Samstag, 3. März 2012

Die Orgel der Prinzessin Anna Amalia von Preußen (Crystal Classics)

Anna Amalia von Preußen (1723 bis 1787) war die jüngste Schwester Friedrichs des Großen. Sie heiratete nie; der König machte sie 1756 zur Äbtissin des Stifts Quedlinburg. Ebenso wie ihr Bruder interessierte sie sich für Musik; Amélie, wie sie eigentlich genannt wurde, begann jedoch erst nach dem Tode ihres Vaters, des Soldatenkönigs, das Clavierspiel zu erlernen. Später nahm sie auch Unterricht im Fach Komposition, und spielte Flöte, Geige, Laute und Orgel. Ihr Kapellmeister und Musiklehrer war Johann Philipp Kirn- berger. 
Eigens für die Prinzessin wurde durch Johann Peter Migendt und Ernst Julius Marx im Berliner Stadtschloss 1755 eine Orgel errichtet. Bei ihrem Umzug ins Palais Unter den Linden ließ Anna Amalia dieses Instrument umsetzen, und 1776 erwarb sie bei dem Orgelbauer ein weiteres Instrument für ihr Sommerquartier, das Venezobresche Palais. Letzteres ist verloren; doch die "Amalien-Orgel" kam nach dem Tode der Prinzessin in die Schlosskirche nach Wendisch-Buch bei Berlin. 1936 wurde sie dort ausgebaut, weil sie in eine andere Kirche gebracht werden sollte. Dazu kam es dann nicht mehr, sie blieb ein- gelagert - glücklicherweise, denn sonst wäre sie wie die Gotteshäuser durch Bomben zerstört worden. 
Nach dem Krieg fand die Amalien-Orgel in Berlin-Karlshorst ihren Platz. Dort war Roland Münch Organist, und er hat in den 80er Jahren auch die vorliegende CD eingespielt. Für dieses Orgelporträt hat der Kirchenmusikdirektor Werke von Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann Bach, Kirnberger sowie drei weniger bekannten Berliner Organisten ausgewählt. Daran zeigt er exemplarisch die Klangmöglichkeiten des Instrumentes auf. 

Benda: Violin Sonatas (Glossa)

"Er bildete sich wie alle großen Genies selber", rühmte Christian Friedrich Daniel Schubart den Musiker Franz Benda (1709 bis 1786). "Der Ton, den er aus seiner Geige zog, war der Nachhall einer Silberglocke. Seine Harpeggi sind neu, stark, voll Kraft; die Applica- turen tief studiert und sein Vor- trag ganz der Natur der Geige an- gemessen. Er spielte zwar nicht so geflügelt, wie es jetzt unsere raschen Zeitgenossen verlangen; aber desto saftiger, tiefer, einschneidender. Im Adagio hat er bey- nahe das Maximum erreicht: er schöpfte aus dem Herzen - und drang in die Herzen, und man hat mehr als einmahl Leute weinen sehen, wenn Benda ein Adagio spielte."
Benda komponierte überwiegend für sein Instrument, die Violine. Überliefert sind unter anderem etwa 150 Sonaten, nicht zuletzt des- halb, weil sie von seinen Schülern und Kollegen immer wieder abge- schrieben wurden. In der Staatsbibliothek zu Berlin befindet sich unter anderem jene Sammlung, aus der die Werke stammen, die auf der vorliegenden CD zu hören sind. Sie ist eine ganz besondere Kostbarkeit - denn sie enthält 34 Sonaten Bendas mit ausnotierten Verzierungen, die auf separaten Notensystemen ergänzt worden sind. Der heutige Hörer wird staunen, was man damals alles als "Verzie- rung" ansah - und wie weit die Musiker seinerzeit von der "originalen", notierten Version abgewichen sind. 
Das macht diese Einspielung der Schola Cantorum Basiliensis spannend. Und Geigerin Laila Schayegh, Felix Knecht am Violoncello sowie der versierte Cembalist Václav Luks - allesamt ausgewiesene Experten für "Alte" Musik - sorgen dafür, dass aus diesen Noten-Skizzen wieder Musik wird, die so hinreißend klingt, wie dies von Bendas Zeitgenossen berichtet worden ist. Bravi!