Das Ensemble Baschenis stellt auf dieser CD Werke von zwei Virtuosen vor, die Musik für Mandoline komponiert haben. Die Manuskripte, auf denen diese Aufnahmen beruhen, stellte die Gesellschaft der Musik- freunde in Wien zur Verfügung.
Giovanni Hoffmann gehörte offensichtlich in Wien am Ende des 18. Jahrhunderts zu den besten Mandolinisten. Es wird vermutet, dass er eigentlich Johann Hoffmann hieß; ansonsten ist über seinen Lebensweg reinweg gar nichts bekannt. Auf dieser Doppel-CD erklingen vier Divertimenti für Mandoline, Violine und Basso continuo, die er geschaffen hat.
Giovanni Francesco Giuliani (1760 bis 1818) war ein Schüler von Pietro Nardini. Er war Geiger, Harfenist, Cembalist und Gesangslehrer, und wirkte in Florenz. Das Ensemble Baschenis hat für dieses Musikprojekt sechs Quartette ausgewählt, die mit Mandoline, Violine, Violoncello und Theorbe besetzt sind.
Zu hören sind dabei jeweils zwei lombardische Mandolas und zwei neapolitanische Mandolinen, virtuos gespielt von Marco Luca Capucci. In die Geigenparts teilen sich Ruggero Fededegni und Enrico Groppo. Alessandra Milesi spielt das Violoncello, Giorgio Ferraris die Theorbe.
Und man muss sagen, Giulianis Quartette sind wirklich ausgesprochen reizvoll; in diesen Stücken sind Violine und Mandoline Komplizen – und ihr gemeinsames Anliegen, die Hörer gut zu unterhalten, verwirklichen sie bravourös.
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Montag, 20. November 2017
Samstag, 4. August 2012
Bottesini: Works for double-bass and piano (Concerto)
Giovanni Paolo Bottesini (1821 bis 1889), der wohl größte Virtuose aller Zeiten am Kontrabass, kam durch einen Zufall an dieses Instrument: Als er, noch nicht ein- mal 14 Jahre alt, ein Geigenstu- dium am Mailänder Konservato- rium beginnen wollte, benötigte Bottesini ein Stipendium. Eine solche Finanzhilfe gab es 1835 aber nur in den Fächern Fagott und Kontrabass. Also spielte Bottesini nach einer Vorbereitungszeit von wenigen Wochen auf dem Kontra- bass vor - und erhielt einen Platz in der Klasse von Luigi Rossi.
Die Anekdote, wie der angehende Student sich in der Aufnahmeprü- fung für seine Intonationsmängel entschuldigt haben soll, wird unter Musikern noch heute gern erzählt. Der Junge sprach zur Jury: "Sento o Signori, di stonare, ma quando saprò dove posare le dita, allora non stonerò più!" Doch er lernte sehr schnell. Jahre später urteilte der Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick, der bekanntlich kein Freund italienischer Musik war: "Ein widerspenstigeres Material für die Bravour kann es aber kaum geben, als den Contrabass, und einen vollkommeneren Bändiger desselben auch nicht, als Bottesini. Glaubt jemand, das Staunen über technische Virtuosität verlernt zu haben, bei Bottesinis Production wird er es wieder lernen."
Wer die Werke des Kontrabass-Virtuosen spielen will, der sollte freilich schon ziemlich präzise wissen, wohin er seine Finger setzen muss - und nicht nur schöne Töne, sondern auch einige Geschwindig- keit entwickeln. Denn hier sind wirklich alle Raffinessen gefragt, um das große Instrument zum Singen zu bringen, von sonorer Tiefe bis hin zu fast unwirklichen Flageolettklängen.
Francesco Siragusa, erster Solo-Kontrabassist an der Mailänder Scala, gelingt das exzellent. Seinem Spiel zuzuhören, ist rundum ein Ver- gnügen. Da sitzt jeder einzelne Ton, und jede Phrase ist so perfekt gestaltet, wie man es sich nur wünschen kann. Roberto Paruzzo am Klavier sekundiert dem Solisten dabei; und man spürt, dass hier ein eingespieltes Team am Werke ist, das sich bestens abgestimmt hat. Bravi!
