Orgelchoral von Samuel Scheidt aus dem Görlitzer Tabulaturbuch von 1650. Es folgen Choralsätze, Motetten, Bicinien oder Geistliche Konzerte; zum Abschluss erklingt dann zudem noch einmal eine Choralbearbeitung für die Orgel. Für jeden Choral Martin Luthers hat Grünert genau fünf Varianten ausgewählt; eine davon stammt immer von Michael Praetorius, ebenso wie die Zwischenmusiken, für die der Kantor Tanzsätze aus Praetorius' Terpsichore (1612) herausgesucht hat.
Luther wollte eine singende Gemeinde, die nicht nur im Gottesdienst munter anstimmte, sondern auch in der häuslichen Andacht, oder aber zur Tröstung der Kranken und Sterbenden. Bis zum heutigen Tage sind insbesondere die Luther-Choräle in der evangelischen Kirche lebendig und beliebt. Auf dieser CD stellen der Kammerchor der Frauenkirche Dresden und die Instrumenta Musica unter Leitung von Frauenkirchenkantor Matthias Grünert sieben Lieder Luthers vor. Dabei wird zugleich deutlich, wie breit und differenziert die Ideen des Reformators in der Zeit nach der Reformation aufgegriffen wurden. Denn die Choräle, die Martin Luther geschaffen hat, wurden von Heinrich Schütz, Hans Leo Hassler, Michael Praetorius und vielen anderen namhaften Musikern bearbeitet.
Nun komm, der Heiden Heiland, Vom Himmel hoch, da komm ich her, Gelobet seist du, Jesu Christ, Christ lag in Todesbanden, Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, Vater unser im Himmelreich sowie der heimliche Hymnus der protestantischen Kirche, Ein feste Burg ist unser Gott, erklingen jeweils in verschiedenen Versionen. Den Anfang macht jeweils ein Orgelchoral von Samuel Scheidt aus dem Görlitzer Tabulaturbuch von 1650. Es folgen Choralsätze, Motetten, Bicinien oder Geistliche Konzerte; zum Abschluss erklingt dann zudem noch einmal eine Choralbearbeitung für die Orgel. Für jeden Choral Martin Luthers hat Grünert genau fünf Varianten ausgewählt; eine davon stammt immer von Michael Praetorius, ebenso wie die Zwischenmusiken, für die der Kantor Tanzsätze aus Praetorius' Terpsichore (1612) herausgesucht hat.
Freitag, 11. Mai 2012
La sacqueboute (Flora)
"Il faut que j'avoüe que la pre- mière fois que j'oüis sonner de la sacqueboute, j'admirai presque autant l'addresse de cellui qui s'en servoit que l'artifice de cellui qui l'a inventée; j'acoit que sans diffi- culté l'inventeur mérite beaucoup plus de loüange", schrieb Pierre Trichet 1640 in seinem Traité des instruments de musique. Die Zug- vorrichtung gab dem Instrument, zumindest im Französischen, Spanischen und Englischen, mögli- cherweise seinen Namen. Denn wer die Posaune spielt, der muss in der Tat nicht nur blasen, sondern auch ziehen und drücken - sac- quer und bouter, im Landsknechtjargon.
Im 16. Jahrhundert eroberte das Blasinstrument ganz Europa. Die Posaune erklang in der Kirche ebenso wie im Theater, im Ballsaal ebenso wie im Militärorchester. In Venedig erklang sie gemeinsam mit dem Zink in den Werken von Giovanni Gabrieli, Claudio Monte- verdi oder Heinrich Schütz. Welche Virtuosität die Posaunisten zu Beginn des 17. Jahrhunderts erreichten, davon berichtet diese CD, die einige extrem anspruchsvolle Werke aus jener Zeit mit Stücken kombiniert, die die typischen Klangfarben der Posaune alter Mensur und der Krummzinken besonders gut zur Geltung bringen.
Das Ensemble Les Sacqueboutiers aus Toulouse musiziert gemeinsam mit Michel Becquet, einem renommierten Posaunisten und Sacque- boutier, der nach vielen Berufsjahren als Soloposaunist heute die Abteilung Blechblasinstrumente am Conservatoire National Supé- rieur de Musique in Lyon leitet. Eine wunderschöne CD, die allen Freunden historischer Bläserklänge wärmstens empfohlen wird.
Im 16. Jahrhundert eroberte das Blasinstrument ganz Europa. Die Posaune erklang in der Kirche ebenso wie im Theater, im Ballsaal ebenso wie im Militärorchester. In Venedig erklang sie gemeinsam mit dem Zink in den Werken von Giovanni Gabrieli, Claudio Monte- verdi oder Heinrich Schütz. Welche Virtuosität die Posaunisten zu Beginn des 17. Jahrhunderts erreichten, davon berichtet diese CD, die einige extrem anspruchsvolle Werke aus jener Zeit mit Stücken kombiniert, die die typischen Klangfarben der Posaune alter Mensur und der Krummzinken besonders gut zur Geltung bringen.
Das Ensemble Les Sacqueboutiers aus Toulouse musiziert gemeinsam mit Michel Becquet, einem renommierten Posaunisten und Sacque- boutier, der nach vielen Berufsjahren als Soloposaunist heute die Abteilung Blechblasinstrumente am Conservatoire National Supé- rieur de Musique in Lyon leitet. Eine wunderschöne CD, die allen Freunden historischer Bläserklänge wärmstens empfohlen wird.
Mittwoch, 7. Dezember 2011
Berühmte Musik für Bläser (Berlin Classics)
Prachtvolle Bläsersätze bringt diese CD mit dem Blechbläser- ensemble Ludwig Güttler. Dabei konzentriert sich diese Kompila- tion mit Aufnahmen aus den Jahren 1987 und 2001 auf die Zeitspanne zwischen Giovanni Gabrieli (1557 bis 1613) und Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) - wobei natürlich, auch wenn das mit Sachsen eigentlich wenig zu tun hat, Händels Feuer- werksmusik nicht ausgelassen wird.
Ansonsten zeigt die CD die Verbindungen zwischen Italien, speziell der venezianischen Mehrchörigkeit, und dem Musizieren am sächsi- schen Hofe: "Es ist mir wichtig", so Güttler, "dass die musikalische Straße Venedig - Wien - Dresden immer wieder hörbar gemacht wird. Gabrieli ist mit seinem weiten Wirkungskreis ein signifikantes Beispiel dafür." Denn der Musiker prägte über seinen Schüler Heinrich Schütz die Musik in Sachsen für einen Zeitraum von gut 50 Jahren ganz entscheidend.
Güttler und seine Ensembles haben sich stets darum bemüht, die Musik dieser Zeit wieder auf das Konzertpodium und in die Kirchenräume zu bringen. Diese CD vereint einige der schönsten Bläsersätze, die sein Blechbläserensemble seit Jahren spielt.
Ansonsten zeigt die CD die Verbindungen zwischen Italien, speziell der venezianischen Mehrchörigkeit, und dem Musizieren am sächsi- schen Hofe: "Es ist mir wichtig", so Güttler, "dass die musikalische Straße Venedig - Wien - Dresden immer wieder hörbar gemacht wird. Gabrieli ist mit seinem weiten Wirkungskreis ein signifikantes Beispiel dafür." Denn der Musiker prägte über seinen Schüler Heinrich Schütz die Musik in Sachsen für einen Zeitraum von gut 50 Jahren ganz entscheidend.
Güttler und seine Ensembles haben sich stets darum bemüht, die Musik dieser Zeit wieder auf das Konzertpodium und in die Kirchenräume zu bringen. Diese CD vereint einige der schönsten Bläsersätze, die sein Blechbläserensemble seit Jahren spielt.