Die Anekdote, wie der angehende Student sich in der Aufnahmeprü- fung für seine Intonationsmängel entschuldigt haben soll, wird unter Musikern noch heute gern erzählt. Der Junge sprach zur Jury: "Sento o Signori, di stonare, ma quando saprò dove posare le dita, allora non stonerò più!" Doch er lernte sehr schnell. Jahre später urteilte der Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick, der bekanntlich kein Freund italienischer Musik war: "Ein widerspenstigeres Material für die Bravour kann es aber kaum geben, als den Contrabass, und einen vollkommeneren Bändiger desselben auch nicht, als Bottesini. Glaubt jemand, das Staunen über technische Virtuosität verlernt zu haben, bei Bottesinis Production wird er es wieder lernen."
Wer die Werke des Kontrabass-Virtuosen spielen will, der sollte freilich schon ziemlich präzise wissen, wohin er seine Finger setzen muss - und nicht nur schöne Töne, sondern auch einige Geschwindig- keit entwickeln. Denn hier sind wirklich alle Raffinessen gefragt, um das große Instrument zum Singen zu bringen, von sonorer Tiefe bis hin zu fast unwirklichen Flageolettklängen.
Francesco Siragusa, erster Solo-Kontrabassist an der Mailänder Scala, gelingt das exzellent. Seinem Spiel zuzuhören, ist rundum ein Ver- gnügen. Da sitzt jeder einzelne Ton, und jede Phrase ist so perfekt gestaltet, wie man es sich nur wünschen kann. Roberto Paruzzo am Klavier sekundiert dem Solisten dabei; und man spürt, dass hier ein eingespieltes Team am Werke ist, das sich bestens abgestimmt hat. Bravi!
Sonntag, 5. Februar 2012
Platti: Sonatas for harpsichord (Concerto)
Giovanni Benedetto Platti (1697 bis 1763) stammte aus Padua. Seine musikalische Ausbildung erhielt er in Italien. 1722 trat er als Oboenvirtuose in den Dienst der Fürstbischöfe von Würzburg, wo er auch als Sänger, Gesangslehrer und Violinist wirkte. Einige seiner Wer- ke wurden zu Lebzeiten veröffent- licht, andere sind nur als Hand- schriften überliefert, und von etlichen sind auch nur noch Titel bekannt.
Filippo Emanuele Ravizza hat für Concerto auf vier CD die Cembalo- sonaten Plattis eingespielt. Sie erscheinen hier von 1 bis 18 durch- nummeriert, und folgen weitgehend einer Edition, die Fausto Torrefranco 1963 bei Ricordi unter dem Titel Giovanni Benedetto Platti e la Sonata moderna vorgelegt hat.
Wer es nicht weiß, der wird staunen. Denn diese Cembalosonaten, die geradezu exemplarisch die technischen Möglichkeiten des Instru- ments vorführen und ausreizen, sind in einer Zeit entstanden, da das Hammerklavier schon erfunden war - und Platti war damit auch bestens vertraut. Vielleicht gelingen ihm aber gerade deshalb diese Sonaten, die man sich auf einem Klavier vorgetragen schlicht nicht vorstellen kann. So setzt Platti im Umgang mit dem Cembalo auf die Tatsache, dass es sich dabei um ein Zupfinstrument handelt, und auf die Klangfarben, die sich damit erzielen lassen. Auch spielte er jene Modelle durch, die für die Sonate seinerzeit erprobt wurden, vom strengen Kontrapunkt bis hin zu Strukturen, die man eher von der Frühklassik erwarten würde. Torrefranco ließ sich sogar dazu hinreißen, Plattis musikalische Ausdrucksweise mit dem Ausdruck "rhythmischer Impressionismus" zu preisen.
Wir halten uns mit solchen Zuschreibungen zurück, und erfreuen uns an vier langen CD mit faszinierender, teilweise sogar raffinierter Cembalomusik, ausdrucksstark vorgetragen von einem exzellenten Musiker. Ravizza hat bereits mehrfach Werke vergessener Komponi- sten eingespielt - die Wiederentdeckung Plattis muss man ihm danken, zumal solche Aufnahmen deutlich machen, dass der Weg von Bach zu Haydn keineswegs durch die Genies im Sprung, sondern durch zahlreiche Musiker und in vielen kleinen Schritten absolviert worden ist.