Samstag, 3. Dezember 2011
Missa Papae Marcelli - Opus Vocale (Rondeau)
Im Zuge der Reformation entstand auch eine protestantische Kirchen- musik. Zwar bemühte sich die katholische Kirche, mit dem Konzil von Trient einige der Missstände abzustellen, die zur Spaltung der Kirche geführt hatten. Doch die Reformation war damit nicht mehr zu stoppen.
Zu den Streitpunkten gehörte auch das Musizieren in der Kirche. Die Entwicklung der (katholischen) Kirchenmusik missfiel selbst dem Klerus. So ließ am Karfreitag 1555 der frisch gewählte Papst Marcellus die Sänger seiner Cappella Sistina kommen, und rügte sie scharf, weil ihm die Musik zu festlich für einen Trauertag war. Er forderte von seinen Sängern zudem, sie sollen zukünftig die Musik so vortragen, dass auch ihr Text verständlich sei.
Einer der Sänger, Giovanni Pierluigi da Palestrina, nahm diesen Tadel zum Anlass, die Missa Papae Marcelli zu komponieren. Damit, so be- richtet die Legende, habe der Musiker im übrigen auch die Konzils- väter besänftigt und davon abgehalten, die Kirchenmusik strengen Regeln zu unterwerfen.
Martin Luther forderte, Kirchenmusik habe für jedermann verständ- lich zu sein - und schuf auch gleich beispielhafte neue Kirchenlieder und damit Modelle, denen seine Glaubensgenossen nacheiferten. Doch selbst dort, wo die Vokalmusik wieder komplex wurde - man denke etwa an Bach oder Schütz -, blieb ihr wichtigstes Ziel die Auslegung des jeweiligen Textes, eine Art erweiterte Predigt mit musikalischen Mitteln.
Musiker bewegten sich in jener Zeit oftmals zwischen Reformation und Gegenreformation. Als Lehrer wählten sie sich Vorbilder, die quasi überkonfessionell wirkten. Außerdem wechselten sie mit den Dienstherren häufig auch das Bekenntnis, für das es zu komponieren galt. Aus dieser Tatsache entstand das Konzept für die vorliegende CD: Das Berliner Ensemble Opus Vocale stellt Palestrinas Missa Papae Marcelli neben berühmte Chorsätze protestantischer Provenienz - und der Hörer wird erstaunt feststellen, dass die Differenzen in der Tat gar nicht so groß sind.
Es erklingen Werke von Johannes Eccard (1553 bis 1611), Leonhard Schröter (1532 bis 1601), Michael Praetorius (1571 bis 1621), Hieronymus Praetorius (1560 bis 1629), Samuel Scheidt (1587 bis 1654) - und natürlich muss das berühmte O Jesulein süß auch in dem Chorsatz von Johann Sebastian Bach zelebriert werden, auch wenn das zeitlich ein bisschen aus dem ansonsten gewählten Rahmen fällt. Sämtliche Werke werden a cappella vorgetragen. Der Kammerchor Opus Vocale, geleitet von Volker Hedtfeld, singt perfekt - blitzsauber, immer harmonisch, agil und stilsicher. Eine tolle Aufnahme, die Weihnachtsfreude verbreitet.
Zu den Streitpunkten gehörte auch das Musizieren in der Kirche. Die Entwicklung der (katholischen) Kirchenmusik missfiel selbst dem Klerus. So ließ am Karfreitag 1555 der frisch gewählte Papst Marcellus die Sänger seiner Cappella Sistina kommen, und rügte sie scharf, weil ihm die Musik zu festlich für einen Trauertag war. Er forderte von seinen Sängern zudem, sie sollen zukünftig die Musik so vortragen, dass auch ihr Text verständlich sei.
Einer der Sänger, Giovanni Pierluigi da Palestrina, nahm diesen Tadel zum Anlass, die Missa Papae Marcelli zu komponieren. Damit, so be- richtet die Legende, habe der Musiker im übrigen auch die Konzils- väter besänftigt und davon abgehalten, die Kirchenmusik strengen Regeln zu unterwerfen.