Filippo Emanuele Ravizza hat für Concerto auf vier CD die Cembalo- sonaten Plattis eingespielt. Sie erscheinen hier von 1 bis 18 durch- nummeriert, und folgen weitgehend einer Edition, die Fausto Torrefranco 1963 bei Ricordi unter dem Titel Giovanni Benedetto Platti e la Sonata moderna vorgelegt hat.
Wer es nicht weiß, der wird staunen. Denn diese Cembalosonaten, die geradezu exemplarisch die technischen Möglichkeiten des Instru- ments vorführen und ausreizen, sind in einer Zeit entstanden, da das Hammerklavier schon erfunden war - und Platti war damit auch bestens vertraut. Vielleicht gelingen ihm aber gerade deshalb diese Sonaten, die man sich auf einem Klavier vorgetragen schlicht nicht vorstellen kann. So setzt Platti im Umgang mit dem Cembalo auf die Tatsache, dass es sich dabei um ein Zupfinstrument handelt, und auf die Klangfarben, die sich damit erzielen lassen. Auch spielte er jene Modelle durch, die für die Sonate seinerzeit erprobt wurden, vom strengen Kontrapunkt bis hin zu Strukturen, die man eher von der Frühklassik erwarten würde. Torrefranco ließ sich sogar dazu hinreißen, Plattis musikalische Ausdrucksweise mit dem Ausdruck "rhythmischer Impressionismus" zu preisen.
Wir halten uns mit solchen Zuschreibungen zurück, und erfreuen uns an vier langen CD mit faszinierender, teilweise sogar raffinierter Cembalomusik, ausdrucksstark vorgetragen von einem exzellenten Musiker. Ravizza hat bereits mehrfach Werke vergessener Komponi- sten eingespielt - die Wiederentdeckung Plattis muss man ihm danken, zumal solche Aufnahmen deutlich machen, dass der Weg von Bach zu Haydn keineswegs durch die Genies im Sprung, sondern durch zahlreiche Musiker und in vielen kleinen Schritten absolviert worden ist.
Sonntag, 5. Dezember 2010
Mozart: Duets for violin & viola, Divertimento (Concerto)
Die Sage berichtet, der jüngere Bruder von Franz Joseph Haydn, Johann Michael Haydn, war Hofmusicus und Concertmeister beim Erzbischof Sigismund von Schrattenbach in Salzburg, und habe für seinen Dienstherrn, der gut und gern Geige spielte, Sonaten liefern sollen. Das Minimum, das erwartet wurde, seien sechs Stück gewesen. Doch im Verzeichnis der Werke Haydns finden sich für das Jahr 1783 nur vier Stück - wo also sind die anderen beiden?
Die Legende besagt, es handele sich dabei um die beiden Duette für Violine und Viola KV 423 und 424 von Wolfgang Amadeus Mozart. Er habe sie 1783 für den älteren Freund geschrieben, der wohl gern und oft gefeiert haben soll. -- Ob dies Dichtung oder Wahrheit ist, werden wir nicht mehr herausfinden. Aber Francesco Manara, Violine, und Simonide Braconi, Viola, zeigen, welch spannende Musik diese beiden Duosonaten sind. Beim letzten Werk werden sie durch den Cellisten Massimo Polidori komplettiert, der ebenfalls zu den Solisten der Mailänder Scala gehört. Denn die CD wird ergänzt durch das Diverti- mento in Es-Dur KV 563 für Streichtrio, das Mozart im September 1788 vollendete. Dieses Divertimento ist weit mehr als Unterhal- tungsmusik; hinter der formal konventionellen Fassade greift Mozart zur vollen Palette seiner gestalterischen Möglichkeiten, und die scheinbar schlichten Melodien führen in eine schwindelerregende Tiefe. Dieses Werk, das musikalisch das Format seiner besten späten Streichquartette hat, ist ebenso wie die beiden Duette in Mozarts Schaffen ein Solitär geblieben.
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