Martin Luther forderte, Kirchenmusik habe für jedermann verständ- lich zu sein - und schuf auch gleich beispielhafte neue Kirchenlieder und damit Modelle, denen seine Glaubensgenossen nacheiferten. Doch selbst dort, wo die Vokalmusik wieder komplex wurde - man denke etwa an Bach oder Schütz -, blieb ihr wichtigstes Ziel die Auslegung des jeweiligen Textes, eine Art erweiterte Predigt mit musikalischen Mitteln.
Musiker bewegten sich in jener Zeit oftmals zwischen Reformation und Gegenreformation. Als Lehrer wählten sie sich Vorbilder, die quasi überkonfessionell wirkten. Außerdem wechselten sie mit den Dienstherren häufig auch das Bekenntnis, für das es zu komponieren galt. Aus dieser Tatsache entstand das Konzept für die vorliegende CD: Das Berliner Ensemble Opus Vocale stellt Palestrinas Missa Papae Marcelli neben berühmte Chorsätze protestantischer Provenienz - und der Hörer wird erstaunt feststellen, dass die Differenzen in der Tat gar nicht so groß sind.
Es erklingen Werke von Johannes Eccard (1553 bis 1611), Leonhard Schröter (1532 bis 1601), Michael Praetorius (1571 bis 1621), Hieronymus Praetorius (1560 bis 1629), Samuel Scheidt (1587 bis 1654) - und natürlich muss das berühmte O Jesulein süß auch in dem Chorsatz von Johann Sebastian Bach zelebriert werden, auch wenn das zeitlich ein bisschen aus dem ansonsten gewählten Rahmen fällt. Sämtliche Werke werden a cappella vorgetragen. Der Kammerchor Opus Vocale, geleitet von Volker Hedtfeld, singt perfekt - blitzsauber, immer harmonisch, agil und stilsicher. Eine tolle Aufnahme, die Weihnachtsfreude verbreitet.
Sonntag, 5. Dezember 2010
Baroque Christmas in Hamburg (cpo)
Im 17. Jahrhundert war Hamburg eine Musikmetropole von europä- ischem Rang. In der reichen Han- sestadt wirkten zahlreiche bedeu- tende Musiker der unterschiedlich- sten Provenienz, und sie bescher- ten dem "norddeutschen" Barock einen Farben- und Formenreich- tum, der seinesgleichen sucht.
Aus dem reichen Fundus der Organisten- und Kantorenmusik der damaligen Zeit schöpft das Bremer Barock Consort, ein Ensemble von Studierenden und Absolventen derHochschule für Künste Bremen unter Leitung von Manfred Cordes. Musiziert wird sehr achtbar und solide. So erklingen auf dieser CD Werke des Organisten Hieronymus Praetorius und seines Sohnes Jacob Praetorius, der ebenfalls in Hamburg als Organist wirkte. Er war wie Heinrich Scheidemann und Samuel Scheidt, von denen gleichfalls Werke auf dieser CD vorgestellt werden, ein Schüler des Amsterdamer "Organistenmachers" Jan Pieterszon Sweelinck. Stadtkantor Thomas Selle ist mit zwei Werken vertreten; auch sein Nachfolger Christoph Bernhard und Johann Philipp Förtsch, der als Kantoreisänger nach Hamburg kam, aber eigentlich Arzt war, werden mit prachtvollen Werken einbezogen. Auch Matthias Weckmann ist zu hören; allerdings will mich die Zuschreibung der Toccata primi toni an Bernhard nicht recht überzeugen - dieses Werk klingt gar zu typisch nach Weckmann. Die CD endet mit Christoph Bernhards Kantate Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren - eine hochkomplexe Vertonung des Nunc dimittis, die an Schütz denken lässt.
Auffällig ist, dass all diese Werke auf Pauken und Trompeten ver- zichten. Möglicherweise ist dies auf die traditionelle Zurückhaltung des Bürgertums der Hansestadt zurückzuführen, das seinen Reichtum fleißig mehrte, aber eher nicht zeigte.
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